Knarren, Prügel und Zementfüße – spätestens seit „Goodfellas“, „Der Pate“ und Co. ist klar: In dieser „Familia“ ist mit der Verwandtschaft nicht immer gut Pasta essen. Trotzdem wagten wir uns zu 2K Games nach München, wo wir einen Blick auf das im Herbst erscheinende „Mafia 2“ warfen.

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Einwanderer Vito hat es nicht leicht. Frisch in der Vereinigten Staaten von Amerika angekommen, hat er kaum Geld, keine Beziehungen und nicht so recht eine Ahnung wie er sich nun im harten Alltag auf dem Weg zum amerikanischen Traum durchschlagen soll. Erschwerend kommt hinzu: Das Berufsbild „Videospielredakteur“, das sich gerade für derart gescheiterte Existenzen eignet, ist in den 40er- und 50er-Jahren, in denen das von 2K Czech entwickelte „Mafia 2“ spielt, noch nicht erfunden.

Mafia 2 - Der geniale GTA-Klon wird fortgesetzt

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Stilecht kurvt man in „Mafia 2“ in den Autos der 40er und 50er durch die Metropole Empire City.
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Glücklicherweise hat die an New York angelehnte Metropole, in der das Gangster-Epos angesiedelt ist, gleich mehrere dort ansässige Familien zu bieten, die allesamt mit Hilfe ihrer zwielichtigen Geschäfte weite Teile der Stadt kontrollieren. Kurz beim zuständigen Arbeitsamt die notwendigen Qualifikationen – sicherer Umgang mit dem Schießeisen, rabaukenhaftes Autofahren sowie eine einschüchternde Visage – eingereicht und schon kann es für Vito losgehen.

Die in München gezeigte Mission beginnt inmitten der Millionenstadt Empire City, die mit etwa 16 Quadratkilometern doppelt so groß wie der Schauplatz Lost Haven aus dem ersten „Mafia“-Teil sein wird. Hauptfigur Vito beginnt seinen Arbeitstag zu Fuß in der Innenstadt. Sein Auftrag: die Beseitigung eines feindlichen Mafia-Bosses. Da dieser jedoch momentan in einem der oberen Stockwerke eines Nobelhotels weilt, gestaltet sich dieser Auftrag schwieriger als zunächst gedacht. Also spaziert Vito zunächst ein paar hundert Meter die Straße entlang, um dort Hilfe bei zwei Ganoven-Freunden zu suchen.

Klatsch und Tratsch

Beim Marsch durch Empire City fällt sogleich eine der Stärken des Thrillers auf: die enorme Weitsicht. Noch in Hunderten von Metern Entfernung lassen sich Bauwerke beeindruckend hoch aufgelöst erkennen, von der in solchen Fällen sonst zumeist eingesetzten Tiefenunschärfe ist nichts zu sehen. Doch auch in Vitos unmittelbarer Umgebung weiß der Titel mit viel Lebendigkeit und Liebe zum Detail zu überzeugen.

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Handarbeit: Um die Bombe unter dem Konferenztisch zu zünden, müssen wir über den Fensteraufzug ein Zündkabel verlegen.
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Zeitungsverkäufer, Rentner auf Bänken, Passanten – alles wirkt sehr authentisch, so dass sich ein rundes Bild der 40er und 50er Jahre ergibt. Verstärkt werden soll dies im fertigen Spiel durch authentische Berichte der damaligen Zeit, etwa via Radio und Fernsehen im Spiel sowie durch einen Soundtrack-Mix entsprechend der Epoche, der sich darüber hinaus laufend an die Stimmung der jeweiligen Spielsituation anpassen soll. So werden beispielsweise zur Sommerzeit andere Titel aus den Lautsprechern dudeln als zur Winterzeit.

Paten, Pasta und Patronen: Mafia 2 dürfte die beste Alternative zu GTA 4 werden.Ausblick lesen

Zudem soll die Spielwelt auf die Taten des Spielers reagieren, zum Beispiel in dem sich NPCs über just geschehene Mafia-Schießereien unterhalten, an denen man selbst beteiligt war. Dies funktionierte schon in „The Elder Scrolls IV: Oblivion“ gut und sorgte dort für viel Atmosphäre.

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Die Schießereien sollen aufgrund der erweiterten Schussphysik deutlich realistischer sein als noch in Teil Eins.
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Etwas weniger konnten die gezeigten Fahrzeugmodelle überzeugen. Zwar waren sie allesamt mit einem detaillierten Schadensmodell versehen, so dass man bereits kleinste Schrammen gut erkennen konnte, doch insgesamt fehlte es den Boliden einfach noch an Detailreichtum. Hübscher waren da schon andere Effekte, wie etwa die realistischen Oberflächen von Kleidungsstücken, die äußert echt wirkenden Bäume sowie zahlreiche Spielereien mit den verschiedensten Formen von Glaswänden.

