Merceneries (PS2-Review)
(von Andreas Schnäpp)

Die Pandemic Studios schicken euch erneut in ein Krisengebiet - oder, anders formuliert: auf einen Spielplatz für Erwachsene. Ob das Spiel hält was es verspricht, erfahrt ihr in unserer Review!

Korea im Ausnahmezustand
Der Konflikt begann vor nicht allzu langer Zeit. Der Anführer von Nordkorea, der alternde Präsident Choi Kim, hatte Südkorea die Hand gereicht, auf seine "Sonnenschein-Politik" reagiert und die Hoffnung auf eine

friedliche Vereinigung wieder belebt. Präsident Choi Kim wurde zu einer populären Figur unter den jungen Leuten Nordkoreas, er stellte für sein Volk Hoffnung und auch neuen Stolz her.

Niemand bemerkte den verborgenen Schatten, der nur darauf wartete, den Frieden zu stören. Kim Sangs Sohn, General Choi Song, war nicht mit den Verhandlungen und Friedensverträgen einverstanden. Er glaubte, dass sein Vater das Schicksal Nordkoreas aus den Augen verloren habe.

Während der Unterzeichnungszeremonie einer Road Map zur Vereinigung Koreas unternahm General Song einen Staatsstreich. Unterstützt von einer Armee Aufständischer stürmte er die Zeremonie, und die nord- und südkoreanischen Politiker kamen im Kugelhagel um. Ohne Zögern opferte er sogar seinen Vater.

Da sind wir auch schon: Nachdem Choi Song die Macht an sich gerissen hat, werden an Board eines im Sturm umhertreibenden Schiffes der Nordkoreaner Nuklearwaffen gefunden. Die Besatzung versucht das Schiff zu versenken, als Allierte auf dem Weg zu ihner Rettung sind.

Ab diesem Zeitpunkt mischen sich weitere Nationen in das Geschehen ein: Die Alliierten Nationen bilden eine Task Force, die trotz wochenlanger Suche nach den weiteren 30 Interkontinental-Raketen nur wenig Erfolg verzeichnen kann. Die einzige Chance ist es, die Köpfe dieser Verschwörung dingfest zu machen. Es wird eine Liste der gesuchten Leute in Form von Spielkarten eines 52er Blattes verteilt. Song ist das Pik-Ass. Ein offenes Kopfgeld wird von den alliierten Nationen auf ihn ausgesetzt. Der Preis? 100 Millionen Dollar!

Als Söldner des privaten Militärunternehmens Executive Operations werden wir ins

Mercenaries - Spielspaß-Bombe oder doch nur heisse Luft?

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Krisengebiet geschickt, um das 52er Blatt dingfest zu machen und die Welt vor einem Nuklearschlag zu bewahren. Bevor wir uns jedoch nach Korea wagen, müssen wir uns für einen von drei Söldnern entscheiden, die sich einzig und allein im Aussehen und ihrer Muttersprache unterscheiden: Chris Jacobs spricht Koreanisch,

Jennifer Mui Chinesisch und Mattias Nilsson Russisch. Je nachdem für welchen dieser gut ausgebildeten Kampfmaschinen wir uns entscheiden, haben wir Ansehens-Vorteile bei der jeweiligen Nation. Denn wir sind nicht allein auf dem Schlachtfeld: Neben den Alliierten Nationen haben sich auch China sowie die russische Mafia eingemischt und wetteifern um die Macht.

Packshot zu MercenariesMercenariesErschienen für PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Das soll jetzt jedoch nicht bedeuten, dass alle Missionen sich gleich spielen - mitnichten! Die Pandemic Studios haben sich bei der Missionsgestaltung viel Mühe gegeben und bieten dem Spieler eine Vielfalt an Ideen. So darf zum Beispiel ein befreundeter Journalist für ein paar kurze Aufnahmen zum Kampfgeschehen gekarrt werden. Während dieser in aller Ruhe filmt, müssen wir ihm feindliche Soldaten vom Hals halten. Danach geht's weiter zum nächsten Checkpoint! Gerade bei zeitbeschränkten Einsätzen wie diesem lohnt es sich, ein bisschen vorzusorgen. Nachdem man sich die Aufgabenstellung angehört hat, macht man in diesem Fall einen kleinen Abstecher zu einem Vorposten der Nordkoreaner, klaut sich einen Helikopter und parkt diesen gekonnt auf dem Parkplatz des Hauptquartiers. Und siehe da: Um die Zeit muss man sich überhaupt keine Sorgen mehr machen.

