Wie man die letzten Tage, Wochen und Monate verbringt, mit dem Wissen, dass eine unheimliche Macht aus dem unendlichen Nichts hervorbricht und droht, alles Leben in der Galaxis zu vernichten, ist nicht weiter von Belang. Nur das Handeln, wenn das Unvermeidliche eintrifft, macht den Unterschied. Im richtigen Moment das Richtige zu tun. So will es das Schicksal von (Ex-)Commander Shepard.

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Bereits im Charaktereditor zeigt sich, dass man sich hier auf einiges freuen darf. Die fein- und grobmotorischen Details der Spielfigur sehen einfach klasse aus und die Auswahlmöglichkeiten sind, wenn auch nicht umfangreich wie bei manch anderem Titel, mehr als ausreichend. Natürlich dürft ihr wieder selbst wählen, welcher Klasse euer Shepard angehört und welche Fähigkeiten er oder sie damit erlernen kann.

Für einige Diskussionen wird auf jeden Fall die neue Möglichkeit sorgen, „Mass Effect 3“ so zu spielen, wie es einem am liebsten ist. Sei es der Spielmodus „Action“, wo nicht viel Zeit mit Quatschen verbracht wird, sondern mit anspruchsvollen Kämpfen und taktischen Möglichkeiten, oder der Storymodus, wo wir das passende Pendant haben: einfacheres Geballer, kaum anspruchsvolle Kämpfe, dafür aber viel Gesprächsstoff und Auswahlmöglichkeiten.

Mass Effect 3 - Das Schicksal beschützt Narren, kleine Kinder und Schiffe mit dem Namen Normandy

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Sehr, sehr nette Gesichtsanimationen.
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Ihr könnt also entweder dem Shooter-König den Hof machen und müsst dafür auf umfassende Dialoge verzichten, da fast alles automatisch abläuft, oder den umgekehrten Fall wählen. Nicht dass die Schießereien dann kindisch einfach werden, aber doch angenehmer und weniger knackig.

Wer sich an den Aufbau der bisherigen Mass-Effect-Teile gewöhnt hat, wählt stattdessen die goldene Mitte und hat ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beiden Optionen. Mass Effect, wie man es kennt.

Dann stürzt ihr euch ins Getümmel. Und das ist genauso gemeint, wie es hier steht. Denn der dritte Teil der Sci-Fi-Saga hält sich nicht lange mit Gebrabbel auf und geht gleich in die Vollen. Die Reaper greifen an, haben bereits das halbe Sternensystem unter Kontrolle und landen auf der Erde in 3... 2... 1...

Packshot zu Mass Effect 3Mass Effect 3Erschienen für PC, PS3, Xbox 360 und Wii U kaufen: ab 17,96€

Wer die Story-Download-Inhalte von Teil 2 nicht gespielt hat, wird sich hier vielleicht ein wenig überfahren fühlen. Es ist nicht ganz klar, was seit dem Ende des Vorgängers passiert ist. Und auch wer stolz behaupten kann, alles durchgespielt zu haben, wird überrumpelt. Ein paar Worte hier und da gewechselt, eine kleine Anspielung auf vergangene Ereignisse und schon geht die Schlacht los.

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Viel Action in Teil 3.
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Innerhalb von Minuten werden ganze Städte in Asche verwandelt, Millionen Menschen sterben und das Chaos zieht mit flatterndem Schal durch die Straßen der Menschenmetropolen. Doch das richtige Feeling mag nicht aufkommen. Es wird zwar klar gemacht, wie schlimm die Situation wirklich ist, aber irgendwie kommt man sich trotzdem so vor, als würde hier einfach nur irgendein Angriff abgewehrt.

Ein rasantes Finale voller Action, Leid und Hoffnung. Ad gladios!Ausblick lesen

Man kommt nicht drumherum zu behaupten, dass der Anfang von Teil 2 da einen besseren Job gemacht hat. Aber verliert nicht gleich den Mut. Spannend und aufregend ist es trotzdem. Ihr dürft halt nur nicht erwarten, gleich zu Beginn vom Stuhl gerissen zu werden und mit weit geöffneten Augen auf den Monitor zu sabbern.

Was einen starken Kontrast zum Aufbau des Spiels an sich darstellt. Bioware gibt sich nämlich Mühe, die gesamte Zeit über klarzumachen, wie gefährlich die Situation wirklich ist. Man entschuldige meine Ausdrucksweise, aber die Menschheit ist eigentlich ganz schön im Arsch. Es wäre nur schön gewesen, wenn man das auch fühlt.

Nun ja. Spätestens wenn der anfängliche Schock überwunden ist und ihr eure erste Mission beginnt, legt sich die Aufregung ein wenig und der „richtige“ Kampf kann beginnen. Jetzt wird langsam klar, was Mass Effect 3 wirklich ist: düster, schnell und atemberaubend.

