Marc Ecko's Getting Up: Contents under Pressure (PS2 Review)
von Nedzad Hurabasic

Wenn es nach der Meinung von Moralaposteln und Gesetzeshütern geht, dann sind Graffiti ein Verbrechen, ja geradezu ein Schwerverbrechen.

Das hat sich in der jüngeren Vergangenheit sogar in Gesetzen geäußert, die solchen "Vandalismus" unter spezielle Strafe stellen. Ihren vorläufigen Höhepunkt hat die Anti-Graffiti-Welle nun in Australien erreicht, wo Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure nun faktisch aus dem Verkauf verbannt wurde.

Grund: Das Spiel könnte oder würde zu Straftaten animieren. Wir sagen euch in unserem Test, ob all die Aufregung berechtigt ist und was ihr von dem Großstadt-Abenteuer überhaupt geboten bekommt.

Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure ist übrigens nicht, wie ein großes deutsches Nachrichtenmagazin kürzlich fälschlich berichtete, das erste Spiel, das in Down Under aus dem Verkehr gezogen wurde. Vorher hatte es schon das gewalttätige 50 Cent: Bulletproof erwischt, das dort vor wenigen Wochen auf dem Index der Medienwächter landete.

Doch nehmen wir "Getting Up" mal genauer unter die Lupe. Die Hauptfigur des Spiels nennt sich Trane und wir erleben in einer Art Rückblick die Abenteuer des jungen Manns in der imaginären Stadt New Radius. Manchmal erzählt er dem Spieler direkt, in die "Kamera" sprechend, wie es zu dieser oder jenen Begebenheit kommt, die wir nachspielen dürfen.

Oft genug hören wir seine Stimme aber nur aus dem "Off" während wir versuchen, die unterschiedlichsten Aufgaben zu meistern. Von Zeit zu Zeit wird die ziemlich spannende Story des Spiels auch mit interessanten Cut-Szenen weiter gesponnen und der Spieler damit zum Weitermachen motiviert.

Im Mittelpunkt der Handlung steht natürlich der junge Held, der sich auf den Straßen der Stadt einen Namen als Graffiti-Künstler machen will. In den Augen der Farbenmixer sind ihre Werke Kunst und nicht Schmiererei.

Wie im wirklichen Leben haben es Künstler aber nicht leicht, denn auch in Getting Up: Contents Under Pressure versucht die Staatsmacht alles, um das wilde Hinterlassen von farblichen Insignien wie Graffiti oder so genannten "Tags" zu verhindern oder zu bestrafen.

Doch nicht nur die Polizei oder verschiedene Spezialeinheiten, die auf der Jagd nach Sprühern sind, machen Trane das Leben schwer. Auch die Gangs in den verschiedenen Vierteln der Stadt wollen dem "Toy", so der abschätzige Titel für Nobodys und Anfänger, keinen Raum zur Entfaltung geben.Von Anfang an wird daher der Kampf um Ansehen, Respekt und Ruhm nicht nur mit Filzstiften, Sprühdose und Kreativität ausgefochten, sondern auch mit den Fäusten. Dazu stehen dem Protagonisten anfangs nur recht simple Schlag- und Fußtechniken zur Verfügung. Im Laufe des Spiels werden jedoch immer mehr Fähigkeiten freigeschaltet, mit denen er den Kontrahenten auf der Straße so richtig in den Arsch treten kann. Ihr findet diese Ausdrucksweise zu harsch?

Dann ist das Spiel sicher nichts für euch. Denn die höchst authentischen Dialoge und verbalen Auseinandersetzungen geben das Leben auf der Straße prächtig und realistisch wider, kapiert?!. Da gibt es eben nicht nur den einen oder anderen coolen Spruch, sondern auch Flüche und Kommunikation im "restringierten" Sprachcode der Straßengangs. Elaboriert daherquatschen könnt ihr im Deutschunterricht, ihr Toys.Ausschlaggebend für die überaus gelungene Darstellung der Straßenverhältnisse ist auch die hervorragende Vertonung, die dem Spiel die notwendige Tiefe gibt und die Charaktere umso glaubhafter erscheinen lässt.

Die Hauptgegner Tranes sind neben den Ordnungskräften dementsprechend vor allem Straßengangs wie die Vandals of New Radius (VaNR). Während er der Staatsmacht und ihren Überwachungskameras möglichst aus dem Weg geht, kollidiert er regelmäßig mit den Mitgliedern der Gang, denn sie bewohnen dasselbe Revier und so kommt es zwangsläufig zu Reibungspunkten. Jede Seite will ihre Kunstwerke möglichst prominent platzieren und einen aufstrebenden Jüngling wie Trane nimmt ohnehin keiner Ernst. Dessen Hauptaufgabe ist es natürlich zu allererst, sich Respekt zu verschaffen. In erster Linie geschieht dies durch das Anbringen von Graffitis und Tags an allen möglichen Wänden, Fahrzeugen und anderen Gegenständen.

Das Malen oder Sprühen geht dabei denkbar einfach von der Hand. Mit wenigen Handgriffen, bzw. Tasten wird der gewünschte Marker oder die Farbdose ausgewählt, kann die Farbe den eigenen Wünschen angepasst und das Motiv bestimmt werden, das in verschiedenen Größen auf die Oberflächen gebracht werden kann.

Dabei ist es aber nicht egal, welche Wand man mit seinen Schriftzeichen verziert. In jeder Mission, gilt es verschiedene Aufgabenstellungen zu erfüllen. Pro Level wird eine bestimmte Anzahl an gelösten Free-Form-Herausforderungen, Graffitis und anderen Aufgaben abverlangt.