Schon bald tragen unsere Handlungen Früchte: In vielen Missionen darf der Spieler die Drecksarbeit für den Auftraggeber erledigen, um die konkurrierende Nation zu schwächen und sich einen Vorteil zu verschaffen. Als Belohnung gibt es meistens zwar jede Menge Kohle, doch auch Ruf-Einbußen bei der angegriffen Nation. Um sich die größte Zahl möglicher Missionen freizuhalten, sollte man abwechselnd bei den verschiedenen Nationen Aufträge annehmen, um nicht auf ihrer Abschussliste zu landen.

Das zu vermeiden, wird besonders im späteren Verlauf des Spiels immer schwieriger. Hat man sich erst mal den Hass einer Seite eingehandelt, wissen diese wie man mit Feinden umgeht: Auf offener Straße wird ohne Rücksicht auf Verluste das Feuer eröffnet und versucht den Spieler auszuschalten. Die Gegner-KI ist zwar aggressiv, aber trotzdem nicht logisch durchdacht: Fährt man beispielsweise einem Fahrzeug der Nordkoreaner entgegen, eröffnen diese mittels auf dem Wagen montierten Maschinengewehr das Feuer. Sobald man aber erst mal an ihnen vorbeigefahren ist, scheren sie sich einen feuchten Kericht um den Spieler und versuchen nicht mal ihn zu verfolgen.

Hat man durch zahlreiche Festnahmen des 52er-Blattes genug Informationen gesammelt und konnte schon Bube, Dame oder König eines Blattes Dingfest machen, erhält man von den Alliierten Nationen einen ASS-Auftrag. Hier muss man beispielsweise den Führer der Division 39 entweder ausschalten oder lebendig gefangen nehmen. Die 39er waren für staatlich organisiertes Verbrechen zuständig war, bei Erfüllung der Mission winken ein Kopfgeld und Zugriff auf das nächste Kartendeck.

Bis man bei Pik, den Nordkoreanischen Spezialtruppen und Songs Leibwächtern sowie Song persönlich, angelangt ist, wird einige Zeit vergehen. Hierbei können besonders die ASS-Missionen so manchen Spieler auf Grund des hohen Schwierigkeitsgrades frusten, da Speichern während den Aufträgen nicht möglich ist.Von handlichen Helfern und schnellen Autos
Als äußert nützlich erweist sich der PDA. Zu Beginn unseres Einsatzes haben wir das kleine, handliche Schmuckstück mit auf den Weg bekommen und je mehr Missionen wir absolvieren, desto wichtiger wird er.

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Neben Informationen zum Missionsziel und Songs Fieslingen bietet der PDA unter anderem auch Einsicht auf den aktuellen Ruf bei den verschiedenen Nationen sowie eine Karte eures Aufenthaltsorts. Das spaßigste an der kleinen Wunderschachtel ist die Möglichkeit,den "Merchant of Menace" aufzurufen. Einen Shop der russischen Mafia, über welchen Ausrüstung, Luftschläge und Fahrzeuge gegen Bares geordern werden können. Nachdem man den gewünschten Artikel ausgesucht hat, muss nur noch die Landezone mittels eines Rauchsignals markiert werden und schon bald darf man beispielsweise seinen neuen chinesischen Truppentransporter mit Raketenwerfer willkommen heißen.

Jedoch sollte man auch Aufträge für die russische Mafia erfüllen, dennn nur bei guten Beziehungen zu den bösen Buben verticken diese ihr Kriegsgerät. Wenn mitten im Kampf plötzlich ein Helikopter über dem Kopf des Spielers geflogen kommt, ihm eine Kiste mit neuen Waffen und Medikits abwirft und wieder weiter fliegt, sieht das nicht nur richtig klasse aus, sondern ist auch verdammt nützlich.

Gleiches gilt übrigens auch für Fahrzeuge, die man sich so per Expresslieferung bestellen kann.Innerhalb von Sekunden hat man entweder einen PS Boliden oder einen Truppentransporter mit mächtigen Waffen und ordentlicher Panzerung zur Verfügung. Ganz nach dem Spruch "Du bist was du fährst" geht es nämlich in Mercenaries zur Sache: Fährt man das Fahrzeug einer Fraktion, so gilt man als einer von ihnen. Normale Soldaten erkennen den Unterschied nicht und somit sind solche Fahrzeuge bestens zum stillen Erledigen einer Mission geeignet, wenn... da nicht das "wenn" wäre: Offiziere enttarnen den Spieler, sobald er sich in deren Reichweite befindet und auch feindliche Aktionen, wie zum Beispiel das Überfahren eines Soldaten resultieren in dem sofortigen Auffliegen der Tarnung.

