In unserer letzten Vorschau lobten wir an Lost Horizon den lässigen Abenteuer-Stil nach Indiana-Jones-Vorbild, die für ein Adventure ungewohnt rasante Inszenierung und abwechslungsreiche Rätsel, rügten aber auch hölzerne Animationen, unscharfe Texturen und unpassende Mimik.

„Um all das haben wir uns gekümmert“, versichert uns einleitend PR-Managerin Cécile Schneider vom Publisher Deep Silver bei einem Besuch in der gamona-Redaktion. Ist aus Lost Horizon somit ein makelloses Adventure-Vergnügen geworden? Wir haben die ersten drei Stunden durchgespielt und sind ausnahmslos guter Dinge…

Lost Horizon - Exklusive Screenshots aus unserer Preview-Version

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Lost Horizon - Trailer

Ich verkaufe diese schicken Lederjacken

Zu einer Zeit, als Indiana Jones mit seiner schicken Lederjacke um die halbe Welt reiste, um die Nazis daran zu hindern, mit ausgebuddelten biblischen Artefakten den Lauf der Geschichte gen Endsieg zu drehen, gerät auch der amerikanische Abenteurer Fenton Paddock im fernen China vom Regen in die Traufe der Kriegswirren.

Lost Horizon - Von wegen zu alt für den Sche*ß: Indiana Jones würde Lost Horizon spielen

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Schlagfertig: Fentons resolute Ex-Freundin Kim wird unfreiwillig ins Abenteuer verwickelt.
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Eigentlich transportiert der abgehalfterte Bruchpilot mit seiner Propellermaschine Reissäcke durchs Land der Mitte und stellt in seiner spärlichen Freizeit dem schwachen Geschlecht nach – doch als ihm plötzlich aus unbekanntem Grund die Rabauken der chinesischen Mafia nachstellen, ein alter Freund auf einer Expedition im Himalaja spurlos verschwindet und die Nazis Interesse an einer uralten Schatzkarte zeigen, bricht er auf, um die Welt oder zumindest seine eigene Haut zu retten.

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Luftikus: Actionszenen wie die Flucht vor einem deutschen Jagdflieger sind packend inszeniert.
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An seiner Seite: Ex-Freundin Kim, die verständlicherweise zickig auf das unverhoffte Auftauchen ihres Verflossenen reagiert, noch dazu, wo er statt eines Straußes Blumen schießwütige Triaden-Gangster zum Wiedersehen mitgebracht hat. Sekunden nach dem zunächst etwas frostigen Hallo stecken beide auch schon mittendrin im Schlamassel: Eine wilde Verfolgungsjagd durchs 40er-Jahre-Hongkong, eine halsbrecherische Flucht im klapprigen Propellerflugzeug und eine deutsche Messerschmidt im Nacken später sitzen die beiden auf einem verschneiten Berg fest, grantige Gebirgsziegen im Rücken, fanatische Nazis vor der Nase, Schnee im Gesicht, und irgendwo muss doch hier ein Kloster versteckt sein, in dem mächtige Artefakte Tore in parallele Dimensionen öffnen... Willkommen in einem haarsträubend fantasievollen Genre-Potpourri…

Action meets Adventure

Uncharted 2 hat es unlängst vorgemacht: Ungestümes Abenteuer-Kintopp à la Indiana Jones lebt von seiner haarsträubenden Action mit dem augenzwinkernden Ironie-Einschlag – etwas, das auf den ersten Blick unvereinbar mit dem eher behäbigen Spielablauf eines Point-n-Click-Adventures scheint. Doch Lost Horizon spannt seine Genre-Muskeln bis zum Anschlag für den mutigen Spagat.

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Feind im Nacken: Selbst während der Actionsequenzen wird pointiert und geklickt.
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Actionszenen wie die aufregende Autoverfolgungsjagd durch Hongkong und kurz im Anschluss daran die Flucht im Flugzeug durch die Berge halten die Spannung stets am Over-the-Top-Limit – und das nicht, wie viele Genre-Fans jetzt befürchten dürften, durch aufgesetzte Action-Einlagen im Mini-Spiel-Stil.

