Autor: Christopher Link

In der immer länger werdenden Liste von Shootern mit Weltkriegshintergrund gibt es seit jeher böse Aussetzer - man denke etwa an »Mortyr 2«. Aber auch echte Highlights ließen sich hin und wieder vermelden: Jeder Zocker kennt »Call of Duty«, und genauso dürfte die »Medal of Honor«-Serie allen Shooter-Fans ein Begriff sein.

Nach zahlreichen Titeln für den PC und verschiedenste Konsolen ist nun die PSP an der Reihe: Mit »Medal of Honor: Heroes« verspricht EA das nackte Grauen des Zweiten Weltkrieges überzeugend auf Sonys kleinen Handheld zu bringen. Wir verraten Euch im Review, wie erfolgreich sie dabei waren.

Fire in the Hole!
Ein neuer »Medal of Honor«-Teil, drei altbekannte Charaktere: In »Heroes« zieht der Spieler mit Lieutenant Jimmy Patterson, Sergeant John Baker und Lieutenant William Holt - alle drei stammen aus ehemaligen Titeln der Serie - ins Gefecht. Eine wirkliche Story gibt es wie zu erwarten nicht, schließlich befinden wir uns in einem WW2-Shooter. Das Wichtigste: In 15 Missionen verschlägt es den Spieler nacheinander von Italien über die Niederlande bis nach Belgien. Eingeleitet werden die Szenarien in alter »MoH«-Manier mit beeindruckenden historischen Aufnahmen der damaligen Ereignisse.

Medal of Honor: Heroes - Heldenzeit für Handhelds: Ehrenmedaille oder Blechplakette?

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In den Ardennen haben wir es mit bedrückender Kälte und jeder Menge Nazis zu tun.
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Aber lange genug gelabert! Stürzen wir uns in die erste Mission. Nach geschätzten fünf Minuten waren wir damit aber auch schon fertig. Und viel länger dauern die restlichen Missionen auch nicht. Ein Schock! Waren schon die PC-Versionen nicht sehr umfangreich, dürften geübte Zocker den Einzelspielermodus von »Medal of Honor: Heroes« nach geschätzten drei Stunden hinter sich gebracht haben. Zumal die Gegner-Intelligenz nicht wirklich das Gelbe vom Ei ist und die Missionen an sich selbst auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad kein großes Hindernis darstellen.

Leider vermag »Heroes« selbst mit einer solch kurzen Kampagne nach einiger Zeit zu langweilen, da auf Abwechslung innerhalb der Aufträge anscheinend nicht viel Wert gelegt wurde. Meistens rennt man immer nur vom Startpunkt des Levels zu irgendwelchen anderen Orten auf der Karte und stiehlt entweder geheime Dokumente oder sprengt wichtige Nazi-Anlagen in die Luft. Wirkliche Highlights sind lediglich die Missionen, in denen man Kontrollpunkte innerhalb eines Levels nach alter Capture the Flag-Manier besetzen muss. Hier ist gutes Gespür und vor allem ein schneller Finger am Abzug gefragt.

Falscher Pathos...
Wirklich störend ist, dass man beinahe in allen Missionen nach Erledigung aller primären Ziele flüchten muss, soll heißen man muss wieder zum Anfang des Levels zurück laufen. Aber wo bleibt dann die heroische Befriedigung, wenn man sowieso fast immer den Rückzug antreten muss? Eine Motivation, die Missionen nochmals zu spielen, liefern leider auch die Boni nicht, die man bei vollständiger Erfüllung der zahlreichen Sekundärziele erhält. Wer braucht schon wirklich unzählige Outfits und Charaktere für den Multiplayermodus? Bonusmissionen wären uns da lieber gewesen.

Medal of Honor: Heroes - Heldenzeit für Handhelds: Ehrenmedaille oder Blechplakette?

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Teamkameraden retten immer mal wieder den eigenen virtuellen Hintern.
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Der wirkliche Kaufgrund für viele Spieler dürfte somit nur der Mehrspielermodus darstellen: Dabei geht es per WiFi mit bis zu 32 Spielern in sechs verschiedenen Spielmodi um die sprichwörtliche Wurst. Maximal acht Hobbysoldaten dürfen sich hingegen in einem Ad-hoc-Spiel bekriegen. Zur Auswahl stehen für beide Spieltypen insgesamt 15 Karten. Wie nicht anders zu erwarten, machte uns der MP-Modus schon wesentlich mehr Spaß als die viel zu kurze und abwechslungsarme Einzelspielerkampagne. Die Stabilität ließ im Übrigen keinerlei Kritik zu, hier hat man sich wirklich ins Zeug gelegt.

Technik, die (fast) begeistert...
Eine der wichtigsten Fragen, die sich viele Spieler stellen werden, lautet bestimmt: »Wie haben die Entwickler die Steuerung auf die kleine PSP übertragen?« Wie wir meinen: »Ganz gut!« In der Standardeinstellung bewegt man sich mit dem Analogstick, während die vier Buttons je eine Himmelsrichtung darstellen, in die man sich dreht. Zweifaches Drücken des jeweiligen Buttons führt zu einer schnelleren Drehung, wohingegen die rechte Schultertaste als Schussauslöser und die linke Schulterseite als Zoom funktioniert. Wer diese Einstellung nicht mag, verändert sie einfach. Natürlich macht man in den ersten Minuten Dinge, die man eigentlich nicht tun wollte. Doch nach erstaunlich schneller Zeit geht die Steuerung in Fleisch und Blut über.

Medal of Honor: Heroes - Heldenzeit für Handhelds: Ehrenmedaille oder Blechplakette?

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Mit der Thompson im Anschlag: Das Run&Gun-Prinzip geht bei Heroes leider zu oft auf.
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Grafisch schöpft »Heroes« leider nicht das gesamte Potenzial der PSP aus: Gut gelungen sind den Entwicklern das Design der Waffen und der Levels. Jedoch könnten die Animationen flüssiger und die Spezialeffekte imposanter sein. Dennoch macht das Spiel einen optisch runden Eindruck und läuft zudem noch ohne wirkliche Slowdowns, was bei einem Shooter von enormer Bedeutung ist. Beim Sound fällt gleich auf, dass das bekannte »Medal of Honor«-Theme nur im Hauptmenü vor sich hindudeln darf.

Das ist etwas schade, da gerade diese geniale Komposition gut zur Action im Spiel gepasst hätte. Leider haben die Entwickler aber ganz auf Hintergrundmusik während der Missionen verzichtet. Die Schießprügel hören sich erstaunlich gut an, kommen aber nur mit externen Lautsprechern zu wirklicher Geltung. Die Sprachausgabe geht übrigens völlig in Ordnung.