Mario Smash Football (Gamecube Review)
von Jörg Pitschmann

Die türkische Fußball-Nationalmannschaft hat es uns vorgemacht. Wenn's mit dem sportlichen Sieg nicht so recht klappen will, dann gibt's eben auf die Fresse. Vielleicht hätten die Jungs vom Bosporus vor ihrer Partie gegen die Kicker aus der Schweiz eine Runde "Mario Smash Football" spielen sollen.

Das hätte womöglich Schlimmeres verhütet. Oder auch nicht. Denn immerhin geht es im neuen Gamecube-Titel darum, den Fußballsieg mit allen Mitteln davonzutragen - allerdings garantiert ohne Blut, dafür mit viel Humor, wie es sich für einen echten Mario-Titel gehört. Anstelle von ordentlichen Fußballregeln stehen Fun und Foulen ganz oben auf der Spielspaßliste.

Kein Wunder, dass für einen Intensivtest des Spiels bevorzugt jene Redaktionskollegen in Frage kamen, die die Bezeichnung "Fußball" bislang für eine krankhafte Knochenverformung des Fußknöchels hielten und hinter dem Ausdruck "rundes Leder" normalerweise eine Lederjacke für sehr dicke Menschen vermuten würden.

Vorwärts zum Sieg
Die Spielregeln bei "Mario Smash Football" zu erklären, erfordert in etwa soviel intellektuelle Leistung wie das Schälen einer Banane: das Runde muß ins Eckige, und dazu benutzt man - meistens - die Füße. Anders jedoch als in einer seriösen Fuppes-Simulation geht es hier eher darum, das Wort "Fußball" als kreativen Anreiz für möglichst heftiges Geholze zu sehen, in dessen Verlauf der Ball irgendwie ins gegnerische Tor bugsiert wird. Ob dabei der Torhüter gleich mitsamt dem Leder ins Netz befördert wird oder der Torschütze seine Hände, respektive Pfoten einsetzt, ist einerlei. Hauptsache, er ist drin.

Dass es bei diesem derben Spielprinzip recht rustikal zur Sache geht, dürfte niemanden wundern - etwaige Ähnlichkeiten zum Geschehen in der Bundesliga sind natürlich rein zufällig und völlig unbeabsichtigt. Lediglich im Falle der - nicht frei wählbaren - Torhüter haben sich die Programmierer offensichtlich an ein lebendes Vorbild angelehnt. Zwar handelt es sich oberflächlich betrachtet um Krokodile, doch deren große Fresse und das rüde Auftreten der Burschen erinnern eindeutig an unseren Lieblingskeeper Oliver Kahn.

Wer nun allerdings meint, bei "Mario Smash Football" handele es sich lediglich um ein hirnloses Sportgemetzel im Comic-Stil, liegt falsch. Denn natürlich gibt es einen Kampagnenmodus, in dem man mit seiner eigenen Truppe diverse Pokale abstauben und Extras freischalten kann.
Dazu wählt man sich einen Mannschaftsführer aus dem Figurenpark des Mario-Universums. Zur Verfügung stehen neben den beiden Antagonisten Mario und Wario so illustre Gestalten wie Donkey Kong, Daisy oder Luigi. Danach wählt man noch seine vierköpfige Hilfstruppe und ab geht's. Das Spiel selbst ist übrigens ganz auf die jeweiligen Mannschaftsführer zugeschnitten. Mehr dazu aber an späterer Stelle. Die Pokalturniere müssen bis auf den ersten, den Pilzpokal, freigespielt werden.

Den jeweils nächsten verfügbaren Wettbewerb kann man bestreiten, sobald man den vorhergehenden erfolgreich abgeschlossen hat. Ein Turnier bestreiten immer vier Mannschaften, wobei die Partien, an denen der Spieler nicht teilnimmt, vom Computer bestritten werden. Leider stehen nur vier Turniere zur Verfügung, doch im Modus "Offenes Spiel" kann man seine eigenen Wettbewerbe zusammenstellen und mit seinen Kumpels oder allein durchspielen.

