Wenn Spieler über besondere Gaming-Erlebnisse in ihrem Leben sinnieren, fällt vielen gamona-Redakteuren spontan ein ganz bestimmter Moment auf der Games Convention 2006 ein: Damals zeigte uns Konami voller Stolz und hinter verschlossenen Türen die ersten Cinematics aus Metal Gear Solid 4.

Mit weit aufgerissenen Augen verfolgten wir das Geschehen und zogen allesamt das atemlose Fazit: „Das war vermutlich die beste Render-Sequenz, die wir je in unserem Leben gesehen haben!“ Mit einem Grinsen im Gesicht ernteten wir für unseren Kommentar von den Entwicklern allerdings nur ein Kopfschütteln und die Erwiderung: „Nee, nee, das war keine Render-Sequenz! Das war alles Ingame-Grafik!“ Seitdem ist uns klar: Dieses Spiel müssen wir unbedingt live erleben! Und nun war es endlich so weit…

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Der Krieg hinterlässt seine Spuren…

Die Zeiten ändern sich - und mit ihnen die Kriege, die sie hervor bringen. In der Welt von Snake kämpfen nicht mehr Nationen und Staatsoberhäupter um Ländereien und Ressourcen, stattdessen übernehmen private Söldnerarmeen und Roboterkrieger diesen Job. Auch an Snake selbst hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen: Tiefe Furchen ziehen sich durch das Gesicht des Helden von einst, die ehemals volle Mähne wirkt ergraut und altersmüde.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Die volle Dröhnung: Wir haben Einzel- und Mehrspieler-Modus angezockt.

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In Würde gealtert? Snake ist kaum wiederzuerkennen.
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Wieso dem Protagonisten der „Metal Gear“-Serie dermaßen der Sand der Zeit in den Knochen steckt, während seine aus den Vorgängern bekannten Kampfesgefährten kaum gealtert scheinen, dürfte einen Schlüsselpunkt der Story von „Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots“ bilden. Über diese ist zum jetzigen Zeitpunkt nur wenig bekannt. Die wenigen Zwischensequenzen, die wir in einem voll spielbaren Level bewundern durften, lassen sich aber in diese Richtung deuten.

Das ist die perfekte Welle...

Am Gameplay der Serie hat sich auch in Teil 4 nichts Grundlegendes geändert. Noch immer steht umsichtiges Vorgehen auf bevorzugt leisen Sohlen im Vordergrund. Allerdings versprechen die Entwickler einen abwechslungsreicheren Spielablauf in „Wellenform“: So sollen sich Schleich-Passagen immer wieder mit Situationen abwechseln, in denen ihr auch mal guten Gewissens zum Raketenwerfer greifen dürft, ohne dass euch das Spiel für dessen Lärmpegel umgehend abstraft.

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Mutter der Porzellankiste: Wenn Snake nicht eingreift, bleiben die Gegner neutral.
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Oft habt ihr auch selbst die Wahl über eure bevorzugte Spielweise: In dem von uns angespielten Level, der im fertigen Spiel knapp am Anfang zu finden sein wird, gerät Snake mitten zwischen die Fronten zweier verfeindeter Parteien in einer halb zerstörten Ruinenstadt. Verhält sich der Spieler unauffällig und greift nicht ins Kampfgeschehen ein, so verhalten sich auch die gegnerischen Soldaten neutral und nehmen ihn nicht als Zielobjekt wahr.

Sei kein Frosch und grill die Ente: Der Online-Part von Metal Gear rockt! Und technisch spielt Teil 4 sowieso alleine in seiner eigenen Liga.Ausblick lesen

Nehmt ihr dagegen einen NPC aufs Korn, reagieren seine Kameraden fortan allergisch auf euren Anblick. Freund und Feind sind auf die Weise also nicht zwangsweise von vornherein festgelegt, sondern ergeben sich direkt aus eurer Handlungsweise heraus.

Karma-Chamäleon

Damit es erst gar nicht so weit kommt, verfügt Snake über zahlreiche Mittel zum Tarnen und Täuschen. Wer einem patrouillierenden Soldaten aus dem Weg gehen möchte, versteckt sich beispielsweise in einem Müllcontainer. Allerdings solltet ihr danach besonders empfindlichen Spürnasen nicht zu nahe kommen, da Snake den Geruch des Abfalls annimmt.

