Grün-gelbes Leuchten, irgendwo vom Spielregal. Wie Geister schälen sie sich aus der Dunkelheit und schweben scheinbar schwerelos im Raum. Zwei Worte, vielleicht drei. Der letzte Fleck könnte auch eine Ziffer sein. Dann geht das Licht an.

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Mit grüner Kappe, Schnauzbart und ängstlichem Blick lugt er hervor. Der Mann im Schatten, das fünfte Rad am Wagen, der ewige Zweite. Selbst jetzt kann er seine Nervosität nicht ganz ablegen. Dabei ist es seine Show, ohne großen Bruder, der sich ins Rampenlicht drängt. Es ist ein großartiger Auftritt und einer, der nur seinen Namen trägt – aufgrund fluoreszierender Buchstaben sogar im Dunkeln: „Luigi's Mansion 2“.

Es ist die Spitze der detailversessenen Verspieltheit, die in dieser Form fast nur in Spielen zu finden ist, die ihren Ursprung im kindlichen Geist eines japanischen Mannes finden. Shigeru Miyamoto hat seinen Ruhestand bereits angekündigt; die Zahl seiner verbleibenden Projekte lässt sich mittlerweile an einer Hand abzählen – dieses ist eines davon. Der Hundeliebhaber mit dem Tick, alltägliche Objekte ständig in seinem Geist zu vermessen, wird eine Lücke hinterlassen, die man nicht füllen, allenfalls provisorisch abdecken kann. Es wird ein bisschen farbloser, weniger verrückt, wenn er sich erst zurückgezogen hat. In seinen Garten vielleicht, wo ihm beim Ameisenbeobachten die Idee zu „Pikmin“ kam.

Luigi's Mansion 2 - Der Schüler beschämt den Lehrer

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Nach über zehn Jahren geht Luigi wieder auf Geisterjagd. Begeistert ist er davon nicht gerade.
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Es wird das Ende einer Ära. Einer Ära ohne Spiele wie „Luigi's Mansion 2“. Allein bei dem Gedanken daran schlottern mir die Knie – selbst ohne eine Villa voller Geister.

Nicht die Strahlen kreuzen!

In einer solchen nimmt die Geisterjagd von Marios kleinem Bruder ihren abrupten Anfang. Nur mit einer kleinen Taschenlampe, dem exorzierenden Staubsauger Schreckweg 08/19 und vagen Kenntnissen über seine bevorstehende Mission steht Luigi plötzlich zitternd im düsteren Vorgarten des Gebäudes, nachdem er eben noch gemütlich im heimischen Fernsehsessel fläzte.

So schnell kann's gehen, wenn ein verdrehter Wissenschaftler mehr Grips als Mumm hat und einen Lakaien für die Drecksarbeit sucht. Professor I. Gidd, selbsternannte Koryphäe auf dem Gebiet des Paranormalen, hat Luigi nach der ersten Zusammenarbeit auf dem GameCube ein weiteres Mal als Helfer mit buchstäblich langem Gesicht auserkoren, ohne die Kooperation von damals vergessen zu haben. Man könnte gar meinen, der kleine Mann mit dem wirren Blick und dem strubbeligen Haar hätte akribisch Buch geführt, rezitiert er doch durchweg vergangene Erlebnisse und bringt seinen Geisterjäger mit selbstironischen Kommentaren in Verlegenheit.

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Die verschiedenen Areale sind abwechslungsreich und voller Geheimnisse. Es lohnt sich, jeden Stein zweimal umzudrehen!
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„Schon erstaunlich, wie viel Kram du in deinen kleinen Taschen verstauen kannst“, plappert er etwa, wenn der Bärtige mal wieder ein Zahnrad von der Größe eines Kleinbusses in seiner Latzhose verschwinden lässt. Unaufmerksamen Spielern könnten Bemerkungen wie diese entgehen, die ein Maß an charmanter Selbstironie erreichen, das allenfalls der Paper-Mario-Reihe zu eigen ist. Im Vorbeigehen werden sie fallengelassen, unaufdringlich, und wirken nicht zuletzt deshalb nie gekünstelt oder gar erzwungen. Sie ergeben sich stets aus dem jeweiligen Kontext heraus – genau wie Luigis meist unfreiwillige Situationskomik.

Die Angst ist des Klempners ständiger Begleiter, die er wie den Schreckweg 09/15 fest verzurrt bei sich trägt. Unter ihrer Last läuft er leicht gebeugt, mit hochgezogenen Schultern und schlotternden Knien. Mal steht sie ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben, das zu einer verängstigten Grimasse verzogen ist, mal versucht der Held wider Willen, sie durch halblautes Pfeifen der Spielmelodie zu überspielen. Es sind die Aberdutzenden Kleinigkeiten in seinem Verhalten, die Luigi charmanter und sympathischer machen, als es Mario je war.

