Was war das für eine Überraschung, als bei den Video Game Awards ein Trailer zu einem Spiel gezeigt wurde, das man sofort für einen 'Metal Gear Solid'-Ableger hielt. Doch weder Studio (Moby Dick Studio) noch Titel (The Phantom Pain) ließen den Schluss auf einen womöglichen fünften Teil der 'Metal Gear Solid'-Reihe zu. Trotzdem beharrten Fans darauf, dass es sich bei dem schwedischen Entwicklerstudio Moby Dick Studio nur um ein Fake-Studio handeln und dessen CEO Joakim Mogren nur ein Strohmann für Hideo Kojima sein würde. Nun hatte Geoff Keighley die Gelegenheit, ein Interview mit Joakim Mogren zu führen.

Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain - 'Moby Dick Studio'-CEO Joakim Mogren und die Fox-Engine

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Fox Engine mit beeindruckendem Fotorealismus
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So schrieb Geoff Keighley über Twitter, dass er Joakim Mogren interviewen würde. Und nach dem Interview twitterte er, dass er so einen Mann bislang noch nicht getroffen hätte. In der Tat scheint es ein recht bizarres Interview geworden zu sein. Zwar war bekannt, dass Joakim Mogren einen Unfall hatte, aber dass er mit komplett bandagiertem Kopf erscheinen würde, war dann doch recht befremdlich.

Das Interview, welches man sowohl einzeln, als auch in der aktuellen GT.TV-Ausgabe sehen kann, ist auch nicht besonders lang. Im Grunde wird nur (unfreiwillig) bestätigt, dass The Phantom Pain auf der Fox-Engine basiert und dass Moby Dick Studio auf der kommenden Game Developers Conference 2013 in San Francisco einen neuen Trailer präsentieren will, welcher laut Joakim Mogren alle Fragen beantworten soll. Weder konnte Mogren bestätigen, dass The Phantom Pain auf einer Next-Generation-Konsole erscheint, noch konnte er bestätigen, ob sein Studio Entwickler-Kits für die PS4 hat.

An sich wäre das Interview also eine recht belanglose Angelegenheit geworden, wäre es nicht aufgrund Joakim Mogren selbst interessant.

Die Sache ist die, wer GT.TV regelmässig schaut und Moderator Geoff Keighley kennt, weiß, dass er bei Interviews auch gern neben seinem Interview-Partner steht, damit beide im selben Ausschnitt zu sehen sind. In derselben Episode von GT.TV wird das ganz gut beim Interview mit Shigeru Miyamoto demonstriert, welches mit einer Halbtotalen eröffnet wird, in der sowohl Keighley, wie auch Miyamoto und sein Dolmetscher zu sehen sind. Das ist hier beim Interview mit Joakim Mogren allerdings nicht der Fall.

Mehr noch, wirkt das Interview wie die Zusammensetzung zweier unterschiedlicher Aufnahmen. Oder gar die Kombination von Filmmaterial mit CGI. Richtig, wer das Interview bereits gesehen hat, dem wird aufgefallen sein, dass Geoff Keighleys Gesicht, trotz vermeintlich gleichem Ausgangsmaterial doch etwas heller ausgeleuchtet und weniger "clean" wirkt, während Joakim Mogrens Gesicht trotz Bandagen doch etwas zu poliert, zu künstlich erscheint. Zudem wirken seine Bewegungen und seine Mimik leicht abgehakt, während Keighleys Bewegungen flüssig und menschlich bleiben. Auffallend auch, dass Mogren sehr oft und sehr lang seine Augen geschlossen lässt.

Gegen Ende des Interviews unterläuft Mogren bei der Präsentation einiger Screenshots aus The Phantom Pain ein folgenschwerer Fehler. Das Logo der Fox-Engine ist in der unteren Ecke zu sehen, worauf Mogren sichtlich schockiert reagiert. Doch ein Entwickler, der alles daran setzt, möglichst keine Informationen über sein kommendes Spiel herauszurücken, würde doch niemals sichtbare Wasserzeichen setzen, die etwas über das Spiel verraten würden. Zwar wurde bereits im Vorfeld vermutet, dass bei The Phantom Pain die Fox-Engine zum Einsatz kommt, doch diese vermeintliche Enttarnung war wohl als weiterer Hinweis gedacht. Sonst hätte das ganze Interview ja sein Ziel verfehlt.

