Medieval Lords (PC-Test) Bauen, Verteidigen, Erobern
(von Manfred Duy)

"Mittelalterliche Städteplanung" wäre der passendere Untertitel für diese Bauarbeiten gewesen, denn gekämpft wird hier nur ganz nebenbei - und das auch noch fast von alleine.

Aber nicht nur der Name dieser "Sim City"-ähnlichen Aufbausim ist ziemlich irreführend, auch die auf der Medieval Lords-Verpackung prangende Beschreibung ist teilweise... nun ja, sagen wir mal völlig daneben. Wird dort doch munter über "Entdecke den Freispiel-Modus" oder "Erstelle mit dem Landschafts-Editor eigene

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Karten" räsoniert. Schön wär´s ja, aber die traurige Wahrheit ist, dass im ungepatchten Basisspiel keinerlei Freispiel-Modus vorhanden ist. Zwar gibt es in der Tat einen Editor, nur leider sind die mit ihm zusammengebastelten Karten völlig unspielbar. Grund: Man vergaß offensichtlich, dem Editor Computergegner und einstellbare Startbedingungen mit auf den Weg zu geben.

Also fängt man bei den Eigenbau-Karten stets ohne jegliches Startkapital an - und hört auch gleich wieder auf, denn ohne Moos ist bekanntlich überhaupt nichts los. Immerhin hat Monte Christo vor Kurzem einen stolze 28 MB großen Patch nachgeschoben. Mit dem bekommt man bei den selbst erstellten Karten zumindest Startkapital, werkelt aber in Ermangelung jeglicher Computerkonkurrenz nach wie vor ziemlich einsam vor sich hin. Parallel zum Patch hat der Hersteller zwar auch ein umfangreiches Einzelszenario sowie zwei selbst gezimmerte Karten via Internet nachgeschoben, das kann´s aber wohl nicht sein:

Medieval Lords - Bauen, Verteidigen, Erobern - „Sim City“ goes Mittelalter – und das auch noch in 3D

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Den Käufer gemäß dem Bananenmotto: "Soll das Produkt doch beim Kunden reifen" abzuspeisen. Denn schließlich gibt´s ja immer noch Spieler, die weder Zeit noch Lust oder Gelegenheit haben, sich per Internet upzudaten.

Traditionelles Aufbauhandwerk
Sorry, liebe Medieval-Fans, aber das musste ich mir einfach von der Seele schreiben. Nachdem dies geschehen ist, gebe ich auch gerne zu, dass Medieval Lords eine reine Augenweide ist und als mittelalterliches Aufbauspiel durchaus Spaß macht.

In der aus acht Missionen bestehenden Kampagne haben Sie trotz unterschiedlicher Aufgabenstellungen letztlich stets die Aufgabe, eine mittelalterliche Siedlung aus dem 3D-Gelände zu stampfen. Zu diesem Zweck pflanzen Sie zunächst mal Ihre Hauptbasis, sprich einen Bergfried in die Landschaft. Um diesen herum

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gruppieren Sie dann die in rund 100 Sorten vorrätigen Bauten. Die lassen sich in die drei Kategorien Wohnhäuser, Versorgungsgebäude und Militärisches einteilen. Auch existiert ein Forschungsstammbaum, so dass manche Gebäudetypen erst errichtet werden können, wenn die Bevölkerung bestimmte Fortschritte erreicht hat.

Diese werden wiederum maßgeblich von der hiesigen Zufriedenheit beeinflusst. Bereits beim Platzieren der Wohnhäuser müssen Sie daher die Grundbedürfnisse Ihrer Untertanen berücksichtigen, als da wären: Wasser, Nahrung, Gesundheit, Sicherheit, Muße und Gelassenheit.Standortfragen
In der Theorie ist der dreh- und zoombare 3D-Bauplatz riesig, zudem können die Bauten ziemlich frei postiert werden. Interessant dabei ist die Felderwirtschaft: Beliebig gewinkelte Felder jeglicher Größe lassen sich in die Landschaft pflanzen. Bei der Standortwahl

