Ich packe meinen Koffer und nehme mit: eine Zahnbürste, Socken, Wegverpflegung und einen ganz Sack voller Erwartungen. Erwartungen auf eines der absoluten Spiele-Highlights des Jahres. Und den definitiven Grund, sich doch endlich Sonys Playstation 3 in den heimischen Multimedia-Schrank zu stellen. Die Rede ist von Metal Gear Solid 4, dem (angeblich) letzten Teil der Kultserie.

Der Grund für die Reisevorbereitungen? Konami lud nach Paris, um zum weltexklusiv ersten Mal durch Solid Snakes viertes Schleichabenteuer zu krauchen. Und dies nicht mal eben kurz. Bis zum – hoffentlich völlig überwältigenden – Ende durften wir an die Sixaxis-Controller. Was wir dabei erlebt haben und wie sich das angehende Meisterwerk jetzt schon spielt, verrät dieser kleine Reisebericht.

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L’amour te’jour

Ahh Paris. Das Land der Croissants, der Liebe und der Fußballweltmeisterschafts-Zweiten. Hier sind die Mädchen noch schön, die Flüsse noch lang und die Frösche unglücklich. Ein dreitägiger Trip in die französische Hauptstadt hat also ganz grundlegend schon seine Vorzüge. Noch besser ist es da natürlich, über die volle Zeit eines der lang ersehntesten PS3-Spiele überhaupt zu spielen – und zwar in stilvoller Atmosphäre.

Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots - Komplett durchgespielt: Wir durften in Paris den Abschluss der Saga antesten.

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Spielt sich am besten in gediegener Atmosphäre: Snakes sechstes Abenteuer.
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Wobei prunkvoll wohl die passendere Bezeichnung für das ist, was sich da nach einstündiger Fahrt vom Flughafen in die Pariser Innenstadt vor uns aufbaut. „Le Grand Hotel“ steht in fein geschwungenen Lettern an der Eingangstür, gleich zwei Pagen halten uns die riesigen Schwungtüren auf und weisen uns in eine Eingangshalle, in der selbst der Scheich von Abu Dabhi Stielaugen bekommen würde.

Unser Weg führt vorbei an Glasvitrinen mit Werbung für Diamantringe, Geschäftsmännern in feinstem Zwirn (und ihren leicht beschürzten Frauen samt Atom-Dekollete) hinein in die untere Etage der Hotellobby. Hier, in einer überdimensionalen Konferenzhalle, werden wir die nächsten drei Tage nichts anderes hören und sehen als Solid Snake und Co. Ganze siebzig Plasma-Fernseher sind hier aufgereiht – einen für jeden der Journalisten, die aus aller Herren Länder angereist sind. Selbst Südafrika hat einen Metal Gear-Experten vorbeigeschickt.

Packshot zu Metal Gear Solid 4: Guns of the PatriotsMetal Gear Solid 4: Guns of the PatriotsErschienen für PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Ein Spiel wie ein Film

„Oh man, drei Tage müssen wir das jetzt spielen“, stöhnt neben uns ein Journalist aus Skandinavien, nachdem wir Platz genommen haben. Keine vier Stunden später wird er am Mittagsbuffet der Erste sein, der sich mit den Worten „Ich muss weiter zocken“ in Richtung Test-Lounge bewegt. Ein Gefühl, dass auch wir in den nächsten Tagen ein ums andere Mal verspüren. Mittagspause? Hält unnötig auf! Schlaf? Überbewertet!

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Ein Traum: Die genialen Cut-Scenes reißen sofort in ihren Bann.
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Der Grund ist die extreme Faszination, die Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots schon in den ersten Spielminuten auslöst. Die unglaublich komplexe Geschichte wird ähnlich den Vorgängern in beeindruckenden Zwischensequenzen erzählt, dürfen wir selbst ins Geschehen eingreifen, fegen uns gewaltige Actionsequenzen von den Füßen. Allerdings nur, wenn man sich auf die Shoot-Outs einlässt.

Mehr noch als in den Vorgängern geben Kojima und seine Mannen dieses Mal dem Spieler das Heft in die Hand. Uns steht also zu jeder Zeit frei, wie wir unsere Missionen erfüllen. Wer gerne unerkannt hinter den feindlichen Linien vorbei schleicht, kann „Guns of the Patriots“ theoretisch sogar lösen, ohne einen einzigen Gegner um die Ecke zu bringen. Wer hingegen lieber mit roher Gewalt vorgeht, gelangt aber ebenso zum Ziel.

