Die Vorstellung von zukünftigen kriegerischen Auseinandersetzungen gleicht sich mittlerweile in vielen Videospielen: Statt großer Armeen Wehrpflichtiger fechten Privattruppen voller professioneller Söldner die Konflikte aus. Vielleicht ist diese Denke auch nicht verwunderlich, denn in der Realität wurden wir längst von dieser Entwicklung eingeholt und private "Sicherheitsunternehmen" erledigen für die Staaten die Drecksarbeit.

So auch in MAG (Massive Action Game), das nun exklusiv für die PS3 veröffentlicht wurde, und bis zu 256 Spielern gleichzeitig erlaubt, in den Krieg zu ziehen. Wir haben uns für euch unter die angeheuerte Soldatenmeute gemischt.

MAG - Kommandieren und kontrollieren2 weitere Videos

Die aus wirtschaftlichen Beweggründen handelnden Privatarmeen werden in MAG als PMCs bezeichnet, Private Military Corporations. Es geht ihnen in dem als "Schattenkrieg" bezeichneten Konflikt rein um den Profit, um das Ergattern lukrativer Regierungsaufträge und dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Ihr müsst euch von der ersten Sekunde an für eine der drei Marktführer entscheiden: S.V.E.R., Raven oder Valor.

MAG - Masse statt Klasse? Der 256-Spieler-Shooter im Test

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Nur gemeinsam sind wir stark! Gutes Teamwork zahlt sich aus und wird belohnt.
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Eure Wahl wird euch für lange Zeit an eine dieser Fraktionen binden, denn bis zum Erreichen des Levelmaximums (60) werdet ihr nur noch für diese Seite in den Krieg ziehen. Die Beschränkung auf einen Charakterslot stellt euch vor die Wahl: Wollt ihr mit dem einen oder anderen Kumpel gemeinsam aktiv werden, solltet ihr euch vorher absprechen. Einen Weg zurück gibt es nicht. Es sei denn, ihr löscht eure Spielfigur und verzichtet damit auf alle bis dahin erworbenen Erfahrungspunkte.

Zäher Spieleinstieg

Wie in vielen aktuellen Onlineshootern á la Modern Warfare erhaltet ihr nämlich auch in MAG für erfolgreiche Aktionen, also Abschüsse, eine Punktegutschrift. Vom einfachen Rekruten arbeitet ihr euch auf diese Weise langsam aber sicher die einzelnen Ränge hinauf, bis ihr ab Level 15 auch selbst einzelne Squads befehligen dürft. Doch bis dahin ist es ein steiniger Weg, der Einstieg in diesen Actiontitel ist zäh und ihr werdet eine Menge Geduld benötigen.

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Zwar hat Entwickler Zipper Interactive (SOCOM) ein Trainingstutorial eingebaut, doch der Parcours führt euch nur in die grundlegendsten Handlungsstrukturen ein: Ballern, Kriechen, Sprengen. Doch MAG verfügt über eine Spieltiefe, die deutlich ausführlicherer Erläuterungen bedarf und dem dieser Schnelldurchlauf leider nicht gerecht wird.

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Das Erstürmen feindlicher Stellungen ist häufig alles andere als ein Spaziergang.
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So steht ihr anfänglich recht verloren auf dem Trainingsschlachtfeld und werft euch mit 31 Kumpanen den 32 Feinden einer der beiden anderen Fraktionen entgegen. "Eure Kugeln sind nicht tödlich", heißt es in der Ansprache des Drillseargents, doch bereits nach wenigen Momenten reißt mich der erste Kopfschuss von den Beinen. Und schon geht’s ab zurück zum Spawnpunkt, den ihr euch meist unter zwei oder drei Alternativen aussuchen könnt - teilweise dürft ihr sogar per Fallschirm wieder zurück an die Front gleiten.

Der Beginn fällt auch deshalb so schwer, weil das Trainingsgelände allen Rängen freisteht. Selbst hochrangige Soldaten dürfen sich hier austoben und sind aufgrund ihrer deutlich besseren Ausrüstung und Fertigkeiten meilenweit im Vorteil. Trotzdem solltet ihr anfangs darauf verzichten, eure hart erworbenen Fertigkeitspunkte vorschnell für ein Upgrade zu verprassen. Ein Zurücksetzen der Skills ist erst im späteren Spielverlauf möglich.

Nix für Rambos

Ohnehin will der Ausbau eurer Spielfigur wohlüberlegt sein. Die Punkte reichen nicht aus, um sich einen Super-duper-Rambo fürs Schlachtfeld zu basteln, der in vielen Bereichen überdurchschnittliche Fähigkeiten besitzt. Spezialisierung heißt das Zauberwort. Das für alle Fraktionen vergleichbare Waffenarsenal ist zwar recht übersichtlich, bietet aber genügend Alternativen für alle Geschmäcker und im Einsatz ein durchaus zufriedenstellendes Trefferfeedback.

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Auf einigen Maps könnt ihr sogar per Fallschirm respawnen.
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Wollt ihr lieber als Scharfschütze aktiv werden, oder doch lieber direkt an der ersten Frontlinie mit dem Sturmgewehr aufräumen, setzt ihr auf technische Mätzchen, eine schnellere Ladezeit für eure Schießprügel oder doch lieber Minen und Giftgranaten? Oder wollt ihr am Ende flexibel bleiben? Meist müsst ihr eine nicht unerhebliche Punktzahl investieren, um an die wirklich interessanten Goodies zu kommen und legt euch damit bereits auf eine der fünf Klassenlinien fest.