Auch die Vermutung, dass es sich bei dem Spiel um einen primitiven Button-Masher handeln könnte, ist falsch. Denn obwohl die Steuerung sehr einfach gestrickt ist, sollte man sich mit ihr vertraut machen und dem Trainingsmodus Aufmerksamkeit schenken. Genau wie in echten Fußballsimulationen wollen präzises Passen und gezielte Schüsse auch hier intensiv geübt werden. So gibt man zum nächsten freien Mitspieler mit dem A-Button ab, B sorgt im gegnerischen Strafraum für einen Torschuss, in der eigenen Hälfte hingegen für einen Abschlag.

Drückt man zusätzlich die linke Schultertaste, gibt es einen hohen Paß beziehungsweise Schuss. Besonders schöne Ballerschüsse erzielt man, indem der B-Button möglichst lange gedrückt wird. Das Risiko: in dieser Zeit verharrt die eigene Figur reglos auf der Stelle und sammelt ihre Kräfte. Damit ist sie natürlich ein gefundenes Fressen für unhöfliche Aktionen der gegnerischen Truppe.

Mario Smash Football - Foul Dich zum Sieg: Prügel-Fußball auf dem Nintendo Gamecube!

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Ist man im Ballbesitz, kann man die Lederkugel mit der Y-Taste oder dem C-Stick abschirmen. Verfolgt man hingegen einen Gegner, führt ein Druck auf den Y-Button zu einer deftigen Blutgrätsche. Das ist übrigens besonders lustig, wenn man sie am Spielfeldrand ausführt.

Denn anders als im realen Fußball gibt es hier kein Aus. Die Feldbegrenzung ist stattdessen von einem elektrischen Zaun umgeben, der bei Berührung zu lustigen Zappelanfällen nebst herzallerliebster Geräuschkulisse führt. Was liegt also näher, als den hochmotivierten Gegenspieler mal eben an die Bande zu grätschen, sich an seinem Gekreische zu erfreuen und schnell mit dem Ball das Weite zu suchen?

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Wem diese Gemeinheit noch nicht reicht, der greift beherzt zu den optional aktivierbaren Extra-Items. Die benutzt man mit der X-Taste, sofern sie verfügbar sind. Denn die Extras muss man sich zum Beispiel als Belohnung für gelungene Aktionen verdienen. Einmal ausgelöst, sorgen sie für Erheiterung und Schadenfreude beim Verursacher. Oder auch nicht, wenn man Pech hat. Denn die kleinen Gemeinheiten, wie zum Beispiel überdimensionale Schildkrötenpanzer, die Spielfiguren unter sich begraben, bestimmt der Zufall. Und die Rüpelaktionen machen auch vor der eigenen Truppe nicht halt. Drum merke: wer Bananenschalen auf dem Spielfeld ausstreut, kann ziemlich schnell selbst auf die Fresse fallen.

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Ein bedachter, wenn auch blitzschneller Einsatz der Instrumentarien will daher geübt sein. Was einen beim nächsten Klick auf die X-Taste erwartet, kann man übrigens in einer Leiste am oberen Bildschirmrand ablesen. Mit einem Druck auf die Z-Schultertaste wechselt man zwischen den verschiedenen zur Verfügung stehenden Fiesheiten hin und her - wenn man denn die Muße findet, sich Gedanken über das rechtzeitige Auslösen der richtigen Aktion zu machen. Insgesamt geht die Steuerung aber sehr schnell in Fleisch und Blut über, doch passiert es im allgemeinen Getümmel häufiger, daß man den falschen Button drückt.

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Und das ist, je nach Situation, mehr als ärgerlich, denn die guten KI-Gegner verzeihen - zumindest in einem höheren Schwierigkeitsgrad - auch kleinere Fehler nicht.

