Nostalgie ahoi! Capcom kratzt noch einmal die ersten sechs Mega-Man-Klassiker von einst zusammen und präsentiert sie in Form einer Spielesammlung. Wäre nichts besonderes, wenn diese Klassiker exklusiv auf einer Nintendo-Konsole liefen. Tun sie aber nicht!

Sagt mal, Leute, habe ich irgendetwas verpasst? Sind dieses Jahr besondere Lizenzen ausgelaufen oder gar ein Patent? Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass plötzlich (und vor allem ungefähr gleichzeitig) Emulationen von NES-Spielen auf Nintendo-fremden Systemen erscheinen. Höchst offiziell sogar, auch wenn jegliche Erwähnung Nintendos selbstverständlich tabu ist. Die japanischen Konsolenhersteller haben auch nichts damit am Hut, weder an den Klassikern der Rare-Replay- noch an der vorliegenden Mega-Man-Sammlung vom Capcom.

Was beide Spielesammlungen jedoch gemeinsam haben, ist dass sie ihre emulierten Asbach-Programme und einige Kleinigkeiten ergänzen. Zum Beispiel freispielbare Trophäen, was bei der Mega-Man-Reihe fast schon unnötig sein sollte. Immerhin gehört die Serie rund um den kleinen Robo-Knirps zu den schwereren auf dem betagten NES. Und das soll was heißen, schließlich verpassten Amerikaner dem normalen Anspruch der Spiele diese Ära bereits das Prädikat „NES-Schwer“, was schlichtweg einräumen soll, dass NES-Titel grundsätzlich härter sind als viele heutige Softwareknaller. Sie zu bewältigen ist bereits Belohnung genug. Jene sechs Ableger der Mega-Man-Serie, die sich in dieser Sammlung befinden, sind Paradebeispiele dafür.

Mega Man Legacy Collection - Nur echt in 16 Farben

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Putzig und knallhart, heute wie damals.
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Stein, Papier, Roboter

Was soll das heißen? Ihr wisst nicht, worum es geht? Na gut, hier eine kleine Zusammenfassung für alle, die in den letzten dreißig Jahren auf dem Mond gelebt haben: Mega Man (der in Japan Rock Man heißt) ist ein Haushaltsroboter. Eines von vielen mechanischen Wesen aus der Schöpfung von Dr. Light und seinem Assistenten Dr. Wily, hergestellt, um der Menschheit zu dienen. Allerdings hat Dr. Wily ganz andere Pläne. Er programmiert sechs der mächtigsten Roboter um, auf dass sie Amok laufen. Daraufhin baut Dr. Light Mega Man zu einer Kampfmaschine um und schickt sie gegen Unholde wie Ice Man, Cut Man, Elec Man und andere Kollegen. Der Kniff an der Sache: Erreicht Mega Man nach dem Durchstreifen eines Levels den großen Boss und besiegt ihn, so kassiert er dessen Waffe und kann sie zukünftig im Kampf gegen das Böse einsetzen.

Typischerweise ist jeder der Roboter gegen eine Waffe seiner Kollegen empfindlich. Ice Man kann den Stromstrahl von Elec Man nicht leiden, Fire Man mag kein Eis und so weiter. Allerdings muss man die Schwachstelle der Roboter selbst heraustüfteln, was in späteren Ablegern deutlich schwerer fällt, weil die Spezialität der Ober-Roboter immer weniger eindeutig wird. Was ist schon die besondere Kraft von Top Man aus Mega Man 3, und warum fürchtet sich ausgerechnet Shadow Man vor dessen Superwaffe?

Packshot zu Mega Man Legacy CollectionMega Man Legacy CollectionRelease: PC, PS4, Xbox One: 25.8.2015
3DS: 1. Quartal 2016
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Fragen, die kaum jemanden wirklich interessierten. Auch anno dazumal nicht, denn jeder Boss lässt sich notfalls mit Mega Mans Armkanone niederstrecken. In einer Zeit, als Kids wenig Geld hatten und ihre NES-Spiele zig mal durchnudelten, wirkte das manuelle Plätten der Bosse sogar der Langweile entgegen. Heute ist so etwas ein Achievement wert.

Mega Man Legacy Collection - Trailer

Damals in den Achtzigern ganz normale Härte, weil das i-Tüpfelchen auf einem sowieso schon knallharten Spiel. Siehe der erste Serienableger. Bereits in den ersten zehn Sekunden im leichtesten der sechs wählbaren Level (Cut Man) kann man so gnadenlos von Gegnern malträtiert werden, dass man ein Leben verliert. Steigerungen inklusive. Eine Berührung mit Stacheln bedeutet etwa den sofortigen Bildschirmtod und es gibt mehr als eine Stelle, an denen man die Reflexe eines Karatemeisters benötigt, um nicht in einen Abgrund zu fallen oder von einer anderen gemeinen Falle erfasst zu werden. Fairness? Nah, Mega Man will gar nicht immer fair sein. Es will fordern, ärgern und jeden dummen Fehler sofort bestrafen. Später eingeführte Passwort-Systeme und nachrüstbare Energiekapseln dämpften nur den gröbsten Frust ab.

