Sehen wir der Tatsache ins Auge. Eines Tages wird die Menschheit vergehen. Sei es durch Evolution, sei es durch den nuklearen Holocaust, sei es durch Gammablitze (Oliver Dombrowski: "Ich will Gammablitze!"), sicher ist nur eins: Wir werden Schrott hinterlassen. Unmengen an Schrott. Und vielleicht, wenn man "Machinarium" Glauben schenken mag, intelligentes Leben künstlichen Ursprungs...

Amanita Design, Entwickler der Flashpiele Samorost 1 und 2, nennt sich die noch relativ unbekannte Spieleschmiede, die unter dem Schutzmantel von Publisher Daedalic Entertainment (Edna bricht aus, The Whispered World) an einem Abenteuer werkelt, welches bereits jetzt zeigt: Atmosphäre schlägt Technik. Punkt.

Machinarium - TrailerEin weiteres Video

In einem Land nach unserer Zeit...

Machinarium beginnt, nachdem alles bereits geendet hat: Schon im Hauptmenü sehen wir eine karge Landschaft in Erdtönen, Vegetation ist, wenn überhaupt vorhanden, spärlich gesät und oft vertrocknet und kahl. Auf den verdorrten Ästen im Bildvordergrund sitzen einige putzig-schrottig aussehende Miniroboter, die sich wie schwerfällige Hummeln mit ihren Propellern erheben, sobald man mit der Maus über sie fährt.

Machinarium - Das neue Daedalic-Spiel: Wall-E in der Whispered World

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Endzeit: Die Welt von Machinarium wurde aus Schrott- und Einzelteilen zusammengesetzt.
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Im Hintergrund werden wir eines hoch aufragenden Bollwerks der Technokratie gewahr, wie es sich dräuend über die Landschaft erhebt und sie zu beherrschen scheint. Ein gewundener schmaler Pfad führt als einziger Weg zu dem aus Schloten rauchenden Ungetüm hin, welches wohl eine Millionenstadt beherbergt.

Doch da erhebt sich ein Seltsames, aus einer Riesenbadewanne und noch unzähligen anderen Teilen zusammengesetzt scheinendes Etwas, welches die Stadt mit stotterndem Motor fliegend verlässt und schließlich auf einer nahen Schrotthalde landet. Es kippt eine geballte Ladung Müll auf diesem Friedhof der Technik aus.

Packshot zu MachinariumMachinariumRelease: PC: 27.10.2009
PlayStation Vita: 2012
kaufen: Jetzt kaufen:

Nach ein zwei Klicks bewegt sich das Metallungetüm und heraus fällt... ein kleiner Roboter. Da ist also unser Protagonist. Doch ohne Arme, Beine und Kopf wird das nichts mit dem großen Abenteuer für den kleinen Blechmann, und so müssen erst einmal die anderen Körperteile sorgsam zusammengesucht werden. So führt uns "Machinarium" behutsam in die ihm eigene Logik ein und sorgt für einen angenehmen Spieleinstieg.

Roborassismus und Sprachlosigkeit

Schon bald können wir erahnen, was unseren kleinen Roboter umtreibt, der sich nur durch metallisch-niedliche Laute verständigt. Irgendjemand warf ihn ungerechterweise aus der eingangs erwähnten Metropole und nun muss er sich seinen Weg dorthin zurück erschleichen. Und vielleicht wartet da ja sogar noch ein größeres Abenteuer auf ihn.

In der Spielwelt werden wir dabei nur durch die Lautmalereien verschiedener anderer Robotercharaktere und durch Sprech-/Denkblasen mit Strichzeichnungen darin auf unsere Aufträge und die dahinterliegende Story hingewiesen. Ein mutiges Vorgehen, welches aber schon bei Pixars Filmmeisterwerk "Wall-E" so gut funktioniert hat, dass man "Machinarium" hier bedenkenlos einen Vertrauensvorschuss gewähren kann.

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Das Design der unterschiedlichen Roboter ist außerordentlich einfallsreich.
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Überhaupt stimuliert die Handlung gerade durch den Verzicht auf das gesprochene Wort unsere Vorstellungskraft. Bereits die Welt an sich scheint viel über ihre Vergangenheit zu erzählen. Alles hier ist aus Schrott und alten Metallteilen gebaut. Ob Kirchturmuhr, seltsame Instrumente, Waffen aus kruden Einzelteilen... überall ist Rost, Verfall aber eben auch das ganz normale Alltagsleben der Robos anzutreffen.

