Medievil Conquest (PC-Test)
von Nedzad Hurabasic

Das Böse überzieht das Königreich, garstiger Gestank hat das Land wie eine Plage überzogen. Wer soll es nur vor den ganzen Monsterhorden retten? Gut, bei Spielen ist das sicher eine rhetorische Frage, natürlich sollen die Gamer dies

bewerkstelligen. Medievil Conquest ist eine Mischung aus Aufbausimulation und Strategiespiel, bei der die Gamer als allmächtige Herrscher Städte aufbauen dürfen und zur Bekämpfung der Unholde Abenteurer rekrutieren müssen.

Doch Vorsicht - Helden sind manchmal verwöhnte Gören und wollen umsorgt, gehegt und gepflegt sein. Sonst suchen sie flugs das Weite.

Herrscher oder Diener?
Endlich, ihr habt es geschafft! Ihr seid der Herrscher eines großen Landes und seid dafür aber auch für dessen Wohlergehen verantwortlich. Dummerweise steht euch als König zunächst bis auf einen kleinen Geldbetrag nichts zur Verfügung. Ihr müsst also erstmal eine kleine Stadt aus dem Boden stampfen, denn ohne Gebäude werdet ihr keine Abenteurer davon überzeugen können, für euch in die Schlacht zu ziehen. Neben dem Stadtzentrum bedarf es verschiedener Gebäude, um das virtuelle Leben und damit das Spiel am Laufen zu halten.

Sind die ersten Abenteurer rekrutiert, werden auch schon verschiedene Wünsche geäußert, die befriedigt werden wollen: Hunger, Ruhe, Vergnügen, Rüstungen, Waffen, Zaubersprüche - für fast alles müssen unterschiedliche Bauten errichtet werden.

Doch die drei zur Verfügung stehenden Einheiten Krieger, Bogenschütze und Magier benötigen jeweils ihre eigenen Shops und so muss fast alles dreimal vorhanden sein, von wenigen Überschneidungen abgesehen.

Einzelne Abenteurer lassen sich natürlich zu Gruppen von bis zu 8 Einheiten zusammenfassen, was auch dringend notwendig ist. Feinde stellen sich den Helden gerne in größeren Ansammlungen entgegen und sind für einzelne Abenteurer kaum zu besiegen. Bis zu sechs solcher Gruppen lassen sich gleichzeitig befehligen, allerdings dürfte dies so manchen Gamer an die Grenze seiner Möglichkeiten bringen. Der Grund: Die Gruppen sind nicht homogen in ihren Tätigkeiten.

Die Ursache liegt tief im Gameplay verwurzelt. Teilweise herrschen chaotische Verhältnisse auf dem Spielfeld, denn die Helden lassen sich nur bis zu einem gewissen Maße steuern und sind störrisch wie Maultiere. Wenn sie das Verlangen nach besserer Rüstung, nach Ruhe,

Medieval Conquest - Für König und Vaterland!

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Vergnügen oder anderen Annehmlichkeiten des Lebens verspüren, dann machen sie sich schlichtweg auf den Weg zur nächsten Siedlung. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gruppe sich gerade im Kampf befindet oder anderen Tätigkeiten nachgeht. Der Spieler hat auch keine Möglichkeit, den Abenteurer in dieser Phase auf irgendeine Weise zu beeinflussen. Das führt dazu, dass die Gruppen ständig auseinander gerissen werden. Dabei auch noch den Überblick zu behalten grenzt ans Unmögliche.

Packshot zu Medieval ConquestMedieval ConquestErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

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Unzufriedene und zufriedene Helden machen einerseits per Audiosignal und Emoticons auf ihren Zustand

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aufmerksam. Letzteres ist für den Spieler erfreulich und ein Zeichen seines guten Managements. Helden, die ungehalten sind, müssen schnellstens umsorgt werden. Wenn sie ihre Wünsche nach besseren Waffen oder aufgemotzten Betten nicht erfüllt bekommen, lassen sie den Herrscher einfach im Stich und machen sich von dannen.

