Medal of Honor: Pacific Assault (PC-Test)
(von Martin Schnelle)

Endlich ist er auch auf dem PC da, der sehnlichst erwartete Nachfolger von »MoH: Allied Assault«. Und wieder gelingt EA es, das momentan beste Spiel in diesem Sektor auf den

Medal of Honor: Pacific Assault - Pearl Harbor Trailer3 weitere Videos

Wie viele Spiele fangen schon mit dem eigenen Tod an? Bei »Pacific Assault« gelangen Sie sofort mitten ins Geschehen, und zwar in die Landung in Tarawa, einem der härtesten Landgefechte im Pazifikkrieg. Während Ihr Landungsboot auf die Küste zurauscht, feuern die Japaner mit allem, was sie haben.

Eigene Flugzeuge bombardieren die Küstenstellungen - leider achten sie dabei nicht genau auf eigene Truppen, eine Explosion zerstört Ihr Boot, und so müssen Sie den restlichen Weg zur Küste waten. An einem Pier warten dann die Japaner, und das heftige Gefecht endet damit, dass Sie zu Boden sinken und die Welt nur noch verschwommen und schemenhaft wahrnehmen.

Hier sind wir schon bei einer der ersten Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger und überhaupt anderer Spiele: sinkt Ihr Trefferpunktekonto auf »Null« oder erleben Sie eine Explosion aus nächster Nähe mit,

hören Sie alles nur noch dumpf und sehen alles verschwommen, teils in schwarz-weiß. Auch wenn Sie automatische Waffen auf Dauerfeuer benutzen, wird die Umgebung nach einigen Schüssen unscharf.

Nicht nur aus diesem Grunde sollten Sie alles vermeiden, was zu dieser Situation führen kann. Haben Sie keine Lebenspunkte mehr, sind Sie übrigens nicht automatisch tot: in diesem Fall kommt der Truppsanitäter und flickt Sie wieder zusammen. Das kann er je nach Schwierigkeitsgrad bis zu fünfmal - selbstverständlich können Sie ihn auch schon vor Ihrem Zusammenbruch rufen. Finden die Japaner Sie jedoch zuerst, war es das für Sie: die machen keine Gefangenen. Zuweilen finden Sie noch Medipacks, ansonsten gibt es keine Möglichkeit, Ihre Gesundheit wieder aufzufrischen.

Lauschiges Hawaii
Aber noch ist es nicht soweit, denn nach der Grundausbildung, bei der

Medal of Honor: Pacific Assault - Realer als jeder Kriegsfilm!

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Sie mit dem Umgang mit Waffen, erster Hilfe und dem rudimentären Befehlssystem vertraut gemacht werden, versetzt man Sie, den Marine Tommy Conlin, weit vom Krieg in Europa entfernt ins friedliche Hawaii. Noch ist Amerika im Frieden, als Sie am Morgen des 7.12.1941 zu ihrem Einsatzort kommen sollen, zur USS »Arizona«.

Moment mal, kennen wir das Schiff nicht? Richtig, man kann es heute noch als Mahnmal in Pearl Harbor besuchen. Doch noch ist alles friedlich. Ein Sergeant fährt Sie im Jeep zum Pier, wo Sie zum Schiff übersetzen sollen, als plötzlich japanische Flugzeuge auftauchen. Und schon sind Sie mitten im tiefsten Getümmel, um Conlin herum schlagen die Bomben ein, und es gibt nur eine Rettung: das Boot zur »Arizona« erwischen, das zumindest bewaffnet ist. Das Boot rast los, und nun können Sie zeigen, was in Ihnen steckt.