Halt, angesichts der neuen Sammlung müssen wir dringend die Zeitform ändern. Capcoms Mega-Knirps wollte einst jeden Fehler bestrafen. Leider kommt das heute nicht mehr hin. Emulations-Profi Digital Eclipse implementierte in der vorliegenden Sammlung einige Stützräder, damit auch Anfänger einigermaßen entspannt durchkommen. Die beiden dicksten Anspruchsvernichter heißen Save-Funktion und zuschaltbares Dauerfeuer.

Leider eine relativ lieblos emulierte Sammlung sechs toller Klassiker.Fazit lesen

Weichgespült und mäßig emuliert

Klingt doof, aber eine ordentliche Portion Frust gehört zum Jump-and-Run mit Ballerfimmel dazu. Frust ist Teil des Designs, damit man überhaupt erst den Willen entwickelt, Hirn und Reflexe auf ein gewisses Niveau zu trainieren. Eine Speicherfunktion, welche das altbackene Passwortsystem ersetzt, wäre gern gesehen, wenn sich ihre Funktion auf den Level-Auswahl-Bildschirm beschränken würde. Jederzeit speichern zu können, so wie in der neuen Sammlung der Fall, lässt das auflodernde Feuer im Kampf Frust gegen Anspruch unglaublich schnell erlöschen. Schade.

Mega Man Legacy Collection - Kleiner blauer Held auf großen bunten Bildern

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Der zweite Weichspülfaktor ist eine Dauerfeuer-Funktion auf einem alternativen Knopf des Controllers. Erleichtert selbstverständlich einig der Boss-Runs, ist aber nicht ganz so ungewöhnlich wie die Speicherfunktion. Wer damals auf dem NES den Standardcontroller verschmähte (oder den Vier-Spieler-Adapter des NES zwischenschaltete), konnte ebenfalls auf Dauerfeuer zurückgreifen. Fühlt sich trotzdem ermogelt an und ich bin mir nicht sicher, ob es eine gute Idee war, so eine Funktion standardmäßig zu implementieren. Geschmackssache, sagte der Affe und biss in die Seife.

Völlig unabhängig von der Geschmacksfrage ist dagegen die Qualität der Emulation. Übrigens eine spannende Sache, weil so gut vergleichbar. Rares Emulator für die hauseigene Sammlung läuft jedenfalls erheblich reibungsloser auf der Xbox One als Mega Man auf der PS4. Am allermeisten nerven ständige Klangaussetzer. In den ersten zehn Sekunden nach dem Start eines Titels sind diese Aussetzer am deutlichsten zu hören, später vernimmt man sie in unregelmäßigen Abständen durch kleine Lücken und Verdopplungen in den Sound-Kanälen.

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Die 3DS-Version erscheint voraussichtlich Anfang nächsten Jahres und wird im Vergleich zu PS4, XO und PC auch als Boxversion veröffentlicht.
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Allgemein scheint Digital Eclipse im Auftrag von Capcom wenig Wert auf Optimierung oder gar Fehlerbehebung gelegt zu haben. Sämtliche Glitches funktionieren noch immer, wodurch ein paar der zusätzlich implementierten Herausforderungen (wie man sie von Mega Man 9 kennt) zur Farce werden. So gibt es eine Herausforderung für Mega Man 1, in der man den berüchtigten „Gelben Teufel“ - ein Monster, das sich selbst in seine Einzelteile zerlegt und nur für wenige Sekunden je Runde verwundbar ist - in Rekordzeit erledigen soll. Ganze fünfeinhalb Minuten setzt Capcom dafür an. Lächerlich viel für alle Kenner, denn den übelsten Glitch aus Mega man 1 entfernte Digital Eclips (oder Capcom) nicht. Wählt man Elec Mans Waffe und löst permanent beim Ballern die Pausefunktion aus, so trifft der Blitzstrahl das Ziel jedes Mal, wenn das Spiel wieder aufgenommen wird. So lässt sich der gelbe Teufel seit Jahrzehnten innerhalb von 25 Sekunden erledigen.

Klar, Info über solche Glitches findet man zuhauf im Netz, außerdem kann man Replays der Versuche anderer Spieler herunterladen, sodass die Methode kein Geheimnis bleibt. Aber es geht ja nicht nur um vorteilhafte Programmfehler. Der Robo-Knirps fällt gelegentlich unverhofft von beweglichen Plattformen oder entfleucht der Sichtbarkeit durch heftiges Sprite-Flackern. Das hat nichts mit dem Schwierigkeitsgrad oder der Spielbarkeit zu tun und hätte gerne repariert werden können.

Wer sich nach einem frischen Spielerlebnis des Urvaters der Reihe sehnt, sollte unsere 'Mighty No. 9'-Vorschau lesen.