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Der Anfang ist rasant, aber nicht so packend wie in Teil 2.
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Die gesamte Stimmung ist sehr bedrückend. Mit jeder Minute, die man spielt, wird mehr und mehr klar, was im Prolog noch nicht so richtig rüberkommen wollte. Die Reaper werden alle „jungen“ Spezies des Universums auslöschen und möglicherweise kann man rein gar nichts dagegen tun. Überall stehen die Planeten in Flammen, und wer noch am Leben ist, kämpft einen ungleichen Kampf. Man leidet mit den Opfern, hofft mit den Überlebenden und hat von Minute zu Minute mehr Lust, den Reapern in den Arsch zu treten.

Das Kampfsystem kennt man bereits aus Teil 2: in Deckung gehen, schießen, im richtigen Moment die eigenen Kräfte und die der Crewmitglieder aktivieren, wieder in Deckung gehen. Ab und zu ist es auch nötig, die Verbündeten an spezielle Punkte zu beordern, um sich selbst einen taktischen Vorteil zu verschaffen. Dinge, die man auch tun sollte, denn die verbündete KI schwankt zwischen Clever und Smart. Alles noch nicht wirklich neu.

Größer, schneller, besser!?

Was tatsächlich neu ist, wird in den Kämpfen jedoch sehr schnell klar. Denn alles hat irgendwie an Geschwindigkeit dazugewonnen. Mächtige neue Attacken im Repertoire des ehemaligen Commanders explodieren vor den Augen des Spielers. Krachen muss es, rummsen und ordentlich Putz soll von den Wänden kommen.

Wenn mein „Frontkämpfer“-Ich eine Schockwelle aussendet und sich im nächsten Moment direkt vor den Gegner teleportiert, um eine mächtige Attacke zu entfesseln. Wenn alles um mich herum kracht und scheppert und ich das Gefühl habe, die gesamte Einrichtung, in der ich mich befinde, geht gleich zu Bruch... Dann ist das Mass Effect 3. Beeindruckende, neue Fähigkeiten in wahnwitziger Geschwindigkeit freilassen.

Ähnlich wie in Teil 2 könnt ihr eure Kräfte aufputschen und somit verbessern. Jedes Update wirkt sich auf eure Attribute aus und teilt recht früh die entsprechende Fähigkeit in zwei verschiedene Richtungen. Der Unterschied zwischen einem auf Entfernung ausgerichteten Angriff und einer auf Kraft basierenden Attacke des eigentlich gleichen Typs wird so viel früher definiert und stärker ausgeprägt.

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Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten.
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Das Ganze wird mit einer sehr, sehr netten Geschichte ummantelt. Auch wenn vielleicht nicht jeder etwas mit der neuen Geschwindigkeit und Größe der Kämpfe anfangen kann, dürfte doch jeder Fan der ersten beiden Teile der Hintergrundgeschichte des Finales gespannt entgegenblicken. Man möchte wissen, wie es weitergeht, man will wissen, was hinter der ganzen Sache steckt, und so blöd es klingt: wissen, ob man überleben wird, ob man überhaupt eine Chance hat.

Und auch wer keinen der beiden Vorgänger gespielt hat, wird nicht allein im Wald stehen gelassen. Der Kodex enthüllt wieder einmal von Anfang an alle nötigen Informationen der ersten Teile und gibt sie als geraffte Zusammenfassung aus. Das ist zwar eine Menge zu lesen, aber der nette Schreibstil macht es einem einfach, bei der Sache zu bleiben und sich für das Thema zu interessieren.

Einen Fehler dürft ihr beider ganzen Freude über tolle Geschichte und schöne Musik jedoch nicht begehen. Schaut euch nicht zu genau um, wenn ihr die schlauchartigen Level erkundet. Versteht mich nicht falsch: Die Grafik ist toll. Nähere Umgebung, Waffen, Charaktere, Gesichter, Mimik, Gestik... Das alles kann sich mehr als sehen lassen.

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Schöne Landschaften... Wenn man nicht so genau hinguckt.
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Aber sobald es um die Hintergründe geht, um Texturen von Wasser und Feuer, um den Sandsturm am Firmament, die Wellenbewegung in der überfluteten Hauptstadt oder dem brennenden Shuttle - ab da gibt es kein Schönreden mehr. Das sieht einfach nur karg und platt aus. Vielleicht war es nicht die beste Idee, die erste spielbare Präsentation auf der XBox abzuhalten. Die Konsolenlady kommt so langsam in die Jahre und damit mehr als nur an ihre Grenzen.

Ob das bedeutet, dass es auf der PS3, die ja im gleichen Seniorenheim wohnt, oder auf dem PC besser aussieht, vermag man jetzt noch nicht zu sagen. Aber was die (nicht wirklich wichtigen, seien wir mal ehrlich) Hintergründe angeht, kann man es sich nur wünschen.

Andere Dinge, wie Shepards Bewegungen und Animationen in Gesprächen, sind dafür umso besser gelungen. Die Übergänge zwischen Unterhaltungen und Spiel sind flüssig und verleihen dem Abenteuer einen interessanten Kino-Touch. Auch wenn sich das Spiel in der ersten Stunde aus Gespräch - Action - Gespräch - Action - Gespräch zusammensetzte.