Es gibt tatsächlich ein eigenes Wiki für Metal Gear Solid. Dort soll die bisherige Geschichte der drei Playstation-Titel en Detail aufgelistet, erklärt und protokolliert werden. Das haben wir uns durchgelesen. Komplett. Und wissen genau so viel wie vorher. Etwa dass man die Hintergrundgeschichte von Metal Gear unmöglich in einem Satz zusammenfassen kann. Oder in zwei. Oder drei.

Hideo Kojima verspricht für das Finale seiner Kult-Saga jedoch Klärung. Offene Fragen sollen beantwortet, lose Storyfäden zusammengeführt werden. Überhaupt: „Unser Hauptanliegen ist es, den Fans einen grandiosen Abschluss zu bescheren“, versicherte uns der Meister bei unserer Spielsession in Paris. Ob dieser hohe Anspruch tatsächlich erfüllt wurde, klärt unser ausführliches Review.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Courage is Solid Trailer 7 weitere Videos

Foxdie, Shadow Moses, Outer Heaven, Shagohot, Dead Cell, das Erbe der Philosophen, die Geheime Bruderschaft der Patrioten und so weiter und so fort. Diese Liste wichtiger Metal Gear-Begriffe könnte man noch einige Zeilen lang weiter führen – so wirklich schlau werden aber selbst hartgesottene Fans nicht aus den extrem verzwickten Irrungen und Wirrungen der gefeierten Schleichersaga.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 205/2151/215
Der Jüngste ist er nicht mehr: Snake ist vom Alter gezeichnet - oder hat sein Verfall andere Gründe?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer sich vom nunmehr vierten Teil den rettenden Lichtschweif im Storydunkel erhoffte, wurde zumindest von den ersten bewegten Bildern arg vor den Kopf gestoßen: Tiefe Furchen ziehen sich durch Solid Snakes Gesicht, der einstige Undercover-Strahlemann hat sich zu einem gebrechlichen Schatten seiner selbst entwickelt. Will heißen: Snake ist uralt – ohne jedoch, dass eine prägnante Zeitspanne vergangen wäre.

Snakes letzte Mission

Die Lösung des Rätsels – sowie einige weitere ungeklärte Fragen und bisher nicht gelüftete Geheimnisse – präsentieren Kojima und Co. auf gewohnt ausufernde Weise. Sprich: In ellenlangen Zwischensequenzen quasseln sich die Hauptcharaktere gegenseitig ’nen Knopf an die Backe, philosophieren fleißig vor sich hin oder üben sich in - gerade für asiatische Animefilme typischen – Selbstgesprächen.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden10 Bilder
Zwischen den Aufträgen gibt's ein Missionbriefing - und zwar gute 30 Minuten lang...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das kann dann im Extremfall auch schon mal geschlagene eineinhalb Stunden dauern, bis ihr das Gamepad wieder in die Hand nehmen dürft. Nur in ganz seltenen Fällen dürft ihr auf Knopfdruck die Kameraposition verändern. Ansonsten heißt es meist: Abwarten und zuschauen. Metal Gear-Fans haben sich an diesen „ausschweifenden“ Erzählstil längst gewöhnt, wem es stattdessen nach konsequenter Daueraction gelüstet, wird wahrscheinlich auch mit dem vierten Serienteil nur wenig Freude haben.

Rührender Nostalgie- Trip, der seine Vorgänger leider nicht um neue Ideen erweitert.Fazit lesen

Zum Glück fallen dieses Mal die mehrminütigen Codec-Gespräche der Vorgänger beinahe komplett weg – der Großteil der zwar komplexen aber extrem fesselnden Geschichte wird per Cut-Scene weitergesponnen. In diesen erfahren wir unter Anderem, was aus Oberfiesling Liquid Ocelot geworden ist, wie es mit dem Jungspund Raiden weitergeht oder welche verheerenden Auswirkungen der Foxdie-Virus auf Snake hat.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 205/2151/215
Genial choreografiert: Die Regie der CutScenes ist absolut meisterlich.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei beeindruckt vor allem die überragende Regie: Wenn sich der junge Schwertmeister Raiden und Bösewicht Vamp in einem spektakulär choreographierten Schwertkampf samt dramatischem Finale gegenseitig auf die Nuss geben, während sich die Kamera bedrohlich um die beiden Kontrahenten dreht, werden Erinnerungen an virtuose Kinokracher der Marke „Hero“ oder „Tiger and Dragon“ wach.

