Granaten schlagen ein, lassen den Boden erzittern. Feuersalven zischen um Preachers Kopf, Blätter von einem Schreibtisch werden aufgewirbelt. Seine Männer funktionieren wie Maschinen, erlegen einen Abu-Sayaf-Kämpfer nach dem anderen. Und auch Preacher funktioniert, aber in seinem Kopf wiederholen sich immer die Worte seiner Frau: „Du bist nie da... Deine Tochter wächst ohne dich auf...So geht das nicht weiter.“

Macht sie Schluss, übers Telefon? Preacher ist aufgewühlt, doch er muss sich konzentrieren. Denn jetzt geht es um Leben und Tod, er ist der Anführer einer Eliteeinheit, der Navy Seals.

Sein Team, Codename Mako, besteht nur aus drei Männern: Voodoo, Mother und Preacher. Keine Armee, keine Artillerie, kein Back-up. Diese Männer sind Schatten. Schnell rein, schnell wieder raus – das ist ihr Motto. Ihre Einsätze sind geheim. Werden sie geschnappt, wird die US-Regierung jegliche Verbindung abstreiten. Die Seals gelten als die härteste und beste Eliteeinheit der Welt und sind gefürchtet von ihren Gegnern.

Wie sie so in ihrem kleinen Schlauchboot über das Wasser in Richtung Einsatzort Isabela City auf den Philippinen fahren, meldet sich ein Kämpfer der Abu Sayaf aus dem Off: „Unsere Brüder sagen, sie sind keine Menschen. Sie sind Schatten, sie atmen Wasser. Sie sehen dich überall.“ Und tatsächlich agieren die Seals anders als die meisten ihrer Kollegen aus „Call of Duty: Modern Warfare 3“ oder „Battlefield 3“. Es wird kein Raketenwerfer rausgeholt, um den Wachposten dort oben auf einem Turm ins Nirwana zu blasen. Keine Granaten gezündet, keine Helikopter angefordert.

Medal of Honor: Warfighter - Wir sind nicht die Kettensäge. Wir sind das Skalpell!

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Schnell rein, schnell wieder raus: Die Seals sind wie Schatten auf dem Wasser.
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Die ersten Minuten in „Medal of Honor: Warfighter“ sind nicht das gewohnte Feuerwerk der Effekte. „Wir sind nicht die Kettensäge“, erklärt ein muskulöser Typ, der gerade die Bühne in einem Nachtclub in San Francisco erklommen hat und sich mit einer Sturmmaske schützt. „Wir sind das Skalpell.“ Markige Worte, markiges Marketing? Mitnichten, denn Kevin (sein Name wurde aus Gründen der Geheimhaltung geändert) ist ein echter Navy Seal, ein Teil der US Special Forces, Division Naval Warfare. Er hat mit seinem Team Operationen in Afghanistan und dem Irak durchlebt, war unter anderem aber auch verantwortlich für die Verhaftung des panamaischen Militärgouverneurs Noriega.

Über mehr redet er nicht, aber den mit Narben übersäten Armen sieht man an, dass er für sein Land durch die Hölle gegangen ist. Er und ein paar Kameraden haben kleine Teile, Schnipsel aus streng geheimen Einsätzen, in einem sogenannten Vent-Book festgehalten. Ein klassisches Notizbuch des Militärs. Mit dem sind sie irgendwann zu Produzent Greg Goodrich von Danger Close gegangen, der hat es gelesen und gesagt: „Diese Geschichten sind besser, als Hollywood sie je erzählen könnte. Wir müssen dieses Spiel machen.“

Packshot zu Medal of Honor: WarfighterMedal of Honor: WarfighterErschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Daraus entstand „Medal of Honor: Warfighter“. Kevin und sein „Bruder“, wie er ihn bezeichnet, Tyler haben zwar auch schon als militärische Berater für das erste „Medal of Honor“ mitgearbeitet, das basierte allerdings in erster Linie auf fiktiven Einsätzen. Dieses Mal sind es Versatzstücke aus echten Operationen.

Medal of Honor: Warfighter - Wir sind nicht die Kettensäge. Wir sind das Skalpell!

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Inspiriert, geschrieben und kontrolliert wurde das gesamte Spiel von echten Elitesoldaten.
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Isabela City: Das versunkene Paradies

Mit diesem Wissen zurück ins Spiel, und das möchte vor allem authentisch sein. Wie sich die Soldaten bewegen, wie sie ihre Waffen halten. Wie sie sich gegenseitig Deckung geben, wenn erst einer durch ein kleines Fenster in das Zielgebäude, die US-Botschaft, reinklettert, dann den Raum vor und um sich sichert und dann der zweite nachzieht. Auch reden sie kaum.