Meisterschützen
Wem so gar nicht nach Karriere ist, der spielt auf dem "Bolzplatz" einfach munter drauflos, indem er seinen Spielführer, seine Hilfstruppe und die Arena auswählt. Anders als in klassischen Fußballsimulationen besteht bei "Mario Smash Football" das Hauptziel nicht wirklich darin, Wettbewerbe zu gewinnen. An erster Stelle steht vielmehr der Funfaktor, und dabei spielt der Karrieremodus eher eine untergeordnete Rolle. Außerdem bietet er zu wenig Pokale und Abwechslung, um das Spiel komplett tragen zu können.Insofern werden Zocker vermutlich weitaus öfter den Bolzplatz aufsuchen, als die wenigen Turniere zum wiederholten Male durchzuzocken.

Egal ob Wettbewerb oder Instant Action: je nachdem, welchen Mannschaftsführer man auswählt, unterscheidet sich die Spielweise mehr oder weniger stark. Wer es zum Beispiel gern besonders offensiv und torgefährlich mag, ohne dabei auf eine starke Verteidigung zu setzen, der wird sich als Kapitän den sympathischen Trommelaffen Donkey Kong aussuchen und seine Truppe entsprechend wählen. Wer gern schnell und wendig spielt, der wird wahrscheinlich Daisy oder Peach bevorzugen. Die Hilfstruppen - je vier Ausgaben von Toad, den Hammerbrüdern, Birdo oder Koopa - hingegen sind oft nicht spielentscheidend. Zwar kann man mit ihnen auch Tore schießen, doch zumeist wird man versuchen, den Mannschaftsführer anzuspielen, damit der alles klar macht.

Der wichtigste Grund dafür liegt in den Supershots, die durch einen langen Druck auf B ausgelöst werden. Solche Edelschüsse können nämlich nur die Spielführer anbringen. Die Hilfstruppen verfügen zwar auch über ziemlich viel Bumms, aber ein langer Druck auf den roten Button verändert lediglich die Stärke ihrer Torschüsse. Gelingt es hingegen, lange genug den roten Knopf zu drücken, während Cheffe von Mannschaft am Ball ist, erscheint eine halbkreisförmige Anzeige auf dem Bildschirm, die in ihren beiden oberen Ecken jeweils grüne Bereiche aufweist. Gleichzeitig wandert ein Zeiger zwischen den beiden Enden hin und her.

Gelingt es dem Spieler, jeweils dann den B-Button erneut zu drücken, wenn der Zeiger in den grünen Bereichen ist, wird ein Supershot ausgelöst, der unweigerlich zum Tor führt und netterweise wie zwei Treffer gewertet wird. Drückt man weniger exakt, wird ebenfalls ein Supershot ausgelöst, der jedoch nicht unbedingt ein Torerfolg wird.

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Es versteht sich allerdings von selbst, dass die anderen Figuren in dieser Zeit nicht gerade Verschnaufpausen einlegen, sondern ebenfalls kräftig weiterstürmen. Insofern passiert es mehr als häufig, dass eine Supershotaktion abrupt durch einen Gegner beendet wird. Also sollte man versuchen, durch mehrfaches und vor allen Dingen schnelles Passen untereinander dafür zu sorgen, daß der Spielführer möglichst für eine gewisse Zeit unbehelligt stehen bleiben kann, um seine Mega-Bumms-Schüsse anzubringen. Das gelingt auch recht gut mit einiger Übung.

Die Super-Rumms-Wunderschüsse werden übrigens grafisch und akustisch reizvoll dargestellt.

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Der Protagonist springt in die Luft, das Bild wird angehalten, und zu einem bunten Feuerwerk donnert bester Wummersound aus den Boxen, bevor der Ball mit einem wahren Funkenregen gen Tor segelt - da sage nochmal einer, der Gamecube hänge akustisch hinter seinen großen Brüdern von Sony und Microsoft her…

Mehr Spieler
A propos Sound: seine größte Stärke spielt "Mario Smash Football" wie nicht anders zu erwarten im Mehrspielermodus aus. Wenn sich vier Leute in zwei Gruppen an einer Konsole heiße Ballgefechte liefern, kann es verdammt laut werden.Denn spätestens, wenn die eigenen Figuren permanent im elektrischen Zaun hängen oder die Gegner zum X-ten Mal einen Supershot anbringen können, gehen die gegenseitigen Beschimpfungen flott und in angemessener Lautstärke über die Bühne. Das macht Laune und ist auch für eventuelle Zuschauer zum Teil brüllkomisch. Es sei denn, die Spieler liefern sich ein verbissenes Match, ohne eine Miene zu verziehen. Aber das wird wohl echten Mario-Junkies nicht passieren.