Packshot zu Medal of Honor: Pacific AssaultMedal of Honor: Pacific AssaultErschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Mit dem MG schießen Sie japanische Flieger ab, während ein Schlachtschiff nach dem anderen sinkt. In der »Arizona« explodieren die Munitionsvorräte, das Schiff wird zerrissen. Gerade noch entkommen sehen Sie, wie die Japaner wieder abziehen. Jetzt können Sie helfen, Matrosen aus der USS »Nevada« zu retten - Conlin kann nämlich einen Verletzten huckepack nehmen und zum Sanitäter bringen. Haben Sie es aus dem brennenden Wrack an Deck geschafft, kommen die Japaner wieder. Doch diesmal sitzen Sie an einer schweren Vierlings-FlaK und geben den Asiaten Saures.

Kampf in Fernost
Nach diesem Debakel versetzt das Programm Sie in die Zeit nach der Schlacht um Midway, welche die Amerikaner triumphal für sich entschieden. Nun geht es darum, den Pazifik inselweise zu erobern. Zunächst gelangen Sie zum Makin-Atoll, wo leise Herumschleicherei in der Nacht zum Ziel führt. Dort gilt es, einige japanische Außenposten zu zerstören.

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Aber auch hier wird die Gruppe vom Pech verfolgt: erst wird der Trupp von den Japanern entdeckt, bevor er per Schlauchboot zum U-Boot zurück kann. Und haben Sie erst mal den Strand verlassen, greifen »Zeros« aus der Luft an. Bei den Tauchbooten angelangt, kämpfen Sie weiter um Ihr Leben, denn die Japaner werfen nun Torpedos ab. Gottseidank hilft das schwere Maschinengewehr an Deck sowohl gegen die Flugzeuge als auch gegen die schnellen Schwimmkörper. Weiter geht's auf Guadalcanal, wo die Amerikaner ein Flugfeld errichten. Hier tauchen die Gegner erstmals in großen Mengen auf, so dass Conlin sich freut, mit schweren Waffen wie Mörsern und Panzerhaubitzen umgehen zu können. Und ist der Strand von Tarawa erst mal genommen, kämpfen Sie sich durch Schützengräben und an Panzern vorbei, bis die japanischen Befestigungen und das Hauptquartier ausgehoben sind. Hier ist das Spiel leider auch schon zu Ende - etwas unvermittelt und unerwartet, zumal es, zumindest im einfachen Schwierigkeitsgrad, nicht länger als ein gemütliches Wochenende vor dem Rechner dauert.

Die richtige Taktik
All diese Aufgaben kann Conlin nicht allein lösen, also sind seine vier Kameraden aus der Grundausbildung immer dabei.

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Diese reagieren von Zeit zu Zeit auch auf Tommys Befehle wie »Rückzug«, »Sperrfeuer«, »Vorrücken« und »Sammeln«. Allerdings nur in ganz bestimmten Situationen, wobei dann ein entsprechendes Symbol eingeblendet wird.

Ansonsten sorgt ein Kompass dafür, dass Conlin nicht die Orientierung verliert; alle Kameraden sind dort eingetragen, wobei der Sani besonders gekennzeichnet ist. Außerdem zeigt ein weißes Dreieck an, wo das nächste Missionsziel liegt. Auch in der realen Ansicht werden auf Wunsch Ihre eigenen Leute gekennzeichnet, was gerade im undurchdringlichen Dschungel ganz praktisch ist. BesonderesAugenmerk liegt dabei auf der Künstlichen Intelligenz der virtuellen Mitspieler: diese verhalten sich recht geschickt und gehen von sich aus in Deckung, melden anfliegende Granaten und sagen, von wo der Feind gerade kommt. Außerdem nehmen sie die Eier gerne auf und werfen sie zurück, Aber aufgemerkt, auch die Japaner sind nicht ohne. Sie reagieren genauso auf Sprengsätze und bemannen außerdem etwa verlassene MGs gleich wieder neu. Geraten Sie übrigens zu nah an Ihre Gegner, greifen die gerne mit dem Bajonett, Offiziere häufig mit dem Säbel an. Diese erzeugen großen Schaden und verursachen außerdem Verletzungen, die in höheren Schwierigkeitsgraden dauernd Trefferpunkte abziehen, wenn sie nicht behandelt werden.