Schnauzbärtiger Alleskönner

Wer blinzelt, verpasst etwas. Die kanadischen Entwickler von Next Level Games haben ihren Mut zur Verschwendung in vollen Zügen ausgelebt und nicht auf den Protagonisten beschränkt, der sich durch eine Welt bewegt, die genauso facetten- und detailreich ist wie er selbst. Vor allem aber interagiert Luigi mit seiner Umgebung, die voller guter und schlechter Überraschungen steckt.

Mit Charme, Witz und genialem Spieldesign sticht Luigi nicht nur Geister, sondern vor allem seinen Bruder aus. Das beste Klempnerspiel seit Jahren!Fazit lesen

Mit seiner saugenden Allzweckwaffe zieht er Handtücher von ihren Haken, bringt Kerzen zum Erlöschen oder saugt glühende Kohlen an, mit denen er Eisblöcke zum Schmelzen bringt. Jede Aktion löst eine Reaktion aus, meist mit Münzen und Geldscheinen vergütet, die plötzlich herabregnen, sich im Sog des Schreckwegs verfangen und kurz hin und her wirbeln, bevor sie schließlich mit einem ploppenden Geräusch in dessen Tank landen.

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Ab und zu trefft ihr auf einen Toad, der immer noch verängstigter ist als Luigi selbst. Bei den Rätseln muss er trotzdem mit anpacken.
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„Luigi's Mansion 2“ appelliert an den kindlichen Entdeckertrieb in uns, an das Ausprobieren und Versuchen, das Drücken und Ziehen, das Quetschen, Pusten, Heben, Tragen, Fliegen. Gelegenheit dazu gibt es in jedem Raum: in den Räumen einer morschen Geistervilla, den verlassenen Hallen einer Uhrenfabrik oder in grünen Gärten, deren Gewächse im Mondschein unheimlich funkeln. Objekte sind keine Staffage, keine billige Augenwischerei, die aufgrund ihrer Starrheit schnell als solche zu erkennen ist und die Illusionsblase einer glaubhaften Umgebung damit gleich wieder platzen lässt. Was Luigi während seines Abenteuer sieht, kann er auch berühren, ansaugen, wischen, treten … Ihr kennt das Spiel.

Habt ihr dieses Prinzip des Ausprobierens erst verinnerlicht, trägt es euch, grob über den Daumen gepeilt, über die folgenden 15 Stunden hinweg und findet in den heimlichen Stars der Geisterjagd seinen Höhepunkt.

Schaurig-schöne Rätsel

Nun müsste ich wohl eigentlich von den Gespenstern erzählen. Von den kleinen grünen, die ihre sterblichen Hüllen hinter sich gelassen haben, um den Lebenden ulkige Streiche zu spielen – häufig sehr zu Luigis Leidwesen. Von den roten dicken, mit denen nicht zu spaßen ist. Vom Geisterhund, dem ihr mehr als einmal hinterherjagen werdet. Von der Handvoll Bossgespenster, denen ihr (vom ersten Mal abgesehen) in vergleichsweise schwachen Kämpfen den Garaus macht.

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Ist er nicht knuffig? Ziemlich tot, aber knuffig.
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Und tatsächlich sind sie lustige Gesellen, die reihenweise in den Schreckweg 09/15 purzeln. Nur selten ohne größeren Widerstand oder Tricks, die zum Umdenken und Strategiewechseln animieren; Draufleuchten und Einsaugen führt nur bedingt zum Erfolg. Ein paar mehr Geister hätten es sein können, vielleicht mit anderen Angriffsschemen. Passt aber auch so – ziemlich gut sogar.

Gut, aber nicht außergewöhnlich. „Luigi's Mansion 2“ zählt nicht wegen der bunten Bettlaken, des sympathisch-ängstlichen Protagonisten oder der verspielten Umwelt zum Besten, was bislang seinen Weg zwischen zwei kleine weiße Plastikdeckel gefunden hat. Mit ihrer Strahlkraft sind es die kreativen, logischen Rätsel, die jedes andere Element noch einmal in den Schatten stellen. Was Luigi mit Staubsauger, Taschen- und geheimnisvoller Düsterlampe anstellt, könnte sich auch ein Guybrush Threepwood kaum einfallsreicher ausdenken.

Kleine, geniale Momente, wieder und wieder. Es ist die Paradedisziplin eines Spiels, das sich kaum Fehler leistet. Wer unbedingt will, kann über den geringen Wert des Geldes motzen, mit dem sich in festgelegter Reihenfolge nur wenige Verbesserungen des Schreckwegs und der Düsterlampe kaufen lassen. Auch wird etwas mehr Backtracking eingesetzt, als unbedingt nötig gewesen wäre und natürlich gibt es ganz selten ein paar nervige Momente (diese verdammte endlose Treppe!). Das kann nerven, den einen mehr, den anderen weniger. Spaß dürfte hingegen jeder mit „Luigi's Mansion 2“ haben - die einen viel, die anderen noch mehr.