Capcom ist weithin bekannt für seine Pflege etablierter Serien. Lange Zeit führend, was Beat’em-ups und Survival-Horror angeht, wurde durch das beständige Mitschleppern diverser Altlasten der Vorwurf laut, man stütze sich nur noch auf Franchises und schlachte sie bis zum Geht-nicht-mehr aus. Kommt einem auch in den Sinn, wenn man sich die verschiedenen Versus-Reihen der Japaner anschaut.

Immerhin waren die Capcom-Charaktere schon in Kämpfen gegen SNK und Card Fighters Clash zu sehen, und das gleich in einigen Fortsetzungen. Auch die Streetfighter hatten ihren Auftritt in einer der Versus-Reihen. Verkaufsschlager bislang war aber die Marvel-vs.-Reihe.

So verwundert es auch nicht, dass das neue Prügelspiel von Capcom wieder die Superhelden und –schurken aus der amerikanischen Comicwelt heranzitiert, um sich mit einer illustren Mischung aus Capcom-Charakteren auf die Fresse zu hauen.

Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds - Spiderman - TrailerEin weiteres Video

2-D ist passé

Im Vergleich zum Vorgänger kommt Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds mit einer fantastischen Grafik daher. Basierten im zweiten Teil die Texturen der Kämpfer noch auf Sprites aus verschiedenen Spielen, hat nun jeder der insgesamt 36 Prügelknaben und -madeln ein funkelnagelneues 3-D-Modell als Basis.

Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds - Ballern, Stechen und Hauen, aber in Bunt

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Keine Seltenheit: Das Kampfgeschehen verschwindet hinter den Effekten.
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In der gewohnten 2,5-D-Sidescrolling-Umgebung kloppt man sich wie gehabt und erlebt dann bei Spezialattacken seinen Streiter aus jeglicher Blickrichtung, manchmal sogar aus so vielen, dass man nicht mehr genau weiß, wo vorne und hinten ist. Denn die Geschwindigkeit wurde deutlich angezogen.

Apropos Spezialattacken: Neben dem drastischen Anheben der Spielgeschwindigkeit kommen diese dann auch noch in einem wilden Blitzlichtgewitter daher, das auf der Epilepsieskala ganz oben angesiedelt wäre. Da geht dann schon mal der Charakter in seiner eigenen Nuklearblase an Unglaublichkeit unter. Lustig: Die Attacken lassen sich abblocken, wo man doch denken würde, der Kampf müsste nach einer solchen Katastrophe an Pow und Paff doch eigentlich im leeren Raum weitergeführt werden.

Packshot zu Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two WorldsMarvel vs. Capcom 3: Fate of Two WorldsErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die animierten Hintergründe sind farbenfroh und lebendig gestaltet und stammen teils aus den Marvel-Comics, teils aus den Capcom-Spielen. So kämpft man zum Beispiel auf einer fliegenden Plattform, die am Daily Bugle vorbeischwebt, oder in einem Umbrella-Labor, wo sich Versuchsobjekte in den Containern räkeln.

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Auch keine Seltenheit: Combos können direkt zu Beginn tödlich enden.
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Die Stimme aus dem Off ruft zwischenzeitlich Kombo-Namen und Bewertungen in das Kampfgetümmel, die unter Schlägen, Feuerstößen und den Schreien der Kämpfer natürlich total untergehen. Da aber fast jeder effektive Angriff auf einer Schlagabfolge zwischen drei und fünfzig Schlägen, plus eventuell einem Luftschlag und zusätzlichem Teameingreifen, basiert, krakeelt er sehr oft. Man kann sich vorstellen, dass bei der extremen Spielgeschwindigkeit, den zu erwartenden Treffern und den daraus resultierenden Kombos eine ordentliche Geräuschkulisse entsteht.

Bei all dem Gekreische und Gekloppe stört einen der etwas lieblose Hintergrundsound aus der Klimperdose nicht sonderlich. Immerhin kommt man sich nicht wie im Vorgänger vor, als säße man in den Spät-Achtzigern vor einem Super Nintendo. Denn dazu ist der Soundtrack zum Glück zu frisch. Eher etwas für Bubble-Bobble-Spieler, doch vielleicht schenkt uns Capcom ja das tolle Feature aus dem zweiten Teil, mit dem wir wieder eigene Sounddateien importieren können.

Helden und andere Schurken

Die Vielfalt der Spielercharaktere ist erfrischend und hat für fast jeden Geschmack etwas parat. Ein wenig schade ist die drastische Reduzierung der Recken von vormals 56 auf 36, doch wenigstens sind einige markante Typen geblieben.

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Die Streetfighter dürfen natürlich nicht fehlen.
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Da hätten wir Captain America, den finsteren Doktor Doom, den unglaublichen Hulk, Iron Man, Magneto, Storm, Wolverine und natürlich Spider-Man aufseiten der Comicbuch-Verfechter. Während für Capcom wieder die Streetfighter Akuma, Chun-Li und Ryu in den Kampf ziehen, begleitet von Jill Valentine, Felicia und Morrigan aus Darkstalkers, und der putzigen Tron Bane.

Schnell, grell, schrill, laut - und natürlich ordentlich auf die Fresse. Nichts für Controller-Schoner.Ausblick lesen

Nicht viele geblieben, denkt man sich jetzt vielleicht, doch dafür hat Capcom namhaften Ersatz besorgt. Eine Welle von Superschurken unterstützt Doc Doom und Magneto bei ihren finsteren Plänen: Dormammu, M.O.D.O.K., Shuma-Gorath, Super-Skrull, Taskmaster und Wolverines weibliches Pendant X-23.

Capcoms Seite zieht die Charaktere der wohl bekanntesten Serien an, etwa Chris Redfield und Albert Wesker aus Resident Evil, Dante und Trish aus Devil May Cry, Zero aus Mega Man und ansonsten einige höchst verwunderliche Gäste, mit denen man derzeit nicht mehr gerechnet hätte. Denn Arthur, der kleine knuddelige Ritter aus Ghosts and Goblins, und Wölfin Amaterasu aus Okami geben sich die Ehre. Auch der Bionic-Commander Nathan Spencer ist mit von der Partie, ebenso wie der freche Viewtiful Joe.

Krieg der Welten

Der Plot ist so simpel wie genial, aber das sind ja ebenfalls berühmte letzte Worte eines Schurken. Doktor Doom versammelt die Oberbösewichter des Marvel-Universums und verbündet sich mit Albert Wesker, Kopf der Umbrella-Organisation. Das Ziel ist nicht schwer zu erraten: Sie wollen die Weltherrschaften an sich reißen. Jawohl, gleich beide. Doch leider gibt es bei solchen Plänen immer mindestens einen Haken.

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Gut gegen Böse, Gut gegen Gut, Böse gegen Böse. Alles ist möglich.
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Im Falle von Marvel vs. Capcom 3: Fate of Two Worlds gibt es gleich zwei Haken. Zum einen, dass die Koalition des Bösen etwas Superböses zwischen den Dimensionen hervorruft, das beide Welten vernichten will. Zum anderen, dass die Superhelden der Welten da auch noch ein Wort mitreden wollen. Man sieht also, worauf das hinausläuft.

Das Spielgeschehen findet wie gehabt statt, denn statt nur one-on-one aufeinander loszugehen, wählt man zu Beginn ein Team aus drei Kämpfern. Innerhalb des Kampfes kann man in brenzligen Situationen mit dem Mitstreiter abklatschen, einen oder beide zu einem kolossalen Ultra-Mega-Angriff herbei- oder ihn einfach kurz als Schutzschild reinrufen. Praktisch.