Lara und Max sind wieder da: Das frischvermählte Paar verbringt gerade beschauliche Flitterwochen in Südafrika. Schönes Hotel, Sonnenschein und Cocktails am Strand, das ganze Programm. Doch dann holt die Vergangenheit die beiden ein. Schreckliche Visionen und Albträume vom Todesengel plagen Max, und Lara muss im Dienste Interpols losziehen, um einem Kunstraub in Kapstadt nachzugehen, den die Polizei eigentlich schon zu den Akten gelegt hatte.

Eine wilde Verfolgungsjagd mit dem Kunstdieb endet dramatisch: Es gibt einen schrecklichen, tödlichen Unfall. Die Leiche des Diebes wird geborgen, doch Max bleibt verschollen und wird für tot erklärt. Lara muss irgendwie weitermachen und stürzt sich in die Arbeit. Sie will Max' Tod nicht wahrhaben. Und sie könnte recht behalten: Schon in ihrem nächsten Einsatz verdichten sich die Hinweise darauf, dass ihr frisch angetrauter Ehegatte noch am Leben ist...

Der Entwickler Centauri Production drückt wirklich auf die Atmosphäre-Tube, was die Fortsetzung zu dem gruseligen Point-&-Click-Adventure angeht, und klatscht einen Mix aus dichter Story, technischen Verbesserungen und frischen Ideen auf den Bildschirm. Dank eigens entwickelter neuer 3D-Engine gibt es nun stimmungsvolle, dynamische Beleuchtung, die in den Szenen für gespenstische Schatten, dramatische Beleuchtungen und ein durchweg realistischeres Spielgefühl sorgt.

Memento Mori 2 - Wächter der Unsterblichkeit - Alle nackt!

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Trauern statt trauen: Eigentlich wollten Lara und Max in Südafrika flittern.
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Schnell weicht die anfangs optimistische, positive und helle Stimmung des Südafrika-Settings düsteren Szenerien. Dichtes Schneetreiben herrscht in Finnland, in den dunklen Katakomben einer Kirche in Lyon müssen Blutschmierereien an den Wänden mittels UV-Lampen sichtbar gemacht werden, und für ihren Besuch in Chinatown hat sich Lara die denkbar siffigste Ecke überhaupt ausgesucht. Das ist Atmosphäre pur!

Die Nahaufnahmen tragen auch ihren Teil dazu bei: Neben den deutlichen Verbesserungen bei den Licht-Effekten wurde vor allem an der Mimik geschraubt, die dadurch natürlicher wirken soll. Abgerundet wird das Gruselpaket durch clever gesetzte Kamera-Positionen und filmreife Zwischensequenzen.

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Im Rahmen der gamescom zeigte uns der Publisher dtp das Spiel vorab und ließ uns durch einige der über 50 Locations im Spiel wandern, die über Schauplätze auf der ganzen Welt verteilt sind. Die Geschichte führt euch über acht Kapitel, in deren Verlauf insgesamt drei verschiedene Figuren spielbar sind. Das Spiel ist dabei angeblich auch ohne Kenntnisse des ersten Teiles verständlich.

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Die Dialoge sind Mass-Effect-ähnlich filmreif inszeniert.
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Und wir waren durchaus beeindruckt von der dichten Atmosphäre - Centauri Production hat sich in dieser Hinsicht deutlich gesteigert. Neben den oben angesprochenen technischen Verbesserungen haben es uns vor allem einige gut geschriebene Dialoge angetan - bei einem Gespräch mit dem Wirt in einem Pub in Finnland mischte sich plötzlich einer der Gäste vom Nebentisch ein und gab seinen Senf dazu.

Durch Kniffe wie diese werden die in Adventurespielen häufig hölzern und unnatürlich wirkenden Frage-Antwort-Spielchen aufgebrochen. Statt Themen abzuhaken kam ein echtes Gespräch zustande, wie es auch in einem gut geschriebenen Film oder dem wahren Leben stattfinden könnte. Der besagte Kneipentalk wirkt erfrischend realistisch und sorgt für Stimmung. Hoffentlich zieht sich diese Linie durch's ganze Spiel.

Beispiellos schöne Grafik und dichte Atmosphäre: Memento Mori 2 ist der Adventure-Geheimtipp des Winters.Ausblick lesen

Dann wurde unsere Gänsehaut und das wohlige Gruselgefühl plötzlich und ganz unerwartet von einem breiten Grinsen verdrängt. Beim "Teleportieren" in bestimmte Locations zu Präsentationszwecken verlor die Spielfigur nicht nur sämtliche Inventar-Bestandteile, sondern auch noch fast die gesamte Bekleidung - so stapften wir mit Lara plötzlich quasi nackt durch den Schnee. Die Schweißperlen auf der Stirn der Präsentatoren und die eifrigen Beteuerungen machten uns allerdings schnell klar, dass das so nicht gewollt war: es handelte sich schlicht um einen Bug der sehr frühen Versionen. Und wir sind uns ziemlich sicher, dass dieses Fehlerteufelchen bis zum Release der finalen Version ausgemerzt sein wird. Schade, eigentlich.

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Für ein Adventure sieht Memento Mori 2 atemberaubend gut aus.
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Gar nicht schade ist eine andere Sache, die uns erzählt wurde, die wir aber nicht überprüfen konnten. Was dort ganz beiläufig im Nebensatz erwähnt wurde ist etwas, was uns nicht nur neugierig macht, sondern was schlichtweg eine kleine Revolution auf dem Gebiet der Point-&-Click-Adventures sein könnte: Memento Mori 2 soll nämlich an verschiedenen Stellen im Spiel abhängig vom Verhalten des Spielers unterschiedliche Handlungsverläufe beschreiten - sogar alternative Enden sind so vorgesehen.

Wie genau das geschieht, wollte man uns nicht erzählen. Was wir trotz der Geheimniskrämerei verstanden haben ist, dass das Spiel im Hintergrund euer Verhalten beobachtet und entsprechend den weiteren Spielverlauf anpasst. Und anscheinend geht das über das simple Auswählen bestimmter Dialogoptionen hinaus - die Psycho-Tests von Silent Hill: Shattered Memories kamen uns dabei in den Sinn. Aber spekulieren und träumen können wir viel, bleibt abzuwarten, wie dieses Feature in der finalen Version wirklich ausschaut und was davon tatsächlich zu spüren ist.

Im Bestfall habt ihr so ein personalisiertes Spielerlebnis, was sogar Lust zu einem erneuten Durchspielen nach dem Motto: "Kann ich auch anders?" macht. Im Schlimmstfall spielt das Feature quasi keine Rolle, und es bleibt bei Memento Mori 2 unter dem Strich nur ein weiteres, stimmungsvolles und spannendes Point-&-Click-Adventure. Was nun wirklich kein Drama wäre.