Ich habe schon darüber geredet, wie schön Metro Exodus ist. Auf der gamescom 2018 konnten nun meine Kollegen von GIGA und spieletipps ihre klammen Hände an den Xbox-One-Controller legen, und einen neuen Story-Schnipsel aus Metro Exodus spielen. Fazit: Mutanten-Kaninchen sind niedlicher, als gedacht.

Dunkel, verseucht und creepy – der gamescom-Trailer zeigt einige Szenen, die wir anspielen durften. Und anderes, das eher beunruhigend ist:

Metro Exodus - Gamescom 2018 - Trailer2 weitere Videos

Meeeeetrooo Exooooodus … sss, hallt es nicht mehr durch die Tunnel, sondern durch die halb offene Welt von Metro Exodus, das nun gemeinsam mit Artjom und seinen Freunden an die Oberfläche gekrochen ist. Russland ist in der Postapokalypse ein vertrocknetes, kaputtes Land; gespickt mit von Moos überwachsenen Lenin-Statuen, rostigen Blech-Buden und toten Städten, deren Ruinen geisterhaft am Horizon ruhen.

Als die Tiere den Wald verließen

Die Natur holt sich alles zurück, was wir verändert haben. Unsere Straßen, Häuser und Fahrzeuge; alles, was uns im Moment ausmacht, sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Etwas, das Protagonist Artjom in Metro 2033 und Metro Last Light, als er noch durch die menschengemachten U-Bahn-Tunnel kroch, kaum sehen konnte: An der Oberfläche angekommen, wird die Verwüstung offensichtlicher; eine Ästhetik des Kaputten und Verfallenen erstreckt sich über die Maps in Metro Exodus: Es ist beeindruckend, wie viel Entwickler 4A noch aus der etwas älteren, hauseigenen Grafikengine herausholen konnten – die hat immerhin schon Metro 2033, den ersten Teil der Videospielreihe, visualisiert. Und Metro Exodus ist, ohne zu übertreiben, wunderschön.

Metro Exodus in der Vorschau: Hübsch, oder?

Und lebendig. Neben den Tiere, die Artjom angreifen, können auch kleine, niedliche Mutanten-Häschen friedlich über den Weg hoppeln und in ihrem Bau verschwinden. Metro Exodus ist keine Welt, in der alles erschossen werden muss. Es ist vielmehr ein Versuch, die Postapokalypse realistisch darzustellen. Dementsprechend sind die Maps sind weitläufig und linear gleichzeitig: Während die Story einzelne Punkte linear vorgibt, ist der Weg, wie ihr zu diesen gelangt, immer eure eigene Entscheidung. Krabbelt ihr durch klaustrophobische Höhlen, um zum Ziel zu gelangen? Holt ihr euch ein Boot und fahrt über den Fluss? Oder erkundet ihr die gesamte Karte, denn scheiß’ drauf – ihr wollte ohnehin alles sehen?

Gut ist, dass es sich – zumindest in den Passagen, die wir spielen durften – tatsächlich immer lohnt, die Welt zu erkunden. Es gibt Munition, die euch selten genug über den Weg läuft und immer eingesammelt werden sollte. Aber auch leerstehende Gebäude, Blech-Buden und ganze Schulen, gespickt mit der ein oder anderen Nebenquest; vielleicht mit dem ein oder anderen optionalen Charakter oder Textstück, die ihr abrabbeln könnt. Aber nie so viel, dass es tatsächlich bewohnt wirkt, nie genug, um eine zivilisierte Gesellschaft anzudeuten.

Packshot zu Metro ExodusMetro ExodusRelease: PC, PS4, Xbox One: 22.2.2019 kaufen: Jetzt kaufen:

Denn dieses Land ist kaputt, einzig angefüllt mit Erinnerungen an das, was einmal war – und Tieren. Mutierten Tieren, um genau zu sein, die bestialisch aus dem Dickicht hervor springen und euch angreifen, aber auch verängstigt in den Büschen hocken oder in riesigen Herden an euch vorbei galoppieren.

Es gab einen Moment in der gamescom-Demo, in dem meine Kollegen von einer großen Herde Hirsche überrascht wurden; mitten in einem Waldgebiet: Die Boden bebte, ein Grollen flüsterte durch das Rascheln der Blätter und die Mutanten-Hirsche trampelten Artjom beinahe nieder, sodass er auf eine Art Jägerhochstand ausweichen musste, das glücklicherweise in der Nähe hing.

Metro Exodus zeigt eine realistische Postapokalypse – mit niedlichen Mutanten-Häschen.Ausblick lesen

Und wo es Jägerhütten gibt, sind sicherlich auch …

Grusel-Kirchen

Als die Menschen in den Wald zogen

In Metro Exodus wimmelt es an jeder Ecke vor interessanten Details, aber auch Menschengruppen, die ein Haus oder ein Gebiet besetzt haben. Deren Willkommensgruß ist zumeist ein freundliches Zuerst schießen, dann reden!, falls sie überhaupt reden wollen. Auch hier: Nicht alle dieser Begegnungen sind zwingend; ein versuchtes Kidnapping in der Demo jedoch schon:

Ausgerechnet eine simple Netzfalle ist es, die Artjom schließlich den Boden unter den Füßen wegzieht; nach den Hirschen und einem Angriff durch mutierte Wölfe. Während unser Protagonist also hilflos über dem Boden hängt, beobachten wir Banditen, die sich uns nähern – sicherlich die Fallensteller – und die plötzlich anfangen, sich um ihre Beute zu streiten. Um Artjom.

Die ganze Szene nimmt eine recht humorvolle, aber auch blutige Wendung, als ein riesiger Mutanten-Bär die Banditen wie aus dem Nichts heraus angreift – und allesamt besiegt. Meine Kollegen fühlten sich ein wenig an die Drei-Trolle-wollen-den-Hobbit-essen-Situation erinnert; immerhin haben die Trolle sich hier auch unnötig viel Zeit gelassen.

Im Wald verbirgt sich jedoch noch mehr als mutierte Tiere und Banditen: Zwischen dem Dickicht entdecken wir eine Gruppe von Kämpfern, die Artjom von den Baumwipfeln und Jägerhochständen angreifen: Zum Glück haben wir eine der Hauptwaffen dabei, den Bogen, mit dem die Angreifer geräuschlos umgebracht werden können. Das Gameplay ist ein wenig behäbig; langsam, aber auch realistisch: Ein Gegner liegt nach ein bis zwei Schüssen, ebenso wie wir selbst das Zeitliche segnen, wenn wir mehr als zwei Treffer einstecken.

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Metro Exodus ist trotz der offenen Level-Maps ein story-fokussierter Shooter, der euch linear durch eine Geschichte leitet, die in jenen Abschnitten, die wir spielen durften, mitreißend und emotional erzählt wurde. Was im Übrigen kein Wunder ist, denn Dmitri Gluchowski – der Autor der Buchreihe – lässt seine Schreibfeder über die Dialoge und die Story schweifen. Gemeinsam mit dem Fokus auf den Realismus einer solchen Welt sowie die vielen Details, ist Metro Exodus ein Spiel, auf das wir gespannt sein können.