Ein mysteriöser Einbruch ins Museum, glatzköpfige Killermönche und rätselhafte Symbole, die in dunklen Gewölben und spinnenverhangenen Krypten Geheimräume markieren: Dies sind die Zutaten, die, angerührt zu einem fiktiven Plot zwischen Wahrheit und blühender Phantasterei, Dan Browns „Sakrileg“ einem Millionenpublikum schmackhaft machten und nun auch dem Adventurespiel „Memento Mori“ seine Stammwürze verleihen. Die gamona-Redaktion hat vorgekostet – und den Teller komplett leer geputzt.

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Die Kunst des Sterbens

Ins Kunstmuseum Eremitage in St. Petersburg wurde eingebrochen. Da der Vorfall die verantwortlichen Behörden nicht nur vor diverse Rätsel stellt, sondern auch noch von staatstragender Bedeutung ist, herrscht oberste Geheimhaltung, Schrägstrich Vertuschung. Aus diesem Grund wurden die Interpol-Agentin Lara und ihr Ex-Freund, Kunstexperte und -fälscher Max, mit dem Fall betraut.

Memento Mori - Dem Todesengel auf der Spur

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Sexy Lara: eben noch unter der Dusche, gleich im Abenteuer ihres Lebens.
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Die Ermittlungen führen die beiden auf die Spur eines tätowierten Mönchordens mit zurückhaltendem Haarwuchs – eine Spur, die ihre Abdrücke quer durch Europa hinterlassen hat. Neben dem Interpol-Hauptquartier in Lyon und dem originalgetreu nachgebildeten Museum in St. Petersburg, verschlägt es die beiden Turteltäubchen nämlich auch nach Portugal, Schottland und ein abgelegenes Kloster im düsteren Finnland.

Bei ihren Nachforschungen decken wir rätselnderweise die Machenschaften eines mysteriösen Kultes auf, der dem Spiel seinen Untertitel gebenden Engel des Todes huldigt. Dem zufolge kann nur jemand, der sein Leben gemäß eines strengen Kodex ausrichtet, auf Erlösung im Jenseits hoffen. Die hierzu notwendigen Verhaltensregeln sind in einem sagenumwobenen Buch, dem „Ars Moriendi“ festgehalten, zu Deutsch: „Die Kunst zu sterben“…

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In Schottland geht die Sonne nie auf, immer nur unter.
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Unheilig morbide Töne also, die Memento Mori mit seiner Story anschlägt. Das Gewebe aus düster-realen Menschheitsmythen im fiktiven Verschwörungsgewand hält jedenfalls bis zum wendungsreichen Finale die Spannung aufrecht – auch wenn es nicht mit derselben feinmaschigen Komplexität gesponnen wurde wie das stets präsent scheinende Romanvorbild aus Dan Browns Feder und damit noch ein wenig mehr nach Groschenroman riecht als dieses ohnehin schon.

Der Hauch des Brathähnchens

Eindeutiges Highlight von Memento Mori ist die im Adventure-Genre beispiellose Grafik. Was im ersten Moment nach schickem Renderwerk im Stile von Dracula: Origin und Kollegen ausschaut, sorgt spätestens in dem Moment für offene Münder, da sich die Kamera erstmals in Bewegung setzt und die vermeintlich statischen Hintergründe als vollständig in dreidimensionaler Echtzeit berechneten Augenschmaus offenbart.

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Die Lichteffekte von Memento Mori sind wegweisend fürs Genre.
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Das Highlight im wahrsten Sinne des Wortes bilden dabei die Lichteffekte: Wenn die Sonne durch riesige Fensterfronten hindurch die Museumshalle mit ihrem goldenen Schein flutet oder sich sanfte Strahlen ihren Weg durch verästeltes Blattwerk bahnen, sucht das Seinesgleichen im Genre. Ebenfalls unter Augenweiden-Verdacht stehen die zahlreichen und schön gerenderten Cinematics. Hätten die Entwickler den zumeist staksigen und ungelenken Animationen die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, wir würden verzückt einen Award zücken.

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Nicht täuschen lassen: Was nach Renderwerk aussieht, ist feinstes 3D.
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Dass die Sprachausgabe wieder mal erstklassig geworden ist, ist bei einem Adventure mittlerweile schon fast nicht mehr erwähnenswert – wären da nicht die Schminktopf-Rocker von Oomph!, die im besten Fall nur unauffällige Statistenrollen sprechen dürfen. Im schlechten Fall allerdings haucht Sänger Dero ausgerechnet der mysteriösen Schlüsselfigur André die Persönlichkeit eines tiefgekühlten Brathähnchens ein. Manchmal sollten eben selbst bekannte Namen besser Schall und Rauch bleiben.