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Dank OctoCamo-Suit kann Snake mit jeder Wand verschmelzen.
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Ein ähnlich wirkungsvolles, aber ungleich cooleres Tarnmanöver ist die Mutation zur Statue: Als wir einen von allen Seiten einsehbaren Platz überqueren, bietet sich eine, griechischen Heldenstatuen nachempfundene, Skulptur als dankbares wie ungewöhnliches Versteck an. Per Knopfdruck erklimmt Snake das Podest und reiht sich einen Augenblick später regungslos in die Reihe der Steinfiguren ein. Origineller Gag für alle Sittenwächter: In seiner Pose verdeckt Snake mit ausgestrecktem Arm den entblößten Schritt des benachbarten Marmor-Adonis. Sehr cool!

Zentrales Tarn-und-Täusch-Gadget ist jedoch der OctoCamo-Anzug. Mit dieser farbveränderlichen Weste nimmt Snake sofort das Muster seiner Umgebung an, sobald er sich an eine Wand drückt. Die Entwickler erstellten hierfür Hunderte von Texturen – von einfachem Rehgips-Putz bis hin zu schachbrettartigen Kachelmustern. Nachteil: Während Snake so an die Wand gepresst für seine Widersacher regelrecht unsichtbar ist, kann er seine Waffe nicht einsetzen und muss regungslos ausharren, bis die Gefahr vorüber ist.

Achtung, jetzt kommt ein Karton!

Ist gerade keine Wand in Reichweite, kann Snake auch auf bewährte tragbare Verstecke aus seinem Inventar zurückgreifen: Wer sich den mobilen Pappkarton über den Kopf stülpt, ist sofort vor neugierigen Blicken geschützt – vorausgesetzt er wandelt damit nicht auffällig vor den Augen des Gegners herum. Auch die verrostete Tonne bietet sich als Instant-Versteck an. Im liegenden Zustand könnt ihr damit gar feindliche Soldaten über den Haufen rollen, müsst dann aber durch den Lärm mit der erhöhten Aufmerksamkeit seiner Kollegen rechnen.

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In der Zukunft werden Kriege mit High-Tech-Waffen entschieden.
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Wer bereits entdeckt oder gar beschossen wurde, kann sich auch einfach tot stellen. Die Feinde freuen sich dann lautstark über den vermeintlichen Instant Kill und beachten Snake nicht weiter. Doch so ganz doof ist die KI wiederum nicht: Bei Verdacht kommen sie schon mal näher und untersuchen den tot geglaubten Körper misstrauisch stochernd mit dem Lauf ihrer Waffe. Hier entscheidet der Zufall bzw. eure Nervenstärke, ob die Lüge auffliegt oder nicht.

Stress, lass nach!

Damit der Spieler in der Hitze des Gefechts stets den Überblick behält, ist Snake mit einer ringförmigen Anzeige umgeben, die euch in Form kleiner und großer Ausbuchtungen die Richtung aktueller Feinde verrät. Die Farbe des Rings markiert zudem eure Gefahrensituation: Ist er weiß, hat euch noch niemand entdeckt, verfärbt er sich dagegen rot, solltet ihr euch auf sofortigen Feindkontakt einstellen.

So viel Aufregung ruft natürlich selbst im abgebrühtesten Söldner die Stress-Hormone auf den Plan: Befindet sich Snake unter andauerndem Beschuss, schlägt sein Stress-Meter aus, was zu Ermüdungserscheinungen und verminderter Zielgenauigkeit führt. Hier hilft meist nur: Beine in die Hand nehmen!

Snake geht online

Besonderen Wert legt Konami auf den umfangreichen Mehrspieler-Modus „Metal Gear Online“, der erstmals bei unserem Besuch spielbar war. Nach dem ausgewiesen taktischen Schleich-Gameplay der Singleplayer-Kampagne überraschte uns jedoch zunächst die eher konventionelle Machart der Multiplayer-Modi: Bei den klassischen Spielvarianten Deathmatch und Capture the Flag zählt weniger das MGS-typische leise und bedächtige Vorgehen als vielmehr ein schneller Abzugsfinger und der richtige Wumms.