Rumble in the Jungle
Die Physik-Engine kann sich ebenfalls sehen lassen. Fast alles ist dynamisch, weswegen makabererweise auch Leichen sich noch bewegen, falls Sie sie anstoßen. Wachttürme fallen bei

Explosionen auch dann um, wenn sie gar nicht direkt getroffen sind, Gegner zucken, wenn sie getroffen werden. Hierbei konnten wir ein Problem beobachten, unter dem schon das mittlerweile betagte »Project I.G.I.« litt: während eine Verletzungsanimation abgespielt wird, nimmt das Treffermodell keinen neuen Schaden an, das heißt, wenn Sie in der Zwischenzeit auf den feindliche Soldaten feuern, hat dies keine Wirkung. Das ist vor allem lästig, wenn die Japaner gerade in Scharen kommen.

Herumstehende Waffen wie etwa MGs oder Mörser können per Knopfdruck selbst bedienen, manche Dinge wie MGs oder Panzerabwehrkanonen lassen sich auch mitnehmen. Aber Vorsicht, beim Gehen dürfen Sie diese Waffen nicht benutzen. Sie müssen Sie erst aufstellen, wofür erstens genügend Platz, zweitens ebener Boden vorhanden sein muss. Das führt häufig zu brenzligen Situationen, gerade im Dschungel, wenn plötzlich einige Japaner aus dem Unterholz auftauchen.

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Viele viele Waffen
Ansonsten hat Tommy eine Pistole und maximal zwei schwerere Waffen dabei. So etwa seinen Karabiner, Scharfschützengewehre, Maschinenpistolen oder Sturmgewehre. Er zielt zudem besser, wenn er sich hinkniet oder liegt, per Knopfdruck schaut er genau

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über das Visier. Außerdem kann er Waffen seiner Gegner aufnehmen, was sich aber nur dann lohnt, wenn die eigene Munition alle ist: für gewöhnlich sind sie weniger leistungsfähig. Ansonsten sind Granaten und Sprengsätze immer dabei. Immer spannend: oft fahren Tommyund seine Kameraden in Fahrzeugen umher und müssen sich mit deren Bordbewaffnung ihrer Gegner erwehren. Darunter sind Jeeps, Trucks, Landungsboote und dann sogar Flugzeuge. In einem Einsatz muss Tommy gar das Steuer übernehmen und bombardiert einen japanischen Stützpunkt und legt sich dann mit einem Flugzeugträger an.

Ehre den Marines
Neben den eigentlichen Aufträgen kann Tommy Bonusziele erreichen, wenn er etwa zu Beginn den Kapitän der »Nevada« rettet oder einen Piloten vor anrückenden japanischen Truppen. Dafür erhält er Gegenstände, die er sich im Hauptmenü in seiner Kiste ansehen kann. Auch Medaillen sind zu erringen, die Tommy für versteckte Missionsziele bekommt, etwa, in dem er ein verstecktes Geschütz ausschaltet.

Super Atmosphäre
Wie schon der Vorgänger hebt sich »Pacific Assault« von seiner

Multiplayer

Spannender Mehrspieler-Modus
Für heiße Multiplayergefechte stehen zwar nur acht Karten zur Verfügung, doch haben die Designer hier an taktisch vorgehende Mitspieler gedacht. So gibt es vier verschiedene Klassen von Kämpfern. Infanteristen haben eine große Auswahl an Waffen und sind sehr widerstandsfähig, während Sanitäter ihren Kameraden und auch sich selbst medizinisch helfen können. Pioniere benutzen gerne Sprengfallen, und Versorgungssoldaten tragen doppelt so viele Waffen und Munition wie ihre Mitkämpfer. Neben dem klassischen Deathmatch und Team Deathmatch gibt es noch den »Eroberer-Modus«. Hier greift die eine Partei die Stellung der anderen an. Sie müssen dabei bestimmte Einsatzziele erreichen, um zu gewinnen.Konkurrenz davon ab, dass das Spiel wie ein guter Sechziger-Jahre-Kriegsfilm unterhält. Gefechte finden nicht nur zwischen zehn Soldaten statt, sondern gerne auch hundert, Flieger bombardieren von oben, gigantische Schlachtschiffe feuern im Hintergrund.

