Selten habe ich so laut gelacht bei einem Test, aber Metal Gear Online ist das perfekte Troll-Paradies. Nicht für nervende Camper, die euch dieses Jahr noch in Call of Duty: Black Ops 3 oder seit Donnerstag in Star Wars: Battlefront durch den Trollwolf drehen werden, sondern für acht kreative Spieler auf jeder Seite.

Klar, ihr könnt an einen Scharfschützen heranschleichen, ihm einen Kopfschuss aus gewisser Distanz verpassen oder die virtuelle Halsschlagader aufritzen. Doch warum so langweilig? Viel spaßiger ist es doch, ihn auszuknocken und als menschliches Schild vor sich zu pressen. Der feindliche Spieler kann in diesem Moment nicht viel machen, er nimmt aber die Umgebung aus einer leicht verschwommenen First-Person-Sicht wahr. Trommelt er auf dem Controller herum, wacht er etwas schneller auf, ansonsten schaut er mitten ins Verderben. Denn seine Kollegen eröffnen natürlich das Feuer auf euch, treffen aber nur ihn. Nun, schade.

Die Klassen im Detail: C4 am Rücken kann auch entzücken

In Metal Gear Online gibt es die drei Klassen: Infiltrator, Scout und Enforcer. Prinzipiell bedient sich Kojima Productions Los Angeles respektive Konami L.A. vieler Shooter-Standards, setzt sie aber eine ganze Ecke smarter, kreativer und weniger verkopft als die Konkurrenz ein. Wo es in Call of Duty komplexe Technologie wie Waffenaufsätze, Drohnen oder Perks bedarf, um feindliche Einheiten für das ganze Team auf der Karte zu markieren, könnt ihr euch als Infiltrator kurzzeitig unsichtbar machen, an einen Gegner heranpirschen, ihm ein Messer an den Hals halten und so die Aufenthaltsorte seiner Gruppe aus ihm herausbekommen.

Metal Gear Online - Ein Troll-Paradies im positiven, weil kreativen Sinne

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Unsichtbar heißt wirklich unsichtbar, die Infiltrator-Klasse lässt sich nur mit Spezialausrüstung enttarnen und erpresst auch noch die Standorte eurer Kollegen von euch.
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Anschließend legt ihr ihn schlafen wie einen braven Pazifisten und lasst ihn vom Fulton-Ballon abholen, weil es dafür mehr Erfahrungspunkte gibt, als ihn einfach zu killen. Wobei ihr ihn auch ausknocken, ein C4-Paket an den Rücken kleben, in die Luft segeln und dann explodieren lassen könnt – so das mehr eurem Stil entspricht. Die Scout-Klasse hingegen sind klassische Scharfschützen, die allerdings deutlich besser zu Metal Gear Online passen als zu anderen Shootern. Denn die Karten sind sehr groß und verwinkelt, zudem bietet insbesondere der Dschungel entsprechenden Tarnschutz. Das Pacing ist trotzdem ziemlich rasant, mehr Battlefront, weniger Socom. Und wo wir gerade bei Battlefront sind: dort gibt’s das Buddy-System, wo euch ein Kumpel beispielsweise mit seinem tragbaren Energieschild Feuerschutz bietet, während ihr per Jetpack-Sprung einen AT-ST auf Endor ausknipst. So ähnlich solltet ihr auch die Enforcer-Klasse spielen, die auf durchschlagsstarke Waffen mit hoher Feuerrate, Kevlar-Rüstungen und schusssichere Schilde spezialisiert sind.

Schilde gegen D-Walker, Welpen gegen Scharfschützen

In den meisten Spielen sind Schilde nur wirksam, wenn ihr sie vor euch haltet. Nicht so in Metal Gear Online, wo ihr ein Kevlarschild am Rücken tragt, euch wundert, warum es ständig „Klonk“ macht und dann erst feststellt, dass jemand gerade ein halbes Magazin in euren Schildkrötenpanzer versenkt hat. Die Schilde sind also wirklich sehr resistent und fast so stark wie in Rainbow Six: Siege, weshalb ihr ähnliche Taktiken implementieren solltet: einer geht mit dem Schild voran, der andere trägt es auf dem Rücken und feuert. Dadurch bildet ihr fast schon so eine Art Schildkrötenformation, wie es die römische Legionen in Rome 2: Total War so schön vormachten.

Metal Gear Online - Ein Troll-Paradies im positiven, weil kreativen Sinne

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Jupp,, ihr könnt euch einen Krokodilskopf freischalten und damit rumlaufen. Das ist reichlich absurd, aber was ist schon nicht absurd an einem Metal Gear?
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Das ist insbesondere wichtig, wenn sich der Feind einen der D-Walker auf der Karte schnappt, denn die machen richtig viel Schaden. Mit Schild haltet ihr aber durchaus eine Weile durch, mit etwas Glück genug um eine Granate zu werfen. Oder aber ihr lasst den Gegner sein Feuer auf euch konzentrieren, während Infiltrator unsichtbar über die Mauer schleichen und sich von oben auf den „Fahrer“ werfen.