Das schlägt sich in der Tapferkeitswertung des Spielers negativ nieder und führt zu höheren Preisen bei der Rekrutierung neuer Einheiten. Geld wird übrigens dadurch verdient, dass die Abenteuerer Monster töten und dafür Geld kassieren, was in die Staatskasse fließt. Die verdienten Moneten kann der Spieler inGebäudeupgrades, neue Einheiten, den Ausbau der Siedlung, Außenposten und anderes investieren. Um den Spielablauf zu beschleunigen, gibt es drei Zeitraffer-Buttons, die beim Zurücklegen von größeren Distanzen die Spielzeit verkürzen.

Damit man seine Helden nicht sinnlos durch die Spielwelt metzeln lässt, gibt es in jeder der 12 Missionen bzw. Etappen eine Hauptaufgabe, wie z. B. das Auslöschen von zehn verschiedenen Maden-Arten. Wird diese Aufgabe gelöst, kann der Spieler weitere Teile der Welt aufdecken und erobern. Um sein Territorium weiter auszubauen, ist das Bauen von Außenposten unerlässlich.

Diese sollten auch schnellstmöglich mit den notwendigen Gebäuden ausgebaut werden, sonst pilgern die Abenteurer jedes Mal wieder zur Ursprungsstadt zurück, um sich mit den notwendigen Gütern zu versorgen und ihre erbeuteten Monster-Skalps zu verkaufen. Unverständlich ist, warum die Einheiten sich trotzgleichen Levels und derselben Ausrüstung zu unterschiedlichen Zeiten entscheiden, zur Station zurückzukehren, um sich auszuruhen oder die neuen Pferde zu kaufen, mit denen die Fortbewegung zwischen den Standorten des Spielers beschleunigt wird.

Da vor allem im späteren Spielverlauf die Monster mit Kleingruppen kaum noch zu besiegen sind, stehen dann die verbliebenen Gruppenmitglieder nutzlos herum. Das kann wiederum für den Spieler gefährlich werden. Auch Langeweile kann dazu führen, dass Abenteurer sich dazu entschließen, den Herrscher zu verlassen. Grummel!

Darüber hinaus glänzt die Einheiten-KI nicht mit übermäßig toller Wegfindung. Teilweise verrennen sich die Figuren an Orten und lassen sich dort nicht wieder weglotsen. Erst der Wunsch nach Essen oder Schlaf vermag sie unter Umständen dort wieder wegzutreiben. Erscheint in dieser Zeit an dieser Stelle ein Monster, lassen sie sich meist wehrlos dahinmorden. Normalerweise greifen die Helden alle Monster in einem gewissen Radius, der so genannten "Hunting Region", selbstständig an. Der Spieler kann daher nicht bestimmen, welches Monster spezifisch attackiert wird. Das kann dazu führen, dass eine Gruppe von acht Abenteurern auf acht verschiedene Ziele gleichzeitig einprügelt, schießt oder zaubert. Das ist weder effektiv noch Erfolg versprechend und führt schnell zum Tod von Gruppenmitgliedern.

Taktische Formationen können auch nicht befohlen werden, Zauberer und Bogenschützen befinden sich daher ebenso oft an vorderster Front, wie Krieger. Einmal initiierte Angriffe lassen sich auch nur schwer wieder abbrechen, da die Helden im Kampfesrausch nur noch wenigen Befehlen gehorchen. Meist bleibt nur noch ein ungeordneter Rückzug übrig, Verluste sind dabei vorprogrammiert. Einheiten, die sich selbstständig zum nächstgelegenen Außenposten absetzen, wählen übrigens den kürzesten und nicht den sichersten oder schnellsten Weg. Auch dabei kommt es regelmäßig zum Verlust von Abenteurern, die auf ihrem Weg einer Horde von Monstern in die Klauen rennen.

Grafisch bewegt sich das Spiel auf einem für heutige Verhältnisse recht niedrigen Niveau. Details sind rar gesät, die Pixel sind grob und insgesamt gibt es nur sehr wenigAbwechslung. Auch wenn nah an die Monster oder Spielfiguren herangezoomt wird, offenbart die kindlich-comicartige Umwelt keine visuellen Genüsse. Ähnliches kann vom Sound berichtet werden. Die Effekte und Töne sind solide produziert, auch die Vertonung der Sprecherstimmen ist gelungen. Ein audiophiles Feuerwerk sollte aber keiner erwarten.