Immerhin: Die Musik des Spiels zwischen düsteren Chorklängen und unheilschwangeren Rhythmen kann sich auch ohne Mitwirkung der Niedersachsen hören lassen und unterstützt die unheimliche Atmosphäre des Spiels.

Und es macht Knack?

Sehr lobenswert: Die Rätsel sind allesamt durch reines Nachdenken und logische Überlegungen lösbar. Verzweifeltes Ausprobieren aller Möglichkeiten wie bei manch weniger gut durchdachtem Genre-Kollegen bleibt einem so glücklicherweise erspart. Selbst wem die Lösung nicht auf Anhieb einfällt, dem wird sie spätestens nach dem einen oder anderen Gespräch mit einem NPC wie Schuppen von den Augen fallen, da diese zumeist deutliche Tipps und Hinweise zwischen die Dialogzeilen packen.

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Wie öffne ich den Geheimgang? Das Rätsel in Lissabon ist eines der schwersten - aber immer noch logisch.
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Auch die obligatorische Hotspot-Anzeige per Tastendruck bietet in Memento Mori einen Tick mehr Hilfestellung als der Genre-Standard: Alle relevanten Gegenstände im Bild werden durch eine zusätzlich Farbeinblendung nach ihrer Bedeutung für den Spielablauf unterschieden. So werden wichtige Objekte rot markiert, redundante und nur der Atmosphäre dienende hingegen ausgegraut. Da sich der Schwierigkeitsgrad durch Einsatz dieses Features merklich nach unten verlagert, empfehlen wir nur darauf zurück zu greifen, wenn der Schlauch, auf dem man steht, kurz vor dem Platzen ist.

Nie zuvor sah ein Adventure schöner aus! Die Rätsel dagegen schwanken zwischen einfach gut gemacht und zu einfach gemacht.Fazit lesen

Überhaupt ist die Knackigkeit der Rätsel dadurch in etwa mit der von überreifem Fallobst zu vergleichen. Ohne auch nur ein einziges Mal in Verlegenheit zu kommen, die Komplettlösung bemühen zu müssen, konnten wir nach etwa sechs Stunden den Memento-Mori-Abspann bewundern. Beziehungsweise einen davon. Denn je nachdem wie man sich als Spieler in bestimmten Schlüsselszenen verhält, bekommt man eines von insgesamt acht verschiedenen Enden zu sehen.

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Sexy Eis mit Sahne: Die zahlreichen Cinematics sind schick gerendert.
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Leider spart das Spiel mit Hinweisen darauf, welche Situationen hierfür ausschlaggebend sind. So hilft nur ein Blick in unsere gamona Komplettlösung . Auch am Spielablauf ändert sich dadurch nur Unwesentliches, was die Motivation zum erneuten Durchspielen allenfalls geringfügig anstacheln dürfte.

Verschwörung der Deutschlehrer

Als falsch erwies sich (zum Glück) unsere noch im Preview geäußerte Befürchtung, der Memento Mori Code ließe sich nur mit einem Diplom in Zahlenschlössern und Hieroglyphenkunde lösen. Diese Rätsel mit dem Beigeschmack des Spieldauer-Streckens, wie es von manchem Genre-Kollegen aus dem Mystery-Fach gerne mal betrieben wird, fehlen gänzlich. Trotz symbolträchtiger Gruften und verschlossener Geheimtüren lässt sich jedes Hindernis durch klassisches Pointen und Clicken aus dem Weg räumen.

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Im originalgetreu nachgebildeten Eremitage-Museum beginnt Max' Abenteuer.
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Selbst wenn einmal Steintafeln in der richtigen Reihenfolge gedrückt werden wollen, so ist dazu lediglich ein scharfer Verstand und etwas Kombinationsgabe, nicht aber algorithmisches Denken vonnöten. Auch das unter den Entwicklern liebevoll „Deutsch-Leistungskurs“ genannte Rätsel, bei dem ein Gedicht interpretiert und auf die Problemstellung übertragen werden muss, macht da trotz seiner Bezeichnung keine Ausnahme.

Etwas mehr versprochen hatten wir uns jedoch vom Dialogsystem: Statt ausformulierte Antworten durchzuklicken, gibt der Spieler lediglich eine Stimmung vor: freundlich, patzig oder fragend. In den meisten Fällen ist die Auswahl aber für den Spielverlauf unerheblich. Praktischer Nebeneffekt: Durch diesen Minimalismus wird Memento Mori weitaus weniger geschwätzig als so manche Genre-Mitbewerber, die es in dieser Hinsicht öfters mal zu gut meinen möchten.