Über einen zeitlosen Klassiker noch etwas Neues sagen zu müssen, ist eine undankbare Arbeit, aber auf der anderen Seite kann man sie auch genießen. Keine Frage, ob man loben wird, kein unnötiges Herumklamüsern mit hinlänglich bekannten Elementen und Mechaniken – einfach nur die nahezu universell anerkannte Qualität, über die man sich weitgehend verständigt hat, einer ganzer Schwall nostalgischer „Au ja, daran erinner' ich mich auch!“-Bekundungen und zum Schluss stößt man mit dem Getränk seiner Wahl an und postuliert, dass es solche Spiele heute einfach nicht mehr gäbe. Verbringen wir also noch einmal etwas Zeit mit Bernard, Laverne, Hoagie, Dr. Fred und den Tentakeln – Anlass nebensächlich.

Maniac Mansion: Day of the Tentacle Remastered - Trailer

Falls ihr ihn doch wissen wollt: Es ist eine Remastered-Version erschienen, die das cartoonige Abenteuer Day of the Tentacle, das trotz direkt übernommener Elemente immer eher wie ein entfernter Verwandter seines Vorgängers Maniac Mansion wirkte, ordentlich entpixelt und uns zudem ein Schmankerl in Form von Entwicklerkommentaren mitliefert. Über den Sinn und Unsinn von Remakes und Remastered-Versionen wird viel und oft diskutiert, also lasst uns einen gemeinsamen Blick darauf werfen, wie gut sich der HD-Hamster in die hochauflösende Mikrowelle stopfen lässt.

Wer DotT noch nie gespielt hat, der hat nun die optimale Gelegenheit, es nachzuholen. Das ist die große Stärke all dieser HD-Remakes, die Chance, einen Klassiker doch noch zu erleben, der aus dem einen oder anderen Grund bislang verpasst wurde. Eine neue Generation der Gamer zum Beispiel kann sich an der Auffrischung erfreuen – und im Gegensatz zu eher actionlastigen Titeln altern erstklassige Adventures auch verhältnismäßig ordentlich. Rätsel erfordern nun mal Cleverness, und Cleverness kommt nicht aus der Mode.

Für ein Remake von DotT spricht aber noch mehr, unter anderem, dass es wegen seines Alters nicht immer und überall unbedingt gut zum Laufen zu bringen ist. Außerdem hatte es ja schon früher einen sehr ansprechenden Comic-Look, sodass man es, im Gegensatz zum Beispiel zu Monkey Island, nicht optisch neu erfinden, sondern tatsächlich nur glätten musste. Das ist auch sehr ordentlich passiert. Der neue alte Zeichentricklook ist charmant und nur, wer sich so gar nicht von seinen Pixelerinnerungen lösen kann, könnte hier wirklich unken. Die Frage, ob ein ordentlicher Weichzeichner, der über das Original gepinselt würde, nicht einen ähnlichen Effekt erzeugt hätte, steht zwar im Raum, doch am Aussehen gibt es erst mal nichts zu beanstanden.

Day of the Tentacle Remastered - George sagt: Jeder Amerikaner sollte dieses Spiel haben

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Was würden wir dafür geben, Day of the Tentacle noch einmal ohne im Hirn abgespeicherte Komplettlösung spielen zu können.
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Dennoch merkt man DotT sein Alter an. Wie gesagt, nicht spielerisch, sehr wohl aber, was Animationen angeht, denn diese waren schon damals anno 1993 durchwachsen – von richtig flüssigen Zeichentrick-Bewegungen bis zu eher abgehackten Notlösungen war alles irgendwie mal dabei. Und dieser Umstand, der früher nicht so sehr ins Gewicht fiel, kollidiert jetzt umso mehr mit der aufgemotzen Ästhetik. Wenn ganz am Anfang des Spiels der Vogel erstickt, wenn Hoagies Lauf- bzw. Schlurfanimation mal stockt, wenn Washingtons Zähne klappern, dann hakt es ein bisschen. Absolut nicht schlimm, insbesondere, da man oft genug mit umso schmuckeren Bewegungsabläufen entlohnt wird, die auch heute noch schnuffig aussehen.

