Avalanches Mad Max ist schon echt schnell und wild, blutig und abgedreht. Es hat diesen gleichen überzeichneten Look wie Fury Road, die gewaltigen Explosionen, die krassen Stunts, die intelligent eingesetzte Wüste als Spielplatz für Wastelander und ihre übertunten Karren. Mutierte VW Beetle mit angespitzten Kuhfängern, an denen noch die Überreste des letzten Roadkills baumeln und Trucks, auf denen halbe Raffinerien Platz nehmen und die Feuer spucken.

Auch wenn wir zu unserem Entsetzen feststellten mussten, das es im Spiel wohl keine Flammenwerfer-Gitarre gibt. Dafür Harpunen, mit denen sich Fahrer aus dem Cockpit ziehen und auf die Straße katapultieren lassen. Böse Zungen behaupten, wir hätten in solchen Momenten gerne mal den Rückwärtsgang eingeschaltet und ein bisschen Matsch verursacht. Oder die Long-Shot durchgeladen, ein Scharfschützengewehr, so groß, dass es Max von der Rückbank abfeuern muss. Er schwingt sich dann aus seinem Fahrzeug, rauf auf den Bock und das Spiel gibt uns dank Zeitlupe viel Zeit, gemütlich auf Reifen zu zoomen. Oder Köpfe zu durchbohren.

Mad Max - The Game - Wie viel Fury Road steckt eigentlich im Mad-Max-Spiel?

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Das Nahkampfsystem erinnert an Arkham Asylum und Mordors Schatten, harte Finisher inklusive. Generell ist Max aber lieber im Auto unterwegs und schraubt dort seine Waffen an.
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Gebohrt wird viel, in Film und Spiel: bringen wir Sensen an den Felgen an, zerschneiden sie die Reifen. Kombinieren wir sie mit einer Bohrmechanik, lässt sich ein leckender Tank schnell in einen Feuersturm verwandeln. Durchbohrt werden auch Fleisch und Knochen, wenn mal wieder einer der durchgeknallten War Boys mit kahlgeschorenem Kopf und weißer Kriegsbemalung vom Heck ihrer Fahrer auf unser Baby springen und glauben, sie könnten uns mit einem Stunt auf dem Dach und einem Speer beeindruckend, der schon im Mittelalter nicht mehr en vogue war.

Solche Aktionen enden in „Mad Max“ meist recht blutig, denn wir haben ja vorgesorgt. Haben eine schöne Sportfederung eingebaut, halten jetzt auf eine Bodenwelle zu und lernen dem Boy das Fliegen. Und naja, wenn das Timing passt, landet das Opfer genau zwischen zwei Kettensägen-Schwertern, die sich auf der Motorhaube drehen und ihn zu Gulasch verarbeiten. Wobei Gulasch ein gutes Stichwort ist, um in die Geschichte einzusteigen, denn eigentlich wollte unser späterer Mechaniker Chumbucket ein nettes Hündchen zum Lunch verspeisen.

Chumbucket und Max: ein Road-Movie

Zu Beginn der Geschichte wird Max sein heißgeliebter Interceptor geklaut, das schwarze Biest mit V8-Motor. Von der Sonne verbrannt ohne Wasser und Nahrung schließt er Freundschaft mit einem Hündchen, das in eine Bärenfalle gerät. Die hat Chumbucket gelegt, ein Typ, der frappierend an Ephialtes erinnert. Jene bemitleidenswerte Kreatur, der vor Leonidas seinen Schild nicht hoch genug recken konnte und infolge dessen die Spartaner an Xerxes verriet.

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Die kräftige Farbgebung, der Look, die Atmosphäre: Erinnern euch die Screenshots auch an id Softwares völlig unterschätztes Rage?
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Chumbucket stammt von den Blackfingers und ist ein kongenialer Mechaniker mit eigener Werkstatt. Max ist zwar kein Menschenfreund und hat eigentlich keine Lust auf Gesellschaft, braucht aber ein neues Auto und sein neuer Kumpel brennt darauf zu zeigen, was er drauf hat. „Max ist nicht der redseligste Mensch der Wastelands, daher nutzen wir Chumbucket vor allem auch narrativ sehr stark, um die Geschichte zu erzählen“, erklärt Game Director Frank Rooke. Chumbucket war übrigens eine Idee von „Mad Max: Fury Road“-Mastermind George Miller und dessen Autorenteam, die sehr eng mit Avalanche in der Pre-Production-Phase zusammengearbeitet haben.

Avalanche hat ein gutes Händchen dafür, seine abgedrehten Charaktere mit Setting und Gameplay zu verheiraten. Bleibt nur die Frage, ob „Mad Max“ diese Qualität auch über längere Zeit halten kann.Ausblick lesen

Als die Protagonisten gerade in der Werkstatt ankommen, erfolgt ein Angriff, alles fliegt in die Luft – die Rache für ein früheres Rendezvous, bei dem Max wohl deren Außenposten in die Luft gejagt hat. Doch das hält einen echten Blackfinger nicht auf – Chumbucket einfach nur zu beobachten ist ein Genuss, weil er das Bauen von Autos als seine Religion sieht und das Motoröl als sein Weihwasser. Er will unbedingt sein Meisterwerk – den Magnum Opus – bauen und da Max keine Wahl hat, wird es Zeit, die Wastelands zu erkunden, ein paar neue Zweck-Freundschaften zu schließen und zum Sturmangriff auf Gastown zu blasen.

