Es war nur eine Frage der Zeit bis der US-Serien-Hit Lost, der auch bei uns schon erste Fangemeinden aus dem Boden schießen ließ, den Weg auf die Spielplattformen beschreiten würde. Adaptionen zeichneten sich in der Vergangenheit allerdings nicht sehr oft durch geglückte Übertragungen vom Film zum Spiel oder umgekehrt aus. Daher war es uns natürlich ein besonderes Bedürfnis, die TV-Adaption auf Herz und Nieren zu prüfen.

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Ein Paradies voll Kokosnüsse

Spieler, die die Serie noch nie oder nur sporadisch gesehen haben, können eigentlich unbefangen das Spiel in ihre Spielmaschine legen, Fans werden selbstverständlich die Fernsehserie zum Vergleich hinzuziehen. Dort beginnt alles mit dem Flugzeugabsturz, den nur wenige Passagiere auf einer Insel überleben.

Lost - Bruchlandung auf einsamer Insel: Das Spiel zum TV-Serien-Hit bleibt hinter den Erwartungen zurück.

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Elliot, der Held des Spiels, ist ein neuer Charakter.
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Im Mittelpunkt steht eine neue Hauptfigur, der Journalist und Fotograf Elliot, der beim Absturz sein Gedächtnis verloren hat. Eigentlich weiß Elliot gar nicht, dass er so heißt und die anderen Passagiere kennen ihn auch nicht – na, das fängt ja gut an. Im Laufe der ersten Gespräche mit den anderen Überlebenden stellt sich heraus, in welcher Art und Weise der Eine oder Andere für das weitere Fortkommen Elliots nützlich sein könnte.

Schon am Strand findet unsere Spielfigur Kokosnüsse, Papayas und Flaschen, die er später noch zum Eintauschen benötigen wird. Das setzt sich im Dschungel und den anderen Orten fort. So langsam kommt man auf den Geschmack eines Adventuregames, und wenn zum ersten Mal die neblige Raucherglocke alias Dschungelmonster auftaucht, scheint der Einstieg in den Actionteil perfekt zu sein.

Action, Adventure? Sechs, setzen!

Je weiter man durch das Spiel stürmt –Ihr habt richtig gelesen!-, desto öfter stellt sich die Frage, ob das schon alles gewesen ist. Selbst ein Spielanfänger braucht vielleicht zehn, höchstens zwölf Stunden, um alle sieben Episoden zu durchstreifen, ohne die eigentliche Handlung, geschweige denn die Fernsehfassung kennen zu müssen. Die Geschichte wirft am Ende weitere Fragen auf, ist aber durchgehend geradlinig und ohne wirkliche Überraschungen.

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Die diversen Schalttafeln sind die einzigen Rätsel, die es zu knacken gilt.
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Vergeblich sucht der Spieler nach weiteren Rätseln als nur die ab und zu auftauchenden Schalttafeln. Die Deja vus von Elliot bringen die eine oder andere Abwechslung und versuchen die Handlung interessanter zu gestalten, so richtig will das aber nicht gelingen. Denn um den Augenblick der Erinnerung festzuhalten, soll der Spieler mit einer imaginären Kamera diese Erinnerungsszenen festhalten. Mit der Handhabung und dem richtigen Augenblick des Auslösens ist man aber so beschäftigt, dass die eben aufgebaute Spannung gleich wieder vergeht.

Hin und wieder taucht das Smogmonster auf, viel mehr passiert jedoch nicht außer dass man durch Hütten, Bunker und Grünzeug tapst, ein paar Papayas oder Trinkflaschen gegen Fackeln, einer Pistole oder einen Kanister eintauscht, welche man wieder an anderer Stelle vielleicht gebrauchen wird. Für ein Adventure ist das um Klassen zu wenig, und die Action schläft schon bei der ersten Kokosnuss ein.

Sound und Grafik als Push Ups

Die einzigen Highlights stellen Sound und Grafik dar. In Zeiten von Blockbustern wie Bioshock oder Crysis ist der geneigte Leser natürlich sehr verwöhnt, „Lost“ will sich mit ihnen auch nicht messen. Trotzdem ist eine recht anständige Grafik herausgekommen, in der Gras beim Durchschreiten zur Seite geschoben, ein Palmwedel weggedrückt wird oder Elliot nicht unendlich gegen Hindernisse läuft, sondern seine Bewegung bis zum Stillstand verlangsamt.

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Die technische Ausführung des Dschungels ist durchaus gelungen.
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Selbst die Licht-/Schattenspiele sind durchaus beeindruckend und heben die sonst dünne Atmosphäre deutlich an. Teilweise sind die Szenerien wie zum Beispiel am Strand so „sauber“, dass weniger der Eindruck einer Katastrophe als der eines unliebsam abgebrochenen Familienausflugs entsteht.

Klasse Sound, dünne Story, wenig Spielzeit für viel Geld: Für Fans kein Muss, für andere zu teuer.Fazit lesen

Unterstützt wird die durchaus sauber programmierte Grafik vom Sound. Das Dschungelgefühl kommt durch die nachgeahmten Urwaldgeräusche wirklich gut rüber, und wenn sich die tödliche Rauchschwade von einer Seite anschleicht, erkennt der Spieler das durch die sich ändernden Umgebungsgeräusche. So kennen es Herr und Frau Kinogänger, wenn sich das Raubtier gefährlich nähert. Dann ist es Zeit, sich hinter dichtem Gestrüpp zu retten.