Metal Gear Survive ist 50 Prozent Resident Evil 5, 40 Prozent Mikrotransaktionen und 10 Prozent “Was zum Teufel ...?” Der seltsame Spiele-Cocktail mit mittelmäßiger Grafik erinnert tatsächlich ein wenig an die PS3-Ära und vermag es wunderbar, Survival-Fans in jene sagenumwobene Zeit zurückzubegleiten. Eigentlich ganz schön, würde euch das Menü nicht ständig mit Mikrotransaktionen bewerfen.

Wie viel Metal Gear steckt in Survive? Entscheidet selbst:

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Metal Gear Survive ist das Multiplayer-Zombie-Koop-Spiel, von dem Metal-Gear-Fans recht wahrscheinlich noch nicht wussten, sie würden es brauchen oder wollen. Jetzt hat Metal Gear ohnehin eine recht bewegte Vergangenheit hinter sich, die unsere gamona-Archivisten in aller Ausführlichkeit niedergeschrieben haben:

Die Kurzfassung: Hinter dem Erfolg der Metal-Gear-Reihe stand das Story-Genie Hideo Kojima, der von Konami unlängst auf eine unschöne Art verjagt wurde. Jetzt steht natürlich die Frage im Raum, ob ein Metal Gear ohne Kojima überhaupt funktionieren kann; eine Antwort darauf gibt es jedoch nicht. Denn Metal Gear Survive ist so wenig Metal Gear wie TESO ein The Elder Scrolls ist oder sein will. Interessanter erscheint mir ohnehin die Frage, ob MG Survive ein gutes Survival-Spiel ist; und hätte mich das jemand vor 9 Jahren gefragt, wäre die Antwort sicher ein Ja gewesen.

Metal Gear Survive ist… seltsam? Verrückt? Erbarmungslos?

Die ersten 30-40 Minuten von Metal Gear Survive sind imposant in Szene gesetzt; fernab der Grafik, die euch das Spiel danach präsentieren wird. Warum? Weil es sich ausschließlich um Videosequenzen handelt, die euch geballt in das Mysterium der Story einweihen: Irgendetwas mit Alien-Zombies (“Wanderer”) aus einer anderen Dimension (“Dite”) und einem großen Wurmloch, das eine ganze Gruppe von Soldaten aufgesaugt hat. Es gibt keine politische Story, dafür aber – nachdem Laurence Fishburne euren Charakter aus dem Sarg geholt und euch allein in die Zombie-Dimension geschickt hat, um Daten zu bergen – harte Survival-Action in einer grauen, gnadenlosen Welt.

Metal Gear Survive im Test: Schleichen, kriechen und ja nicht entdeckt werden - immerhin das ist bekannt

MG Survive ist ein Third-Person-Wanderer-Gemetzel, bei dem ihr zumeist gemetzelt werdet und nicht die vermeintlichen Zombies. Was nicht an der KI-Stärke eurer Gegner liegt, deren Schwarmintelligenz einsetzt, sobald ihr von einer Kreatur entdeckt wurdet. Nein, das eigentlich Problem nach ein paar Stunden im Spiel ist euer Charakter, der sich übergebend und halb verhungert durch eine Staubwolke ohne Navigation krabbelt und versucht, die Wanderer mit einem Zahnstocher-ähnlichen Speer zu kitzeln. Keine Pistole, keine Munition und noch nicht einmal ein verdammter Topf, mit dem ihr Wasser abkochen könntet: Den gibt’s nämlich erst im 7. Kapitel der Singleplayer-Kampagne von Metal Gear Survive. Verdrecktes Wasser führt allerdings zu Darminfektionen, die recht bald unumgänglich werden.

Das Szenario ist zähneknirschend-schwer und wird immer schwieriger im Laufe der Missionen, da euch die Medikamente ausgehen, ihr anfangt Hunger und Durst – vor allen Dingen Durst – zu leiden und euch das Spiel nichts schenkt. Es gibt Schafe, Beerensträucher und Flüsse sowie Seen; neben eure Missionen gilt es also auch, immer wieder nach Nahrung und Wasser zu suchen. Gleichsam könnt ihr euer Camp ausbauen, in dem ihr Questgegenstände und überlebende NPCs sammelt, die ihr auf euren Missionen findet.

Gespräche werden in diesem seltsamen Fenstermodus geführt. Vielleicht, um Gesichtsanimationen zu sparen?

