Gäbe es jedes Mal eine Handvoll Goldmünzen, wenn Mario und Luigi die geborene „Damsel in Distress“ (sprich: Prinzessin Peach) aus den Fängen irgendeiner Bedrohung befreit haben, hätten die sich wahrscheinlich längst auf einer italienischen Insel niedergelassen. Einer vergoldeten Insel wohlgemerkt. Madame Peach - das muss man mal so sagen - scheint eben nicht gerade die Hellste zu sein.

Obwohl: In letzter Zeit lässt sich Peach zumindest nicht mehr all zu häufig von Oberfiesling Bowser mopsen, kürzlich mussten sogar Mario und Luigi aus dessen Klauen errettet werden. Also alles neu im Pilzimperium? Es scheint so – neuerdings macht das Böse nämlich selbst vor ehemaligen Erzschurken keinen Halt.

Mario & Luigi: Abenteuer Bowser - GC 2009 TrailerEin weiteres Video

Operation: Magenschleimhaut

Auch wenn Bowser zu Beginn gleich ordentlich auf dicke Hose macht, wird nicht er sich als großer Antagonist dieses Abenteuers herausstellen. Viel schlimmer noch, man drängt ihn gar in die Opferrolle. Ein übler Schelm namens Kankfried verpasst ihm eine ungesunde Ladung Gen-Pilze, die beim mürrischen Panzerträger für fiesen Super-Schluckauf sorgt. Mit dem – und da schließt sich der Kreis dann doch – saugt Bowser Mario, Luigi und Prinzessin Peach in seinen Körper.

Mario & Luigi: Abenteuer Bowser - Im Körper des Feindes

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Dank Pilzbetankung saugt Bowser mal eben das halbe Königreich in seinen Körper.
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Man könnte nun meinen, dass sich zumindest aus diesen Storyfragmenten eine für Rollenspiele typische Handlung mit tiefen Emotionen und spannenden Wendungen ergibt. Aber im Umfeld der dauerfröhlichen Klempnerbrüder sollte man darauf eher nicht warten. Gen-Pilze, Super-Schluckauf und Körpersauger sind da schon die Spitze des narrativen Eisbergs - Blödeltendenz sinkend.

Man kann den Humor von „Abenteuer Bowser“ mögen, muss jedoch nicht. Wer einen der beiden Vorgänger gespielt hat, weiß ja ohnehin was ihn erwartet: völlig sinnfreie Dialoge, die mal herrlich abstrus, mal grausig infantil daher kommen, aber zumindest immer für ein mildes Schmunzeln sorgen. Nicht selten nimmt „Abenteuer Bowser“ sogar die eigne Serie auf die Schippe und präsentiert manches Ereignis mit einem frechen Augenzwinkern.

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Infantil bis banal, aber in jedem Fall langweilig: Die Geschichte passt auf eine Briefmarke.
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Mario und Luigis Reise durch Bowsers Körper bleibt dabei natürlich stets oberflächlich und banal. Klar, dass bei einer derart kindgerechten Geschichte niemals echte Spannung aufkommt. Von emotionaler Tiefe ganz zu Schweigen. Und wie der Spaß letztlich ausgehen wird, wissen wir sowieso bereits, bevor zum ersten Mal das Modul in den DS-Schacht geschoben wurde. Wirklich motivierend ist die Handlung damit nicht.

Das Gute daran ist das Gute darin

Erfreulicherweise gleicht das unverwüstliche Spielprinzip die inhaltlichen Mängel locker aus. Auch hier ändert sich für Kenner der Vorgänger nichts bis gar nichts, „Superstar Saga“ und „Partners in Time“ werden lediglich in Feinheiten erweitert. Etwa dem Wechsel zwischen den Hauptakteuren: So steuern wir nicht nur Mario und Luigi durch die heimeligen Gefilde von Toad Town, sondern auch den Erz-Schurken Bowser.

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An der Oberfläche kämpfen wir als Bowser, spucken Feuer oder ducken uns unter den schützenden Panzer.
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Während der an der Oberwelt versucht, dem unheiligen Treiben ein Ende zu bereiten, kämpfen Mario und sein grünbekleideter Bruder in dessen Körper. In speziellen Situationen wechselt dann die Perspektive: Will Bowser etwa auf dem oberen DS-Screen einen besonders schweren Stein zur Seite heben, reizen wir in Gestalt der Klempnerbrüder in Bowsers Arm per Reaktions-Minispiel dessen Muskeln, um ihm so Superkräfte zu verleihen.

Der spaßige Perspektivwechsel funktioniert dabei dynamisch und peppt vor allem die ohnehin schon gewitzten Kämpfe auf: Atmet Bowser seine Gegner per Saugattacke ein, landen diese kurzerhand in dessen Magen und können dort von Mario und Luigi zu Tode gehopst werden. Denn auch das ist geblieben: Beinahe jede Kampfaktion ist mit einem mehr oder minder schwierigen Reaktionstest verbunden.

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Spezialfähigkeiten verlangen immer nach perfektem Timing - ziemlich knifflig.
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So müssen wir nicht nur Sprünge auf die Köpfe von Koopa-Kröten und Riesen-Würmern perfekt timen, um genügend Schaden auszuteilen, sondern auch im richtigen Moment ausweichen oder blocken. Eine insgesamt witzige, aber doch sehr hektische Komponente, für die gerade Anfänger viel Einarbeitungszeit benötigen. Dabei ist der Schwierigkeitsgrad gar nicht einmal übertrieben hart, angesichts der kindgerechten Präsentation überrascht der für junge Spieler ungeeignete Härtegrad dann aber doch.