R2D2s kleiner Bruder

Generell zeigt sich: Kojima und Co. wagen mit dem Abschluss ihrer Reihe deutlich weniger als zu erwarten war. Zwar werten viele neue und durchdachte Features das Spielgeschehen nochmals auf, wirklich revolutionär sind diese Detailverbesserungen jedoch nicht. So begeistert vor allem der MK. II, ein hilfsbereiter Miniroboter, der als mobile Kommunikationszentrale, Spähfahrzeug und Multifunktionstool gleichermaßen dient.

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Neu dabei: Der MK. II dient als Multifunktionstool.
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Das Beste: Der MK. II dient zudem als Schnittstelle zwischen Snake und dem Waffenhändler Drebin. Über das Optionsmenü könnt ihr jederzeit auf dessen Waren zugreifen, der MK. II liefert euch diese dann ohne Zeitverzögerung. Geht euch während besonders intensiver Feuergefechte die Munition aus, könnt ihr diese bequem bei Drebin kaufen und in Windeseile nachladen.

Grafisch macht Teil vier einen eher durchwachsenen Eindruck: Wo viele der Cut-Scenes noch in brillanter Auflösung und mit genialen Animationen präsentiert werden, stören gerade in den Innenlevels stark verwaschene Texturen auf PS2-Niveau. Dem Spielgefühl ist dies zwar nicht abträglich, für seinen ersten Next Gen-Auftritt hätte man Solid Snake aber doch etwas mehr zugetraut.

Viel mehr dürfen wir an dieser Stelle übrigens nicht verraten: Konami möchte sich große Teile der Spielerfahrung für den Release aufheben und hat uns daher zur Verschwiegenheit verpflichtet. In unserem ausführlichen Review klären wir euch dann aber über die wichtigsten Features in „Guns of the Patriots“ auf.

Der Meister spricht

Am Ende der dreitägigen Spielsession folgt dann noch ein besonderes Highlight: Der Moment auf den knapp siebzig Spielejournalisten seit zwei Tagen warten. Hideo Kojima betritt die Bühne. Auf der Nase schwingt eine modische Designer-Sonnenbrille lässig hin und her, auch sonst wirkt der Star-Entwickler äußerst selbstsicher dieser Tage. „Na, wie hat es euch gefallen“, ruft Kojima mit einem süffisanten Grinsen von der Tribüne. Die Antwort ist eigentlich unnötig – manchem Redakteur zuckt es immer noch in den Fingern.

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Oberste Geheimhaltung: Die Story von Guns of the Patriots wird nicht verraten.
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„In der Vergangenheit haben wir durch allerlei Trailer zu viel von der Story Preis gegeben. Dieses Mal wollen wir den Spieler alle Entdeckungen selbst machen lassen“, beginnt Kojima seinen Vortrag. „Unser oberstes Ziel war es, mit Metal Gear 4 ein möglichst einmaliges Spielerlebnis zu kreieren. Wir wollen, dass die Spieler nicht über die beeindruckende Grafik sprechen, sondern Metal Gear 4 als große Erfahrung wahrnehmen.“

„Das grundlegende Thema des vierten Teils lautet ‚Krieg’. Dementsprechend liegt der Fokus dieses Mal besonders auf den Emotionen der Charaktere auf dem Schlachtfeld. Angst, Zweifel, Wut, Trauer – all diese Gefühle vermitteln unsere Figuren“, beschreibt er das primäre Ziel seines Teams, geht aber auch auf den immensen Retro-Anteil des (voraussichtlich) letzten Metal Gear-Teils ein.

„Natürlich gab es für uns nichts Wichtigeres, als all den Metal Gear-Fans da draußen ein grandioses Finale zu bieten. Wir sind mit voller Konzentration an die Arbeit gegangen, denn ‚Guns of the Patriots’ wird eine Ära zu Ende führen. Schließlich haben die Fans uns all die Jahre unterstützt – da müssen wir ihnen einfach etwas zurückgeben. Metal Gear 4 ist also mein Geschenk an die Fans und wer das Spiel durchgespielt hat, wird verstehen, wie ich das meine…“