Doch zurück zu Vitos Einstieg in die „ehrenwerte Gesellschaft“. Bei seinen beiden Begleitern angekommen, geht es sogleich mit dem Auto zum Hotel des Anschlagopfers. Die Fahrt vertreiben sich die drei Ganoven mit dem ein oder anderen Pläuschchen, wie man es auch schon aus dem jederzeit allgegenwärtigen „Grand Theft Auto“ kennt.

Morden ist Handarbeit

Am Zielort angekommen, schleichen sich Vito und sein Gefolge durch die Garage in den Mitarbeiterbereich, um sich dort mit Overalls des Hotelreinigungsteams eine passende Tarnung zu organisieren. Aufgepeppt wird dies alles durch spannende Zwischensequenzen im Stile von Hollywood-Streifen wie „Goodfellas“. Durch diese bekommt man als Spieler bereits am Anfang der Mission das Gefühl, dass nicht alles so laufen wird wie geplant.

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In der Rolle von Einwanderer Vito arbeitet man sich vom einfachen Schläger zum wichtigen Mitglied der „ehrenwerten Gesellschaft“ empor.
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Als Mitglieder der Putztruppe schaffen es Vito und einer seiner zwei Begleiter schließlich problemlos in den Sitzungsraum, in dem das auszuschaltende Mafiaoberhaupt in Kürze an einer Besprechung teilnehmen wird. Kurz einen Sprengkörper unter dem Tisch angebracht – fertig ist die Chose. Falsch gedacht!

Denn man befindet sich immer noch in den Endvierzigern und zu dieser Zeit wurden Sprengsätze noch nicht per Fernbedienung gezündet, sondern stilecht mit dem Zündkabel. Um dieses zu erreichen, müssen sich die beiden Attentäter schließlich auf das Hoteldach begeben, um von dort über die Außenaufzüge vor das Fenster des Anschlagorts zu gelangen.

Dort kommt es schließlich auch zur ersten Verwendung der Schießprügel und damit auch zum Einsatz des neuen Waffensystems. Dieses soll noch um einiges realistischer sein als das des Vorgängers. Definitiv zu beobachten war an dieser Stelle das schon jetzt sehr ordentliche Gegnerverhalten. So bewegten sich die Feinde hier und da selbstständig an andere Orte, ohne dazu durch Spielerbewegungen oder taktisches Vorgehen gezwungen worden zu sein, was für echte Überraschungen sorgt.

Ebenfalls gelungen wirkte das Fahrverhalten der Autos, von dem wir uns während einer kurzen gezeigten Verfolgungsjagd überzeugen konnten. So schlingerten die klassischen Boliden der damaligen Technik entsprechend behäbig um die Kurven, ohne dabei unkontrollierbar zu werden.

Die Story macht’s

Sollte man später während eines Auftrags allerdings doch einmal an den Tücken der Technik oder an den Gegnern scheitern, soll man übrigens jederzeit zu automatischen Speicherpunkten in die laufenden Missionen zurückkehren können. Zudem sollen sich die Mafia-Jobs häufig auf unterschiedliche Art und Weise lösen lassen. Die Ballerei auf dem Hoteldach, so die Entwickler, hätte man beispielsweise durch ein Gespräch mit den dort angetroffenen Gangstern vermeiden können.

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Physik-Effekte: Die Glaswand lässt zunächst das Blickfeld verschwimmen, um dann im Kugelhagel zu Bruch zu gehen.
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Die Geschichte des Titels, auf der deutlich der Fokus von „Mafia 2“ liegen soll, wird hingegen linear sein und von kleineren Ausnahmen einmal abgesehen immer gleich ablaufen. Dennoch ist man bei 2K Czech bemüht, die vielfach am Vorgänger geäußerte Kritik der Glorifizierung des Mafiatums zu entschärfen und dem Spieler ein Gefühl für seine Missetaten zu geben. Überfällt man etwa Geschäfte in Empire City, werden diese zunächst für eine Weile nicht mehr begehbar sein und man selbst wird von der Polizei zur Fahndung ausgeschrieben.

Wann genau sich Fans des mehr oder minder gepflegten Mafia-Thrillers nach Empire City begeben dürfen, ist noch nicht bekannt, allerdings scheint eine Veröffentlichung im Herbst dieses Jahres wahrscheinlich. PC-, Xbox 360- und PS3-Zocker sollen in jedem Fall zeitgleich ihre Karriere in der Welt der Paten, Pasta und Patronen beginnen dürfen.