„Metal Gear Solid: Ground Zeroes“ stellt quasi die Vorgeschichte für „The Phantom Pain“ dar und soll gerüchteweise nur zwei Stunden Spielzeit liefern. Und das Ganze für fast dreißig Euro? Ist es das Wert? Wir sind in die Rolle des Big Boss geschlüpft und haben uns selbst überzeugt. Am Ende blieb eine geteilte Meinung …

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Was dafür spricht

Bevor man überhaupt damit beginnt, das Für und Wider abzuwägen, springt der größte Propunkt einem regelrecht ins Gesicht und verbeißt sich im Gedankengut wie ein Facehugger aus „Alien“: ihr spielt Naked Snake. Den Big Boss. Das Zigarre rauchende Raubein war bereits der Protagonist in „Metal Gear Solid 3: Snake Eater“ und nach Angabe von vielen Fans der Reihe ihr persönlicher Favorit im Beliebtheitswettbewerb 'Solid Snake' versus 'Naked Snake'.

Metal Gear Solid: Ground Zeroes - Ist mir das dreißig Euro wert?

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Naked Snake ist zurück. Darauf haben wir gewartet!
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Ihn jetzt erneut spielen zu können, weckt natürlich die Hoffnung auf viele Features, die es nur im dritten Metal-Gear-Abenteuer gab. Und auch wenn es dazu leider nicht kam, ist es doch erfrischend, die Geschichte erneut aus der Sicht des großen MGS-Antagonisten zu verfolgen. Einblicke in seine Gedankenwelt zu bekommen und seine Motivation, seine Beweggründe besser zu verstehen.

Ein Augenschmaus

Schon zum Start des Spiels überrascht „MGS: Ground Zeroes“ mit einer Kleinigkeit, die viele so gar nicht mehr gewohnt sind. Es mag lapidar erscheinen, doch einen Batzen verschiedener Sprachen für die Untertitel zur Auswahl zu haben, ist mittlerweile alles andere als selbstverständlich. Und erfreute uns im höchsten Maße. Das sich das auch noch auf die Menüsprache auswirkt, ist die Sahne, deren Geschmack wir schon fast vergessen hatten.

Doch was dann folgt, hat uns schlichtweg den Verstand weggeblasen. Ein Intro, wie ein Fausthieb. Die perfekte Mischung aus Bild und Melodie scheint regelrecht vor unserem Auge zu tanzen und bildet etwas, wie es nur Hideo Kojima zu zeichnen vermag. Eine Ballade an die Schönheit des Videospiels und gleichzeitig das beste Anfangsvideo, das wir je zu sehen bekommen haben.

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Das Intro ist einfach unfassbar genial. Bild und Ton passen perfekt zusammen.
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Wer nach dieser Einleitung nicht Feuer und Flamme ist, leidet möglicherweise unter Narkolepsie oder ist einfach nur ein Miesepeter. Vielleicht gefällt es euch auch einfach nur nicht, aber dann seid ihr halt verkorkst. Drei Mal Augenzwinkern weiter und vier Mal Luftholen danach, können wir endlich selbst in die Handlung eingreifen.

Erneut fegt es uns fast vom Stuhl. Wir spielen die 360-Version des Titels und haben uns schon damit abgefunden, nicht in den Genuss der vollen Grafik-Bandbreite zu gelangen. Und letztendlich tun wir das natürlich auch nicht. Und trotzdem … Es sieht fantastisch aus. Die Lichtsetzung. Die Texturen. Snake selbst. Alles wirkt typisch für die letzte Konsolengeneration ein wenig veraltet. Und doch um Längen schöner, als 99% der Titel, die zuvor auf diesem Brotkasten ein Zuhause gefunden haben.

Der kleine Taktiker

Spieltechnisch hat „Metal Gear Solid: Ground Zeroes“ einiges zu bieten. Die Steuerung geht flüssig von der Hand und brennt sich schnell in unser Gehirn ein. Keine zehn Meter gelaufen und wir glauben bereits, das Wichtigste mühelos zu beherrschen. Doch auch wenn wir nicht völlig überzeugt werden konnten, ersticken unsere Widerworte schnell im Keim.

