Es ist ein Trauerspiel, eine Weide der Enttäuschung. Wie sehr man auch bettelt, wie stark man es sich auch wünscht … Magic will in seiner digitalen Form einfach nicht über den Tellerrand blicken und sich zu voller Größe aufrichten. Würde es ebendies tun, wäre es ein Gigant von einem Kartenspiel; bereit, die bekannte Welt zu unterjochen und in seinem stählernen Griff für Jahre gefangen zu halten. Doch stattdessen haben wir einen geifernden Gnom, dessen Goldsack gefüllt werden will.

Magic 2015 – Duels of the Planeswalkers - Out now!Ein weiteres Video

Manchmal ist mehr dann doch weniger

Da brüllen sich die Fans des berühmten Kartenspiels seit Jahren die Stimmbänder aus dem Hals und riskieren, ihre mächtigen Karten im nächsten Duell nur noch mit einem jämmerlich krächzenden Lachen auf den Tisch knallen zu können und was bekommen sie? … Eigentlich ganz genau das, was sie auch verlangt haben.

Doch es ist wie mit einem dieser hinterhältigen Genies aus den alten Märchenbüchern. Egal wie du deinen Wunsch formulierst, du bekommst niemals ganz genau das, was du dir gewünscht hast. Wer sich nicht hundertprozentig genau und glasklar ausdrückt, bekommt einen Besenstiel in den Allerwertesten und kann zwei Wochen später immer noch nur mit einem gequälten Gesichtsausdruck auf den Abort.

Magic 2015 – Duels of the Planeswalkers - Mehr bedeutet immer auch weniger

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Der Story-Modus ist wie immer ... austauschbar.
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Und so „schenkt“ euch die 2015er-Version von Magic zwar endlich die heiß ersehnte Möglichkeit, aus dem vorhandenen Kartenpool ganz eigene Decks zu bauen und 298 Karten wild durcheinander zu mischen … Doch gleichzeitig geht man in vielen Bereichen einen Schritt zurück oder weigert sich, den angestammten Platz auch nur einen Millimeter zu verlassen.

Erinnert ihr euch noch, wie von 2013 zu 2014 der Modus „Planechase“ verschwunden ist? Nun, haltet an dem Gefühl von damals fest, denn alles wiederholt sich. Dieses Mal musste der „Zweiköpfige Riese“ dran glauben und damit geht auch die letzte Möglichkeit flöten, anständige Multiplayer-Schlachten in digitaler Form durchzuführen.

Packshot zu Magic 2015 – Duels of the PlaneswalkersMagic 2015 – Duels of the PlaneswalkersRelease: PC, Xbox 360, Xbox One: 2. Quartal 2014 kaufen: Jetzt kaufen:

Statt das sich Magic endlich auf die Jagd begibt und den Jungs und Mädels bei Blizzard zeigt, wie ein tiefgründiges, taktisches Kartenspiel auszusehen hat, entschied man sich lieber dazu, mehr auf die Möglichkeiten der Tablets zu setzen und Magic stärker auf diese Plattformen auszulegen.

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Die Animationen sind wie immer ... nett.
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Das spiegelt sich gleichzeitig im ganzen Menü wieder, dessen Aufbau und Bedienfläche auf dem Tablet zwar eine gute Figur macht, aber auf der Konsole viel zu fummelig ausfällt. Gleichzeitig haben die Ladezeiten nichts von ihrer nervtötenden Langatmigkeit eingebüßt und ermöglichen euch zwischen zwei Kämpfen immer noch, der Toilette einen Besuch abzustatten, sich ein Sandwich zu schmieren, den Rasen zu mähen, die Kalte Fusion zu entdecken, „Der Dunkle Turm“ von Stephen King komplett durchzulesen und die Wohnungen der halben Nachbarschaft zu putzen.

Als wäre das nicht schon zum Haare raufen, wird eure Kopfhaut und der Zwang, dort totes Gewebe auf gewaltsame Weise zu entfernen, auf eine weitere harte Probe gestellt. Denn der optische Eindruck von Magic beginnt ebenfalls zu schwächeln. Die Oberfläche im Kampf ist sehr schlicht und nichtssagend, es gibt nur einen (recht uninteressanten) Kartentisch und die Effekte haben nicht wirklich zugelegt.

Es wird Zeit, endlich mit ebendieser zu gehen und Hearthstone in den A**** zu treten.Fazit lesen

Dafür hat die KI zumindest um einiges aufgerüstet und die Denkpausen zwischen den Aktionen sind deutlich kürzer geworden. Auf jeden Fall sind die KI-Gegner sehr viel knackiger als noch im letzten Jahr. Das müssen sie auch. Denn ihr spielt in der 2015er-Version sehr viel schneller Kartenpacks frei, als noch in den letzten Jahren. Nach jeder gewonnen Schlacht (Auch nach den optionalen „Erkundigungen“) bekommt ihr neue Karten.

