Warum haben wir eigentlich Angst vor der Dunkelheit? Weshalb fürchten wir uns vor dem, das wir gar nicht sehen und vielleicht nur hören können? Gewiss liegen die Erklärungen dafür in der frühesten Menschheitsgeschichte. Ich würde mich aber auch nicht wundern, wenn Spiele wie Metro 2033 dafür verantwortlich sind, wenn zeitgenössische Humanoide sich nur noch bewaffnet in die Finsternis wagen.

Oder besser gesagt in die U-Bahn, denn die Moskauer Untergrundbahn nimmt mit ihrem dystopischen Schreckensszenario eine zentrale Bedeutung ein in diesem Shooter ukrainischer Produktion.

In Metro 2033 erleben wir die postapokalyptische Überlebensgeschichte eines gewissen Artjom, der in einer fiktiven Zukunft ein Moskau erlebt, das durch einen nuklearen Konflikt nahezu vollständig zerstört wurde. Nur die U-Bahn-Stationen und einige Tunnels sind intakt geblieben und dienen der verbliebenen Bevölkerung als Rückzugspunkte, die sie vor der radioaktiven Strahlung und der verpesteten Luft einigermaßen schützen. Doch in der Düsternis lauern sowohl allerhand greifbare Gefahren als auch übersinnliche Mächte, die in die teils undurchsichtige Story involviert sind.

Metro 2033 - Auferstanden aus Ruinen: Trailer zum Endzeit-Shooter4 weitere Videos

Ausgedacht hat sich diese Story der russische Autor Dmitri Alexejewitsch Gluchowski, auf dessen Buch das Spiel basiert. Den groben Rahmen des Actionspiels versteht ihr jedoch, ohne den Wälzer gelesen zu haben. Leider bleibt zumindest im Spiel vieles vage, die Erzählung schreitet nur schleppend voran oder springt plötzlich ohne große Erklärungen.

Tolle Horror-Atmosphäre

Dieser Verständnis-störende Umstand wirkt sich jedoch glücklicherweise nicht auf die grandiose, intensiv inszenierte Atmosphäre aus. Angetrieben von beeindruckenden (aber auch sehr hardwarefressenden Systemanforderungen) Licht- und Partikeleffekten, die über weite Strecken für ein beängstigend dichtes Setting sorgen, kommt Metro 2033 zwar nur recht langsam in Fahrt und behält über die gesamte Spieldauer von bis zu zehn Stunden einen unruhigen Rhythmus bei.

Metro 2033 - Die Apokalypse als spektakulärer Shooter

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Lässt sich das Inferno verhindern?
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Doch gerade die ständigen Stimmungswechsel mit aufflackernden Shootouts gegen im Dunkeln lauernde Mutanten oder später auch immer wieder menschliche Kontrahenten auf der einen Seite sowie als Kontrast eingestreute ruhigere Momente in den Siedlungen der Überlebenden und einer Reihe von Schleichpassagen auf der anderen Seite erzeugen einen Spielablauf, der sich mit herkömmlichen Shootern nur schwer vergleichen lässt.

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Mit dem Run & Gun-Gameplay eines Call of Duty und dessen phänomenaler Kriegsinszenierung etwa kann es Metro 2033 sicher nicht aufnehmen. Doch das trotz vieler Hochglanzeffekte und oft beeindruckender Texturen überraschend rau und ungeschliffen wirkende Metro 2033 bietet über weite Strecken ein fesselndes und intensives Erlebnis, ohne mit ständigen Explosionen beeindrucken zu müssen.

Metro 2033 - Die Apokalypse als spektakulärer Shooter

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Sam, bist du's?
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Verantwortlich dafür sind, neben den auf Dunkelheit sowie abartig fiesen und markerschütternden Sounds basierenden Schockeffekten, vor allem einige zentrale Spielelemente. Dazu gehört beispielsweise der meist sehr knappe Munitionsnachschub, der dazu führt, dass ihr euch gar nicht erlauben könnt, wild ballernd durch die Gegend zu latschen. Fast jeder Schuss muss gut überlegt sein, zumal die Fieslinge in der Regel eine Menge aushalten und euer Blei beinahe gierig schlucken.

Ständig unter Strom!

Das führt dazu, dass wir immer auf der Suche sind nach Leichen oder versteckten Munitionsdepots, an denen wir unsere spärlichen Vorräte ein wenig aufstocken können. Die dafür eingesetzte Mechanik ist jedoch alles andere als spielerfreundlich. Schon nach kurzer Zeit nervt es gehörig, immer und immer wieder selbst für die kleinste Ammo-Ladung dieselbe Taste zu betätigen und dabei millimetergenau steuern zu müssen.

Metro 2033 - Die Apokalypse als spektakulärer Shooter

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Lagerfeuer bieten Atmosphäre pur - doch verweilen will hier sicher niemand lange...
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Neben normaler, durchschlagsschwacher Munition gibt es in Metro 2033 übrigens auch noch Militärmuni, mit der ihr euren Widersachern gehörig einheizt - aber zu einem hohen Preis. Diese Art von Geschossen dient nämlich gleichzeitig als Währung, für die ihr bessere Waffen oder zusätzliche Munition und Ausrüstung erhaltet. Das führt dazu, dass man lieber mit seiner wertvollen "Muni" haushaltet und sich den Fortschritt dadurch im Gegenzug etwas erschwert. Das Waffenarsenal ist jedoch nicht nur sehr übersichtlich und bietet wenig Auswahl. Die Akustik der Schießprügel ist überraschend lasch geraten.

