Prinzessin weg. Bowser auch. Starten wir bei Mario-Spielen mit der Geschichte, haben wir das Dünnste schnell hinter und das Dickste noch vor uns: den fettgedruckten Text hier oben vollbekommen. Je nachdem, wie viel das werden soll. Fünf Zeilen schon? Nicht ganz. Haben wir's? Da fehlt noch was. Na, jetzt aber.

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"Mario & Luigi: Dream Team Bros.", Teil 4 der Mario-&-Luigi-RPG-Serie, nimmt diese Grundpfeiler, dreht und biegt sie etwas, und am Ende bleibt es bei einer Jagd auf wen auch immer. Es folgt das übliche Huch und Hach, ein Tutorial wahnwitziger Ausmaße und dann...

Ist nicht wichtig. Alles, das Drumherum von "Nickerwüste" bis "Kissenschloss" und "Pyjamagipfel", die ganzen Albernheiten und Mätzchen in Namen und Dialogen, sie sind nur der nötige Stützrahmen für die Liebe zum Spiel und seiner mechanischen Entwicklung über einen Zeitraum von x Stunden, ein Nintendo-Faible, den man mögen kann oder nicht. Ein bisschen werdet ihr euch schon beim Zunicken des ersten erwischen müssen, sonst ist das hier nicht eure Welt.

Figuren heißen Herr Blöckle und Blockburga. Die Klempnerbrüder antworten mit Ja, indem sie jauchzend in die Luft springen. Sie retten in einer Albtraumwelt gefangene Kopfkissen, werden begleitet von einem Sterngeist mit Wimpern und Füßchen, und der Bösewicht kichert sein "Kriihihihi!" jedes Mal heraus, wenn man ihm unfreiwillig über den Weg läuft. Die deutschen Übersetzer, die die Dialoge im Umfeld der Traumhasenszene in ihr Kerbholz einritzen durften, hatten vermutlich einen Spaß, wie man ihn nicht oft hat.

Mario & Luigi: Dream Team Bros. - Coole Typen

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Ihr erkundet Dörfer, Wälder, Strände, Gebirge. Viele verschiedene, abwechslungsreiche Gebiete.
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Wie gesagt: Rollenspiel ja, Handlung auch, Rundenkämpfe sowieso, ist alles da, aber auf eine Nintendo-Art, oft noch alberner als die Paper-Mario-Spiele. Hier und da für Kinder zu unterschwellig, ansonsten irgendwas zwischen platt, banal und Kopfschütteln für das Kind im Manne/der Frau. Nicht eures? Sehr schade. Alle anderen: Lasst es geschehen, die Figuren plappern, was ihnen in den Mund gelegt wurde, und erlebt eines der besten 3DS-Spiele des Jahres.

Hat man das Kissenkönigreich mit seinen umliegenden Gebieten von Pilzwaldpark bis Sandstrand erst mal als den Rahmen hingenommen, der es ist, öffnet sich ein Abenteuer weit jenseits der 30 Stunden. Langeweile oder Routine sind nicht die Themen hier: Ihr kämpft, knobelt, handelt, redet, sammelt, erforscht, kontert, vergleicht, wischt, rettet und träumt. "Mario & Luigi: Dream Team Bros.", der Name trifft es.

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Die Kämpfe werden wie immer rundenweise ausgetragen. Inklusive der bekannten Konter mit den angetackerten Reaktionstests.
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In Grundzügen erinnert es mich stilistisch mit seiner Figurendarstellung und den weichen, freundlichen Farben an den Job, mit dem der Klempner vor knapp zwanzig Jahren seine ersten RPG-Lohnschecks einstrich – Super Mario RPG: Legend of the Seven Stars auf dem Super Nintendo. Ihr erkundet in einer Iso-Perspektive, die nie zu weit vom Geschehen entfernt ist, immer nah genug dran an den bunten Details der Welt.