Beim Sound ist die Rundumerneuerung etwas durchwachsen. In einem Interview konnte man Tim Schafer stolz davon berichten hören, dass man die Sprachausgabe aufwändig neu abgemischt habe, und das ist glaubhaft. Aber was Herr Schafer dann vielleicht nicht bedachte ist, dass es ja auch noch Lokalisierungen gibt, und diese scheinen eine Spur vernachlässigt zu worden sein. Zumindest mir schien es im Hintergrund der deutschen Tonspur ein hörbares Rauschen zu geben, was zwar nicht die Welt ist, aber eben doch etwas schade. Dennoch, Ohrenkrebs kriegt man nicht. Wer sich von derlei von so einem guten Spiel abhalten lässt, trägt zumindest Mitschuld.

Packshot zu Maniac Mansion: Day of the Tentacle Remastered Maniac Mansion: Day of the Tentacle Remastered Erschienen für PlayStation Vita, PS4 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Ansonsten trägt DoTT alle Glöckchen und Pfeifen vor sich her, die man erwartet. (Man, amerikanische Redensarten sind wirklich nicht leicht zu übersetzen!) Es gibt eine Hotspot-Anzeige für diejenigen Spieler, die im Gegensatz zu mir noch nicht jedes Rätsel aus dem Effeff kennen, wobei Day of the Tentacle noch nie eine klassische Pixeljagd in der Hinsicht war. Die Bedienung über ein funktionales Radial-Menü ist weniger invasiv als das Verbensystem von früher und erlaubt einen größeren Bildausschnitt, und natürlich kann man all diese Funktionen jederzeit hin- und herschalten. Also ja, man kann aus der neuen Version auch komplett die alte machen, inklusive Verben und permanent eingeblendetem Inventar und schlechterem Sound – warum auch immer man letzteres wollen sollte.

Day of the Tentacle Remastered - George sagt: Jeder Amerikaner sollte dieses Spiel haben

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Selbe Szene, 23 Jahre Unterschied.
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Und dann wären da natürlich die obligatorischen, deswegen aber nicht weniger herzlich willkommenen Entwicklerkommentare von Tim Schafer, Dave Grossman und Co. Mittlerweile ein übliches Feature, und dennoch ist die Quasi-Dokumentation über die Entstehungsgeschichte eines solchen Titels immer wieder interessant zu hören. Mal anekdotisch, mal informativ, aber immer unterhaltsam.

Für meinen Geschmack hätten die Kommentare aber ein bisschen organischer eingebaut sein dürfen. Kommt man auf einen Bildschirm, auf dem ein Kommentar möglich ist, drückt man A, dann wird er abgespielt. Das bedeutet nun aber, dass man auf dem entsprechenden Bildschirm gefangen ist. Verlässt man ihn, stoppt der Kommentar. Guckt man sich ein Item an, auch im Inventar, das zwingend in einer Vollbild-Aufnahme gezeigt wird, ebenfalls. Und hin uns wieder zeigt DotT ja auch mal unvermittelt und automatisch eine Zwischenszene aus einer der anderen bereisten Zeitperioden. Dreimal dürft ihr raten, was dann passiert. Und man kann, so schien es mir jedenfalls, auch nicht im Kommentar vor oder zurückspringen, also hört man alles wieder von vorne. Eine weitere Kleinigkeit, auch das wieder nicht schlimm, hätte man aber heutzutage sicherlich anders lösen können.

Es stellt sich final natürlich die Frage, ob die neue Generation angesichts des Internets, angesichts der zahllosen Adventures, die seitdem passiert sind und angesichts der Let's-Play-Kultur, in der man sich gerade so ein Adventure auch gemütlich per Proxy reinziehen kann, wirklich zur Brieftasche greifen will und wird. Doch falls ihr irgendetwas auf meine Meinung geben solltet: Tut es. Das Remake von Day of the Tentacle ist nicht das beste, das ich je gesehen habe, obwohl sehr gut geraten. Aber Day of the Tentacle selbst ist den Kauf mehr als wert, und in einer besseren Version als hier – zudem einer, die ihr auf Wunsch wieder komplett in die 90er zurückdrehen könnt – werdet ihr es nicht finden.