Metal Gear Online ist der kreativste Multiplayer-Shooter, den ich seit langem gespielt habe. Hier stecken wahnsinnig viele gute Ideen drin – allerdings braucht die Balance noch einen Patch.Fazit lesen

Auch beim Blick in den Waffenschrank zeigt sich übrigens, wie durchdacht Metal Gear Online designt ist: ihr könnt als Infiltrator beispielsweise Schrotflinten mit Gummigeschossen freischalten. Damit lassen sich Gegner recht effizient auch in größerer Zahl ausknocken, weil die Waffe nicht nach jedem Schuss wie sonst üblich nachladen muss. Und anschließend sammelt ihr die Jungs per Fulton-Ballon ein, gibt schließlich mehr Punkte.

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Boba Fett freut sich: Bounty-Hunter und Cloak & Dagger

Etwas schade ist, dass es keinen wirklichen Häuserkampf in Metal Gear Online gibt. Die Karten sind alle recht offen gestaltet, egal ob ihr im afrikanischen Dschungel Jade Forest, auf einem Luftwaffenstützpunkt namens Black Site, auf dem Gray-Rampart-Damm oder dem Fort Red Fortress in Afghanistan spielt. Das begünstigt Scharfschützen, weil eine sehr hohe Weitsicht gegeben ist. Allerdings könnt ihr genau wie im Hauptspiel einen Karton auswerfen und darauf „surfen“ oder euch einfach auf den Bauch schmeißen – das kontert Heckenschützen relativ effizient aus.

Zudem solltet ihr im Team natürlich eure Infiltrator auf Präzisionsschützen ansetzen, je nachdem, welchen Modus ihr spielt. Darunter gibt’s Klassiker wie Comm Control, was im Grunde Capture the Flag oder Drop Zone in Battlefront entspricht, ergo muss ein Team bestimmte Satellitenschüsseln verteidigen, das andere sie erobern. Spaßig und taktisch angelegt, aber keine große Überraschung.

Metal Gear Online - Ein Troll-Paradies im positiven, weil kreativen Sinne

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Sind die Mikrotransaktionen einen Aufreger wert? Eher nicht, weil sie sich nur auf die FOB-Basen beziehen. Die könnt ihr jetzt versichern, werdet bei einem Angriff dann entschädigt.
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Witziger, spannender und interessanter fangen Bounty-Hunter sowie Cloak & Dagger die Metal-Gear-Faszination ein. Im ersten Modus kämpft ihr wie gewohnt, allerdings erhöht sich euer Kopfgeld je mehr Gegner ihr erledigt. Angenommen ihr holt zehn Punkte, dann wird euer Kopfgeld von eins auf elf erhöht. Damit werdet ihr automatisch zur Zielscheibe, weil das andere Team nur euch entweder töten oder im besten Fall per Fulton-Ballon entführen muss, um sich massiv Punkte zu sichern und die Runde zu drehen. Zum Fangen steht übrigens auch eine Ballonfalle zur Verfügung, eine Art stationärer Granatwerfer, der ein Netz auswirft und euch so entführt. Der Ballon kann allerdings genau wie im Hauptspiel zerschossen werden, Teamkommunikation ist also das A und O.

In Cloak & Dagger hingegen verfügen die Angreifer über D-Walker und schwere Waffen, während ihr als Angreifer nur mit nicht-tödlicher Munition operiert und einen Stealth-Anzug tragt, der kaum Kugeln aushält. Werdet ihr entdeckt, sterbt ihr sehr schnell. Ergo müsst ihr schleichen und euch vor allem gut im Team abstimmen: ein kleiner Teil greift an, opfert sich vielleicht sogar im Feuergefecht, damit zwei andere sich gegenseitig deckend vorrücken und eine Disc sichern können. Damit müsst ihr es dann zum Abholpunkt schaffen, natürlich ohne gesehen zu werden. Daraus entspinnt sich ein spannendes Katz- und Mausspiel, wobei ihr die Maus seid, euch verstecken und mit der Umgebung verschmelzen müsst. Euch in die Hände spielt dabei eine Sandsturm, der euch Zeit bringt. Allerdings solltet ihr einen großen Bogen um kleine, süße D-Dog-Welpen machen: die stunnen euch nämlich für einige Sekunden. Aber immerhin sterbt ihr dann mit aufsteigenden Herzchen über euch.

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