Einen Punktabzug gibt es jedoch für die schlampige Umsetzung der Sounds: So gut die Waffengeräusche und Explosionen auch klingen, so einheitlich hören sich die verschiedenen Fahrzeuge an. Auch kann man das durchgehende Quietschen der Räder wohl kaum auf einen Produktionsfehler der Reifen zurückführen: Hier hätte man den Autos doch wenigstens zwei verschiedene Sounds für die Kurven spendieren können, denn besonders realistisch fühlt es sich nicht an, wenn man mit 20km/h und quietschenden Reifen in einer Kreuzung abbiegt...

Alles Gute kommt von oben...
Neben Ausrüstung und Autos fällt auch weniger hilfreiches gerät vom Himmel. Die bis zu 4000 kg schweren Bomben machen nicht nur Spaß, sondern zaubern auch ein wahren Grafikfeuerwerk auf den Bildschirm. Je nach Art des Luftangriffs sind andere Voraussetzungen zu erfüllen:

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Um Kampffliegerunterstützung anzufordern, muss beispielsweise direkter Sichtkontakt zum Ziel bestehen, da man die Gebäude oder Einheiten mittens Laser-Zieleinrichtung markieren und während des Angriffs beibehalten muss.

Einen Tick gefährlicher ist hierbei beispielsweise die Artillerie-Unterstützung, da man sich erst "in die Höhle des Löwen" wagen muss, um dort ein Rauchsignal zu hinterlassen. Doch ganz egal ob per Satellit, Laser-Zieleinrichtung oder Rauchsignal: Sobald das Ziel erst mal markiert wurde, sollte man die Beine schleunigst in die Hand nehmen und das Weite suchen. Denn sonst darf man anstatt dem Missionsziel seine eigenen Gliedmaßen ausfindig machen und für den Aufenthalt in der Sanitätsstation blechen.

So bleibt es dem Spieler selbst überlassen, wie er in Gefahrensituationen handelt: Versucht man sich mit Waffengewalt durch die Horde Gegner zu kämpfen, oder greift man doch zum eher gemütlichen Luftangriff und schaut dem Spektakel aus sicherer Entfernung zu. Eines ist alle mal sicher: Die Kämpfe sind eine Augenweide, die der Spieler sich nicht entgehen lassen sollte. Zwar kostet ein Angriff zwischen 40.000$ und mehreren Hunderttausend Dollar, doch besonders der Fakt, dass alle Gebäude im Spiel komplett zerstörbar sind, lässt Freude aufkommen.

Doch was kann Mercenaries uns grafisch abseits des Kampfes bieten? Leider hält sich hier die Begeisterung in Grenzen, was größtenteils dem Alter der PS2 zuzurechnen ist.

Während wir mit unserem geklauten nordkoreanischen Fahrzeug durch die Pampa heizen, müssen wir uns abseits der Straße mit trister Vegetation begnügen und in der Ferne der immer gleichen Nebelfront entgegenblicken. Man mag es erahnen: Mit klarer Weitsicht werden die Spieler auf ihren Spritztouren nicht belohnt, was besonders bei Ausflügen mit dem Helikopter stört und den Spieler zur sturen Sicht auf die Mini-Karte zwingt.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Spektakuläre Explosionen und Zerstörungen + Offenes Missionsdesign mit vielen Bonusmissionen Innovatives Shop-System + Übersichtliche (PDA)Menügestaltung

Contra:
- Zu einheitliche und teilweise unpassende Fahrzeugsounds - Geringe Weitsicht und verwaschene Texturen - Hoher Schwierigkeitsgrad der ASS-Missionen

Mercenaries ist eines der Spiele, die vor Release kaum ein Spieler kannte, die aber trotzdem in keiner Actionspiele-Sammlung fehlen sollten. Man kann es nicht verheimlichen: Die Entwickler haben sich im offenen Missionsdesign und den Bonusmissionen eindeutig von GTA inspirieren lassen.

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Vegetation begnügen und in der Ferne der immer gleichen Nebelfront entgegenblicken. Man mag es erahnen: Mit klarer Weitsicht werden die Spieler auf ihren Spritztouren nicht belohnt, was besonders bei Ausflügen mit dem Helikopter stört und den Spieler zur sturen Sicht auf die Mini-Karte zwingt.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ Spektakuläre Explosionen und Zerstörungen + Offenes Missionsdesign mit vielen Bonusmissionen Innovatives Shop-System + Übersichtliche (PDA)Menügestaltung

Contra:
- Zu einheitliche und teilweise unpassende Fahrzeugsounds - Geringe Weitsicht und verwaschene Texturen - Hoher Schwierigkeitsgrad der ASS-Missionen

Mercenaries ist eines der Spiele, die vor Release kaum ein Spieler kannte, die aber trotzdem in keiner Actionspiele-Sammlung fehlen sollten. Man kann es nicht verheimlichen: Die Entwickler haben sich im offenen Missionsdesign und den Bonusmissionen eindeutig von GTA inspirieren lassen.