Chumbucket: „Staub, Explosionen, Krieg – egal, muss reparieren“

Während „Fury Road“ sich über seine gesamte Laufzeit anfühlt wie ein Film, der eigentlich nur von einer Crew auf Drogen entstanden sein kann, lässt sich „Mad Max“ deutlich mehr Zeit, seine Spielelemente vorzustellen und geht mitunter sogar ein bisschen Richtung Comedy. Es ist schon ziemlich abstrus, wie sich diese Kreatur namens Chumbucket an irgendwelchen Stangen festhält und völlig eingestaubt wird, wenn wir in der verrosteten Anfangskarre durch die Wüste driften. Jede Sekunde ohne die wirklich wuchtigen Explosionen, die wie im Film gerne mal die ganze Leinwand brennen lassen, nutzt der fleißige Klettermann um Schäden zu reparieren.

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Dicke Schläuche, wahnwitziger Blick: Für die Charaktere und Geschichte hat Avalanche eng mit George Millers Team zusammengearbeitet.
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Chum lässt sich übrigens genau wie Max leveln und mit besserem Equipment ausstatten. So ein Schweißgerät wirkt Wunder, wenn man gerade mit 150 Sachen durch die Steppe pfeift und einen Harpuneneinschuss reparieren muss. Interessant ist auch, wie Avalanche seine offene Welt gestaltet, denn ihr bekommt nicht einfach eine Karte auf dem Silbertablett serviert wie in Far Cry 4, sondern müsst die Festungen, Dörfer, Raffinerien und natürlich Gastown selbst erst mal finden.

Dafür müssen wir in Heißluftballons steigen, und in die Lüfte erheben und ganz old-schoolig per Fernglas die Örtlichkeiten erspähen. Erst dann werden sie uns auf der Karte angezeigt, wobei es Chum als seine Aufgabe sieht, auf Konvois und Locations hinzuweisen und generell gerne viel, aber nicht zu viel sabbelt. Er weißt außerdem auf gecrashte Fahrzeuge hin, die sich nach Benzinkanistern, Wasser und Nahrung durchsuchen lässt. Mad Max versteht sich zwar nicht als knallharte Survival-Simulation Marke DayZ, trinken und essen muss Max trotzdem. Im Optimalfall Hundefutter aus der Dose, im Extremfall Aas, auf das die Geier hinweisen.

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Anarchie als DNA: so tickt Avalanche eben

Egal ob Just Cause 3 oder Mad Max, die Avalanche Studios sind große Freunde einer experimentellen offenen Welt. Zwar gibt’s hier deutlich mehr Geschichte, mehr Charaktere und sogar eine Love-Story, aber letztlich trefft ihr ein bisschen wie in Witcher 3 häufig unterbewusst Entscheidungen, die krasse Auswirkungen haben.

Als wir auf den Tweaker-Anführer Jeet treffen und der uns um Medikamente bittet, für die wir einen ziemlichen Umweg in Kauf nehmen müssten, lehnen wir vorerst mal ab. Nur um hinterher festzustellen, das unsere Entscheidung ganz offensichtlich die Hälfte seines Dorfes das Leben gekostet hat. Generell lohnt es sich Gemeinden zu helfen und sie vor Angriffen zu schützen, denn dann bauen sie sich langsam zu Festungen auf.

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Das Spiel hat auch seine ruhigen Momente, in denen es seine schicken Beleuchtungseffekte zeigt und einen Max, der an Nathan Drake erinnert.
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Avalanche scheint ein gutes Gespür dafür zu haben, Charaktere, Gameplay und Szenario miteinander zu verbinden, weil alles im Kontext Sinn ergibt. Jeets Leute wohnen in einem riesigen Schiffswrack und wenn wir Medikamente besorgen, gehen sie ihrer Arbeit nach, sortieren Schrott und trennen die benötigten Materialien ab, wovon wir uns einen bestimmten Prozentsatz schnappen können. Außerdem nutzen sie den Stahl, um ihre eigene Position zu verstärken, so ein Schiff hat ja einen hohen Bug und ist an sich fast schon eine Burg auf dem Meer. Nur, dass es hier am Dead-Barren-Pass kein Wasser mehr gibt.

Spaßig sind auch die Upgrades an sich, weil Chumbucket zwar ein Blackfinger ist, aber auch kein Renningenieur. Jede Stahlplatte sorgt zwar für mehr Schutz, aber auch mehr Gewicht. Bei falscher Verteilung zieht es das Auto nach außen, kippt die Karre im Drift und fluppt die Beschleunigung nicht mehr so wie vorher. Auch ist die Simulation der einzelnen Elemente durchaus auf Realismus getrimmt: Ihr müsst also nicht nur War Boys schreddern, sondern auch auf den richtigen Reifentyp achten, auf eine Achse und Federung, die zum Gewicht passt. Und wer einen fetten Kühlergrill aus reinem Stahl als Rammbock anschraubt, der sollte früher oder später zum dicken V8-Motorblock aus dem Interceptor zurückkehren.