Atmosphärisch toller Shooter, der jedoch etwas mehr Politur und Feinabstimmung vertragen könnte.Fazit lesen

Apropos schwer: Metro 2033 konfrontiert euch nicht nur mit einem intensiven Horror-Ambiente, es bietet auch einen ziemlich herausfordernden Schwierigkeitsgrad. Zum einen ist die immer präsente Munitionsknappheit dafür verantwortlich, zum anderen aber die sehr treffsicheren menschlichen Widersacher (Kommunisten und Nazis), die zudem sehr hohen Schaden verursachen. Darüber hinaus kommt es im Spielverlauf zu Begegnungen mit Mutanten und Monstern, die man nur sehr, sehr schwer besiegen kann (ohne seinen wertvollen Munitionsvorrat gänzlich zu dezimieren).

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Hier, wie in anderen Sequenzen, wird nicht ganz klar, ob das Spiel nun von uns will, dass wir diese Feinde bestmöglich umgehen oder dass wir uns irgendwie durchkämpfen. Beides scheint möglich, gelegentlich wird die Lösung eines Problems nur zufällig klar. So beispielsweise in einer eigentlich typischen Shooter-Situation, wo wir uns hinter einem Geschütz verbunkern und die Angreiferwellen niedermähen. Schnell wird jedoch klar, dass wir so nicht weiterkommen. Muni alle, Spieler tot.

"Neue Monster sind aufgetaucht: Faschisten!"

Manchmal entsteht so das Gefühl, die Entwickler würden zwischen "Wir wollen gegen den Strom schwimmen" und "herkömmliche Shootermechanik" hin und herpendeln - und damit eine Stringenz vermissen lassen, an der man sich orientieren kann. Während wir in einem Moment eine eher gängige Shooterpassage in einem Fahrzeug (Geisterbahnfeeling) erleben, erwartet uns plötzlich eine „Splinter Cell“-Anleihe, in der wir ohne Schleichen nicht vorankommen. Dann heißt es Stirnlampe aus, möglichst keine Geräusche verursachen, Fallen umgehen.

Metro 2033 - Die Apokalypse als spektakulärer Shooter

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Die gespenstige Atmosphäre ist nichts für Leute mit schwachen Nerven.
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Die Abwechslung ist zwar löblich, aber nicht immer nachvollziehbar und unterbricht den Spielrhythmus teilweise unnötig. Dieses Schwanken führt gelegentlich zu Trial & Error-Passagen, weil einfach nicht klar ist, was die Entwickler nun wieder von uns erwarten. Die ohnehin oft nicht einfache Monsterhatz wird zudem durch das extrem altbackene Speichersystem belastet: Lediglich ein einziger Speicherslot steht zur Verfügung. Das ist auch angesichts der Tatsache, dass es zumindest zwei unterschiedliche Enden und über 40 Wendungen im Spiel gibt (auf die ihr jedoch nicht hingewiesen werdet), einfach verfehltes Spieldesign und führt zu erhöhtem Frust bei Instant-Toden.

Das Geschehen spielt sich teilweise auch an der verstrahlten Oberfläche der russischen Hauptstadt ab und erfordert den Einsatz einer Gasmaske, für die ausreichend überlebensnotwendige Filter gesammelt werden müssen. Absolut glaubhaft sind dabei beinahe klaustrophobisch wirkende Atemgeräusche, die mit zunehmender Zeit angestrengter werden, sowie die getrübte Sicht durch Atemgase und Beschädigungen des Sichtfensters. Dies trägt unheimlich viel zur dichten Atmosphäre bei und erhöht den Stress zusätzlich.

Metro 2033 - Die Apokalypse als spektakulärer Shooter

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Feinde, die nahezu unsterblich sind, nerven!
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Allerdings verliert Metro 2033 in diesen Oberwelt-Sequenzen auch einiges von seinem Schrecken und seinen tollen optischen Reizen. Was Entwickler 4A Games gekonnt an Atmosphäre aufbaut, reißt er aber teilweise selbst mit dem Hintern wieder ein, denn die KI der menschlichen Feinde ("Neue Monster sind aufgetaucht: Faschisten!") ist oft haarsträubend schwach. Teilweise irren die Gegner wie ein Hühnerhaufen durch die Gegend, laufen ständig zwischen zwei Punkten hin und her, manchmal knien sie sich sogar neben uns oder drehen uns einfach den Rücken zu - obwohl wir direkt daneben stehen. Selbst die Mutanten lassen sich mit einem Sprung hinter eine Deckung oft so sehr irritieren, dass sie die Anwesenheit Artjoms überhaupt nicht mehr wahrnehmen.

Das atmosphärisch sehr dicht inszenierte Metro 2033 schwankt im Verlauf sehr stark und zieht erst gegen Ende - wenn wir das vermeintliche Ziel erreichen und Teil der Rangers werden - wieder an. Wird euch bis dahin immer mal wieder der eine oder andere Begleiter zur Seite gestellt, der sich dann auch aktiv am Kampfgeschehen beteiligt und sogar von den Feinden als vollwertiger Widersacher wahrgenommen wird, seid ihr ab diesem Zeitpunkt ständig von Teammitgliedern umgeben.

Das tut dem Spiel gut, teilweise erinnert es hier sogar an Bad Company 2, wenngleich die Protagonisten hinsichtlich Humor und Dialogen nicht an die Spitzbuben der B-Company heranreichen. Doch leider wird in diesem Punkt noch deutlicher, dass das Voice Acting mit dem übertriebenen russischen Akzent einfach seine Wirkung verfehlt. Amis werden auch nicht ständig im Kaugummi-Dinglish synchronisiert, ohne dass es der Stimmung abträglich wäre. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen, zumal Dialoge der Nebendarsteller sich teilweise überlappen und dadurch unverständlich werden.