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Spieltechnisch läuft alles rund. Wenn es auch recht eingeschränkt wirkt.
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Das relativ große Lager, in welches wir uns reinschleichen, erlaubt es Snake, sich völlig frei zu bewegen. Sofern wir die Soldaten im Auge behalten und uns geschickt anstellen, können wir so ziemlich jeden Zentimeter dieses Areals absuchen und erkunden. Die Vorgehensweise wird dabei zu einhundert Prozent euch überlassen.

Die Feinde laufen ihre Routen ab, ändern manchmal ihr Timing und ihre genaue Strecke. Unterhalten sich. Rauchen. Husten. Kämpfen gegen den Regen an. Alles, was normale Menschen halt so tun. Wir sind erneut begeistert. Das ganze Spiel wirkt realistischer als manch kostenintensiver Kinofilm, der an den Kassen Rekorde bricht.

Schleichen? Stürmen? Töten? Verschonen? Verhören, verprügeln, betäuben und ablenken. Eure Grenzen sind überschaubar, aber so geregelt, dass es in der kurzen Spielzeit kaum ins Gewicht fällt. Für das, was ihr machen müsst, habt ihr mehr als genug Möglichkeiten es umzusetzen.

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Wie ihr vorgeht, bleibt euch überlassen.
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Gleichzeitig ist „Metal Gear Solid: Ground Zeroes“ spieltechnisch sowohl für Einsteiger als auch für Profis geeignet. Wer sich in das Spielerlebnis erst reinfummeln muss, kann seine Feinde markieren, bekommt nach seiner Entdeckung eine Zeitlupensequenz und ist generell recht resistent gegen Beschuss.

Wer es aber etwas härter mag, stellt die Schwierigkeit nach oben und gibt damit all seine Privilegien ab. Ab jetzt ist es für den wahren Spion – den, der gerne schleicht und die Gegner niemals bemerken lässt, dass er überhaupt da war – eine echte Herausforderung. Und um so besser ihr euch dabei anstellt, umso mehr Nebenmissionen und Ausrüstung schaltet ihr für den zweiten Durchgang frei.

Ihr werdet euren Spaß haben. Wenn man sich auf die aufgezählten Punkte beschränkt. Doch so eine Medaille hat ja immer zwei Seiten, nicht wahr?

Was dagegen spricht

Es hat einige Zeit gedauert, doch nach einer Weile kam die bittere Erkenntnis. Viel aus Naked Snakes erstem Abenteuer hat es nicht in „Metal Gear Solid: Ground Zeroes“ geschafft. Kein Tarnsystem, welches euch anzeigt, wie „unsichtbar“ ihr gerade seid. Kein verarzten der eigenen Wunden, sondern nur ein doofes Medipack. Keine Möglichkeit, Getier zu fangen und zu verspeisen, um am Leben zu bleiben.

Natürlich hätten gerade die letzten Punkte in einer so kurzen Mission ein wenig deplatziert gewirkt, doch machte das die Enttäuschung nicht geringer. Das ganze Spiel – sofern man dieses kurze Erlebnis überhaupt als solches bezeichnen möchte/kann – wirkt so leider einfach, wie jeder andere MGS-Teil, nur mit ausgetauschter Spielfigur.

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Kein Tarnsystem und Medipacks. Na, danke.
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Das ist doch ne Demo, oder?

Ich kann mich also frei bewegen. Kann die Schwierigkeit erhöhen und neue Nebenmissionen sowie Ausrüstung für weitere Durchläufe freischalten. Okay. Das ist ja wirklich fantastisch. Das ist so unfassbar fantastisch, dass ich sogar bereit bin, „MGS: GZ“ als sehr umfangreiche Demo zu bezeichnen, statt nur als einfache. Aber unterm Strich bleibt es eine spielbare Demo für „Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain“.