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dagegen muss man äußerste Sorgfalt walten lassen, damit die Stadt langfristig eine Chance erhält, sich zu entwickeln. Auf Neigungen etwa baut sich´s schlecht bis gar nicht, zu weit vom Wasser weg ist auch nicht so geschickt und Wüsten-, Sumpf- oder gar Ödländer kommen gar nicht erst in die engere Wahl. Auch kann ein geziemender Abstand zur rabiaten Nachbarschaft sicherlich nicht schaden. Aus all diesen Gründen kommen nur sehr wenige ideal geeignete Baugebiete in Frage, so dass sich mit zunehmender Expansion die Häuser geradezu aneinander drängeln werden. Und Sie müssen viel bauen, um all die Grundbedürfnisse Ihrer Leute zu befriedigen. Etwa ein ganzes Arsenal an Feldern, Ställen und Hütten, die sich dem leiblichen Wohl verschrieben haben. Fischerhütten, Viehställe und Felder aller Art sichern so die Nahrungsversorgung. Gärten, Skulpturen, Ärzte, Friedhöfe, Kirchen und Scheiterhaufen sorgen dagegen für das seelische und körperliche Wohlbefinden. Zum Schutz vor feindlichen Übergriffen umzäunen wir die Ansiedlung dann noch mit Palisaden und Wachtürmen und errichten einige Kasernen. Sämtliche Bautätigkeiten werden durch Steuereinnahmen finanziert und gehen recht schnell von der Maushand, wie überhaupt der städtische Aufbau erstaunlich flink voranschreitet.

Im Handumdrehen wächst aus dem Nichts eine herrlich anzuschauende mittelalterliche Stadt heran mitsamt all dem bunten Treiben der Bevölkerung. Pferdekarren rollen vorbei, Bauern sind auf ihren Feldern mit Sensen zugange, auf den Palisaden patrouillieren unsere Soldaten und Fischer gehen ihrem feuchten Handwerk nach.

Vollautomatische Blitzattacken
Damit das Ganze nicht allzu idyllisch wird, brechen ab und an Naturkatastrophen wie etwa Seuchen, Missernten oder Insektenplagen über die Bevölkerung herein. Das wäre ja alles noch zu verkraften, aber für echte Adrenalinschocks sind konkurrierende Städteplaner und plündernde Räuberhorden zuständig.

Die bevölkern ebenfalls das Land und müssen früher oder später allesamt vom Gelände gefegt

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werden, um so A) Ruhe vor Angriffen zu erhalten und B) Platz für unsere Expansion zu schaffen. So liebevoll der städtische Aufbau in Szene gesetzt wurde, so stiefmütterlich hat man leider das kriegerische Element behandelt. So gibt es neben dem üblichen Belagerungsgerät nur ganze zwei Einheitstypen, die sich in entsprechenden Kasernen produzieren lassen. Die Ritter und Infanteristen postiert man rudelweise an strategisch wichtigen Orten. Sobald der Feind angreift, schaut man mehr oder weniger ohnmächtig dabei zu, wie sich unsere Jungs an Ort und Stelle vollautomatisch zur Wehr setzen. Oder auch nicht, falls sie etwa zufällig ein paar Zentimeter zu weit entfernt stehen. Sollte es dem Feind gelingen, Ihren Hauptburgfried einzunehmen, findet das Spiel ein jähes Ende. Ähnlich funktioniert das Kriegshandwerk auch, falls Sie selber ein feindliches Gebiet einnehmen wollen: Sie platzieren einfach Ihre Soldaten im fremden Terrain und nach einigen Sekunden blasen die Söldner völlig selbständig zur Attacke, wobei die zahlenmäßig überlegene Seite mit schöner Regelmäßigkeit gewinnt.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ Hübsches mittelalterliches Getümmel + Solider Aufbaupart

Cons:
- Funktionsfähiger Editor erst mit dem Patch 1.01 - keine Mehrspieleroption - Einfallsloser Strategiepart - Mit acht Missionen deutlich zu kurz - Bislang erst ein freies Spiel per Internet-UpdatePro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:
+ Hübsches mittelalterliches Getümmel + Solider Aufbaupart

Cons:
- Funktionsfähiger Editor erst mit dem Patch 1.01 - keine Mehrspieleroption - Einfallsloser Strategiepart - Mit acht Missionen deutlich zu kurz - Bislang erst ein freies Spiel per Internet-Update