Die einzelnen Quests sind leider ziemlich repetitiv und auch die Story ist wenig originell; abgesehen natürlich von dem seltsamen Zombie-Dimensions-Szenario. Was MG Survive tatsächlich ausmacht ist seine Gnadenlosigkeit, die sehr gut mit den altbekannten, aber gut umgesetzten Survival-Mechaniken funktioniert. Es ist hart, dreckig und verlangt euch eine Engelsgeduld ab, etwas, das ich persönlich eher von früheren Zombie-Survival-Titeln kenne. Und das ist ein Kompliment an das Spiel, welches völlig auf grafischen Schnick-Schnack verzichtet und sich somit wie ein sauschweres Resident Evil 5 gibt und anfühlt. Nun war Resident Evil 5 kein grandioses Spiel, aber immerhin hat der Koop-Modus wunderbar darüber hinweg getäuscht.

Was mir unwohl aufstößt, sind die etliche Mikrotransaktionen im Spiel. Und die betreffen keineswegs nur kosmetische Items und Pakete, was die Frage in den Raum wirft, ob MG Survive aus einem ganz bestimmten Grund so gnadenlos programmiert wurde.

Gesten kosten Geld...

Gib’ mir dein Geld, wenn du leben willst

Um in Metal Gear Survive “Komm’ her, wenn du dich traust!” mit eurem Charakter auszudrücken, müsst ihr eine Geste im Wert von 3 Euro kaufen. Das ist in Ordnung. Um einen 7-tägigen-Bonus auf eure Beute sowie den Verdienst von Kampfpunkten einzuheimsen, braucht es 5 Euro. Und um eine Kampfeinheit zu erhalten, die euch beim Zombie-Gemetzel unterstützt dürft ihr 10 Euro hinblättern. Oh, und falls ihr einen zweiten Charakter erstellen wollte, kostet euch das noch mal 10 Euro. Also ja, kosmetische Items sowie unterstützende Spielmodi können beide in MG Survive gekauft werden, das alleinig PvE-getrieben ist. Also alles nicht so schlimm?

Was am Survival-Spiel gespart wurde, findet sich im inGame-Shop wieder.Fazit lesen

Unsere Kollegen von Rock Paper Shotgun haben einen Artikel zu den Mikrotransaktionen im Spiel verfasst und zählen nicht nur die unterschiedlichen Preise auf, sondern verweisen auch auf die Art, wie diverse Pakete mit der Credit-Währung gekauft werden können.

... und ein paar andere Pakete auch.

Demnach gibt es nicht etwa 1000 SV für einen festen Preis, sondern 1150 SV, sodass 150 SV übrigbleiben. Wollt ihr euch also einen zweiten Save-Slot für 1000 SV zulegen, müsst ihr euch entweder 1150 SV holen (10 Euro) oder 10 mal 100 SV (jeweils 99 Cent); so oder so macht ihr Miese oder kauft zuviele SV. Natürlich müsst ihr nichts dergleichen ausgeben, um die Kampagne oder den Koop-Modus zu genießen. Ein unschönes Gefühl bleibt dennoch.

KJP Forever

… Metal Gear Survive ist kein Metal Gear, außer im Namen. Es scheint, als sei auch ein Entwickler aus dem ehemaligen Team von Kojima derselben Meinung. Im Spiel gibt es eine versteckte Nachricht, bei der die Anfangsbuchstaben verschiedener Soldaten zusammengenommen “KJP Forever” ergeben. Da Konami höchstpersönlich Kojima Productions (KJP) geschlossen hat – die Firma, die Kojima im Anschluss wiedereröffnete – stammt die Nachricht wahrscheinlich nicht von ihnen.

Das alles hat wenig mit dem Spiel selbst zutun; dennoch erweckt es gleichsam ein nostalgisch-süßes sowie bitteres Gefühl im Magen. Wenn ihr meine höchst persönliche Meinung hören wollt: Ich denke nicht, dass es nach Survive einen weiteren MG-Teil von Konami geben wird. Der Online-Charakter mit den etlichen Mikrotransaktionen spricht eher für den Plan, den Titel über einen längeren Zeitraum á la Destiny zu betreiben. Ob das klappt, hängt sicher auch vom Online-Content ab, den Konami in Zukunft für Metal Gear Survive bietet.