Wenn man etwas über das Kartenspiel „Magic“ sagen kann, dann, dass es überdauert und wächst. Es hat schon so viele Ableger seiner selbst begrüßt und wieder verabschiedet und wurde so oft für tot erklärt und wieder unter den Lebenden willkommen geheißen, dass man sich das Zählen mittlerweile abgewöhnt hat. Fans des strategisch anspruchsvollen Geplänkels belächeln den Versuch, ihren Liebling vom Thron zu stoßen, mit einer Mischung aus ignorierender Verachtung und Langeweile. „Magic“ hat das Zepter in der Hand und das schon seit vielen Jahren.

Und im Gegensatz zum größten Konkurrenten, „Hearthstone“, gehen „Magic“ auch niemals die Ideen aus. Es kommen immer neue Regeln, Fähigkeiten, Kartentypen und Kreaturen auf den Markt, die das Spielprinzip, den Langzeitspielspaß und vor allem die Möglichkeiten enorm erweitern. Und trotzdem hat es dieses berühmte Spiel nie geschafft, auf der Konsole und dem PC wirklich Fuß fassen zu können. Die digitalen Versionen waren spaßig, aber da hört es in der Regel auch schon wieder auf.

Magic Duels - Treten wir Hearthstone jetzt endlich in den Ar***?

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"Magic" ist zurück; dieses Mal als Onlinegame.
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Ähnlich verhält es sich mit dem Onlinegame „Magic: Duels“. Der Titel befand sich eine gefühlte Ewigkeit in der Alpha, später in der Beta und seit einiger Zeit hat es seinen Durchbruch auf Steam gefeiert. Doch der erhoffte Hearthstone-Killer blieb aus. Das Spiel mit dem Einfallsreichtum eines Yu-Gi-Ohs im Blizzard-Universum macht alles richtig und der strategische Kieferknacker entblößt viele, peinliche, technische Schwächen.

Für Neulinge ist es natürlich immer nett, wenn man an die Hand genommen wird und die Regeln Schritt für Schritt erklärt bekommt. Doch für Profis oder zumindest Eingeweihte, ist es mehr als stressig, wenn man sich erst einmal durch so eine Art ewig langes Tutorial quälen muss, bevor man überhaupt ein eigenes Deck erstellen darf.

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Der Deckbau lief in "Magic 2015 – Duels of the Planeswalkers" bereits viel besser.
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Und selbst wenn man es bis hier hin aushält, werden einem noch viele kleine und große Steine in den Weg gerollt. Um das Kind beim Namen zu nennen: „Magic: Duels“ ist selbst nach einem Schwall an Updates noch ziemlich verbuggt. Die Probleme reichen von kleineren Fehlern, wie nicht angezeigte Widerstandspunkte der Kreaturen, über die Unmöglichkeit, mit seinem verdienten Gold Booster-Packungen frei zu schalten, bis hin zu einer Kette aus Wutanfällen, wenn man versucht, eine Runde zweiköpfiger Riese (2 vs. 2) zu spielen und die Verbindung dabei mindestens fünf Mal abstürzt. Von Gelegenheits-Bugs, wie der berühmte „Wo zur Hölle sind meine Karten“-Fehler mal ganz abgesehen.

Gleichermaßen schwer macht es einem das Spiel, da Magic eigentlich von dem Synergiewert der einzelnen Editionen lebt. Um so mehr Karten man hat, um so mehr ist möglich. Die Grenzen sind dabei kaum zu überblicken und der kleine Stratege in uns bekommt eine ganze Menge zu tun, wenn er wirklich das bestmögliche Deck zusammenstellen will.

Ein netter Zeitvertreib, der noch etliche Verbesserung benötigt, um seinem Namen wirklich gerecht werden zu können.Fazit lesen

Doch in „Magic: Duels“ ist die Menge an Karten ungefähr auf eine Edition beschränkt und die müssen nach und nach, mühsam zusammengestellt werden. Der große Vorteil, der „Magic“ von „Hearthstone“ unterscheidet – nämlich die strategische Tiefe – büßt dadurch ein starkes Stück ein und es bleibt am Ende ein eher netter Zeitvertreib, als ein würdiger Gegner für Blizzards Kartenspiel.

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Der eintönige Duelltisch treibt den Spaßfaktor nicht unbedingt nach oben...
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Der technische Aspekt lässt im Vergleich zu der „Duels of the Planeswalker“-Reihe ebenfalls zu wünschen übrig, denn diese hat einen Schritt nach hinten unternommen. Der Kartenbau ist unübersichtlicher geworden und die Menüführung einfach nur hakelig. Es ist schade, dass man endlich ein ordentliches Onlinespiel abliefert, aber gleichzeitig nicht die Stärken der Konsolenspiele übernommen hat.

Doch es ist nicht alles Pech was klebt. „Magic: Duels“ hat auch einige Stärken, die es zumindest für Zwischendurch zu einem netten Zeitvertreib machen. So braucht man lediglich 10 Siege gegen eine schwere KI, um sich ein neues Booster-Pack leisten zu können. Mit der erhöhten Prämie bei menschlichen Gegnern und den wöchentlichen Herausforderungen, die ebenfalls Gold einbringen, kann man hier getrost zustimmend nicken.

Und auch die Menge an Karten, die man bereits zu Beginn erhält, ist stattlich und fällt äußerst positiv auf (nur, dass nach oben hin leider nicht so viel möglich ist, wie man erhofft). Man merkt, dass sich „Magic: Duels“ bemüht, seinem Namen gerecht zu werden. Doch wenn es wirklich eine brauchbare Alternative zu „Hearthstone“ sein will, müssen die Fehler behoben, die Kartenmenge erhöht und die Menühführung verbessert werden. Die „netten“ Storymissionen sind zwar genau das: nett, aber auch absolut nicht mehr.

Wer punkten will, muss die Onlinekämpfe perfektionieren. Konkurrent Blizzard hat das zu Beginn verstanden und ein solides Spiel abgeliefert, dessen taktische Anspruchslosigkeit ihm jedoch mittlerweile das Genick bricht. „Magic“ hat hingegen die taktische Tiefe, aber an Umfang und technischer Raffinesse mangelt es enorm.

Übrigens: Wenn ihr Hilfe beim Verständnis der Regeln, bei Tipps zu Mechaniken oder Karten braucht, haben wir jetzt auch einen umfangreichen Magic Duels Guide für euch. Schaut doch mal rein.