Metro Exodus ist das neugeborene Kind eines Franchises, das weder mit Videospielen begann, noch dort enden soll. Wir durften den postapokalyptischen Action-Shooter anspielen und uns mit dem Schöpfer der Buchreihe unterhalten, Dmitry Glukhovsky.

Während der E3 gab's natrülich wieder einen neuen Trailer, der euch die Bewohner des postapokalyptischen Moskaus zeigt:

Metro Exodus - E3 2018 Gameplay-TrailerEin weiteres Video

Darum geht’s: Nach den letzten Büchern und Videospielen in der Metro-Saga verlasst ihr das klaustrophobische Tunnelgefüge der Metro und zieht in der Rolle von Artjom mit einer Gruppe von Stalker durch das atomar verseuchte Moskau – auf der langen Suche nach einem neuen Zuhause.

Einige unter euch sind mit dem Spiel Metro 2033 in das Franchise eingestiegen, einige mit dem Buch Metro 2033. Der ein oder anderen mag womöglich keinen der Vorgänger kennen und sich einzig auf dieses Action-Spektakel namens “Metro Exodus” freuen, und ja: Es wird jede Menge atomverseuchte Monster geben, jede Menge Waffen, die ihr bis ins kleinste Detail auseinandernehmen und wieder zusammenbauen könnt.

Aber Metro Exodus soll zudem, und vielleicht hauptsächlich, eine emotionale, menschliche Reise durch das postapokalyptische Moskau werden – an der Seite von Hauptcharakter Artjom und seiner Frau, Anna.

Metro Exodus in der Vorschau: Artjom, Anna und weitere Stalker durchstreifen mit der Lokomotive Aurora das zerstörte Moskau.

Mehrere Open-Worlds abseits der tiefschwarzen Metro-Tunnel

Seit der Ankündigung von Metro Exodus letztes Jahr wissen wir bereits, dass Artjoms Reise nun endgültig auf der Oberfläche stattfindet. Oberfläche, das heißt, wir werden durch ein offenes, wenig klaustrophobisches Terrain schwimmen, krabbeln und schleichen, weswegen Exodus allein deshalb neu ansetzen muss. Wie uns die Entwickler in ihrer Präsentation verraten haben, gibt es allerdings keine klassische offene Welt: Es wird weiterhin ein zu großen Teilen lineares, Story-getriebenes Spiel bleiben – mit einzelnen offenen Welten, die ihr pro Kapitel durchstreifen sollt.

Packshot zu Metro ExodusMetro ExodusRelease: PC, PS4, Xbox One: 22.2.2019 kaufen: Jetzt kaufen:

Eine “semi-offene” Welt, mehrere offene Welten – das sind die neuen Trends, wenn es darum geht, eine bisher lineare Spielreihe in die Weiten der Entscheidungsfreiheit zu führen. Metro: Exodus geht diesen Weg zumindest aus einem handfesten Grund, und ein Kapitel, das ich in London anspielen durften, fühlte sich tatsächlich gleichermaßen weit, kurzweilig, nicht zu nackt und erzählerisch erfrischend an.

Der Clou ist, dass ihr nicht allein sein werdet. Während ich das graue, tote Moskau aus der First-Person-Perspektive bewunderte, lief Artjoms Frau Anna voraus, lotste mich in die entsprechenden Richtungen und sorgt dafür, dass ich alle wichtigen Details zur Mission erfuhr. Solange ich in ihrer Nähe war.

Metro Exodus will nicht nur ein Shooter sein, sondern uns auch die Geschichte von Metro 2036 erzählen.Ausblick lesen

Euch bleibt allerdings immer die Möglichkeit, abseits der Wege zu spazieren und die zerbombten, dreckigen Häuser mit eurem voyeuristischen Auge zu erkunden. Auf einer dieser Wanderungen bin ich etwa durch ein halb zerstörtes Zugabteil geschlichen und konnte durch die Ruinen eines Hauses krabbeln; immer in Erwartung eines Zombies, der hinter der nächsten Ecke lauert. Dieserlei Räume sind oft derart zusammengefallen und dunkel, dass sie trotz allem ein paar Metro-Erinnerungen wecken; auch, wenn in dieser Version noch persönliche Objekte wie Zeitungen oder Briefe fehlten, die mehr über die Schicksale der verschwunden Bewohner verraten hätten.

So nah wie möglich am Geschehen

Metro Exodus will mehr sein, als ein typischer Survival-Shooter (alias Fallout-Klon)

Metro Exodus sieht gut aus, mit seinen nativen 4K auf der Xbox One X; es ist vollgestopft mit Action-, Schleich- und Horror-Passagen, lässt euch detailliert craften, anstatt nur neue Waffen kaufen und konzentriert sich insbesondere auf die Immersion in die dunkelgraue Postapokalypse. Heißt, Exodus ist vornehmlich auf die First-Person-Perspektive fokussiert, verbindet Crafting mit bestimmten, dafür konzipierten Tischen und vollführt eine eigene Rucksack-absetzen-und-öffnen-Animation, wenn ihr ins Inventar geht.

