„Es tut mir schon richtig Leid, dass ich andauernd The Witcher erwähne“, druckst Fabrice Colin ein wenig verschämt herum, nachdem er das große Vorbild bestimmt zum fünften Mal an diesem Tag zum Vergleich herangezogen hat. Eine hohe Messlatte also, die sich die französischen Entwickler von Spiders da gelegt haben. Möglicherweise zu hoch für ein Download-Rollenspiel?

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Zugegeben: ein wenig skeptisch sind wir schon. Pflegten die Entwickler bei ihrem letzten Spiel, Of Orcs & Men, doch ebensolch hohe Ambitionen und scheiterten am Ende an ihren Ansprüchen. Wir hoffen, dass sie ihre Lehren daraus gezogen haben – denn die Ansätze sind durchaus vielversprechend.

Mars: War Logs - Witcher auf dem Mars?

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Skrupellose Konzerne regieren den Mars mit eiserner Hand.
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Mars macht agil

200 Jahre nach der Besiedelung des Mars kommt es zu einer Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes. Ein elektromagnetischer Sturm hat sämtliche Technik auf dem roten Planeten lahmgelegt, nichts funktioniert mehr: keine Maschinen, keine Gerätschaften, keine Schutzmechanismen.

Vor allem Letzteres ist verheerend, sind die Menschen doch so der unerbittlich gleißenden Sonne ausgeliefert, sofern sie nicht in Gebäuden oder zumindest im Schatten Schutz suchen. Oder sie sind mutiert und haben sich so den veränderten Umweltbedingungen angepasst. Wasser ist schon seit langem mehr als rar, weswegen sich zwei mächtige Konzerne bittere Kämpfe um das kostbare Element liefern. Die Kontrolle über die letzten verbliebenen Wasservorräte ist der Schlüssel zur Macht, die die Fraktionen mit brutaler Gewalt und diktatorischen Strukturen zu erlangen gewillt sind.

Die Menschheit sieht sich zurückgeworfen in eine Epoche der Barbarei, der Sklaverei und des nackten Überlebenskampfes, in der verschiedenste Interessengruppen ihre Chance wittern, ihre Ziele zu verwirklichen. Allen voran die sogenannten Technomancer, quasi die Magier oder Sith-Lords im Universum von Mars: War Logs. Sie haben gelernt, die Eigenschaften des Wassers zu manipulieren: um es als elektrischen Leiter für Blitz-Attacken zu nutzen beispielsweise oder für Telekinese-artige Kräfte wie einen Schutzschild oder Druckwellen. Schlimme Zeiten also, aber beste Voraussetzungen für ein packendes Sci-Fi-Rollenspiel…

Packshot zu Mars: War LogsMars: War LogsErschienen für PC, Xbox 360 und PS3 kaufen: Jetzt kaufen:

Wir spielen Roy Temperance, ein Glücksritter und Haudegen, dem Fortuna jedoch zu Beginn nicht sonderlich hold ist: Er landet im Gefängnis – wie so mancher Rollenspielheld vor ihm. Und was macht man als erstes im Gefängnis? Na klar, duschen! Das Klischee mit der Seife bleibt uns allerdings erspart, denn in Ermangelung von Wasser wird der Schmutz am Körper auf dem Mars mit Sand gesäubert. Eine Prügelei gibt es aber natürlich trotzdem – wir müssen ja das Kampfsystem kennenlernen.

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Die Technomancer-Fähigkeiten erinnern an die Kräfte eines Sith-Lords.
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Hier zitiert Fabrice Colin zum ersten Mal den großen Bruder Witcher: Kämpfe laufen in Echtzeit ab, mit Attacken, Ausweichen, Abrollen, später auch Zaubern – man habe sich bewusst gegen ein Pseudo-Rundensystem wie in den Bioware-Rollenspielen entschieden. Das muss man hervorheben, denn genau wie in letzteren stehen dem Helden von Zeit zu Zeit Begleiter zur Seite, die ihn im Kampf unterstützen und Befehle ausführen. Zu Beginn ist das ein kleiner Junge, den Roy unter seine Fittiche nimmt und verspricht, ihn sicher zu seinen Eltern zu geleiten.

