Sechs Stunden Afghanistan: Noch bevor der Messetrubel der E3 losgeht, stellte Konami eine Vorschau-Fassung seines Stealth-Action-Games vor. Wir wagten mit Big Boss den Sprung ins kalte Wasser!

Was für ein Durcheinander: In den vergangenen Monaten machte Konami nicht mit guten Spielen auf sich aufmerksam, sondern in erster Linie durch das Wirrwarr rund um Entwicklerikone Hideo Kojima. Erst verschwand das Logo von Kojima Productions aus aktuellen Projekten, dann wurde Silent Hills eingestellt und die Horror-Demo P.T. aus dem Playstation Store entfernt. Inzwischen steht Kojimas Abgang bei Konami nach der Fertigstellung von Metal Gear Solid V: Phantom Pain zumindest inoffiziell fest.

Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain - Afghanistan Calling

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In der Anfangsphase noch nicht spielbar: Offensichtlich kann Snake auch flugs einen Kampfroboter bemannen und damit durch die Wüste stapfen.
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Vorerst hat der Metal-Gear-Schöpfer also noch seine Finger im Spiel. Das bedeutet: Euch erwartet die bewährte Mischung aus einzigartig schrägen Momenten, findigem Stealth-Gameplay und jeder Menge abgefahrener Agenten-Action. Erstmals wagt sich Metal Gear Solid auch in Open-World-Gefilde und macht Big Boss – auch bekannt als Naked Snake – zum Chef über seine eigene Mother Base.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Denn nach dem krachenden Ende der Prolog-Version Metal Gear Solid V: Ground Zeroes liegt der Gute zunächst im Koma. Nach Jahren erwacht er… und muss feststellen, dass er nicht mehr derselbe ist. Die Explosion hat tiefe Spuren bei ihm hinterlassen. Sein linker Arm wurde amputiert. Immer wieder fällt er zurück ins Koma, gerät in einen Schockzustand. Aber Zeit für eine ausführliche Erholung bleibt Boss nicht. Seine Vergangenheit holt ihn schneller ein, als ihm lieb ist!

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Die erste Stunde mit Metal Gear Solid V: Phantom Pain ist aufregend, emotional und brutal. Boss muss vor einem Todeskommando flüchten. Geschwächt robbt er durch die Gänge, lediglich Medikamente halten ihn später auf den Beinen. Nur langsam findet er zu alter Kraft zurück. Und schwupps, wenige Wochen später sitzt Big Boss bereits auf einem Pferd irgendwo in Afghanistan und ist auf der Suche nach neuen Mitgliedern für seine paramilitärische Organisation „Diamond Dogs“. Zugegeben, der Übergang zwischen dem Agentenalltag und dem nervenaufreibenden Tutorial ist holprig und bricht ein wenig mit der aufgebauten Atmosphäre der ersten Spielstunden.

Zwischen Basisbau und Stealth-Tradition

Gemeinsam mit Ocelot blickt Boss über die Weiten der Prärie. Sein alter Gefährte macht schnell klar, dass es in Afghanistan nicht nur eine Hauptmission, sondern auch viele Nebenaufgaben gibt. Denn die Geheimorganisation Cipher hat überall ihre Lager und Außenposten aufgeschlagen. In ihnen verstecken sich neue Waffensysteme, wertvolle Spezialisten und natürlich ebenso nützliche Rohstoffe. Das alles wird für den Aufbau der Mother Base – einer Bohrinsel irgendwo bei den Seychellen – benötigt.

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Vor jedem Einsatz rüstet man Pferd und Reiter aus: in diesem Falle beispielsweise mit der schweren Kluft inklusive Plexiglasvisier.
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Das passende Personal erweist sich innerhalb der ersten sechs Missionen als besonders wichtig. Im ersten Einsatz befreit Boss einen alten Bekannten – Kazuhira Miller. Der wird künftig die für für schmucke Knarren und originelle Gadgets verantwortliche Entwicklungsabteilung leiten.

Doch Boss fehlt noch der exakte Aufenthaltsort seines Kumpels. Deshalb geht er zunächst auf Spurensuche. Informationen findet ihr in Metal Gear Solid V: Phantom Pain entweder in Form von Hinweisen oder direkt von feindlichen Soldaten. In Boss' Schwitzkasten spucken die Wachleute bereitwillig Geheimnisse wie etwa die Position von Geiseln aus. Seine Ermittlungen führen Boss schließlich nach Ghwandai Khar, eine abgelegene Bergregion mit einigen in die Felsen eingebauten Gebäuden. Das Infiltrieren einer Station läuft stets nach dem gleichen Muster ab: Zunächst legt sich Boss mit dem Fernglas auf die Lauer und späht die Lage aus. Hat er einen Soldaten längere Zeit im Fokus, wird dieser automatisch markiert. Dadurch sieht man ihn sogar durch Wände.

Schleichen in einer offenen Spielwelt: Trotz kleinerer Ungereimtheiten dürfen sich Metal-Gear-Solid-Fans auf The Phantom Pain freuen!Ausblick lesen

Open World trifft Stealth

Die dynamisch wechselnden Lichtverhältnisse machen die Sache allerdings nicht unbedingt leichter. Nachts schalten die Wachen Suchscheinwerfer ein oder leuchten mit der Taschenlampe in die Dunkelheit, falls sie etwas Auffälliges gesehen haben. Bedachtes Vorgehen erleichtert den Einsatz deutlich. Die Gegner reagieren in der Preview-Version gut, lassen aber für meinen Geschmack zu schnell von Boss ab. Nachdem sie beispielsweise eine Leiche entdeckt haben, lösen sie zwar den allgemeinen Alarmzustand aus und kontaktieren sogar andere Basen. Doch finden die Täter nichts, geben sie die Suche viel zu schnell auf. Hoffentlich zieht man hier nochmal die Balancing-Stellschrauben an. Metal Gear Solid V: Phantom Pain war in der Anspielrunde mit einer soliden Mischung aus Angriffen und Warten zu knacken.