Während der erste Eindruck für ein solides, aber nicht unbedingt originelles Survival-Spiel spricht, sind es die NPCs, die Story und eure Entscheidungen, die den Titel von der postapokalyptischen Rückbank in die erste Reihe holen sollen. Ich selbst konnte nicht all diese Punkte in den zwei bis drei Stunden Anspielen auf Herz und Nieren prüfen, doch eines steht fest: Autor und Schöpfer der Metro-Saga, Dmitry Glukhovsky, steht als Ideengeber und Schreiber hinter den Figuren, ähnlich wie bereits in Metro: Last Light:

Dmitry Glukhovsky im Interview mit Marina von gamona

Dieses Spiel ist anders als die vorherigen Teile, in denen der Fokus klar auf einem Spieler lag. Du erlebst diese Reise gemeinsam mit einer Gruppe von Menschen. Jeder von ihnen hat eine reale Persönlichkeit, sie haben ihre Hoffnungen und Träume und Ängste und Ideale und Ziele. Es sind nicht nur NPCs, die irgendwo stehen und dir Tipps geben, wo du einen Gegenstand findest – weit davon entfernt. Sie werden plaudern, dir Dinge anbieten und dir ihre Geschichte erzählen.

Glukhovsky, der Metro 2033, Metro 2034 und Metro 2035 geschrieben hat, sowie aktiv an Metro: Last Light mitarbeitete, war von Beginn an in die Entwicklung von Exodus involviert. Während ihr also durchaus auf niedere NPCs der Marke “Missionsziel” oder “Gegner” treffen werdet, soll die Story insbesondere von dieser Gruppe Menschen getragen werden; Stalkern und anderen Persönlichkeiten aus dem Metro-Universum, allen voran eure Frau Anna.

In meiner Verantwortung stand besonders Artjoms persönliches Leben, seine Beziehungen zu seiner Frau und zu seinem Stiefvater. Für mich ist das ein essentieller Teil des Gameplays, ebenso, wie es die Hintergrundgeschichten der einzelnen Charaktere in den letzten Teilen waren. Es macht alles realistischer.

Wie lebendig die Welt von Metro Exodus am Ende tatsächlich ist, entscheidet auch über die Qualität des fertigen Spiels.

Über die Storyline von Metro Exodus hinweg werdet ihr Entscheidungen fällen, die den Verlauf bestimmen sollen – in welchem Ausmaß das geschieht, sei dahingestellt. Kämpft ihr gegen menschliche NPCs, und das werdet ihr, könnt ihr zumeist entscheiden, ob ihr sie tötet oder nur ausknockt, was relevant für den Fortlauf der Geschichte sein wird. Schließlich sollen sich die Beziehungen zu euren Kameraden auch entwickeln und verändern; inwieweit das selbstbestimmt oder Story-bestimmt vonstatten geht, bleibt jedoch offen.

Metro Exodus will euch in ein halboffenes, von Ruinen und versteckten Durchgängen gespicktes Moskau werfen, voll mit NPCs, ihren Geschichten und einer weiterhin linearen Story, die sich über ein inGame-Jahr ziehen soll: 2036. Kein Wunder, denn Metro Exodus ist die Fortsetzung einer Buchreihe, die bereits ihr Ende gefunden hat.

Dieses Spiel ist alles an Metro 2036, was ihr in nächster Zeit sehen werdet

Es wird kein Buch namens “Metro 2036” geben. Wie Dmitry Glukhovsky bereits mehrmals bestätigt hat, ist Artjoms geschriebene Reise durch die U-Bahn-Tunnel in seinem letzten Band Metro 2035 zum Ende gekommen. Was einer Fortsetzung am nächsten kommt, ist Metro Exodus:

Nein, es wird keine Bücher mehr geben. Die Buchreihe ist vorbei. Ich habe zwar Ideen, wohin die Reise noch gehen kann, doch diese werden dann Teil einer Fernsehserie oder weiterer Spiele sein, falls diese kommen sollten. Ich weiß, wohin ich den Spieler oder Leser noch führen könnte.

Ihr möchtet nicht bis 2019 auf das nächste gute Spiel warten? Dann seht euch die Releases im Juni 2018 an:

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Ein Vorteil daran ist sicherlich Glukhovskys Mitarbeit an Metro Exodus und den Ideen, die über seine geschriebenen Dialoge und Hintergrundgeschichten in das Spiel geflochten werden. Sollte er es gemeinsam mit 4A Games schaffen, nicht nur unsere Unterhaltungslust zu befriedigen, sondern uns ebenso auf eine emotionale Reise mitzunehmen, wird Metro Exodus zumindest aus dem alteingesessenen Genre ausbrechen können.