Denn auch während dieser Szenen bleibt das klassische Sammeln und Kombinieren von Gegenständen oberstes Gebot – Bedrohung und Zeitdruck sind lediglich eingebildet, aber dadurch nicht weniger wirkungsvoll. Während Fenton und seine unfreiwillige Partnerin Kim im Flugzeug vor dem Maschinengewehrfeuer eines deutschen Jagdfliegers zu entkommen versuchen, könnt ihr jedenfalls weder sterben, noch müsst ihr sonderlich dringlich handeln oder gar Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Stattdessen sucht ihr genre-typisch den Laderaum eurer Klapperkiste nach brauchbaren Dingen ab, befüllt einen Kürbis aus der Gemüsekiste mit Mehlpampe und werft diese dem Verfolger entgegen.

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One Night in Hongkong: Normalerweise transportiert Fenton Reissäcke.
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Lost Horizon gelingt mit Szenen wie dieser die computerisierte Annäherung an die „Indiana Jones“-Filme beinahe noch besser als diesem selbst im Klassiker „Fate of Atlantis“. Meine Befürchtung, die gemütliche Point-n-Click-Action von Lost Horizon könnte im Bombastangesicht eines Uncharted arg betulich wirken, wurde durch die aktuelle Preview-Fassung jedenfalls mit Schmackes vom Tisch gefegt.

Zahlreiche Render-Zwischensequenzen, wie von den Geheimakte-Spielen des selben Entwicklers gewohnt, unterstützen den kinematischen Appeal des Spiels und die Dynamik der Handlung perfekt. Speziell die Lkw-Jagd durchs Gebirge am Ende unserer zwei Kapitel umfassenden Preview-Version erreicht schon fast die Dramatik einer ganz ähnlichen Szene im ersten „Indiana Jones“-Film. Wir drücken beide Daumen, dass Lost Horizon das Tempo über die vollen sieben Kapitel durchhält und bei der mystischen Geschichte nicht zu tief im Klischeequark versinkt.

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Close-ups und Zooms inszenieren die Dialoge filmreif.
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Viel dazu gelernt hat Entwickler Animation Arts jedenfalls auch beim Rätsel-Design. Geheimakte-2-Spieler werden sich sicherlich noch mit Grauen an das „Schokoriegel-Rätsel“ erinnern, bei dem gefühlte 30 Gegenstände in 20 unsinnigen Zwischenschritten kombiniert werden mussten, bloß um einen Schokoriegel (!!) zu schmelzen, während der Kollege in Lebensgefahr schwebt. Ein ähnliches Intermezzo zelebriert Lost Horizon zu Anfang seines zweiten Kapitels, diesmal aber sehr viel cleverer konstruiert und weniger hanebüchen.

Auch bei der Grafik legen Animation Arts eine ordentliche Schippe Pixelkohle zu und machen ihrem Namen alle Ehre, indem die Hintergrundbilder endlich nicht mehr so unbewegt steril und stocksteif wie festgezurrt auf der Monitorscheibe kleben, sondern mit funkelnden Lichtspielen und fauchenden Schneegestöbern die Lebendigkeit verströmen, die eine glaubwürdige Welt von einem bloßen Spielbrett unterscheidet.

Eine rasante Action-Kintop-Achterbahn à la Indiana Jones, wie man sie einem klassischen Adventure gar nicht zugetraut hätte.Ausblick lesen

Hausaufgaben gemacht, Sternchen verdient…Ach ja, und Cécile hat mit ihrer einleitend zitierten Aussage natürlich vollkommen recht: Animationen und Texturen sind in der Tat sehr viel hübscher als noch in der letzten Version. Einem makellosem Adventure-Vergnügen Ende August steht also kaum noch etwas im Weg…