Ein weiterer, weitaus wichtigerer Hinweis dürfte sogar Joakim Mogren selbst sein. Wie absurd es auf den ersten Blick auch zu scheinen mag, wie bereits einige User auf Neogaf vermuteten, könnte es tatsächlich sein, dass Joakim Mogren in dem Interview garnicht wirklich existiert, sondern lediglich CGI-gerendert wurde, um die Fähigkeiten der Fox-Engine zu demonstrieren. Das würde auch seine Bandagen erklären. Erstens wirkt er dadurch wie der bandagierte Patient aus dem Trailer, der dem Protagonisten hilft und zweitens ist es dadurch nicht allzu offensichtlich, dass Mogren animiert ist.

Hinzu kommt, dass Geoff Keighley das Interview führte. Und er war auch für die Video Game Awards zuständig. Man erinnere sich, dass der Trailer zu The Phantom Pain erstmals bei den VGA 2012 gezeigt wurde. Und als Produzent der Verleihung, wird Keighley sicher Bescheid gewusst haben, wen er da was zeigen lässt. Die Vermutung liegt also nahe, dass er und Kojima gemeinsame Sache machen.

Natürlich könnte Joakim Mogren auch echt sein. Dann aber dürfte es sich bei der Person wohl eher um einen Darsteller handeln, der eine perfekte Show abliefert. Manche Quellen behaupten sogar, dass es sich bei der Person um Cliff Bleszinski handeln soll, der gut mit Kojima befreundet ist.

Doch eines der besonderen Merkmale der Fox-Engine ist ihre Fähigkeit, nahezu fotorealistische Gesichter darzustellen. In dem Bild oben wird das Gesicht eines Mannes gezeigt, dessen linke Gesichtshälfte mit der Fox-Engine kreiert wurde. Dennoch kann man die Unterschiede bei genauerem Betrachten ausmachen. So sind die Ohren nicht ganz abgerundet, das Haar zu anliegend und wenig strähnig, das Gesicht an sich zu poliert, die Schattierung zu stark und das Licht wird noch zu sehr ohne die typische Streuung reflektiert. Alles Defizite, denen man zuvorkommen kann, indem man das Gesicht komplett bandagiert. Dennoch ist das Gezeigte eine gute Demonstration, was den Spieler auf der PS4 erwartet.

Zurück zu The Phantom Pain. Sollte es sich tatsächlich um einen 'Metal Gear Solid'-Ableger oder gar um Metal Gear Solid 5 handeln, würde es, wie Hideo Kojima erst kürzlich mitteilte, sowieso entweder von ihm höchstpersönlich oder zumindest bei Kojima Productions produziert werden, da er meinte, alle nummerierten 'Metal Gear Solid'-Titel selber produzieren zu wollen. Und da ein findiger Fan bereits über die Einschnitte des 'Phantom Pain'-Titels herausfand, dass es sich um ein 'Metal Gear Solid'-Titel handeln muss, dürfte klar sein, dass es das Moby Dick Studio nicht gibt und in Wahrheit Kojima Productions dahintersteckt. Das, oder The Phantom Pain ist wie Metal Gear Rising: Revengeance bloss ein Spin-off, was eher unwahrscheinlich sein dürfte.

Wie dem auch sei, spätestens zur Game Developers Conference 2013 in San Francisco wird der neue Trailer alle Fragen beantworten. Und wenigstens dieser Ankündigung darf man tatsächlich Glauben schenken.

Die Diskussion auf Neogaf, ob es sich bei Joakim Mogren um eine CGI-Figur oder einen Darsteller handeln soll, hat mittlerweile eine beachtliche Seitenzahl erreicht. Wenn diese ganze Geheimnistuerei, die Aufmerksamkeit der Spieler auf das Spiel lenken sollte, dann hat Kojima Productions...pardon, Moby Dick Studio ganze Arbeit geleistet.

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