Die diversen Handlungsstränge der Metal-Gear-Serie zu verstehen und miteinander in Einklang zu bringen, dürfte selbst eingefleischten Anhängern mittlerweile schwerfallen. Hideo Kojimas Team springt bei diversen Ablegern munter in der Zeitgeschichte herum und bastelt sich so ein ganz eigenes Universum zusammen, das für Außenstehende schon gar nicht zu durchschauen ist.

Daher dürften sich auch nur absolute Fans für Metal Gear Solid: Peacewalker interessieren. Das ist schade, denn der Actiontitel bringt trotz einiger Macken die PSP endlich mal wieder so richtig zum Glühen.

Metal Gear Solid: Peace Walker - Konami Gamers Night 2010 Trailer

Einzelspieler müssen leiden (oder sich anpassen)

Das heißt, wenn man Sonys Handheld nach langer Suche in der Grabbelkiste in der hintersten Ecke des Spielezimmers wiederfindet. Das edle Hightech-Teil war zuletzt einfach nicht mit vielen guten Titeln gesegnet und schimmelte unbenutzt vor sich hin. Konami bereitet dieser Leidenszeit nun mit dem Schleichshooter ein Ende und bastelt dennoch einige nicht unbedeutende Stolperfallen auf dem Weg zum „Metal Gear“-Vergnügen.

Metal Gear Solid: Peace Walker - Schleichen, ballern, lange Videos schauen - alles wie immer?

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Wer zu zweit spielt, hat deutlich mehr taktische Optionen.
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Die japanischen Entwickler haben zwar die bekannten Trademarks "Schleichen, Ballern, lange Videos schauen" tadellos auf die PSP-Bedingungen zugeschnitten und auch im Vergleich mit "Portable Ops" (2007) einige ergonomische Verbesserungen implementiert. So lässt sich die Steuerung zwar deutlich besser den eigenen Ansprüchen gemäß konfigurieren und bietet unterschiedlichen Spielervorlieben Raum für Entfaltung, unverständlich ist jedoch, warum beim Sprung ins Inventar oder beim Genießen von Videosequenzen kein Pausenmodus aktiviert wird.

Diese Anpassung an die PSP geht so weit, das der westliche Markt darunter leidet. Der Grund: Peacewalker ist eigentlich darauf ausgerichtet, mit mindestens zwei Spielern gleichzeitig gespielt zu werden. Der Koopmodus erlaubt sogar, in vielen Sequenzen bis zu vier Gamern, am Ablauf teilzuhaben, vor allem bei den Boss-Kämpfen sollen diese zusätzlichen Spieler für die nötige Feuerkraft sorgen. Und genau darin liegt der Haken, denn der gesamte Spielablauf ist eigentlich auf die Anwesenheit mindestens eines weiteren "Snake" ausgelegt. Ist also ein Schleichweg von einer Wache zugestellt, lenkt ein Mitspieler den Soldaten ab.

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Allein gegen die feindliche Übermacht anzutreten, artet häufig in Frust aus.
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Wer allein spielt, muss sich hier etwas anderes einfallen lassen, was die Problemlösung um ein Vielfaches erschwert. Es sei denn, man greift einfach zur Wumme und beseitigt die Gegner und marschiert auf diese Weise recht einfach durch weite Strecken des Spiels - was andererseits zulasten der Heldenwertung geht und damit gleichzeitig das Freispielen von Bonusmissionen und Extras einschränkt.

Ballern statt Schleichen für Einzelgänger

Während das Finden von Mitspielern im Ad-hoc-Modus aufgrund der weiten Verbreitung der PSP in Japan wohl kein Hindernis sein sollte, sieht das in unseren Breiten jedoch ganz anders aus. Wer kennt drei bis vier Spieler in seiner Nähe, die das gleiche Spiel auf der PSP zocken? Eben! Genau an dieser Ausrichtung krankt das ansonsten gut umgesetzte Metal-Gear-Konzept. Gerade Boss-Fights, bei denen mehrere Handlungsebenen mehrere Mitspieler erfordern, mutieren für Einzelspieler zu fast unüberwindbaren Hindernissen.

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Objekte wie diese genießen in Zeiten von Ölkrisen kein gutes Ansehen, hier ist es aber nur die Heimatbasis eurer Privatarmee.
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Das ist schade, denn die in den 70ern angelegte Geschichte, bei denen es "Big Boss" nach Costa Rica verschlägt und ihr es u. a. mit CIA, KGB und Sandinisten zu tun bekommt, motiviert immer wieder zum Weiterspielen. Vor allem die minutenlangen, wunderhübsch animierten Zwischensequenzen (die man auf Wunsch überspringen kann) sowie eine Vielzahl von Nebenaufträgen halten euch bei dem locker über 20 Stunden fressenden Actiontitel lange bei der Stange.

Was den generellen Spielablauf betrifft, zeigt sich Peacewalker jedoch gnädiger als seine Vorgänger. Wer aufs Schleichen keinen Bock hat, kann sich durchaus auch in Rambo-Manier durch die Missionen schnetzeln. Setzt ihr hingegen auf traditionelle Stealthtechnik, müsst ihr mitunter sehr viel Geduld beweisen, denn leider verzichtete Konami darauf, Speicherpunkte innerhalb der anspruchsvollen Missionen zu verwenden. Werdet ihr versehentlich entdeckt oder macht ihr einen Fehler, der eure Wertung ruiniert, müsst ihr die Aufträge ganz von vorne beginnen. Baller-Fans wird es dagegen sehr einfach gemacht - auf Wunsch lässt sich eine bequeme Zielhilfe einschalten, mit der alle Gegner automatisch anvisiert werden.

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Das Gameplay ist größtenteils auf den Koop-Modus ausgerichtet und bietet etliche Vorteile.
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Neben Schleichen und Ballern bietet Peacewalker jedoch auch noch eine weitere, bereits aus früheren Titeln bekannte Spielebene, den Basenbau. Euer Heimatstützpunkt dient euch nicht nur als Rückzugsort, hier rekrutiert ihr auch eure eigene Privatarmee der "Militaires sans Frontiers", die autark für euch Einsätze erledigt. Während diese Seite eurer Guerillatruppe eher vernachlässigbar ist, spielen Investitionen in die Forschungsabteilung eine deutlich größere Rolle. Denn ihr werdet im Gegenzug mit besseren Waffen und Gadgets belohnt, die euch bei euren Einsätzen unterstützen. Viele Gegenstände könnt ihr übrigens mit Kollegen tauschen, falls ihr Mitspieler findet.

Erst mit mindestens einem Mitspieler entfaltet Peacewalker sein wahres Potenzial!Fazit lesen

Während sich die zwar in unterschiedliche Phasen unterteilten, aber ohne Checkpoints auskommenden Missionen eher weniger für eine kurze Spielsession in der U-Bahn eignen, scheinen die Extra-Ops-Aufträge dagegen für diese Umgebung wie ideal: kurze Missionen für unterwegs, bei denen man sich auf die Schnelle noch einige Erfahrungspunkte sichert.

Neben den Koop-Modi besteht zudem die Möglichkeit, in "Versus" mit bis zu sechs Spielern Deathmatch oder Basisverteidigung gegeneinander anzutreten. Seine volle Klasse zeigt Peacewalker jedoch im Kooperationsmodus, wo es vornehmlich ums Schleichen geht.