




Es gibt Spiele, in die verliebt man sich vom ersten Augenblick an. Spiele, die mit Seele statt Dollars gemacht sind und in denen ein Herz pocht an Stellen, wo bei anderen nur ein Megahertz-Prozessor brummt. Ein Blick auf die mit grobem Pinselstrich geschaffene Bilderbuchgrafik reicht, um jeden Spieleredakteur in Jubelschreie ausbrechen zu lassen – deren Lautstärke hoffentlich nicht wie so oft bei Kritikerlieblingen die Käufer vor Schreck erstarren lassen. Auf dem Independent Games Festival 2009 gab es für den ungewöhnlichen Look jedenfalls zu Recht einen Preis für „Excellence in Visual Art“.
Dass Amanita Design bewusst versuchen, auf Dialoge zu verzichten, Stimmung anstelle von Story setzen und neue Wege beim Rätseldesign beschreiten, ist ihnen gar nicht hoch genug anzurechnen und kann ihnen in diesem Sinne auch nicht vorgeworfen werden. Dass sie den eingeschlagenen Pfad allerdings nicht konsequent genug zu Ende gehen, hingegen umso mehr. So sind die Puzzles trotz aller Bemühungen zu großen Teilen eher konservativ geraten und lassen nur hin und wieder die Pfiffigkeit spüren, die man ihnen gerne über die gesamte Spielzeit attestiert hätte.
Apropos Spielzeit: Die ist mit gut fünf Stunden ebenfalls in einem Rahmen ausgefallen, der in Kombination mit den übrigen Kritikpunkten den Eindruck verstärkt, es hier mit einem Light-Adventure zu tun zu haben, das trotz des günstigen Preises von knapp 30 Euro als Flashspiel im Netz womöglich besser aufgehoben wäre als auf Disc gebrannt im Laden.
Machinarium - TrailerDie Hintergründe wirken wie die mit grobem Pinselstrich gefertigte kafkaeske Vision eines Bilderbuchs. Zu Recht gab es hierfür auf dem Independent Games Festival einen Preis.
Machinarium kommt ohne Sprachausgabe aus – eine nette Abwechslung angesichts der bisweilen zu gut gemeinten Geschwätzigkeit anderer Titel wie zuletzt Black Mirror 2. Die Musik mit ihren traumhaft melancholischen Klängen gehört zum Besten, was Computerspiele in den letzten Jahren aufzubieten hatten. Die beiliegende Soundtrack-CD ist schon fast Kaufgrund genug.
Wenig Story, keine Dialoge, pfiffige Logikrätsel und Minigames: Machinarium geht bewusst alternative Wege im Genre, leider bisweilen nicht beherzt genug. Die Spielzeit von ca. fünf Stunden verstärkt den Eindruck, es mit einem Adventure aus der Light-Ecke zu tun zu haben.
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