So richtig verstehen kann ich das immer noch nicht. Die Entscheidung, „Mass Effect 2“ auf Blu-ray zu pressen, „Playstation 3“ in eine Ecke zu kritzeln und jenen Spielern anzubieten, deren Plattform nie in den Genuss des wunderbaren ersten Teils der Sternensaga kommen wird. Wer sich also ausschließlich mit der schnurrenden Schwarzen einlässt, muss Kompromisse machen.

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Und der heißt im konkreten Fall: interaktiver Comic. Es ist ja nett und äußerst fein, dass sich BioWare das Hirn zermartert, wie man Unbeleckte vor einem Schubser ins kalte Mass-Effect-Wasser bewahrt. Und besser eine knackige, geraffte Zusammenfassung dessen, wie Shepards Reise begann, als gar nichts. Zumal die aneinandergereihten Einzelbilder mehr Zeit für die Figuren, Geschehnisse, Wendungen und Überraschungen einräumen, als ich erwartet hätte. Das kann sich alles sehen lassen, und man lernt Ashley Williams, Wrex, Garrus und Co. wenigstens oberflächlich, flüchtig kennen.

Mass Effect 2 - Wer zu spät kommt, findet auch ein Korn

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Der Comic klärt die Vorgeschichte. Alles nicht schlecht, aber beim Fällen der Entscheidungen kribbelt es einfach nicht so schön.
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Hier und da denkt man vielleicht: „Gut, das hatte ich ein Stück anders in Erinnerung“. Einiges wird sogar durcheinandergebracht. Aber der Knackpunkt ist ein ganz anderer: Dark Horse Comics und BioWare können sich mühen, wie sie wollen, innerhalb von zehn, zwölf Minuten einen Abriss der rückblickend recht umfangreichen Geschichte zu geben. Irgendwann steht man als Unkundiger wie der Ochs im Wald, wenn es darum geht, eine gewichtige Entscheidung zu treffen.

Was Xbox-360- und PC-Spieler in voller Blüte erlebt haben und mittels Savegame-Imports lösen, müssen PS3-Besitzer aus dem Stegreif abwatschen. Ohne dass man die betreffenden Personen wirklich kennt, die Brisanz der Handlung am eigenen Leib spürt. Und vor allem: ohne dass man die Tragweite abschätzen könnte. Man muss die Zwickmühlen, die im Original prickelnde, sich langsam entfaltende Konflikte sind, von jetzt auf gleich aufbrechen, stellt damit zwar die Weichen fürs Abenteuer und die entsprechenden Folgen. Doch es ist einfach nicht dasselbe.

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Auf PS3 sollte Mass Effect 2 wesentlich besser aussehen. Tja, hat nicht so geklappt - es sieht genauso gut aus.
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Gut, sei’s drum. Kann man nix tun. Für Plattformquerelen können PS3-Spieler nichts, und schlechter wird die Sci-Fi-Mär dadurch auch nicht. Im Gegenteil, wenn es nach BioWare geht: Die Kanadier versprachen im Vorfeld, einen technischen Spagat zum Ende des Jahres erscheinenden dritten Teil und die PS3-Version von „Mass Effect 2“ mit den neuen grafischen Finessen fit zu machen; ein Jahr zusätzliche Entwicklungszeit sei Dank - das ultimative „Mass Effect“ also?

Nö. Man müsste schon Haare mit Äxten spalten, um zwischen Xbox 360 und PS3 den einen klaren, lachenden Sieger zu küren. Den PC mal außen vor gelassen, hier sieht das Abenteuer eh am besten aus. Werden beide Konsolen mit einem HDMI-Kabel an den Fernseher gestöpselt, muss man wirklich lang und ausgiebig die Glubscher bemühen, um Unterschiede in Sachen Texturschärfe festzustellen.

Unterschiede im Winzdetail

Auf der Playstation sehen zum Beispiel die Oberflächenstrukturen der Rüstungen von Shepard und Co. einen Tick körniger, kräftiger aus. In den Gesichtern erkennt man während der Dialoge ein paar mehr Hautporen, ab und zu auch stärker forcierte Schattendarstellung. Ansonsten sind volumetrischer Nebel (etwa auf der Normady oder in der anfänglichen Tutorial-Einrichtung) und Beleuchtung auf Sonys Brummkasten eine Nuance weiter ausgeprägt. An einigen Stellen vielleicht zu stark. Dafür muss man auf der PS3 stärkere Ruckler hinnehmen, vor allem wenn viele Gegner im Spiel sind. Nichts Schlimmes, nichts, was die Lust am Abenteuer abtötet, aber hin und wieder doch stärker spürbar als die Xbox-360-Zipperlein.

Obendrein erleiden Xbox-Sternenfahrer ohne große Festplatte einen Laderückschlag. Das Laden eines Spielstands (Tutorial) von der DVD zwackt euch 25 Sekunden ab, nach vorheriger Installation etwas weniger. Die Klaviergelackte macht‘s dagegen kaum besser: Die Blu-ray muss bei derselben Szene 22 Sekunden schnurren, bis Shepard und seine Crew einsatzbereit sind - kein großer Vorsprung. Im Gegensatz zum Quickload-Vorgang nach einer in die Binsen gegangenen Schießerei, der die Xbox 37 und die PS3 nur 29 Sekunden rödeln lässt. Je nachdem, ob das Spiel auf der 360 installiert ist oder nicht, liegen beide Konsolen meist gleichauf. Falls nicht, geht‘s um Sekündchen.

Mass Effect 2 - Wer zu spät kommt, findet auch ein Korn

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Unter anderem der Kasumi-DLC ist auf der Blu-ray enthalten.
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So. Und dafür sollen PS3-Abenteurer 50 Euro latzen. Klingt echt unfair, wenn man die Preise vergleicht (360 und PC: rund 20 Euro). Aber sie genießen einen Vorteil mit drei Buchstaben: DLC. Das Dreigestirn der besten Download-Inhalte, die sonst nur im Austausch gegen BioWare- bzw. Microsoft-Punkte durch die Leitung rauschen, wurde bereits in die Blu-ray eingeimpft.

Technisch meist gleichauf, inhaltlich inklusive dreier DLCs.Fazit lesen

Namentlich: die Episode „Kasumi: Gestohlene Erinnerungen“, die eine mysteriöse Meisterdiebin einführt, die „Overlord“-Erweiterung und der letzte DLC „Lair of the Shadowbroker“, der umfangreichste Handlungsstrang im Nachklappgewand. Macht unterm Strich bis zu sieben, acht Stunden zusätzlicher Unterhaltung. Je nach Spieltempo.

Hochgerechnet bezahlt man im Grunde also dasselbe, zumal die Codes für Zaeed als Gruppenmitglied sowie das Cerberus-Netzwerk mit in der Verpackung liegen.