Rostig, ranzig und verramscht. So mag ich meine Spielwelten. Aber das Rätseldesign muss noch vom Moder befreit werden!Ausblick lesen

So erreicht das Spiel trotz auf den ersten Blick etwas altbackener 2D-Grafik etwas, das eigentlich Widerspruch sein müsste: Endzeitstimmung und Heimeligkeit vereint die Spielwelt gekonnt zu einem teils verstörenden, teils einfach putzig und angenehm wirkenden Mix. Kleine Slapstickeinlagen des Helden und anderer friedlich gesonnener Roboter retten das Spiel vor bedrückendem Ernst, skurrile Robotertiere wie Metallkatzen mit metallischem Miauen und flatternde, glubschäugige, mechanische Vögel runden das Gesamtbild zu einem stimmigen Ganzen ab.

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Ein Roboter auf Reisen: Schrittweise rätseln wir uns durch die Maschinenwelt.
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Originell, wie zahlreich die Designs der Roboter daherkommen. Kein einziger gleicht dem anderen, jeder ist ein eigenes Individuum und wirkt wie aus verschiedensten Materialien zusammengestöpselt. Da kommt es schon einmal vor, dass ein Blechkamerad mit einem Ölfass als Torso herumläuft, während ein anderer eine Irokesenfrisur aus langen Schrauben zur Schau trägt.

Besonders gefiel uns in der Vorschaufassung eine Bar, in der ein glühbirnenäugiger Schankwirt die Theke putzt, während ein zusammengesunkener, öltrunkener Roboter an einem Tischlein auf jemanden wartet, der mit ihm eine Partie "5 gewinnt" (dazu noch gleich Weiteres) spielt, während im Nebenraum einige Bösewichte Karten spielen. Unterlegt ist die ganze Szenerie von seltsam metallisch verzerrten Sprachlauten, die dumpf und blechern klingend der Szene einen surrealen Anstrich geben.

Rost im Gameplaygetriebe

Doch die nettesten Roboter und die schönste Verfallsatmosphäre locken niemanden hinter dem Ofen hervor, wenn nicht auch spielerisch etwas geboten wird. Die "Samorost"-Spiele beschränkten sich zuvor auf Einzelbildschirme, auf denen je ein Rätsel gelöst werden musste, bevor man in eine neue Umgebung vorstoßen durfte. Auch in Machinarium gilt es anfangs kleine Rätseleinlagen zu bewältigen, die mit der Zeit immer komplexer werden.

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Anfangs sind die Rätsel noch recht simpel.
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Die Rätselkost selbst beschränkte sich in unserer Fassung bisher leider auf recht konventionelle Knobeleien, die weder besonderen Hirnschmalz noch große Pfiffigkeit verlangten. Auch vor eher nervigen Schiebe- und Coderätseln machte man nicht halt, so dass vieles im Spiel eher zur Pflichtübung geriet. Besonders eine Partie "5 gewinnt" gegen den zuvor erwähnten Trunkenbold in der Bar erwies sich fast als unmöglich. Wer hier nicht ein ausgebuffter Taktiker ist oder, wie wir, mit Glück den intelligenten KI-Gegner schlägt, kommt schlicht nicht voran in seinem Abenteuer. Vielleicht feilen die Entwickler noch an diesem recht harten Ausschlag auf der Schwierigkeitsgradskala und lassen ungeübten Brettspielern die Möglichkeit offen, den Gegner zu sabotieren.

Wer jedoch partout an einer zu harten Kopfnuss nicht weiterkommt, klickt auf eine Art Handheldspielcomputer im Inventar und spielt einen kleinen Seitwärtsshooter im R-Type-Stil. Ein kleiner Schlüssel will hier durch ein Labyrinth voller Spinnen bugsiert werden. Besteht ihr in dieser recht leichten Actioneinlage, dann öffnet sich das Spielgerät wie ein Buch und offenbart euch die Auflösung aller Rätsel in diesem Bereich. Aber Vorsicht ist angesagt: Durch dieses Feature wird das Spiel derart leicht, dass das Knobeln jeglichen Reiz verliert. Hier bauen die Entwickler wohl auf die Selbstdisziplin der Spieler.

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Oil Imperium: Wenn zu viel Fuselöle mal morgen keinen Kater geben...
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Bugs konnten wir bei unserer Vorschaufassung übrigens keine feststellen, anscheinend ist das Spiel schon in einer recht fortgeschrittenen Entwicklungsphase angelangt. Den Programmieranfängen der Entwickler ist aber wohl leider geschuldet, dass die Steuerung des Charakters auf einzelne Punkte in der Umgebung beschränkt ist. Völlig freies Herumlaufen ist wie schon in "Samorost" nicht möglich, ihr müsst stets auf vordefinierten Pfaden wandeln. Störend wirkt sich dies im Grunde selten aus. Aber wer kann so einem putzigen Roboter schon wirklich böse sein?