Und genau wie in Star Wars: The Old Republic zum Beispiel ist es entscheidend für eure Beziehung zu den Begleitercharakteren, wie ihr in bestimmten Situationen reagiert. Verhaltet ihr euch freundlich oder herablassend, aggressiv oder loyal, so wird sich auch euer Begleiter in Zukunft entsprechend aufführen.

Jede Entscheidung hat Konsequenzen

Hier fällt der Name „Witcher“ zum zweiten Mal: Denn die Entscheidungen, die ihr im Verlauf des Spieles trefft, sollen sich nicht nur in Nuancen auf das Spielerlebnis auswirken – wie es etwa in Mass Effect der Fall war – sondern in zum Teil komplett andere Erlebnisse münden. Je nachdem, wie ihr auf eure Gesprächspartner reagiert, welche Entscheidungen ihr trefft und wie ihr euch den verschiedenen Fraktionen gegenüber verhaltet, sollen sich selbst ganze Spielabschnitte grundlegend unterscheiden.

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Aliens und Mutanten: Hier geht es in den Kampf gegen einen Bossgegner und seine Sippschaft.
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Welchen der vielfältigen Pfade ihr einschlagt, bleibt ganz und gar euch selbst und eurer Interpretation überlassen – denn einen eindeutig guten oder schlechten wird es nicht geben. Solcherlei Kategorien haben auf dem Mars schon lange keine Bedeutung mehr. Jeder handelt hier lediglich nach seinen eigenen Interessen und Standpunkten. Fabrice Colin veranschaulicht uns das anhand einer frühen Nebenquest.

Entscheidungen, Fraktionen, Begleiter, Crafting, Schleichen… Die Entwickler geben alles – hoffentlich wollen sie nicht zu viel.Ausblick lesen

Ein Rudel mutierter Hunde terrorisiert die Siedler und verbreitet eine todbringende Seuche. Vom verzweifelten Doc, der angesichts der rapide ansteigenden Zahl Neuinfizierter nicht mehr Herr der Lage ist, erhalten wir den Auftrag, die verseuchten Tiere zu töten. Im Grunde nichts leichter als das. Rollenspiel-Standard.

Jedoch beschwört uns ein Forscher, die Tiere am Leben zu lassen, ausgewählte Exemplare einzufangen und zur Untersuchung zu bringen, um so hoffentlich ein Heilmittel zu finden. Doch damit würden wir den Tod zahlreicher Zivilisten in Kauf nehmen. Wie wir uns auch entscheiden: Ein Richtig und Falsch gibt es nicht. Sicher ist nur: Unser Handeln wird Konsequenzen haben. Was das Wohlwollen bei den einen bewirkt, zieht das Missfallen anderer nach sich.

Fraktionen, Entscheidungen, Begleiter, drei verschiedene Skilltrees – Spiders haben sich mit Mars: War Logs viel vorgenommen und wollen noch mehr: ein bisschen Deus Ex zum Beispiel. Statt sich ausschließlich mit reiner Waffengewalt den Weg durch die raue Marswelt zu schlagen, sollt ihr Kämpfen auch komplett aus dem Weg gehen können, durch Fallenstellen, Schleichen und was sonst so dazu gehört.

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Ob Freund oder Feind hängt von euren Entscheidungen ab.
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Um das Paket vollständig zu machen, haben die Entwickler zudem ein ausuferndes Crafting-System geschnürt, das keine Wünsche offen lässt. So lassen sich Waffen bis ins kleinste Detail mit einer Vielzahl von Ausrüstungsgegenständen erweitern und verbessern. Ein Schlagstock lässt sich beispielsweise mit dem passenden Griff schneller und präziser führen und richtet mit einer Hacke an der Spitze mehr Schaden an.

Die entsprechenden Teile lassen sich zum Teil finden oder aber auch selbst herstellen – schließlich ist der Mars nach der Apokalypse eine einzige große Müllhalde, auf der neue Komponenten für Gadgetverbesserungen wie das sprichwörtliche Gold auf der Straße liegen.