Seit Donnerstag ist Metal Gear Rising: Revengeance offiziell im Handel. Für die Launch-Party ließ Konami eigens Hideo Kojima und Yoji Shinkawa einfliegen. Auch in Deutschland ließ sich Kojima für eine Autogrammstunde blicken. 'Computer and Videogames' hat die Gunst der Stunde dazu genutzt, ein Interview mit Hideo Kojima zu führen.

Metal Gear Rising: Revengeance - Hideo Kojima: Metal Gear Solid Ground Zeroes mit riskanten Tabu-Themen

alle Bilderstrecken
Weitere Bilder zuMetal Gear Rising: Revengeance
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/2Bild 100/1011/101
Kojima und Shinkawa posieren mit Fan im Cosplay
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Es ist natürlich klar, dass als erstes auf Platinum Games' Metal Gear Rising: Revengeance eingegangen wird, das im Universum von Kojimas Baby Metal Gear Solid spielt. Zwar hatte Hideo Kojima nicht direkt seine Hände im Spiel, 'Revengeance' wurde allerdings zuerst bei Kojima Productions entwickelt, ehe es Ende 2011 an Platinum Games abgegeben wurde.

Die richtige Entscheidung, findet Kojima, denn Platinum Games hätte eine exzellente Arbeit gemacht und Unnötiges herausgenommen, um den Fokus ganz auf die Action zu legen, was 'Revengeance' zu einem befriedigenden Erlebnis für Fans mache. So hätte sich sein Team bei Kojima Productions bei der Entwicklung von 'Blade Time' und in Bezug auf das Zerteilen von Dingen mit dem Katana zu sehr auf die Details und die Genauigkeit konzentriert. Es wäre zwar realistisch geworden, aber auch zu präzise, zu anspruchsvoll für die Hardware. Ursprünglich hätte man nicht nur Gegner, sondern auch Teile der Levels zerstückeln können, wobei alles permanent in der Stage verblieb. Platinum Games hätte dann Bereiche dieser Präzision aus dem Spiel entfernt und sich mehr darauf konzentriert, das Zerteilen zu einem befriedigenden Erlebnis für den Spieler zu machen.

Kojima stellte jedoch auch klar, dass dies nicht sein Spiel sei und er gewisse Dinge anders gelöst hätte. So hätte 'Revengeance' die Feuerprobe für das jüngere Team bei Kojima Productions werden sollen, bevor sie ein "richtiges" Metal-Gear-Solid-Spiel entwickelten. Als es um den Hauptcharakter ging, schlug das Team Raiden vor, während Kojima fand, dass Gray Fox alias Frank Jaeger besser passen würde. Schlussendlich sei ein Spiel entstanden, das so weder von Konami Productions noch von Platinum Games hätte gemacht werden können, sondern eine Synergie aus dem Besten beider Studios darstellt.

Als Produzent hätte er anfangs zwar Einwände gegen einige der Ideen von Platinum Games gehabt, doch das Studio hätte sie so gut in das Spiel implementiert, dass Kojima überzeugt werden konnte. Bei anderen Ideen hätte Kojima wiederum einige ganz leichte Änderungen durchgeführt, um den Ansprüchen beider Studios Genüge zu tun. Beispielsweise waren die ursprünglichen Bosse in 'Revengeance' den Bossen, denen man in der Metal-Gear-Solid-Serie begegnet, ähnlicher. Sie waren insgesamt realistischer angelegt als die Bosse, denen man nun begegnen würde. Aber gerade daher auch unpassender für 'Revengeance'.

Auch hätte die eigentliche Story zwischen Metal Gear Solid 2 und 4 spielen sollen. Doch das, was zwischen diesen Spielen geschehen ist, existiere nur in Kojimas Kopf, weswegen Platinum Games bei jedem Schritt mit Kojima Rücksprache hätte halten müssen. Von daher hätte man entschieden, die Story nach Metal Gear Solid 4 anzusetzen, um Platinum Games mehr Freiheiten und Möglichkeiten einzuräumen.

Sorgen gemacht hätte er sich anfangs nur darüber, dass Platinum Games zwar gute Spiele machen könne, aber es mit der Püntklichkeit nicht so genau nehme. So hätte er dem Studio klargemacht, dass es wichtig sei, nicht nur ein gutes Spiel zu entwickeln, sondern es auch pünktlich abzuliefern, um einen weltweiten Erfolg zu garantieren. Und so kam es dann auch.

So wäre es für ihn auch kein Problem gewesen, die Entwicklung von 'Revengeance' an Platinum Games abzugeben. Vor allem deswegen nicht, weil 'Revengeance' als Spin-off angesehen würde, das nicht zur direkten Metal-Gear-Solid-Reihe gehöre. Auch hätten sich die Verantwortlichen bei Konami zu Beginn mehr Sorgen gemacht als Kojima selbst, der versichern musste, dass er mit Metal Gear Solid: Ground Zeroes ein exzellentes Spiel abliefere, selbst wenn Platinum Games 'Revengeance' in den Sand setzte.