Trotz mehrerer Anläufe brauchten wir nur knapp über eine Stunde für die ganze Mission. Und wir haben uns dabei viel umgesehen, ausprobiert und rumgespielt. Alle Nebenmissionen - sofern wir denn alle freigeschaltet haben sollten – waren eine gute Stunde später abgegessen … Wirklich jetzt? Zwei Stunden? Und vielleicht nochmal eine, wenn ich mir alle Aufzeichnungen und Tonbandaufnahmen anhöre? Und danach mache ich bitte was mit dem Spiel? „Hey, guckt mal. Eine Frisbee. Huuuiiiiiii.“.

Witzig war gestern

Doch das Gemotze ist noch nicht an seinem Ende angekommen. Wenn wir uns schon damit abfinden müssen, dass der größte Unterschied zwischen Solid Snake und Naked Snake zu der Augenklappe des Big Boss verkommen ist, dann verlange ich wenigstens den typischen MGS-Humor. Ein Humor, der sich stets durch das ganze Spiel zog und der harten Thematik und melancholischen Prämisse eine Note von Erleichterung gab.

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Der typische MGS-Humor ging leider flöten.
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Es lockerte die dichten Wolken ein wenig auf und machte vor allem die älteren Teile der Reihe zu einem abnormalen Psychotrip ohnegleichen. Bienenmann und vibrierende Controller: ihr wisst, dass ich euch meine.

Doch in „Metal Gear Solid: Ground Zeroes“ ist davon nichts mehr zu spüren. Natürlich kann man es als Propunkt bezeichnen, wenn der Grundton des Spiels sich der Hauptfigur anpasst. Saladin hat halt schon lange keine Gründe mehr fröhlich zu sein. Doch trotzdem … Dadurch fehlt etwas. Das Spiel wirkt zu hart. Zu grau. Trostlos und deprimierend. Das mag zum Thema passen. Aber nicht zu MGS.

Wer verrät hier wen?

Wer sich mit der Welt von Metal Gear Solid nicht auskennt, wird in „Ground Zeroes“ kein Wort verstehen. Wer sich ein wenig damit auskennt, wird in „Ground Zeroes“ kaum ein Wort verstehen. Und wer sich gut mit der Spielreihe auskennt, könnte immer noch seine Probleme bekommen.

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Alles klar. Keine Ahnung wer du bist.
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Man geht davon aus, dass der geneigte Käufer einiges an Hintergrundwissen mitbringt. Ist das nicht der Fall, sollen Einträge, Aufnahmen und eine kurze Einleitung euch auf den neuesten Stand bringen. Ohne ein recht umfangreiches Wissen über die Ereignisse der ursprünglichen MGS-Reihe, steht ihr jedoch da wie der Mann im Walde.

In dieser Welt gibt es viele Organisationen. Der eine hintergeht den anderen. Doppel- und Dreifachagenten geben sich die Klinke in die Hand und Namen, die man zuvor noch nie vernommen hat, werden plötzlich zu den wichtigsten Eckpfeilern in Snakes Geschichte. Am Ende wünschten wir uns eine Vorgeschichte zur Vorgeschichte.

Was am Ende bleibt …

… ist eine spielbare Demo. Ein Hinweis darauf, wie das fertige „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain“ werden wird. Früher waren solche Demos kostenlos, weil die Entwickler die Spielerschaft davon überzeugen wollten, ihr Produkt käuflich zu erwerben. Heute scheint es das Privileg der besser betuchten zu sein, in den Genuss dieser Demos zu kommen. So umfangreich sie auch sein mag … „Ground Zeroes“ bleibt eine Demo.

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Dreißig Euro für zwei Stunden. Da kommen uns auch die Tränen.
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Vorne und hinten. Wer dafür Geld ausgibt, hat seine Entscheidung sowieso schon lange vor diesem Special getroffen und Gott und die Welt könnten das nicht mehr ändern. Wer sich jedoch unsicher ist, dem können wir nur raten, das Portemonnaie geschlossen zu halten. Eine nette Demo ist kein Geld wert. Schon gar nicht an die dreißig Euro.

Nicht, dass wir für diesen Umfang nicht sogar den einen oder auch anderen Euro locker gemacht hätten. Aber momentan ist das Preis-Leistungs-Verhältnis ein schlechter Witz und jeder, der sich darauf einlässt, trägt dazu bei, dass diese Vorgehensweise in den kommenden Jahren etabliert wird.