Zurück auf dem lebensfeindlichen Planeten E.D.N. III. Nicht erneut, nein. Erstmalig. Lost Planet 3 spielt zeitlich vor den ersten beiden Teilen. Dies ist der erste Kontakt im erzählerischen Sinn. Ihr spielt Jim Peyton, der hier angeheuert hat, weil er vom großen Geld träumt – das ihm eigentlich nur durch eine Kombination durch Entfernungs- und Risikozulage so vielversprechend hoch angepriesen werden konnte.

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Anders ist die Zusage seinerseits kaum zu erklären. Sein Auftrag: den Planeten für die Menschheit bewohnbar machen, indem er in seinen Unity Rig steigt, einen mit Bohrkopf und Greifarm bestückten Mech, und sich durch die eisigen Wände dieser unwirklichen Welt bohrt.

Ihr werdet behutsam an das Spiel herangeführt. Die Stimmung unter den Arbeitern ist gut, man rauft sich zusammen und gibt einander die kameradschaftliche Wärme, die ein Vielfaches über den Temperaturen des Planeten liegt. Und schon kommt der jungsche Technikfreak des Trupps auf euch zugestürmt und präsentiert stolz seine neue Erfindung: eine Art automatischen Flaschenzug, der euch schneller in das Cockpit des Rigs hievt. Nun ja, wer's braucht. Ein wenig tätscheln, wertschätzen und der Kleine ist besänftigt. Auf geht’s in den ersten Einsatz, die Tore öffnen sich und schon winkt einem der peitschende Schneesturm entgegen. Ich taste mich vor in dieser Wüste.

Lost Planet 3 - Alter Planet in neuem Gewand

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Der aufmunternde Anruf aus der Heimat.
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Der Rig fühlt sich schwer an. Eher behäbig. Aber mindestens genauso wuchtig, mächtig und beschützend. Die Musik im Rig ist in diesem Szenario genauso unwirklich wie der Planet, aber er schafft ein heimeliges Gefühl, irgendwie schon beruhigend. Ein Videoanruf meiner Frau. Sie erkundigt sich, wie es mir geht.

Was für ein Kontrast: Ich in meinem unterkühlten Rig auf E.D.N. III, meine Frau im beheizten Esszimmer. Sie sieht besorgt aus. Muss dann auflegen, das Baby schreit. Kurzer emotionaler Ausflug in die Heimat und mit Ausblendung des Videoscreens wieder zurück in der irrealen Realität. Also stapfe ich weiter mit meinem Unity Rig. Die Technik kann bei solchen Temperaturen mal aussetzen, was natürlich auch nach den ersten 100 Metern eintritt. Also raus aus dem Rig und ihn enteisen.

Packshot zu Lost Planet 3Lost Planet 3Erschienen für PS3, Xbox 360 und PC kaufen: Jetzt kaufen:

Was war das? Ich könnte schwören, inmitten der Schneewehen leuchtende Augen gesehen zu haben, die mich fokussieren. Ein Paar, vor mir, ein weiteres links und rechts von mir. Wer - oder besser noch: was - kreist mich hier ein? Bevor ich mir weitere Gedanken darüber machen kann, werde ich auch schon angegriffen. Es sind die Akriden, die insektoiden Bewohner von E.D.N. III. Ich zücke mein Sturmgewehr und gebe alles, was das erste Magazin fassen kann. Netterweise sind die Schwachstellen der Akriden wieder in leuchtendem Orange hervorgehoben.

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Wenn gar nichts mehr geht, wird eben filettiert.
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Mit diesen drei Bestien allein ist schon nicht zu spaßen. Gut getimte Ausweichrollen sind überlebenswichtig; kommen sie euch zu nah, könnt ihr sie mit einer Mischung aus Buttonmashing und Fadenkreuz-Gehacke um die Ecke bringen oder zumindest schwer genug verwunden, um euch Abstand zu verschaffen. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht ohne, simples Ballern ohne Augenmerk auf eure Deckung oder Ausweichmanöver kann schnell tödlich enden. Habt ihr euch der Akriden entledigt, hinterlassen sie die aus den Vorgängern bekannte Thermalenergie.