Es müssen zwar nicht alle gelöst werden, um weiter zu kommen, allerdings erhöht es die Bonuspunkte, die in Form von Reputation vergeben werden und mit denen neue Funktionen, bessere Materialien, verschiedene Extras und anderes freigeschaltet werden können und sich der Rang von Trane erhöht.

Um die richtigen Orte zum Sprühen zu finden, kann der Spieler seine "Intuition" benutzen. Die Funktion kennzeichnet Orte, an denen gesprüht oder getagt werden soll für kurze Zeit mit einem großen X.Auf diese Weise kann der Spieler auch eher versteckt liegende Aufgaben auffinden und erfüllen, dafür muss er gelegentlich aber auch Klettereinlagen hinlegen und an Rohren, Stahlträgern oder auch Ranken emporklettern sowie an Mauersimsen entlang hangeln. An diesen speziellen Punkten sind die Handlungsmuster größtenteils vorgegeben. Meist ist es erforderlich das Graffiti der Konkurrenz zu übersprühen, und mit den eigenen Kunstwerken zu überdecken.

Dabei kann man selbst zwischen mehreren Größen und auch Farben wählen, sollte den Sprühvorgang aber möglichst in der vorgegebenen Zeit beenden, um die vollen Boni abzustauben. Außerdem sollte vermieden werden Tropfen zu verursachen, was zu Abzügen führt. Das kann geschehen, wenn Trane eine Oberfläche zu lange mit der Farbdose bearbeitet oder sich zu schnell über das Muster bewegt, um es mit Farbe zu füllen.Im Spielverlauf erhält die Spielfigur auch bessere Sprühdosen, die über mehr Sprühdruck verfügen und außerdem schnelleres Sprühen zulassen, was aber zulasten der Genauigkeit gehen kann. Ob mit oder ohne Schnellsprüher: Probleme, die vorgegebenen Zeiten einzuhalten, hatten wir eigentlich nie.

Dass einem dabei ständig die Konkurrenz in die Quere kommt, lässt sich nicht vermeiden. Will auch keiner. Denn Trane ist schließlich ein harter Straßenhund - oder will es zumindest sein. Zumindest anfangs muss er sich als Einzelkämpfer durchschlagen. Was gar nicht so einfach ist, wenn man es mit einer ganzen Gang zu tun hat, die uns alsbald auf die Abschussliste setzt. So verwundert es nicht weiter, dass Schlägereien neben dem Sprühen und Taggen die Hauptbeschäftigung in Getting Up: Contents Under Pressure ist. An jeder Ecke warten Widersacher, die wir zunächst davon "überzeugen" müssen, dass wir hier das Sagen haben und damit das Recht haben, unsere Kunstwerke hinterlassen zu dürfen.

Oft genug hat es Trane dabei mit mehr als einem Gegner zu tun. Deshalb ist es auch nur gut, dass er im Laufe des etwa 15-stündigen Abenteuers auch neue Kampf-Fähigkeiten erhält. Allerdings werden auch die Gegner raffinierter, sodass es durchaus knackig schwere Kämpfe gibt, es aber nie unmöglich wird, zu gewinnen.

Visuell ist das Spiel absolut gelungen und bildet die Großstadtszenerie von New Radius, die wohl an New York erinnern soll, sehr gut ab. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Graffitis und Tags und die sehen wirklich sehr gut aus.

Ob man diese Art von Kunst nun mag oder nicht, ist dafür nicht von Belang. Sie sehen genauso authentisch aus, wie der Rest des Spiels rüberkommt. Knallige Farben bestimmen dabei natürlich das Bild und heben sich dabei vom eher tristen grau der runtergekommenen Stadtviertel und U-Bahnen ab. Komplettiert wird die gelungene Gesamtpräsentation durch einen sehr guten Soundtrack, der sich den verschiedenen Umgebungen der Stadt und dem Spielgeschehen anpasst.

Dominiert wird der Soundtrack vor allem von szenetypischen Hip-Hop-Songs, von denen sich übrigens über 80 für den ins Spiel integrierten I-Pod finden, respektive freischalten, lassen.Gut gelungen sind auch die Soundeffekte von beispielsweise Sprühdosen und Filzstiften. Darüber hinaus passt auch die sehr gute Vertonung bestens ins Ambiente, wozu eine gelungene Lokalisierung einen guten Teil beiträgt.

Ob man diese Art von Kunst nun mag oder nicht, ist dafür nicht von Belang. Sie sehen genauso authentisch aus, wie der Rest des Spiels rüberkommt. Knallige Farben bestimmen dabei natürlich das Bild und heben sich dabei vom eher tristen grau der runtergekommenen Stadtviertel und U-Bahnen ab. Komplettiert wird die gelungene Gesamtpräsentation durch einen sehr guten Soundtrack, der sich den verschiedenen Umgebungen der Stadt und dem Spielgeschehen anpasst.

Dominiert wird der Soundtrack vor allem von szenetypischen Hip-Hop-Songs, von denen sich übrigens über 80 für den ins Spiel integrierten I-Pod finden, respektive freischalten, lassen.Gut gelungen sind auch die Soundeffekte von beispielsweise Sprühdosen und Filzstiften. Darüber hinaus passt auch die sehr gute Vertonung bestens ins Ambiente, wozu eine gelungene Lokalisierung einen guten Teil beiträgt.