Wayne's World - so trashig-kultig wie der Comedyfilm mit Mike Myers in der Hauptrolle, so trashig-cool ist "Lost Planet". Die Verbindung zwischen Film und Spiel? Ganz einfach: In beiden Titeln spielt ein Wayne die Hauptrolle. Und in beiden Titeln ist die Story so tiefgründig wie Paris Hilton! Ansonsten haben "Wayne's World" und "Lost Planet" glücklicherweise nichts gemeinsam. Während in ersterem flache Witze an der Tagesordnung sind, steht bei letzterem Daueraction im Vordergrund. Hirn aus, Ballerfinger angestrengt und fertig ist der Action-Eintopf. Ob der mundet oder einen bitteren Beigeschmack mit sich bringt, haben wir für euch abgeschmeckt.

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Berühmte Romanautoren hätten sie nicht besser hinbekommen. Die Rede ist von der epischen, komplexen und preisverdächtigen Rahmenhandlung des Spiels. Natürlich alles Quatsch! Die Story ist kaum spannender als das Paarungsverhalten williger Weinbergschnecken. Im Grunde genommen müsst ihr nur wissen, dass Held Wayne vom Planeten "EDN III" bei einer Invasion fieser Außerirdischer seinen über alles geliebten Vater verliert - ja, ausnahmsweise mal nicht die sexy Freundin - und Rache schwört.

Lost Planet - Auf der Xbox 360 ein Knaller! Und auf dem PC? Wir verraten es euch!

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Kleiner Mann ganz groß - Held Wayne nimmt's auch mit ausgewachsenen Kampfläufern auf.
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Was folgt, sind Ballereien im Akkord. Als Ein-Mann-Armee flötet Wayne mehr aggressive Aliens von seinem heimischen Eisplaneten, als sämtliche Soldaten zusammen Bugs in "Starship Troopers". Der Vergleich hinkt übrigens keineswegs. Vom ersten Moment an erinnert die Daueraction-Atmosphäre an den kultigen SciFi-Streifen. Mit dem Unterschied, dass die Marines im Blockbuster vornehmlich auf öden Wüstenplaneten wild um sich schießen.

Unser liebenswerter Wayne hingegen spendiert den garstigen Eindringlinge einzig und allein auf einem lebensfeindlichen Eisklotz ein drittes Auge. Allzu abwechslungsreich ist das nicht. Des Öfteren eingestreute Indoor-Szenarien schützen aber immerhin vor drohender Schneeblindheit.

Ballern hoch 27
Blumige Umschreibungen und Vergleiche hattet ihr jetzt genug. Kommen wir zur zentralen Frage: Wie spielt sich "Lost Planet"? Die Aussage "ziemlich cool" dürfte euch nicht genügen. Deshalb also eine etwas intensivere Beschreibung der Action-Seifenoper. In scheinbar weitläufigen Eiswüsten stapft ihr für einen Shooter relativ gemächlich durch die winterlichen Szenarien.

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Da kommt Weihnachtsstimmung auf: Schneeflocken und fiese Aliens!
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Die Lust, Schneeballschlachten zu schlagen oder Schneemänner zu bauen, hält sich dennoch stark in Grenzen. Das liegt an der immerwährenden Gefahr, von den so genannten Akriden (eklige Aliens) verspeist oder von allgegenwärtigen Schneepiraten zerfetzt zu werden. "E.D.N. 3" ist fürwahr eine äußerst lebensfeindliche Welt. Worte helfen schon lange nichts mehr. Hier müssen Taten sprechen. Zu diesem Zweck bekommt ihr eine stattliche Auswahl an Krachmachern ausgehändigt, die selbst überlebensgroße Ekelwürmer in Biodünger verwandeln.

Maschinengewehre, Schrotflinten und Sturmgewehre mit Zielfernrohr gehören da noch den kleinsten Kalibern. Für deutlich mehr Kawumms sorgen waschechte Raketenwerfer oder Plasmawaffen. Echte Überraschungen im Stile einer Gravity Gun ("Half-Life 2") oder der aus "Duke Nukem" bekannten Schrumpfkanone sind leider Fehlanzeige. In "Lost Planet" ballert ihr euch höchst konventionell durch die Feindhorden.