Die mögen vielleicht manchmal ein bisschen kindlich rüberkommen, aber Fans des fleißigen Handwerkers sind zumindest keine Kinder von Traurigkeit. Glauben wir jedenfalls. Und deshalb wird man in launigen Mehrspielerpartien zwar vermutlich kräftig der Schadenfreude frönen, sich aber nachher trotzdem noch lieb haben. Es sei denn, man ist türkischer Fußball-Nationalspieler. Aber das hatten wir ja schon.

Wenn es überhaupt einen Grund gibt, sich während des Spiels zu ärgern, so liegt der in der oft mangelnden Übersicht begründet. Und die resultiert aus dem munteren Bäumchen-wechsel-Dich, mit dem das Programm die jeweils steuerbare Spielfigur festlegt. Was in echten Fußball-Simulationen aufgrund der Spielfeldgröße einwandfrei funktionieren mag, endet nämlich in den drängelnd kleinen Mario-Arenen oft in einem wilden Herumgehaue auf dem Controller. Da die steuerbare Figur permanent wechselt, ist man entweder gezwungen, durch hektisches Betätigen des A-Buttons solange durch die eigene Truppe zu schalten, bis die gewünschte Figur gelenkt werden kann, oder man muss sich stets auf die ballnächste Figur einstellen.

Denn die wird vom Programm grundsätzlich als steuerbar ausgewählt. Das mag im Singleplayer- oder One-on-One-Modus noch gutgehen, aber sobald vier Leute eine Partie bestreiten, kommt die große Verwirrung auf, da keine Figur einem bestimmten Spieler zugeordnet ist.So kann es passieren, daß man im einen Moment seinen Mannschaftsführer steuert, im nächsten Moment hingegen der Partner dran ist, weil man zum Beispiel für einen Moment den Ball verloren hatte oder eine Abgabe zum Spielerwechsel führt. Das läßt leicht Unmut aufkommen, denn eine gemeinsame Taktik ist so - und aufgrund der Enge des Spielfelds, was die Hektik noch potenziert - nicht möglich.

Andererseits - wer mit seinen Kumpels "Mario Smash Football" spielt, der erwartet sowieso kein sportstrategisches Schwergewicht vom Schlage eines »Pro Evolution Soccer«, sondern Fun-Action ohne Ende. Und das bekommt man hier allemal geboten - auch wenn es ruhig ein paar Spielmodi mehr hätten sein dürfen. Aber wir bleiben optimistisch. Schließlich muß es bei einem möglichen Nachfolger ja auch noch was zu verbessern geben. Und bis es soweit ist, spielen wir halt weiter "Mario Smash Football" - und zwar am liebsten gegen die Jungs von der türkischen Equipe. Aber bitte nicht hauen…So kann es passieren, daß man im einen Moment seinen Mannschaftsführer steuert, im nächsten Moment hingegen der Partner dran ist, weil man zum Beispiel für einen Moment den Ball verloren hatte oder eine Abgabe zum Spielerwechsel führt. Das läßt leicht Unmut aufkommen, denn eine gemeinsame Taktik ist so - und aufgrund der Enge des Spielfelds, was die Hektik noch potenziert - nicht möglich.

Andererseits - wer mit seinen Kumpels "Mario Smash Football" spielt, der erwartet sowieso kein sportstrategisches Schwergewicht vom Schlage eines »Pro Evolution Soccer«, sondern Fun-Action ohne Ende. Und das bekommt man hier allemal geboten - auch wenn es ruhig ein paar Spielmodi mehr hätten sein dürfen. Aber wir bleiben optimistisch. Schließlich muß es bei einem möglichen Nachfolger ja auch noch was zu verbessern geben. Und bis es soweit ist, spielen wir halt weiter "Mario Smash Football" - und zwar am liebsten gegen die Jungs von der türkischen Equipe. Aber bitte nicht hauen…