Madagascar (PC und Gamecube)
von Nedzad Hurabasic

Dass ein halbwegs bekannter Kinofilm heutzutage ohne Videospielumsetzung auskommt ist kaum noch denkbar. Dies gilt erst recht für Animationsfilme wie Madagascar, die eine breite Zielgruppe ansprechen und von Jung und Alt gesehen werden.

Das vorliegende Abenteuerspiel hält sich dabei größtenteils an die Story des Kinofilms und richtet sich - bei der Vorlage kein Wunder - vor allem an ein jugendliches bis kindliches Publikum. Der kurzweilige und wenige Stunden knappe Spielspaß verlangt dem Gamer nicht viel ab

und ist eine der besseren Filmumsetzungen der vergangenen Monate. Warum das so ist, verrät dieser Artikel.

Der Ruf der Wildnis
Madagaskar war bisher, wenn überhaupt, als Urlaubsland bekannt. Das hat sich gründlich geändert, nachdem das digitale Spielfilmabenteuer aus der Traumschmiede DreamWorks uns - oder besser gesagt die vier Helden Marty (Zebra), Alex (Löwe), Gloria (Nilpferd) und Melman (Giraffe) - auf diese Insel am südöstlichen Zipfel Afrikas verschlägt. Marty, das Zebra mit der großen Klappe, langweilt sich im New Yorker Zoo und beschließt anlässlich seines zehnten Geburtstags, animiert durch den Ausbruch der Pinguine, sich ebenfalls in die Wildnis zu verabschieden. Nachdem seine drei Freunde Alex, Gloria und Melman das bemerken, beschließen sie ihn zu retten und türmen kurzerhand ebenfalls.

Dass sie schließlich auf Madagaskar landen ist zwar eher Zufall, da die Pinguine eigentlich in die Antarktis wollen.

Doch bis die vier tierischen Protagonisten merken, dass sie sich tatsächlich in der Wildnis befinden und nicht in einem weiteren großen Zoo, haben sie schon einige wilde Abenteuer bestanden. Glücklicherweise ist die eher simpel gestrickte und lineare Story des Spiels auch verständlich, ohne den Film gesehen zu haben.

Entsprechend hangeln sich die elf Level des Spiels auch an der Geschichte des Films entlang, das Spielgeschehen konzentriert sich aber verständlicherweise auf die eher actionlastigen Elemente.

Aus diesem Grunde ist das Gameplay absolut linear, von der vorgegebenen Rahmenhandlung kann nicht abgewichen werden. So springt, brüllt, kriecht und schlittert man sich durch die verschiedenen Schauplätze (New York City und die Wildnis von Madagaskar) und darf zwischendurch sogar die Kontrolle über die clevere Pinguin-Einheit übernehmen und ein Schiff kapern, das die tierischen Ausreißer schließlich auf die Insel bringt.

Madagascar - Ab in die Wildnis!

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Die jeweiligen Level sind dabei in verschiedene Aufgaben unterteilt, deren Status sich jederzeit bequem über das Spielmenü einsehen lässt. Erfolgreiche Missionen werden abgehakt, außerdem lässt sich ablesen, wie viele der so genannten Affenmünzen sich schon auf dem Konto befinden. Diese können unterwegs eingesammelt werden, teilweise sind sie jedoch auch in Geheimräumen versteckt oder werden zur Belohnung von zerstörten Gegenständen wie Heuhaufen und Statuen sowie aus dem Weg geräumten Widersachern vergeben. Absolut kindergerecht ist auch hier, dass nicht getötet werden muss: Wärter, Tiere oderSchiffsbesatzungen werden lediglich per Huftritt oder auch Betäubungsgewehr außer Gefecht gesetzt und nicht ermordet, was ja auch höchstens eine Option für den Löwen Alex wäre. Für die Münzen lassen sich im "Zoovenir Shop" Extras, wie beispielsweise eine Krone für Alex, den "König von New York", und einige Minispiele einkaufen.

Packshot zu MadagascarMadagascarErschienen für GBA, DS, GameCube, PC, PS2 und XBox kaufen: Jetzt kaufen:

Von New York nach Madagaskar
Alex erhält seine schlagkräftigste Fähigkeit, "Krallen", erst gegen Ende des Spiels und muss sich zuvor mit Springen, Brüllen oder dem Werfen von Mangos behelfen.

Ähnlich geht es aber auch den anderen drei tierischen Helden, deren Kontrolle leicht von der Hand geht und bei allen gleich aufgebaut ist, sodass der Wechsel zwischen den Spielfiguren kaum Gewöhnungsprobleme verursacht. Neue Zusatz-Fähigkeiten müssen im Verlauf des Spiels durch Sammeln von Powerkarten erst freigeschaltet werden. Es muss aber keiner Angst haben, eine der neuen Fähigkeiten

zu verpassen. Das Spiel hebt die Punkte deutlich hervor, an denen die Power-Ups erhältlich sind, da die neuen Fähigkeiten in der Regel als Voraussetzung für eine danach zu meisternde Aufgabe benötigt werden. Insgesamt verfügen die Ausreißer am Ende über je vier unterschiedliche Funktionen, nach denen auch die jeweiligen Aufgaben gegliedert sind.

