Hideo Kojima wollte eigentlich Regisseur werden und Filme nach dem Vorbild von Terminator oder Die Klapperschlange drehen, die einfach nur unterhalten und keinem logischen Muster folgen oder sich dem Zuschauer erklären müssen. Der Arnie kommt eben aus der Zukunft, besteht aus Titan und deshalb geht er mit dem Kopf durch die Betonwand. Fertig, Ende der Diskussion. Und in Metal Gear Solid 5 lassen wir ein Pferd auf der Stelle stehen, bitten es, auf der Straße ein paar große Köttel fallen zu lassen und lassen so einen Jeep des russischen Militärs ausrutschen. Der überschlägt sich, die Soldaten sind bewusstlos und natürlich binden wir sie an einen Spezialballon, drücken aufs Knöpfchen und lassen sie wie Babys vom Storch in die warme Ölplattform-Basis fliegen.

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Inspector Gadget und der erste Pazifismus-Shooter der Welt

Metal Gear Solid 5 dürfte ein ähnlicher YouTube-Hit wie GTA 5 werden, weil es unfassbar verspielt ist. Bei einer Dschungel-Mission steht euch beispielsweise eine Scheibe zur Verfügung, die ihr auf den Boden werfen könnt und dann baut sich ein Hologramm von Big Boss auf. Steht ein Scharfschütze an einem Abhang, werft ihr die Scheibe einfach direkt neben ihn und das Hologramm katapultiert ihn in den Abgrund. Das ergibt eigentlich keinen Sinn, weil ein Hologramm ja nur aus Licht besteht und nicht plastisch ist, aber es hat einen netten Überraschungseffekt.

Wobei das Töten von Gegnern in Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain nicht im Vordergrund steht. In einer anderen Situation bewegen sich zwei russische Soldaten schnellen Schrittes auf uns zu und eröffnen das Feuer. Wir werfen also die Hologramm-Scheibe auf den Boden, die Schergen ballern weiter. Währenddessen schleichen wir durchs dichte Gras, positionieren uns hinter ihnen und schlagen mit unserem mechanischen Arm zu. Der hat ohnehin einen härteren Schlag als eine menschliche Faust, lässt sich allerdings auch mit diversen Waffenvorrichtungen aufwerten.

Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain - Grand Theft Metal Gear: von köttelnden Pferden und einem Hündchen namens DDog

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Quiet schießt nicht nur scharf, sie ist auch verdammt schnell und trägt einen Camo-Suit, um sich unsichtbar zu machen. In etwa so unsichtbar wie ihre Kleidung.
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Leiten wir Strom durch die Prothese, werden die Soldaten nur ohnmächtig und lassen sich per Ballon binnen kurzer Zeit in unsere Mutterbasis fliegen. Und hier wird es richtig spannend, denn ihr könnt nicht nur jeden Gegner in einen Kollegen konvertieren, sondern ähnlich wie im PSP-Ableger Peace Walker auch Einsatzgebiete priorisieren. Wer seine Soldaten zu Technikern und Wissenschaftlern ausbildet, der verbessert seine Gadgets und Waffen. Wer in medizinisches Personal investiert, erhöht seine Lebensregeneration.

Und da Metal Gear Solid 5 mit einem nahtlosen Übergang zum Mehrspieler arbeitet, müsst ihr auch Wachpersonal abstellen, um die schwimmende Festung vor Angriffen aus eurer Freundesliste zu bewahren, sei es nun auf PSN, Xbox Live oder Steam. Auf dieses Feature sind wir extrem gespannt, weil ihr beispielsweise eine Stellung für Boden-Luft-Raketen im Einzelspieler mopsen und dann im Mehrspieler gegen anfliegende Luftwaffe nutzen können sollen.

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Echte Freiheit: ihr bestimmt wo euch der Helikopter absetzt, ob ihr euch ein Pferd schicken und damit durch den Wald reitet oder das Gebirge im Hintergrund erklimmt.
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Das Begleiter-System: Non-Linearität neu gedacht

Generell sind ein sehr großer Teil aller Missionen non-linear designt. Denn ihr trefft, befreit und überzeugt eine kleine Armee aus Unterstützern, von denen ihr bis zu vier Begleiter mit in euren futuristischen Black-Hawk-Helikopter nehmen könnt. Hideo Kojima wollte zwar auch auf der Tokyo Game Show nicht so richtig mit Details zur Geschichte rausrücken, verriet aber, dass wir uns das Vertrauen von Quiet beispielsweise erst verdienen müssen. Sobald sie uns als Freund anerkennt, können wir die ebenfalls mit Augmentationen gepimpte Scharfschützin als Spec-Ops-Soldatin auf Speed einsetzen.