Optik von damals

Dass diese Szenen so unglaublich lebensnah wirken, ist dabei in erster Linie den genial-geschmeidigen Animationen geschuldet – besonders glaubhaft wirkt etwa die Mimik der Charaktere, die Emotionen wie Liebe, Trauer und Schuld perfekt auf den Bildschirm transportiert. Zusammen mit der professionellen Vertonung und dem Score (wie immer aus der Feder von Hollywood-Veteran Harry Gregson Williams) entsteht so die wohl packendste Erfahrung seit es Videospiele gibt.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden10 Bilder
Texturen aus der Vergangenheit: Vor allem in Innenräume siehts erschreckend matschig aus.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Leider hält das grafische Gerüst diesem Vergleich nicht immer stand. Wo in den Cut Scenes dank Shader-Einsatz und Bloom-Effekten zumeist absolute Brillanz und optische Schärfe herrschen, wirken gerade die Texturen der Innenräume stark verwaschen. Deren Pixellook weckt im schlechtesten Fall gar Erinnerungen an die PS2-Vorgänger – für einen NextGen-Titel mit Multi-Millionen-Budget eigentlich ein Unding.

„Als wir MGS4 zum Ersten mal auf der Tokyo Game Show präsentierten, hielten wir die PS3 für eine Traumkonsole. Wir mussten jedoch schnell erkennen, dass es eine Menge Beschränkungen in der Hardware gibt, weswegen wir unsere Visionen nicht in die Tat umsetzen konnten, da wir zehn Schritte weiter gehen wollten, letztendlich aber nur einen schafften", bedauerte Kojima diesen Umstand vor einiger Zeit in einem Interview.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 205/2151/215
An anderer Stelle beeindrucken dagegen geniale Animationen und schicke Lichteffekte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Eine fragwürdige Entschuldigung: Vergleicht man „Guns of the Patriots“ etwa mit dem wunderschönen „Uncharted: Drakes Schicksal“ aus dem letzten Jahr, wirkt die gescholtene Hardwareschwäche der PS3 als Argument nicht mehr ganz so schlüssig. Der Fairness halber sei allerdings gesagt: Die Schwächen der Grafikengine schmälern das ansonsten durchweg positive Spielerlebnis nur minimal.

Zwei Wege führen zum Sieg

Mit seiner ernüchterten Feststellungen spielt Kojima allerdings noch auf ein anderes Problem an. Denn auch am Gameplay hat sich seit den Vorgängern nur wenig geändert. Als größte Neuerung darf man dieses Mal noch die Verlagerung auf einen deutlich gewichtigeren Actionpart bezeichnen. Echte Schleichanteile, in denen ihr auf leisen Sohlen die Gegnerreihen infiltriert und hinterrücks beseitigt, gibt es nur selten.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden10 Bilder
Ballern oder schleichen: dieses Mal habt ihr die Wahl.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es sei denn, man wünscht es: Kojima und Co. überlassen es dieses Mal mehr als je zuvor dem Spieler, auf welche Weise er die Missionen löst. Laut eigener Aussage, soll man „Guns of the Patriots“ sogar durchspielen können, ohne einen einzigen Gegner töten zu müssen. Wir haben dabei in erster Linie auf durchschlagende Argumente gesetzt und uns den Weg freigeschossen – nicht immer die cleverste, dafür aber spektakulärste Variante.

Spielt man Snake als Schleichspezialist geht es da schon gediegener und vor allem deutlich anspruchsvoller zu – oft benötigten wir mehrere Anläufe, um wirklich ungesehen an stark bewachten Orten vorbei zu gelangen. Auch weil uns die fragwürdige KI dabei gern einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. So reagieren die Wachen zum Teil nicht einmal, wenn ihr direkt neben ihnen steht, an anderer Stelle erspähen sie euch schon über riesige Distanzen hinweg.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 205/2151/215
Die KI mancher Gegner oder eigener Einheiten ist nicht immer gelungen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ein anderes Beispiel: In einer Mission sollt ihr einen Informanten beschatten, um das geheime Versteck einer Rebellengruppe zu finden. Klingt zunächst nach „easy going“, entpuppt sich dank einiger KI-Patzer jedoch als schwierige Angelegenheit. Mal schoss der Informant trotz unserer Hilfe auf uns, mal rennt unser Observations-Ziel auch einfach weg und wir müssen mehrere Minuten auf dessen Rückkehr warten. Besonders doof: Kurz vor der Rebellenbasis ließ sich der Gute noch vom Auto überfahren – Mission fehlgeschlagen. Sehr ärgerlich.