Dead(ly) Ice

Die Thermalenergie peppt nicht mehr eure Gesundheit auf, sondern lässt sich in eurer Basis als Währung nutzen. Viecher erledigt, schnell den Rig enteisen, bevor die nächsten Akriden auf der Matte stehen. Jetzt weiß ich den Flaschenzug erst wirklich zu schätzen. Hätte mich vorhin wohl doch etwas ehrlicher freuen sollen.

Nervenzerreißende Kämpfe, dichte Atmosphäre, Emotionen. "Lost Planet 3" bringt alles mit, um der bisher vielleicht sogar beste Teil der Serie zu werden.Ausblick lesen

Kaum sitze ich wieder in meinem heimeligen Wohnzimmer, stürmen die nächsten Akriden auf mich zu. Aber nun heißt es nicht ihr gegen mich, sondern ihr gegen meinen Rig. Also schnappe ich mir einen nach dem anderen mit dem Greifarm und verpasse ihnen mit dem anderen Arm einen Kopfkrauler. Ups, kaputt gemacht, den Akriden. Hell yeah, hier ist euer Albtraum, euer „Rig Daddy“.

Die sind erledigt, aber was zur Hölle ist das? Eine überdimensionale Krabbe? Das ist dann wohl der Papa aufseiten der Akriden. Ich kann das Viech entweder in Zusammenarbeit mit meinem Rig erledigen, indem ich seine Klauen greife und ihn so festhalte, während ich ihm fleißig Blei in den orangefarbenen Hintern blase, es zur Not aber auch ohne Rig erledigen, falls der frühzeitig den Geist aufgibt. Nur dass dieser Kampf dann umso intensiver und nervenaufreibender ist. Ich muss mich auf die Taktik des Monsters einstellen, sodass am Ende ein synchrones Tänzchen entsteht, nur dass es eben auf Leben und Tod hinausläuft. Und ich stehe als Letzter.

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Du bist aber eine große Mietzekatze!
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Aber nicht nur die weite Schneelandschaft wartet hier auf euch. Auch verlassene Labore gilt es zu erkunden. Schon eigenartig, längst verschollene, verwinkelte Laboratorien vorzufinden, wenn unsere Einheit doch angeblich die erste hier auf dem Planeten ist. Also vorsichtig in die Gänge vortasten. Was war das da hinten für ein Geräusch? Ich könnte schwören, ich habe da was hinter den Kisten weghuschen sehen. Hier drinnen weht keine eisige Luft, aber ein Hauch „Dead Space“.

Kein Dauerfeuer, keine Akridenwellen. Nein, hier regiert die Anspannung in den Passagen, in denen nichts passiert, weil ich weiß, dass etwas passieren wird, nur halt nicht, wann. Diese Mischung macht „Lost Planet 3“ zu einem mehr als vielversprechenden Titel nach dem, sagen wir mal, eher unglücklichen Vorgänger. Das hier sieht richtig klasse aus: die Atmosphäre, die diese Eiseskälte vermittelt, die permanente Anspannung und die Intensität der Kämpfe, die genaues Beobachten und Taktieren erfordern.

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Ein stellvertretendes Bild für das Potenzial von Lost Planet 3.
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Optisch ist das Spiel bisher hübsch anzusehen. Vor allem die Gesichtsanimationen, die Mimik, all das ist wichtig, um dem Spieler einfühlsam die Charaktere vorzustellen, und die sind bisher wirklich herausragend gelungen.

Was Capcom bisher dem Entwicklerstudio Spark Unlimited abverlangt hat, sieht zugegebenermaßen verdammt heiß aus, und das, wo der Entwickler bisher durch eher unrühmliche Ausrutscher wie „Turning Point: Fall of Liberty“ von sich reden gemacht hat. Das war einmal. Die Ausrutscher sind vergessen. Und „Lost Planet 3“ scheint das zum jetzigen Stand eindrucksvoll zu bestätigen.