Ex-THQ-Präsident Jason Rubin scheint eine leise Vorahnung zu haben. Jene, dass sich Metro: Last Light trotz all der positiven Kritiken und der beeindruckenden Grafik genau wie sein Vorgänger Metro 2033 zu einem kommerziellen Flop entwickeln wird. Metro 2033 konnte lediglich 670.000 Einheiten absetzen.

Selbst der EA-Flop Medal of Honor: Warfighter konnte mit 2 Millionen Einheiten mehr verkaufen. Zugegeben, hier erschien das Spiel auch für die PS3, die einen Bärenanteil an den Gesamtverkäufen trägt. Metro 2033 erschien lediglich für den PC und die Xbox 360. Diesen Fehler hat man bei Metro: Last Light bereits ausgebügelt. Doch Rubin befürchtet, dass dies nicht ausreichen wird, und verfasste kurzerhand einen Bericht über die Widrigkeiten, mit denen Entwickler 4A in Kiew in der Ukraine zu kämpfen hatte.

Metro: Last Light - Ex-THQ-Präsident Jason Rubin spricht über die unwirtlichen Bedingungen, unter denen Metro:Last Light entstand

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Hier steckt noch wahrhaft Herzblut drin.
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Wie sehr ihn seine Ahnung beschäftigt, zeigt sich schon darin, dass Rubin bereits davon spricht, dass Creative Director Andrew Prokhorov, Dean Sharpe und der Rest des Teams bei 4A wahrscheinlich nicht die Anerkennung für Metro: Last Light erhalten werden, die sie eigentlich verdienen.

Ungleich der PR in der Film- und der Musikwelt würde die Spieleindustrie nur selten auch die Hintergründe zu den Spielen liefern. Zusammen mit der Anonymität (und wohl auch Unbekanntheit) der Entwickler sowie einem neuen Publisher (Deep Silver, der sich die Rechte an Metro: Last Light vom insolventen Publisher THQ erkauft hat), der nicht in der Lage sei, die Vorteile zu erkennen, die sich aus der Werbearbeit für seine Teams ergeben, sei das Schicksal von Metro: Last Light so gut wie besiegelt. Doch Rubin wolle das mit seinem Bericht verhindern.

Es sei überhaupt erstaunlich, dass Metro: Last Light überhaupt entstehen konnte, und umso erstaunlicher, dass es auch noch so ein gutes Spiel geworden sei. Denn 4A spielte zu keiner Zeit in derselben Liga wie die großen Entwickler. Das gesamte Budget für Metro: Last Light sei niedriger gewesen als manch Budget, das andere Entwickler allein für ihre Zwischensequenzen ausgeben würden.

Gerade mal zehn Prozent von dem, was andere für ihre Spiele ausgeben können. Auch das Team habe weniger Mitglieder, als andere Entwickler allein für ihren Technikbereich beschäftigen würden. Rubin findet sogar, dass das ganze Team von 4A durchaus in den Trainingsraum im L.A.-Büro von EA hineinpassen könne.

Während das Team, das Bioshock Infinite entwickelte, sicherlich jeden Wunsch erfüllt bekam und alles erhielt, das es benötigte, um das Spiel zu entwickeln, saß das Team von 4A auf aufklappbaren Hochzeitssesseln, buchstäblich Ellbogen an Ellbogen, eingepfercht auf engstem Raum. Da der Winter in Kiew wirklich hart sein kann, dieses Jahr blieb er sogar hartnäckig bis in den März hinein, und die zentrale Heizversorgung durchaus öfters im Jahr zusammenbricht, mussten die Mitarbeiter mehr als einmal in ihren dicken Winterjacken sitzend arbeiten. Und auch das ging nur, wenn sie nicht wegen der Schneefälle zu Hause festsaßen.

Auch was technische Ausrüstung betraf, war das Team im Nachteil. Benötigte es ein Dev-Kit oder einen High-End-PC, so musste das aus den Staaten besorgt und über die Grenze geschmuggelt werden, da man bei Kontrollen gern einfach von Beamten bestohlen wurde. Das nannten die dann wohl einfach Konfiszierung. Nach einem Besuch wollte Rubin dem Team Aeron-Bürostühle kaufen, damit sie es gemütlich hätten.

Solche Bürostühle kosten mindestens knapp 700 Dollar das Stück. Doch es gab zu viele Probleme. Zuerst einmal gab es keine Möglichkeit, in der Ukraine an solche Stühle zu kommen. Die hätte man aus Polen besorgen müssen. Und dann wäre da noch das Platzproblem, denn die Stühle hätten mehr Raum als die Klappstühle benötigt und das Team saß bereits so eng beieinander, dass keine Möglichkeit bestand, da noch Aeron-Bürostühle unterzubringen.

Rubin vergleicht das Wissen um die Hintergrundgeschichte bei der Entstehung von Spielen mit dem Wissen, dass Pele, der zweifelsohne einer der besten Fußballer der Welt war, das Fußballspielen barfuß erlernte, und das den Respekt für seine Leistungen um einiges steigen lässt. Die Geschichte von Basketballspieler Jeremy Lin sei auch umso spektakulärer, wenn man bedenke, dass er nach dem High-School kein Stipendium erhielt, nicht gedraftet wurde und vor seinem Erfolg nur selten spielen durfte.

Das Team von 4A vergleicht er zudem mit der jamaikanischen Bobmannschaft, die 1988 an den Olympischen Winterspielen teilnahm und über die Disney mit Cool Runnings einen Film drehte. Genauso sehe er 4A als Underdog, der mit viel Ehrgeiz ein außergewöhnliches Spiel geschaffen hat.

Es sei mehr als erstaunlich, was 4A angesichts der Widrigkeiten geschaffen habe, und Rubin kann sich kaum ausmalen, wozu das Team noch in der Lage gewesen wäre, hätte es ein höheres Budget und weniger unmögliche Anforderungen erhalten und hätte es sich nicht auch noch mit einem Publisher-Wechsel herumplagen müssen.

Scheint also fast so, als hätte hier nicht nur ein Ex-CEO sehr viel Herzblut vergossen, um das Bestmögliche aus dem Spiel zu holen. Das findet auch Ned im Metro-Last-Light-Test.

In einer Sache, muss Rubin allerdings einräumen, erhält 4A mehr Anerkennung, als das Team tatsächlich verdiene. Und das wäre die Kreativität hinter den dunklen, postapokalyptischen Umgebungen, die es geschaffen hat. Jason Rubin habe das Team bereits in Kiew besucht und von daher kann er sagen, dass sie für ihre Inspiration nichts weiter tun mussten, als vor die Tür zu treten.

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