Wo uns in „Battlefield 3“ die Kollegen fast schon ein Ohr abgekaut und jede Situation kommentiert haben, funktioniert hier alles über Handzeichen. Wie echte Commandos zeigen sie mit Fingern, wie man sich aufteilen soll, wer wo angreift. Die Operation wird zunehmend schwieriger und riskanter. Der ursprüngliche Einsatzplan sah ein Einsteigen weiter unten vor, der Zugang liegt jedoch unter Wasser. Zu riskant, Wasserminen könnten hier lauern, aus dem Tauchvorgang könnten die Seals nicht schnell genug auf einen Hinterhalt reagieren.

Spektakel, Emotion, Authentizität. Hier stimmt die Mischung.Ausblick lesen

Sie klettern weiter oben rein, aber auch dieses Stockwerk steht unter Wasser. Die Männer müssen waten, kommen ergo nicht so schnell voran wie geplant. Und dann schnappt die Falle zu.

Bombe im dritten Stock

Preacher schleicht in den zweiten Stock. Er ist unvorsichtig, möglicherweise abgelenkt vom Ehekrach mit seiner Frau Lana. Etwas tickt, Booom. Es zerreißt das halbe Stockwerk, der Boden kippt weg, Holzschränke zerbersten. Die Druckwelle bläst Preacher die gesamte Treppe nach unten, er schlägt im Wasser auf. Plötzlich kriechen aus allen Löchern Kämpfer der Abu Sayaf, feuern mit AK-47 auf das kleine Team. Preacher hat zur Verstärkung philippinische Spezialeinheiten erhalten, die werden von Kugeln durchsiebt wie ein Schweizer Käse.

Zwei erleiden Kopfschüsse, Granaten schlagen ein, die Soldaten schlagen tot im Wasser auf. Bei all der inszenatorischen Wucht ist Authentizität wichtig: „Explodiert eine Granate im Wasser, entwickelt sie weniger Druck als in der Luft“, erklärt Greg Goodrich später im Interview. Wurde „Medal of Honor“ noch für seine eher durchschnittliche Technik kritisiert, gibt EA dieses Mal Vollgas. Dank Frostbite Engine 2.0 werden komplette Stockwerke physikalisch korrekt zerlegt und man legt sehr viel Wert auf „Punktzerstörungen.“ Wenn beispielsweise eine Granate einen Holzschrank trifft, zersplittert der und überall fliegen Holzteile durch die Luft.

C4? Das rate ich dir NICHT

Große Innovationen konnten wir während der Präsentation zwar nicht entdecken, schön aber, dass sich Danger Close hier und da etwas aus Taktik-Shootern wie „Rainbow Six“ abgeschaut hat. So gibt es immer wieder Situationen, in der uns mehrere Optionen offenstehen. Beispielsweise als wir vor dem Raum stehen, wo die Abu Sayaf ihre Geiseln festhält. Die KI war zwar beim Schusswechsel eher durchschnittlich, verschanzt sich hier aber recht clever hinter den Mitarbeitern der UN.

Medal of Honor: Warfighter - Wir sind nicht die Kettensäge. Wir sind das Skalpell!

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Atmosphäre aufbauende, langsame Momente wechseln sich mit fetter Action ab.
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Uns werden drei Möglichkeiten eingeblendet: C-4? Plastiksprengstoff? Bloß nicht! Der wird zwar in „Call of Duty“ gerne angewendet, im echten Leben wäre die Gefahr, unmittelbar hinter der Tür kauernde Geiseln zu töten, viel zu hoch. „Ihr könntet die Tür eintreten“, erklärt Goodrich, „allerdings verschafft das dem Feind ein Zeitfenster, er könnte die Geiseln töten.“ Die Wahl fällt daher auf die Alternative: Tür eintreten und direkt Blendgranate rein. Der gleißende Blitz blendet die Gegner, wir gehen rein, drei Schüsse, drei Treffer. Die Geiseln sind gerettet.

Mal „Band of Brothers“, mal „James Bond“

In der GDC-Mission stimmt der Rhythmus. Mal langsam, schleichend, nachdenklich, um Stimmung aufzubauen, wenn die Seals mit ihren Booten über die Wellen huschen. Dann wieder mit Bam-Effekt und dann mit noch mehr Bam-Effekt, Pauken, Raketen, Trompeten, Granaten und Trommelfeuer, als das Team sich mit den Geretteten im Schlepptau aus dem Staub machen will. Wir klemmen uns ans MG des Schlauchboots, ballern Terroristen von Hausdächern und haben vor allem mit Mutter Natur zu kämpfen.

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International War on Terror: Kommt ein Koop-Modus? Würde Sinn machen, zumindest arbeitet Danger Close für den Multiplayer mit 12 Sondereinheiten zusammen.
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Denn der Taifun wird stärker, die Wellen peitschen hoch, wir müssen Autos im Wasser umkurven und scharf abbremsen, um einem einstürzenden Hochhaus auszuweichen. Es ist Nacht, überall entzünden sich Feuer, schießen Leuchtsäulen in die Luft und wir jetten ganz gekonnt wie Bond über eine Rampe, springen über das Feuermeer und sehen schon das Abholkommando. Chinook-Helikopter sausen heran, Haken werden befestigt, wir fliegen im Schlauchboot davon.