Da 'Revengeance' nicht die einzige Kollaboration mit anderen Studios darstellt, Kojima arbeitete auch mit Mercury Steam an Castlevania: Lords of Shadow, stellt sich natürlich die Frage, ob Kojima auch in Zukunft solche Projekte anstrebt. Das käme immer auf die Projekte an. So hätte er schlechte Erfahrungen mit Silicon Knights und 'Metal Gear Solid: Twin Snakes' für die Gamecube-Konsole gemacht. Den Grund darin sehe er in der übertriebenen Kontrolle über das damalige Projekt durch sein Studio. Es sei wichtig, nur mit externen Studios zu arbeiten, deren besondere Fähigkeiten man am jeweiligen Projekt nutzen könne. So passt das rasante Gameplay von 'Revengeance' perfekt in das Portfolio von Platinum Games, das sich mit Spielen wie Bayonetta und Vanquish für die Arbeit qualifiziert hatte.

Für Kojima wird die Metal-Gear-Solid-Reihe immer eine Stealth-Serie bleiben. 'Revengeance' sei dagegen ein rasantes Actionspiel und ein Spin-off der Reihe. Er könne sich zwar auch in Zukunft weitere Spin-offs vorstellen, die andere Charaktere als Hauptfiguren einführen, beispielsweise The Boss, er wolle dies aber nicht zur Gewohnheit werden lassen.

Interessanterweise wollte Kojima Metal Gear Rising: Revengeance canceln, als das Team in Schwierigkeiten kam. Zu dem Zeitpunkt hatte Kojima Productions bereits seit zwei Jahren an 'Revengeance' gearbeitet und Kojima selber war bereits so beschäftigt mit 'Ground Zeroes' gewesen, dass er nicht einspringen konnte. Allerdings wollte er die Fans, die auf 'Revengeance' warteten, nicht enttäuschen und wandte sich an Platinum Games. Hätten die Produzenten das Projekt abgelehnt, wäre keine andere Möglichkeit geblieben, als 'Revengeance' einzustampfen (An dieser Stelle könnte man Gearbox dazu auffordern, sich an Platinum Games ein Beispiel zu nehmen). So sei er über das finale Ergebnis besonders beeindruckt, weil Platinum Games es nicht nur gewagt hätte, ein halbgares Projekt und einen so großen Titel zu übernehmen, sondern es auch noch schaffte, daraus so ein großartiges Spiel zu machen.

Auf die Frage, welche Themen und Probleme Hideo Kojima in seinem nächsten Werk ansprechen will, antwortete er, dass sich Spiele in den letzten 25 nicht verändert hätten. Sie seien nicht erwachsen geworden. Es ginge immer noch darum, Aliens und Zombies abzuschießen. "Nicht dass ich diese Spiele nicht mag, sie sind lustig, aber ich denke, Spiele haben noch einen weiten Weg vor sich, bevor sie erwachsen werden."

So hätte er mit der Metal-Gear-Solid-Reihe versucht, erwachsene Themen in Spiele einzubinden, was ihm seiner Meinung nach und im Vergleich zu Büchern und Filmen noch nicht so gut gelungen sei. Solche Themen wolle er allerdings in seinem nächsten Projekt, Metal Gear Solid: Ground Zeroes, ansprechen.

"Ehrlich gesagt, werde ich eine Menge Tabuthemen, eine Menge erwachsene Themen ansprechen, die sehr riskant sind. Ich bin ehrlich gesagt nicht mal sicher, ob ich das Spiel so veröffentlichen kann. Und selbst wenn ich das Spiel veröffentliche, vielleicht verkauft es sich nicht, weil es einfach zu viel des Guten ist."

So müsse er als Produzent sicherstellen, dass sich das Spiel verkaufe, aber als Kreativer wolle er das Risiko auf sich nehmen und zöge das Kreative dem Kommerziellen vor.

So sei es möglich, dass die Verantwortlichen ihn in der Zukunft mit der Frage konfrontieren, warum sich 'Ground Zeroes' nicht verkaufe. "An diesem Punkt werde ich dann 'Keine Sorge, 'Revengeance' verkauft sich doch gut' sagen können."

Was Platinum Games betrifft, kann sich Kojima eine weitere Zusammenarbeit durchaus vorstellen. Das Studio könnte sich zwar im technischen Bereich noch verbessern, aber Kojima hätte es ja auch bereits geschafft, dass sie pünktlich geworden sind. Und nur mit Platinum Games könne er sich eine Fortsetzung zu 'Revengeance' vorstellen.

Eine passende Story gebe es ja auch bereits, denn laut Kojima solle das Sequel, sollte es denn kommen, Frank Jaeger als Hauptcharakter einführen - im Kampf gegen Zombies, nanomaschinengetriebene Zombies. Er hätte auch schon angeboten, die Story zu schreiben, aber er glaube, die Produzenten von Platinum Games ignorieren ihn.

Metal Gear Rising: Revengeance ist für PS3, Xbox 360 und seit dem 09. Januar 2014 für PC erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.