Sieht fantastisch aus, macht spielerisch Laune, doch wie passt der süffisante Unterton zu einer erwachsenen Geschichte? Vermutlich wird Metal Gear Solid 5 wieder ein Überraschungs-Ei Marke Kojima.Ausblick lesen

Winkt uns hier eventuell ein Koop-Modus sanft entgegen? Aktuell ist Quiet nämlich vor allem für das Herabsetzen des Schwierigkeitsgrades verantwortlich. So haben wir die Möglichkeit, mit Hilfe des sogenannten Bio-Sonars feindliche Kräfte ausfindig zu machen, zu bekämpfen oder zu umgehen. Haben wir darauf keine Lust, aktivieren wir einfach nur das Bio-Sonar und weisen Quiet an, die Ziele nacheinander auszuschalten. Sie macht sich dann kurzzeitig unsichtbar, sprintet in rasender Geschwindigkeit in eine gute Schussposition und schaltet jeweils einen Gegner zuverlässig aus.

Allerdings muss sie ihr Scharfschützengewehr nachladen, es bietet sich also an, ähnlich wie in Ghost Recon: Future Soldier, Abschüsse zu synchronisieren. Gut gefällt uns hier die Balance, denn wer es sich einfach macht und aggressiv vorgeht, der kann das prinzipiell tun. Er verliert dann aber wertvolle Einheiten für seine Basis, kann ergo seine Technologiebäume nicht so schnell erforschen wie ein pazifistisch engagierter Spieler.

Spannend ist auch die moralische Komponente. Wer Quiet einfach wild ins Feindfeuer laufen lässt oder ihr befiehlt, alleine eine schwer bewachte Festung anzugreifen, der riskiert. dass sie verwundet wird und dann für eine gewisse Zeit ausfällt. Außerdem scheint es eine System zu geben, wonach wir uns die Loyalität unserer Teammitglieder verdienen können. Ob es da wohl auch Liebes-Optionen wie in Mass Effect geben wird?

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Elektrohand des Todes? Mitnichten, in MGS5 ist es von großem spielerischem Vorteil feindliche Soldaten nicht zu töten, sondern nur zu betäuben.
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Solid Snake zumindest hat ja auch als alter, gebrochener Mann mit Rückenproblemen in Metal Gear Solid 4 noch sehr gerne geflirtet. Wir erinnern uns alle an die „versehentlich“ runtergeworfene Zigarette, um einen näheren Blick auf Naomis Dessous erhaschen zu können. Aufgrund Quiets doch sehr luftigen Outfits
werden Sexismus-Kritiker aber ohnehin genug Munition haben, um Kojima Productions unter Beschuss zu nehmen.

DD: Ein Hund fürs Leben und gesamte Abenteuer

Metal Gear Solid 5 spielt über mehr als ein Jahrzehnt, ergo nutzt Kojimas Autorenteam die Gelegenheit, um einen ganz besonderen Charakter zu etablieren: DDog, einen Schäferhund. Er und Big Boss treffen sich, als das Hundchen noch ein Welpe ist und der Elite-Söldner seine Mama bei einem Schusswechsel versehentlich tödlich verletzt. Eigentlich will der Protagonist sich entfernen, doch der kleine Racker springt so lange um ihn herum und weint bitterlich, dass er sich entschließt, ihn mitzunehmen.

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Freunde fürs Leben: Big Boss tötet versehentlich seine Mutter, zieht ihn zusammen mit Ocelot auf und bildet ihn zum Elite-Kampfhund mit Spürnasen-Faktor aus.
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Das gibt Kojima die großartige Möglichkeit, den tierischen Begleiter nicht nur als Freund aufzubauen, sondern auch als Charakter, der mit dem Protagonisten zusammen altert. Zunächst bleibt das Hundchen noch auf der schwimmenden Festung im Söldnerstaat Outer Haven und wird von Ocelot ausgebildet, später dann habt ihr die Möglichkeit, den mittlerweile ganz schön gewachsenen Racker als Begleiter mit auf Missionen zu nehmen.

Er kann Fährten aufnehmen und verfolgen oder Soldaten angreifen, vor allem aber auch angeschossen werden und laut Kojima ab einem gewissen Spielmoment sogar sterben, wenn ihr nicht aufpasst. Um die Personifikation von DDog perfekt zu machen, wird er zudem in einer Mission – geskriptet – angeschossen und muss fortan an der gleichen Stelle eine Augenklappe tragen wie sein Herrchen. Noch haben wir zu wenige Szenen gesehen, um die Geschichte der beiden einstufen zu können, doch Kojima hat einige der besten Autoren der Industrie. Und wenn ein Team in dieser Branche Vorschusslorbeeren verdient, dann ist es Kojima Productions.