Durch jede Begleiter-Quest und das ganze Spiel zieht sich die Möglichkeit, aktiv in Gespräche einzugreifen, indem ihr entweder handgreiflich werdet (Renegade) oder schlichtend zur Tat schreitet (Paragon). Besonders spritzig und gnadenlos wird das im Rahmen eines Verhörs inszeniert, dem Shepard und Partner aus der Guter-Bulle-fieser-Bulle-Perspektive beiwohnen. In solchen Situationen kann man dem Gegenüber bitterböse zusetzen, mit einer Handlung den kompletten Dialogverlauf umschlagen lassen oder sich Todfeinde machen. Das Experimentieren mit ein und demselben Spielstand ist reizvoller denn je.
Die Alienrassen sind wieder einfallsreich erdacht.Und natürlich sind die Kollegen nicht nur klasse Persönlichkeiten, sondern leisten auch die nötige Unterstützung im Kampf. Wenn ihr Mass Effect in- und auswendig kennt: Legt um Himmels Willen auf dem „Veteran“- oder „Hardcore“-Schwierigkeitsgrad los. Wenn nicht: Spielt trotzdem auf „Veteran“. Die „Mittel“ genannte Stufe ist einfach viel zu leicht und „Casual“ nur ein schlechter Scherz für Gamepad-Luschen. Ehrlich: Erst in den höchsten Stufen wird das Spiel so fordernd, wie man es sich wünscht. Dann zählt jede Sekunde, die man zu spät in Deckung huscht, was so ungeheuer wichtig sein kann. Immerhin ist das Medigel rausgeflogen und wurde durch die in Shootern übliche Regenerationszeit ersetzt. Was wiederum unpraktisch ist, wenn man sich mitten im Gerangel ein paar Lebenspunkte reinpfeifen will.
Also heißt es: schattiges Plätzchen suchen, A drücken und sich am tadellos funktionierenden Gears-of-War-Deckungssystem erfreuen, das viel, fast schon zu viel Sicherheit verschafft. Fühlt sich Mass Effect 2 also wirklich eher nach Shooter an? Ja. Zum einen fordert es bis auf die schwersten Schwierigkeitsgrade kaum gruppendynamische bzw. -analytische Finessen von euch, immer feste druff und danach kurz verschanzen klappt erstaunlich gut; selbst der Endkampf bleibt auf „Veteran“ erschreckend seicht. Zum anderen ist die Steuerung feiner, sensibler und actionbetonter. Außerdem kracht es einfach viel mehr, wenn Robogelenke bei Beschuss wegbrechen und ihre Köpfe funkensprühend platzen – herrlich!
Keine schattigen Fleckchen mehr: Die Grafik ist diesmal frei von Wehwehchen.Wie gehabt könnt ihr die Action jederzeit mit LB und RB unterbrechen, um andere Waffen zu selektieren oder das Ringmenü zum Starten von Spezialangriffen aufrufen – klappt mit allen Team-Mitgliedern. Hinzu kommen die linke sowie rechte Taste des Digikreuzes, mit denen sich beide Kollegen getrennt voneinander herumkommandieren lassen – allerdings nur sehr oberflächlich. Und wie gehabt ist es trotz allem ein tierischer Spaß, die Attacken zu kombinieren: Du haust eine Schockwelle in den Haufen Roboter, du wirfst die Soldaten von den Beinen, und panzerbrechende Munition gegen den dicken Mech gibt’s für Shepard. Macht total Laune, wobei das Deckungssystem großzügigen Abstand zum Objekt verzeiht und in Verbindung mit der Sprintfunktion auch zackig funktioniert.
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