Das ist wirklich cool und nett. Danke. Aber... Hey. Hey! Magic! Was willst du mit der Axt? Nein! Oh, Gott. Nicht ins Gesi... Aaaarrrrgh“.

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Der Kartendeck-Editor ist überhaupt nicht wie immer. Großes Lob.
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Tjaha. So schaut´s leider aus, wenn ihr denkt, jetzt wird alles besser. Nach einem (optionalen) Tutorial bekommt ihr euer erstes eigenes Deck. Zweifarbig. Herrlich für Kenner des Spiels. Ein Graus für alle Neulinge. Die Starterdecks sind eh schon nicht der Hit, für Anfänger kaum zu verstehen und im Kampf gegen die feindlichen KI-Gegner unnütz wie trockenes Brot in der Wüste.

Ihr habt also gar keine andere Wahl, als euer Deck beständig zu erweitern und selbst zu verändern (erneut: Für Profis kein Problem. Für Anfänger: Matschekartenkuchen). Das geht, dank dem übersichtlichen Kartendeck-Modus, zwar recht einfach, täuscht aber kaum über die Tatsache hinweg, dass man es euch absichtlich besonders schwer machen mag. Aber ein hoher (und recht unfairer) Schwierigkeitsgrad gleicht keine mangelnden Möglichkeiten aus...

Ganz nebenbei: natürlich könnt ihr auch auf „Leicht“ spielen. Trotzdem werden die Duelle dann immer noch zu sehr vom Ziehglück bestimmt. Und da die Gegner meist recht ausgefallene und starke Decks besitzen, braucht ihr schon eine Menge Glück. Das manchmal auch durch mehrfaches „neu starten“ beschleunigt werden muss.

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In dieser Edition gibt es wirklich richtig mächtige Karten.
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Großes Trostpflaster: alle Starterdecks lassen sich nach und nach freischalten und auf beliebige Art und Weise verändern. Schöne Sache. Aber auch mit einer Träne im Gesicht verbunden, die nutzlos die Wange hinunterläuft und ungeschätzt auf den Boden tropft. Denn Magic 2015 könnte so viel mehr sein, als es ist.

Ein paar mehr Modi vielleicht? Mehr Karten? … Die Mischung aus neuer Edition und wenigen altbekannten Karten ist ja ganz nett... Aber wirklich vom Hocker haut es keinen mehr. Vor allem, da ihr jedes Jahr mit einem gänzlich neuen Deck anfangen müsst und es dann eine halbe Ewigkeit dauert, alles freizuschalten. Außer natürlich, ihr kauft euch die Karten im Laden... 17,99 Euro für das ganze Paket, 4,49 Euro für alle Karten einer Welt und 1,79 für ein einzelnes Booster-Paket. Na, ja. Wer´s hat, der hat´s.

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Welt um Welt brechen wir zum Endgegner vor.
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Klar, Magic macht noch immer Spaß. Es ist ein strategisch hoch anspruchsvolles und abwechslungsreiches Spiel, mit massig Möglichkeiten und einem ausgezeichneten Balancing. Doch kleine/große Fehler (Nervige Programmierfehler zum Bleistift, wie das mein Spontanzauber +4 +4 als erstes die gegnerische Karte anwählt, statt meine Kreatur und ich Depp im Eifer des Gefechts auch noch bestätige), machen einem den ganzen Spaß kaputt.

Man schielt voller Verlegenheit zu Hearthstone und denkt sich: „Würdet ihr es doch wie Blizzard machen... Ein wenig den Schwierigkeitsgrad erhöhen, um an neue Karten zu gelangen. Faire Preise im Shop. Coole Animationen und Duelltische...“. Meine Güte. Die Karten und neuen Möglichkeiten für Add-Ons würden ihnen niemals ausgehen, denn das Spiel kann auf viele, viiiiiiiele Jahre Erfahrung zurückgreifen.

Magic 2015 hat noch weitere Schwächen. Und ganz klar: auch weitere Stärken. Doch unterm Strich kann man sagen, dass die Spielreihe für jeden Schritt, die sie nach vorn tut, ein bis zwei wieder zurückgeht. Kaum bekommen wir die Möglichkeit, eigene Decks zu bauen und zu verwalten wie wir lustig sind, da fallen andere Modi weg und die Entwicklung des Spiels erlebt einen Stillstand. Das ist schade, kann Magic doch eigentlich so viel mehr.