Langweilig wird das freilich nur selten. Der grandiosen Inszenierung sei Dank fühlt ihr euch wie in einem Hollywood-Actionknaller zum Mitspielen. Permanent stürmen aggressive Schleimbolzen auf euch ein oder werdet von übel gelaunten Gangstern beharkt. Angelehnt an die "Serious Sam"-Reihe bleibt dabei so gut wie keine Zeit zum Verschnaufen. Selbst wenn ausnahmsweise einmal auf weiter Flur kein Gegner zu sehen ist, solltet ihr euch schleunigst einen suchen.

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Wayne im Kamof gegen ein besonders großes Akriden-Exemplar. Fiese Endgegner wie diesen gibt's zuhauf.
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Denn Held Wayne geht es in der winterlichen "Idylle" wie uns beim Nacktbaden im Dezember: Ist er zu lange der klirrenden Kälte ausgesetzt, stirbt er. Gott sei Dank kann der unerfreuliche Erfrierungstod vermieden werden. Der ihm implementierte Harmonizer ermöglicht es Wayne nämlich, die "T-Eng"-Energie genannte Lebenskraft der Aliens in sich aufzunehmen und in Wärme umzuwandeln. Dazu muss er die Viecher nur über den Haufen ballern und über die zurückgebliebenen orangefarbenen Flecken laufen. Die Hatz nach Wärme verpasst dem Titel eine ungeheure Dynamik.

Tritt in große Fußstapfen!
In Anbetracht der kompromisslosen Popcornkino-Action habt ihr kaum Zeit, euch über das völlig lineare Leveldesign zu ärgern. Störend wirkt es trotzdem. Die weitläufigen Winterszenarien sind prinzipiell immer Staffage. Ähnlich einer Achterbahnfahrt werdet ihr auf vorberechneten Bahnen von A nach B gelotst. Alternativrouten vermisst man schmerzlich. Versöhnlich stimmen die "Visual Suits". Das sind mobile Kampfroboter, in die ihr einsteigen und wie in "Mech Warrior" mit ihnen durch die Pampa stapfen dürft.

Großer Vorteil im "per pedes"-Vergleich: Obgleich relativ langsam, sind die Roboter bestens gepanzert. Zudem sind sie im Stande, kurze Strecken schwebend zurück zu legen. Nicht zu verachten auch die Bewaffnung. Vom riesigen, Aliens zu Mus verarbeitenden Bohrer über fette Raketenwerfer bis hin zur bleispuckenden Gatling-Gun macht der Stahlkoloss nicht nur mächtig Radau, sondern auch richtig große Löcher. Abwechslungsreich und spaßig, so wünschen wir uns das!

Konsolenumsetzung! Na und?
Findige Zocker werden es bereits wissen, allen anderen verraten wir es an dieser Stelle: "Lost Planet" ist eine Konsolenumsetzung. Ganz genau, das ist die verhasste Gattung Spiel, die so gut wie nie tadellos funktioniert und dem technischen Standard zumeist meilenweit hinterher hinkt. Doch selbst bei Portierungen bestätigen Ausnahmen in seltensten Fällen die Regel. "Lost Planet" ist eine solche. Grafisch präsentiert sich der Titel als reinste Augenweide.

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Was wohl gefährlicher ist? Die vereiste Treppe oder die herbeikullernde Granate?
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Bombastische Schusseffekte, schönste Lichtspielereien und Polygone, so scharf wie Heidi Klum, treiben selbst kritischsten Zweiflern Freudentränen in die Augen. Auch die Bedienung geht tadellos von der Hand. Zwar schlendert Wayne für unseren Geschmack zu gemächlich über die Bildfläche. Ansonsten funktioniert die Steuerung mit Maus und Tastatur in Anbetracht der Konsolen-Herkunft aber geradezu sensationell. Technisch ist also alles in bester Ordnung.