Nintendo liebt Entwicklung, inhaltlich weniger, dafür erzählt das Studio Alpha Dream hier einfach zu viel Käse, aber unter der Grafikoberfläche steckt ein Beispiel für großartige, wahnsinnig gut getimte Spielerführung, passgenau eingetaktet zwischen Freiraum beim Erkunden oder Knobeln und Hinweisen, wenn man welche braucht.

Kein Leerlauf

Es gibt praktisch keinen Leerlauf, bis auf eine Stelle, an der mir das Tipps-Menü allen Ernstes zum Weggehen, Besserwerden und Wiederkommen riet. Man muss einen Gegner innerhalb von drei Kampfrunden schlagen, und ich hatte trotz der teils erdrutschartigen Spezialattacken keine Ahnung, wie das gehen soll. Oder einfach kein Glück bei den kritischen Treffern und Kontern. Eine Mischung aus beidem vermutlich. Hab da nicht so genau hingesehen.

Beschwingt und unbekümmert raubt euch Dream Team Bros. die Zeit.Fazit lesen

Trotzdem raus auf die Oberwelt, hin und her reisen und Erfahrung malochen, bis es passt. Danach von den Charakterwerten einfach alle ignorieren bis auf Stärke, möglichst viele Punkte drauf und Daumen drücken. Klappte dann.

Abgesehen davon kommt das Getriebe nie ins Stottern, nicht in der Nickerwüste, wo man mit schienengelagerten Bohrköpfen Felsen zermalmt, nicht im Gebirge oder seinen feurigen Lavahöhlen. "Dream Team Bros." hält sich zwar nicht sklavisch, aber doch erkennbar an die Mario-Checkliste für Weltengestaltung, hat Strand, Wasser, Wüste und Gebirge.

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Mit Traum-Liugi müsst ihr in der Traumwelt Rätsel lösen und Hindernisse überwinden.
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Überall gibt es Winkel, Schlupflöcher und Geheimnisse, immer dann, wenn die Zeit reif ist, eine erweiterte Technik, Spezialattacken für den Kampf, bessere Ausrüstung oder etwas anderes. Ihr schlagt Mario mit dem Hammer auf die Rübe und macht ihn damit zum Flach-wie-eine-Flunder-Mario, der mühelos durch Mauerlöcher passt und Bohnenlöcher von unten mit einem beherzten Sprung aberntet. Ihr tut dies und das, kommt später mit neuen Fertigkeiten an besuchte Orte zurück, wie das halt immer war und heute immer noch hervorragend aufgeht.

Regelmäßig durchstreift ihr Luigis Traumwelt (während er selbst auf dem unteren Screen ein Nickerchen hält) in seitwärts scrollenden 2-D-Passagen, balanciert auf wackeligen, aus Hunderten Luigis bestehenden Türmen durch Röhrenlabyrinthe oder zieht an seinem Schnäuzer, um Mario auf Plattformen schleudern zu lassen. Ähem... Schnäuzer... ziehen?

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Sehr witzig: die Team- und Traumattacken.
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In den Träumen benutzt ihr etwas, das Nintendo „Luigisionsobjekte“ nennt. Der Grünling kann zum Beispiel einen Bohrer beseelen und ihn für Mario zum Fahrstuhl machen – nur aussteigen muss dieser selbst. Woanders müsst ihr Luigi auf dem unteren Bildschirm die Nase kitzeln, damit er niest und Plattformen umdreht, den 3DS hochkant halten, einen Zehn-Meter-Luigi anfeuern, solche Sachen.

Es dürften vergnügliche Momente für die Entwickler gewesen sein, sich diese Dinge auszudenken und sie so zu kombinieren, dass Längen höchstens im Gebirge zwischen zwei Bergen entstehen, die man mit einem Wirbelsprung überbrückt. Sie hatten vermutlich ein debiles Grinsen im Gesicht, weil das irgendwann jemand spielen soll. Und jeder mit einem 3DS sollte es zumindest einmal versuchen. Ab heute.