Die Soundkulisse lässt dabei keine Wünsche offen, Explosionen werden akustisch passend untermalt, und das Gebrüll japanischer Soldaten, die in Scharen aus dem Urwald kommen und einen Hügel erstürmen wollen, klingt richtig beängstigend. Und die Musik passt zu fast allen Situationen. Sie hört sich zwar sehr zusammengeklaut an, unterstreicht aber Pathos und Dringlichkeit des jeweiligen Spielgeschehens. Grafisch kann sich »Pacific Assault« ebenfalls sehen lassen, auch wenn Kenner sofort sehen, dass Spiele wie »Doom 3« oder »Half-Life 2« immer noch klar die Nase vorn haben. Trotzdem haben die Gesichter fast erschreckend gute Ausdrücke und Mimik, die Animationen sind ebenfalls klasse. Und die Texturen sehen selbst aus direkter Nähe super aus.

Für diese Pracht ist dann aber ein potenter Rechner vonnöten. Er sollte schon einen Prozessor jenseits der 3-Gigahertz-Grenze haben, ein Gigabyte RAM wären auch nicht schlecht, auch wenn das Spiel mit 512 Megabyte auskommt. Richten Sie sich dann jedoch auf riesige Ladezeiten ein.

Moralische Bedenken
Bei all dem sollten Sie nicht vergessen, dass dieses Spiel seine USK-Freigabe »Nicht unter 18 Jahren« zu Recht trägt. Zwar verzichtet das Spiel auf unappetitliche Gewalt- und Splatterdarstellungen, trotzdem sind der Anblick brennender Soldaten beim Angriff auf Pearl Harbor nicht jedermanns Sache. Und prinzipiell gilt: Sie schießen auf Soldaten, also auf die Darstellung realer Menschen. Diese schreien auf, wenn sie getroffen werden und zucken je nach Trefferzone noch eine Weile, bis sie zu Boden sinken. Alles in allem werden Sie aber nicht mit mehr Gewalt konfrontiert als in Filmen wie »Pearl Harbor« oder »Der schmale Grat«.

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Kleine Probleme
Leider ist auch »Pacific Assault« nicht ganz perfekt. Zuweilen treten Clippingfehler auf, Soldaten treten also mit Gliedmaßen durch feste Wände. Zudem hängen die Waffen toter Soldaten manchmal plötzlich in der Luft. Dazu kommt, dass ganz selten Ihre Kameraden den Weg blockieren und auch nicht bereit sind, Platz zu machen. Fast alle Level sind sehr linear und lassen nur einen Weg offen - die Freiheit eines »Operation Flashpoint« vermissen wir hier etwas. Und auch die begehbaren Teile fallen recht eingeschränkt aus, für gewöhnlich wird der Dschungel etwas abseits des Weges so dicht, dass er unpassierbar wird. Wie in all diesen Spielen müssen Sie

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auch hier mit ziemlichen Patriotismus und Pathos leben. »Die Marines sind die Besten«, »Vorwärts USA« und so weiter hören Sie fast die ganze Zeit - nicht umsonst ist diese erfolgreiche Spielereihe nach dem höchsten Orden benannt, den die Regierung der USA zu vergeben hat. All diese Mankos sind aber nicht wirklich spielentscheidend.Pro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ tolle Atmosphäre + spannende Missionen + guter Multiplayer-Modus

Cons:

- unerwartetes Ende - sehr kurz - recht lineare PfadePro & Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pros:

+ tolle Atmosphäre + spannende Missionen + guter Multiplayer-Modus

Cons:

- unerwartetes Ende - sehr kurz - recht lineare Pfade