Passend zu den anstehenden Aufgaben wechselt auch der Einsatz der Tiere, wobei Alex und Marty häufiger ins Gameplay integriert werden als deren Freunde. In der Regel kann man ohnehin nicht viel falsch machen. Das liegt zum einen am straffen Spielablauf, bei dem ein Verlaufen praktisch unmöglich ist. Zum anderen werden die Aufgaben durch kleinere Zwischenanimationen und Hinweise so gut erklärt, dass Missverständnisse ausgeschlossen sind.

Das Spiel verfügt ohnehin nur über einen einzigen Schwierigkeitsgrad und der ist absolut kinderleicht. Erfahrene Gamer werden bei den kleinen Rätseln vor keinerlei

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Schwierigkeiten stehen und das Spiel in wenigen Stunden zu 100 Prozent meistern. Selbst ein weniger begabter Spieler wird aufgrund der fast zu leichten Aufgabenstellung am Ende des Spiels über 30 Leben und mehr verfügen, scheitern dürfte also kaum jemand.

Glücklicherweise sorgen einige arkadeähnliche Minispiele zwischendurch für genügend Abwechslung vom vor allem ab der zweiten Spielhälfte auf die Dauer ein wenig zu Wiederholungen neigenden Gameplay, das meist daraus besteht, kleinere Plattform-Aufgaben oder Hindernis-Parcours zu meistern. So darf in netten, kleinen Spielchen wie "Panzer General" Jagd auf die Highscores gemacht werden. Außerdem lassen sich durch das Meistern der Level die drei Bonus-Minispiele Tiki-Minigolf, Shuffleboard und Lemuren Rave freischalten, die für zusätzlichen Spielspaß sorgen. Vor allem der Lemuren Rave, bei dem Rhythmen per Tastatur oder Pad im Takt zur Musik möglichst korrekt nachempfunden werden müssen, sorgt für Kurzweil. Diese Bonusspiele können im Gegensatz zum Hauptspiel auch mit bzw. gegen einen Freund gespielt werden.

Tierische Fehltritte
Trotz der geringen Spielstufe gibt es aber auch einige Kritikpunkte. So ist die Perspektive bei einigen Jump 'n Run-Einlagen nicht immer optimal und der eine oder andere Sprung gerät entweder zu kurz oder zu weit.

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Insgesamt ist die Steuerung zwar durchaus gelungen, gelegentlich ist die Kontrolle aber ein wenig zu hakelig und damit auch zu unpräzise, sodass einige Passagen wiederholt werden müssen, weil man den Wachen ungewollt in die Arme läuft oder von der Plattform fällt. Darüber hinaus gibt es kleinere Clippigfehler.

Gelegentlich fallen Belohnungen auch von den Plattformen herunter und lassen sich deshalb nicht aufsammeln. Letztendlich ist das alles aber nicht wirklich gravierend und wird durch die geringe Schwierigkeit und eine faire Autospeicher-Funktion mehr als kompensiert. Damit bleibt die Motivation auch für Kinder, die in der Regel noch etwas unerfahren sind, stets erhalten. Grafisch ist das Spiel zwar recht nett und kindergerecht gestaltet, vom Hocker reißt es angesichts heutiger Möglichkeiten aber keinen mehr. An die Filmvorlage reicht es deshalb auch nicht wirklich heran, zu pixelig, ja geradezu kantig und lieblos ist die Darstellung stellenweise geraten und kann nicht immer überzeugen.

Ein bisschen mehr Mühe hätten sich die Entwickler von den Beenox Studios hier schon geben können. Dafür ist die Soundkulisse durchaus überzeugend, die Sprecher sind gut und die locker-flapsigen Sprüche sorgen oftmals für Erheiterung.

Weniger wäre aber manchmal mehr gewesen, bei einigen Sequenzen nervt das sich irgendwann wiederholende Geplapper nach einiger Zeit. Nur kindliche Gemüter dürften nach dem 20. geschrienen "und Toooooooooooooor!" von Marty noch Freude empfinden. Der Soundtrack hält sich dabei meist dezent im Hintergrund und überlässt den animalischen Helden das Terrain.Pro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ kinderleichtes Gameplay + größtenteils gewaltfrei + motivierende Mini-Spiele + sympathische "Hauptdarsteller" + gelungene Vertonung

Contra:
- leicht hakelige Steuerung - nur ein Schwierigkeitsgrad - lieblose GrafikPro&Contra

Wertung im Schnellüberblick:

Pro:
+ kinderleichtes Gameplay + größtenteils gewaltfrei + motivierende Mini-Spiele + sympathische "Hauptdarsteller" + gelungene Vertonung

Contra:
- leicht hakelige Steuerung - nur ein Schwierigkeitsgrad - lieblose Grafik