Was bleibt übrig, wenn in ferner Zukunft die Menschheit eines Tages vergangen und vergessen ist? Unmengen an Schrott, der sich über die gesamte Planetenoberfläche ausbreitet. Und Roboter, mehr zusammengeflickt als gebaut aus eben jenen Überbleibseln der Zivilisation, mechanische Lebendimitate, an denen jedes rostige Gliedmaß baumelndes Ersatzteil in x-ter Generation zu sein scheint.
In ihrem anscheinend natürlichen Bestreben, ihren menschlichen Vorgängern gleichzukommen, errichteten sie neue Städte aus schäbigem Altmetall, verschweißten rostige Rohre zu Kirchtürmen, pflasterten Stahlplatten zu Marktplätzen und setzten sich Blechtonnen mit Glühbirnen auf, um einen Kopf zu haben.
Um Gesellschaft in ihren Blechhütten zu haben, schraubten sie Konservendosen zu Katzenrobotern zusammen und halten sich Staubsauger, die wie Pudel aussehen. Tagsüber gießen sie die Petunien vor dem Balkon, verlieben sich und schmieden Verschwörungen, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Ganz menschlich eben…
Die Welt von Machinarium wirkt wie die kafkaeske Interpretation einer Kinderbuchfassung von Wall-E. Mit Letzterem hat der neue Daedalic-Titel nicht nur das endzeitliche Szenario und seinen unverschämt süßen Robo-Helden gemein, dessen Herz größer ist als sein Verstand, sondern auch den Stummfilmeinschlag, der die Figuren nur über Laute und Stimmungsäußerungen kommunizieren lässt. Ungewöhnlich für ein aktuelles Adventure: Machinarium kommt völlig ohne Dialoge aus. Nur gelegentlich äußern „Questgeber“ ihre Wünsche in pinselgemalten Sprechblasen.
Mit Liebe gemacht: Das Bilderbuch-Design von Machinarium erhielt einen Independent Games Award.Aber auch sonst hält sich Machinarium nur ungern an Konventionen, mit denen das standardisierte Genrediktat üblicherweise die Kreativität der Entwickler im Zaum hält. Aussehen, Stimmung, Rätsel, Technik – alles ist hier ein wenig anders als normal.
Kein Wunder, stehen doch mit Amanita Design gewitzte Köpfe hinter dem Titel, die bereits mit den beiden Kult-Independentspielen der Samorost-Reihe ihre blühenden Ideen abseits der Mainstream-Treibhäuser pflückten. Die Vollversion von Samorost 2, in dem ihr euren von Außerirdischen entführten Hund in einem skurril anmutenden Weltall wieder finden müsst, liegt Machinarium übrigens als Bonus bei. Ebenso eine Soundtrack-CD mit der vielleicht schönsten Musik der Spielegeschichte.
Kingdoms of Amalur: ReckoningXBox 360, PS3, PC: 10.2.2012 Vorschau lesen
The Darkness 2XBox 360, PC, PS3: 10.2.2012 Vorschau lesen
Mass Effect 3XBox 360, PC, PS3: 9.3.2012 Vorschau lesen
1. Man kann tatsächlich darüber streiten, ob das Spiel für 'ne Retail-Version genug Umfang bietet. Die Veröffentlichung direkt von Amanita läuft allerdings nicht über Retail, sondern genauso wie bei Samorost 2 (günstiger Download der kompletten Flash-Version). Die Retail kommt halt von Daedalic und hat nur den (guten) Zweck, das Spiel über den guten Namen einer möglichst breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. So gesehen kann man das kaum kritisieren.
2. Ich finde es etwas unfair, dass ihr die "bewusst andere Art", die ein klares Plus ist, gleichzeitig zum Kritikpunkt macht, weil das Spiel "nicht konsequent genug anders" ist. Immerhin werden hier überhaupt mal neue Wege beschritten.
Ansonsten wie gesagt guter Test zu einem Spiel, dem man die Leidenschaft der Entwickler in jeder Sekunde anmerkt!
Gruß, Moritz.