




Mensch, BioWare, schon wieder habt ihr es getan. Wieder habt ihr uns mit dem aus allen Nähten platzenden Kodex, mit der ausufernd wirkenden Sternenkarte, all den Clustern und Sektoren einen Tick mehr versprochen, als euer Spiel halten kann. Mehr Details fremder Kulturen, um genau zu sein, mehr zu sehen, mehr zu erkunden, zu bewundern und zu erforschen. Kann man euch dafür böse sein? Nicht, wenn die Höhepunkte trotz fehlender Abenteuerlust so gewissenhaft verteilt wurden. Nicht, wenn die Dialoge so sehr knistern und eine derart filmische Brillanz zur Schau tragen. Nicht, wenn da so viele Hach-ja-Momente und Entscheidungen mit die komplette Trilogie übergreifenden Auswirkungen lauern. Ey, ich bin nach diesem zweiten Teil einfach zu neugierig und viel zu aufgewühlt; ich will die Folgen meines Handelns im großen Finale der Geschichte endlich erfahren, endlich spüren!
Wenn diese Fragen nach dem Durchspielen durch den Kopf geistern, hey, dann könnt ihr ja nicht so viel falsch gemacht haben. Habt ihr auch nicht. Aber zum perfekten Sci-Fi-Glück fehlt mir dreierlei: mehr pikantes Rumgezicke und individuelle Wechselwirkungen innerhalb der Party – hier habt ihr zuletzt mit Dragon Age bewiesen, wie feurig man ein Gruppenleben inszenieren kann. Dafür vermisse ich in Shepards Crew immer wieder den Zünd- und Diskussionsstoff, Brisanz und Dynamik, die so bedeutend für ein brodelndes Pulverfass namens Party ist. Wo Sten, Morrigan und Co. ihren eigenen Willen hatten, bleiben Miranda, Grunt und Thane in entscheidenden Momenten zu steif und passiv, um als eigenständig handelnde Individuen restlos zu begeistern.
Mir fehlt die Gewissheit, dass es da draußen neben den verzeichneten Planeten auch Unbekanntes, Mysteriöses und Fremdes gibt, wo man andocken und forschen kann, wo man sucht und findet, wo man staunt und genießt. Und wehmütig sehne ich mich auch nach den letzten, tierisch wichtigen Konturen des Rollenspiels, die im ersten Teil ausgeprägter waren und das Epos in Hinblick auf mehrere Durchgänge nicht nur im Bereich der Dialoge, sondern auch in dem der Charakterentwicklung reizvoll machten.
Obwohl es schön kracht, funkt und rummst, obwohl die Schatten feiner, die Gesichter lebhafter, die Texturen besser und die Animationen flüssiger sind – ohne ausgefeiltes Rollenspiel kann BioWare keine frenetischen Jubelstürme entfachen. Auch, wenn Mass Effect 2 dicht dran ist und die Figuren am Ende trotzdem fünf Level über all den Sci-Fi-Puppenkistenkaspern der Konkurrenz schweben. Glückwunsch!
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Keine Spur mehr von den kleinen Wehwehchen, unter denen der erste Teil noch litt. Vor allem, und das ist wohl das Wichtigste, wurden die Texturnachladezeiten auf der Xbox 360 fast vollständig aus der Welt geschafft – wenn doch mal was nachzuckelt, dauert es maximal zwei Sekunden. Zum anderen sehen Gesichter, Schattenwurf, Animationen, Rüstungen, Effekte und Texturen noch feiner aus. Euch erwarten viele grundverschiedene Planeten, die kreativer designt wurden als die im Vorgänger. Das Beste: Auch im größten Gefecht ist kein Ruckeln festzustellen. Trotz Bitmap-Hintergrundeinsparmaßnahmen auf einigen Planeten ist Mass Effect 2 eines der schönsten Spiele für die Xbox 360!
Erstklassiger Soundtrack von Jack Wall, der gekonnt zwischen außerweltlich und orchestral pendelt. Er serviert unterm Strich mehr Abwechslung, mehr markante Stücke, mehr akustischen Dampf – ganz große Klasse! Die Effekte klingen wuchtig und lassen es besonders mit entsprechendem 5.1-System schön hart krachen. Die deutschen Sprecher wurden bis auf wenige Ausnahmen gewissenhaft gewählt und bringen die emotionalen Schwankungen gekonnt rüber.
Trotz zusammengeschrumpften Rollenspielanteils unterhält Mass Effect 2 auf hohem Niveau. Dialoge und Schießereien, Entscheidungen und Erkundung – dieser Rhythmus klappt einfach zu gut. Auch wenn nicht alle Bestandteile so gut funktionieren wie gewünscht und besonders Letzteres zu kurz kommt.
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