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Tierischer Freund: Der Wildhundwelpe DD wächst im Spielverlauf zum gefährlichen Wolf heran und begleitet Boss dann in den Einsatz.
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Die befriedigendste und ertragreichste Methode zum Beenden einer Mission ist aber zweifelsfrei das lautlose Infiltrieren. Hier erinnert Phantom Pain stark an seinen Vorgänger: Boss versteckt sich problemlos hinter Ecken, drückt sich halbautomatisch an Wände und lässt Leichen in Müllcontainern oder finsteren Ecken verschwinden. Die Schleichmechanik funktioniert ausgezeichnet, und Metal Gear Solid V bietet auch etliche Spielereien zum Ablenken der Wachleute. So schaltet Boss beispielsweise kurzerhand den Strom aus und legt das gesamte Lager lahm. Während die Soldaten in heller Aufruhr sind, schleicht er sich in Millers Gefängnis und befreit den guten Mann. Für eine schnelle Flucht ruft Boss – ähnlich wie Geralt in The Witcher 3: Wild Hunt – sein treues Pferd herbei. Er wirft Miller kurzentschlossen auf den Rücken des Rosses und reitet im Galopp davon.

Wie schon in Ground Zeroes muss der Agent seine Flucht selbst anleiern. Über den iDroid ruft er einen Rettungshubschrauber und entscheidet über die gewünschte Landungszone. Das ist besonders bei spontanen Rettungsaktionen oder Problemmissionen ausgesprochen nützlich. Gleichzeitig greift der Heli auch in die Kämpfe ein.

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Bevor Snake ein Lager infiltriert, späht er mit dem Feldstecher Feinde aus. Diese sind dann sogar durch Wände erkennbar.
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In einer späteren Aktion ruft Boss den Hubschrauber zur Unterstützung und legt dabei das Zielgebiet des Angriffs fest. Auf diese Weise kann man gegnerische Trupps klasse ablenken und in deren Rücken unbeschadet zum Zielgebiet vordringen. Aber Achtung: Wird die Propellermaschine abgeschossen – etwa durch FLAK-Stellungen –, müssen die Diamond Dogs tief in die Portokasse greifen und einen neuen Hubschrauber kaufen.

BWL-Kurs für Agenten

Die Missionen nach der Flucht aus dem Krankenhaus drehen sich um den Aufbau der Diamond Dogs und deren Mother Base. Kazuhira Miller kümmert sich um die Organisation und erklärt Boss die Grundlagen. Auf der Mother Base gibt es verschiedene Bereiche, beispielsweise die Entwicklungsabteilung oder die Unterstützungseinheit. Neues Personal rekrutiert Boss im Feld: Benommenen Wachen klemmt er einfach einen Wetterballon an den Allerwertesten. Nach einigen Minuten taucht der Kollege dann an Deck der Mother Base auf. Gleiches gilt für Rohstoffe und Tiere – wie den Wildhundelpen DD, den Boss kurzerhand adoptiert. Tolle Idee, ich mag Hunde! Um Fahrzeuge oder Geschütze zu klauen, benötigt es ein fortgeschrittenes Upgrades für den Wetterballon, das in den ersten sechs Missionen noch nicht verfügbar war.

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Leises Vorgehen wird belohnt: Für eingesteckte Treffer und ausgelöste Alarme gibt es in der Missionsbewertung Abzüge.
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Objekte wie Waffen und Gadgets lassen sich in sechs Kategorien aufrüsten – gut ausgebildetes Personal und ausreichend Ressourcen vorausgesetzt. Im Feld entdeckt man immer wieder unreines Metall oder andere noch zu verarbeitende Rohstoffe. Bis man sie nutzen kann, vergehen ebenfalls einige Minuten. Ganz ähnlich läuft die Erweiterung der Basis. Wer immer mehr Personal an Bord bringt, braucht alsbald zusätzliche Plattformen. Der erste Ausbau dauert 60 Spielminuten und erfordert ein hohe Erfahrungsstufe der Entwicklungsabteilung. Diese hängt wiederum von der Qualität und der Quantität der eigenen Leute ab. Die Personalplanung wird zum wichtigen Element in Metal Gear Solid V: Phantom Pain, da man nur so an zusätzliche Funktionen und Baumöglichkeiten kommt.

Gleichzeitig gefallen aber auch die Details abseits des großen Ganzen. Die Mannen von Cipher sprechen beispielsweise anfangs nur Russisch. Wer nicht in der DDR groß geworden ist oder einen Hochschulkurs belegt hat, versteht also erst mal gar nichts. Nimmt Boss aber in einer Nebenmission einen russischen Dolmetscher gefangen, kann er Soldaten belauschen und die Sprachausgabe wechselt von Russisch auf Englisch (mit deutschen Untertiteln).

Überhaupt gab es in der Probefassung viele freischaltbare Zusatzaufgaben. Alle sechs Hauptmissionen besaßen zwei Pflichtübungen und mindestens drei weitere versteckte Geheimziele, die man erst mit zusätzlichen Informationen aktiviert.