Spielerische Hilfsmittel

Zum Glück gehören derartige Aussetzer zur absoluten Ausnahme. Grundlegend spielt sich auch Teil vier hervorragend, die Actionsequenzen sind temporeich und spannend inszeniert, gehen dank neuer Features aber noch ein bisschen leichter von der Hand. So trifft Snake im späteren Spielverlauf beispielsweise auf den Waffenverkäufer Drebin, der ihm fortan im Tausch gegen so genannte „Drebin Points“ Munition und Schießprügel zukommen lässt.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden10 Bilder
Geht euch während der Kämpfe die Munition aus, könnt ihr bequem im Menü nachkaufen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das nützliche Feature könnt ihr dabei ganz bequem aus dem Hauptmenü anwählen und dank Pausefunktion selbst in Gefahrensituationen in Ruhe einkaufen – Munitionsknappheit gehört damit der Vergangenheit an. Allerdings geht mit dem Drebin Shop auch eine taktische Komponente flöten: Da es an Drebin Punkten eigentlich nie mangelt, braucht ihr mit den Kugeln auch nicht haushalten.

Zudem machen einige neue Hilfsmittel das Spezialistendasein angenehmer. Der OctoCamo-Anzug nimmt z.B. die Farbe der Umgebung an, wenn Snake sich an die Wand lehnt – feindliche Soldaten übersehen euch so gerne mal in der Hitze des Gefechts. Das Solid Eye, eine Art Spezialauge, zeigt euch die Standorte und sogar Schwachpunkte der Gegner an. Besonders gelungen ist jedoch euer kleiner Begleiter: der Mk. II.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/11Bild 205/2151/215
Der Mk.II ist eine Allzweckwaffe: Auspionieren, betauben, transportieren.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dieser wieselflinke Miniroboter kann jederzeit separat gesteuert werden, lässt sich also besonders gut dazu nutzen, um dunkle Gänge auszuspähen oder im Notfall per Stromschlag unliebsame Wachen zu betäuben. Die coolste Funktion: Der MK. II dient als Schnittstelle zwischen Snake und Waffenhändler Drebin. Ordert ihr etwa im Menü Munitionsnachschub, liefert der MK. II euch diese ohne Zeitverzögerung.

Nostalgie zum Schluchzen

„Als ich Metal Gear 4 zum ersten Mal selber durchspielte musste ich weinen, weil dieser Teil so viele gute Erinnerungen weckt“, erzählte uns Hideo Kojima auf dem offiziellen Event in Paris. Okay, zu den Schnüffeltüchern mussten wir während des Spiels nie greifen - ganz so rührselig ist „Guns of the Patriots“ dann doch nicht geworden. Aber: Auch wenn Kojima mit dem Abschluss seiner Metal Gear-Saga nicht der erhoffte revolutionäre Schritt nach vorn geglückt ist – eines muss man diesem Finale zu Gute halten: Für Nostalgiker und Langzeit-Fans bietet Snakes Abschied wirklich die volle Retro-Dröhnung.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Sein letzter Auftrag: Ob Snake es auch beim vierten Einsatz noch drauf hat, verrät der Test.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden10 Bilder
Die Bosskämpfe, wie hier gegen Crying Wolf, könnten kaum spektakulärer in Szene gesetzt worden sein.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Immer wieder streuen die Entwickler nette Anspielungen an die Vorgänger ein oder lassen liebgewonnene Charaktere zu Wort kommen. Fies: Das Gänsehaut-Finale drückt dann noch mal besonders auf die Tränendrüse – so fällt der Abschied von Snake und Co. umso schwerer. Und im letzten Drittel des Spiels werden insbesondere die Fans des Shadow Moses-Einsatzes im ersten Metal Gear Solid feuchte Augen bekommen.

Für einen weiteren „Kenn ich doch“-Effekt sorgt das Wiedersehen mit mehreren Zwischenbossen der Serie. Die sinistren Mitglieder der „Beauty and the Beast“-Einheit erinnern stark an die beliebten Fieslinge Psycho Mantis, Sniper Wolf, Vulcan Raven und Decoy Octopus. Leider verlaufen die Bosskämpfe deutlich geradliniger als in Snakes früheren Einsätzen – ausgefuchste Taktiken sind zum beseitigen der harten Biester nie nötig, dafür machen die spektakulären Schlachten in Punkto Präsentation einiges her.