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Teamplay: Im Lauf der Kampagne treffen wir auf zahlreiche bekannte Gesichter.
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Zwar lassen sich auch hier die üblichen Gadgets wie Pappkartons und Fässer einsetzen, doch erwiesen sich diese in der Praxis als nur bedingt hilfreich: Wer als wandelnde Umzugskiste übers Schlachtfeld wandert, ist nicht nur ein dankbares Ziel für seine Gegenspieler, er macht sich auch unfreiwillig lächerlich. Die coole OctoCamo-Weste kam dagegen gleich gar nicht zum Einsatz. Da Konami aber noch lange nicht alle Modi offiziell angekündigt hat, erwarten wir in dieser Hinsicht noch so manche Überraschung. Zumindest versprechen die Entwickler ein wirklich „einzigartiges Gameplay“.

Nichtsdestotrotz machten bereits die klassischen Modi einen Heidenspaß. Metal Gear Online spielt sich schnell, knackig und actionreich. Die Steuerung auf der PS3 funktioniert erstaunlich gut – vorausgesetzt man schaltet das Auto-Aiming ab. Denn das manuelle Zielen beim Blick über die Schulter klappt so präzise, dass es der computer-gestützten Variante klar überlegen ist.

Sei kein Frosch!

Gelungen sind vor allem auch die vielen netten Details, die sich die Entwickler ausgedacht haben: So könnt ihr auf der Map „Grozny Grad“ (übrigens eine Hommage an eine Location in MGS3) eine Abkürzung der besonderen Art nehmen und euch per Katapult auf das Dach eines Lagerhauses schleudern lassen. Wenn euer Charakter dann schnittig durch die Luft gleitet, weckt dies Erinnerungen an die seligen Zeiten des Rocket Man.

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Der Metal Gear kann sich unsichtbar machen und mit Stromstößen in den Kampf eingreifen.
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Auch sehr witzig: Statt im Capture-the-Flag-Modus bunte Fahnen zu klauen, streiten sich eure Teams in MGO um Gummi-Ente und Laubfrosch. Vielleicht nimmt das ja der Killerspiel-Debatte ein wenig den Wind aus den Segeln, wenn demnächst auf LAN-Partys nicht mehr martialische „Headshot!“-Rufe erschallen, sondern Spieler ihre verlorene Ente betrauern oder in Jubelgeschrei verfallen, weil sie einem Frosch über die Straße geholfen haben…

Skillzone

Solch detailverliebte Gimmicks sind zwar schön und gut, doch sind sie für das Gameplay eher unerheblich. Hierfür setzt Konami auf zwei zentrale Multiplayer-Features: Skills und das neuartige SOP-System. Jeder Spieler kann sich mit bis zu drei Skills ausrüsten, die z.B. seinen Umgang mit den einzelnen Waffen verbessern, für mehr Geschwindigkeit sorgen oder die Position des Gegners anzeigen, der euch unter Beschuss nimmt. Die Skills lassen sich zudem in drei Stufen ausbauen. Um Chancengleichheit zu gewährleisten werden die Updates jedoch nicht permanent sein.

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Schweres Geschütz: Bei solchen Kalibern erübrigt sich lautloses Vorgehen.
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Das neuartige SOP-System erwies sich in der Praxis als dermaßen hilfreich, dass es in Bälde vermutlich aus dem Mehrspieler-Genre nicht mehr wegzudenken sein wird: Salutiert ihr per Knopfdruck vor euren Teamkameraden, seid ihr ab sofort mit diesen „verlinkt“. Infolgedessen seht ihr jederzeit deren Position im Level – selbst durch Wände und Fußböden hindurch. Dem entsprechend macht dieses Feature ein taktisches Teamplay in ganz neuer Qualität möglich, da ihr euer Vorgehen auch ohne umständliches und ständiges Absprechen sehr leicht koordinieren und aufeinander abstimmen könnt.