Wer trotz des zähen Einstiegs am Abzug bleibt, wird mit motivierenden taktischen Onlineschlachten belohnt.Fazit lesen

Erst nach etwa sechs bis sieben Stunden werdet ihr Level 10 übersprungen und damit den härtesten Teil eurer Grundausbildung hinter euch gebracht haben. Ab Level acht erhaltet ihr zwar bereits Zugriff auf alle Spielmodi, doch bis ihr euch mit allen taktischen und spielerischen Details der Karten und Aufträge angefreundet habt, dauert es noch eine geraume Zeit länger.

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Einzelgänger haben gegen die Übermacht keine Chance.
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Die Schlachtfelder sind sehr groß und unübersichtlich, überzeugen jedoch insgesamt mit einem wohl strukturierten Aufbau. Da ihr in kleinen Squads agiert, bemerkt ihr auch zunächst die große Anzahl weiterer Mitspieler nicht so recht. Sobald jedoch beispielsweise im Modus "Sabotage" nach der Sicherung zweier Satellitenverbindungen der letzte "Programmpunkt", also das Erstürmen bzw. Verteidigen des zentralen Bunkers beginnt, bekommt ihr erstmals ein Gefühl für das Ausmaß des Konflikts: Alle verfügbaren Einsatzkräfte auf beiden Seiten stürmen nun zu diesem Punkt und beharken sich mit allem, was sie haben. Und hier stehen sich sogar erst 64 Spieler auf jeder Seite gegenüber. Im Modus „Herrschaft“ streiten dann doppelt so viele Kämpfer um den Sieg.

Kommandostruktur statt Run & Gun

Diese Art von Gefechten eskaliert natürlich schnell in anarchistischem Chaos, wenn niemand die Kontrolle und die Befehlsgewalt ausübt. Daher werden kleine Einheiten von Truppanführern befehligt, leitende Kommandeure steuern jedoch den gesamten Feldzug und sind für übergeordnete Taktiken verantwortlich. In dieser Funktion habt ihr nicht nur Übersicht über das gesamte Schlachtfeld, ihr koordiniert eure Einsatztruppen, legt ihre Ziele und Aufgaben fest, schickt Aufklärungsdrohnen los oder ordnet gar Luftschläge gegen feindliche Stellungen an.

Damit kein Chaos entsteht, ist sagt der Anführer, wo's langgeht.Damit diese eminent wichtigen Unterstützungsmaßnahmen beim Erstürmen feindlicher Befestigungsanlagen effektiv sind, müssen die kleinen Einheiten jedoch ihre Aufgaben erledigen und etwa Flugabwehrgeschütze und Bunkerstellungen außer Gefecht setzen. So tobt ein unablässiger Kampf um diese bedeutenden Infrastrukturen des Schlachtfelds.

Nur wirklich zusammenspielende Teams haben hier letztendlich Erfolgsaussichten. Außerdem erhaltet ihr als weiteren Bonus für Teamplay mehr Erfahrungspunkte oder Lebensenergie, wenn ihr euch in der Nähe eures Squadleaders aufhaltet.

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Nur wer koordiniert vorgeht, hat eine Chance.
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Allerdings fällt es schwer ein eingespieltes Team zu bilden, weil man nach jeder Partie zurück in die Lobby befördert wird und die Mitspieler anschließend wild zusammengewürfelt werden. Habe ich in der ersten Partie noch mit lauter Amis zusammen gespielt, verschlägt es mich anschließend in eine Meute Japaner, deren Anweisungen ich nicht verstehe. Details wie diese sorgen immer wieder für aufkommenden Frust, denn nicht alles wirkt völlig durchdacht.

Während die Framerate trotz der vielen Spieler und einer durchschnittlich guten Optik meist stabil bleibt und Lags nur selten das Geschehen verzögern, nervt MAG bei anderen Dingen. Blöd beispielsweise, dass keine Killcam Aufschluss über den Standort des Gegners gibt, die schwankende und oft zu lange Respawnzeit für Frust sorgt, die Hintergrundgeschichte nur sehr oberflächlich angekratzt wird und das Interface insgesamt unübersichtlich und nicht wirklich gelungen ist.

Technische Zipperlein

Schlimmer sind jedoch noch existierende Grafikglitches und Clippingfehler, die von Cheatern ausgenutzt werden. Auf Einigen der insgesamt zehn Maps lassen sich diese Spieler durch Objekte fallen und können von dort aus seelenruhig ihre Konkurrenten ausschalten, ohne selbst feindliche Kugeln fürchten zu müssen. Außerdem hängen Spielfiguren in Zäunen fest, schieben sich plötzlich liegend quer über das Schlachtfeld oder Feinde können einfach nicht getroffen werden, obwohl man eigentlich freies Schussfeld hat und selbst einem Bleihagel ausgesetzt ist.

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Noch läuft nicht alles wie geschmiert in MAG.
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Will ich mich dagegen bei gegnerischem Beschuss schnell zu Boden werfen, funktioniert das nicht zuverlässig, weil es das Terrain aus unbekannten Gründen nicht zulässt und somit wertvolle Sekundenbruchteile mit Herumgefummel vergehen.

Mehrmals pro Abend kam es zudem zu Netzwerkfehlern, was besonders ärgerlich ist, wenn das Punktekonto in einem Match prall gefüllt ist und durch den Disconnect kurz vor dem Sieg alles futsch ist. Störend ist darüber hinaus, dass sich einzelne Spieler nicht "muten" lassen. Da raschelt, bellt, hustet, brüllt oder pfeift es in den Ohren, ohne dass man etwas dagegen tun könnte. Von den ganzen fremdschämigen, keifenden Kids mal ganz abgesehen. Dafür ist das Onlinezocken via PSN immerhin kostenlos.