Juliet Starling ist die typische Hollywood-Blondine: 1,70 Meter groß, Doppel-D-bestückt, sexy Körper, Schlafzimmerblick. Doch die süße 18-Jährige mit dem Quietschlachen hat ein düsteres Geheimnis. Denn sie springt nicht nur gerne in die Luft, um das Footballteam der San-Romero-Highschool anzufeuern.

Sie springt auch gerne in die Luft, lässt ihre Kettensäge losschnurren, stürzt sich auf einen Zombie, setzt am Scheitel an und schneidet die leblosen Fleischhüllen in der Mitte auseinander. Die Untoten platzen wie Tomaten in der Mikrowelle und besudeln dabei Juliets schickes blaues Cheerleader-Top. Oder wie sie es sagt:

„Hasst du es nicht auch, wenn deine Schulklamotten so eklig aussehen? Hamburger vom Mittagessen, die Schweißflecken vom Sportunterricht und sogar die reanimierte Leiche von einem deiner ehemaligen Mitschüler. Ich habe es gehasst, bis jetzt...“

Und dann reckt die immer gut gelaunte Power-Blondine ein Waschmittel mit dem Logo „Zom Be-Gone“ in die Kamera. Ein Werbespot, wie er nicht besser umschreiben könnte, was „Lollipop Chainsaw“ sein will: vollkommen durchgeknallt. Von der Protagonistin, die tagsüber Zombies schlachtet und nachts in ihrem pinken Himmelsbett mit hundert Kuscheltieren schläft, über die Geschichte und die Inszenierung, die munter Grindhouse-Stil mit Flower-Power-Herzchen mischt, ist hier alles ein bisschen anders.

Lollipop Chainsaw - Brüste mit Kettensäge

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Normal ist, was andere machen. Sieht ganz so aus.
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„Normal ist, was andere machen“, würde Star-Designer Suda 51 sagen. Und deshalb erzählen wir euch die Geschichte auch nicht einfach in langweiligem Prosa, sondern lassen Cosplayerin, Model, Testimonial und Star-Zombieschlächterin Jessica Nigri alias Juliet Starling erzählen, was ihr denn widerfahren ist.

„Da war diese Zombie-Epidemie in unserer Schule, alle waren so aufgewühlt und dann wurde auch noch mein Freund Nick zombifiziert. Ein normaler Tag für mich, na ja, okay, es hat unsere Beziehung etwas verkompliziert. Ein Freund ohne sein bestes... also ohne seinen Körper? Du kannst leichter rumknutschen, aber das wird schnell langweilig! Oh, ich sollte vielleicht noch erklären, dass ich ihm den Kopf abgesägt habe, um ihn zu retten, und er jetzt wie eine kleine Marionette an meinem Hintern baumelt. Ich hab doch einen schönen Hintern, oder?“ (Auszug aus einem Interview von gamonas US-Autorin Raychul Moore)

Packshot zu Lollipop ChainsawLollipop ChainsawErschienen für PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Die Geschichte – eine Homage an „Dawn of the Dead“

Nun, das können wir bestätigen. Frauen haben es eben auch nicht einfach, egal wie heiß sie sind. Die Geschichte ist eine Co-Produktion zwischen Star-Designer Suda 51 (Killer 7, No More Heroes) und James Gunn, den zumindest alle Fans von absurd witzigen Trash-Horrorfilmen kennen dürften. Gunn zeichnete verantwortlich für das Drehbuch von „Dawn of the Dead“, in dem sich ein paar Jugendliche in einem Einkaufszentrum verschanzen und schon bald gegen eine ganze Armee von Untoten kämpfen. Die Vorlage für Valves „Left 4 Dead“.

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Juliet Starling: körperlich ohne Zweifel großartig, aber auch charakterlich?
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Juliet ist allerdings eher der Typ „Selbst ist die Frau“ und metzelt sich mit ihrer pinken Kettensäge allein durch gefühlt Hunderte ehemalige Mitschüler, die zu geifernden Zombies geworden sind. Das Wieso und Warum entschlüsselt sich nur langsam, offensichtlich hat der Einzelgänger und Gothic-Fan Swan damit zu tun, aber auch finstere Heavy-Metal-Größen wie Vikke, der Wikinger. Aber gut, dazu später mehr, jetzt erst mal ran ans Fleisch: Die meisten Zombies gibt's in Meterware; die sind nicht besonders schlau und treten eher in großen Gruppen von zehn bis zwölf Untoten auf.

Wir wechseln immer mal wieder zwischen dem leichten und harten Angriff. Der leichte muss sich nicht aufladen und ist vor allem für Flächenschaden gut geeignet. So stehlen wir uns per Hechtsprung direkt in die Mitte des Feindes, wirbeln im Kreis und schneiden den Untoten hier mal ein Bein ab, da einen Arm oder die ersten paar Gegner gleich komplett durch. Sehr praktisch, schließlich schlurfen humpelnde Zombies deutlich langsamer durch die Gänge und lassen sich ruck-zuck kaltstellen.

Nur echt mit Benzin im Tank

Natürlich wäre es langweilig, immer nur mit den beiden Angriffen rumzuschnetzeln, ergo kann Juliet Spezialangriffe nutzen. Die wollen allerdings verdient werden, indem wir in den Abschnitten Benzinkanister aufsammeln, die unsere Kettensäge antreiben. Dann wird der Chainsaw-Dash aktiviert, der ziemlich an Marcus Fenix' Rammangriff mit der Lancer erinnert: Kettensäge anschmeißen, Gegner anvisieren, ihm das Sägeblatt in den Bauch rammen und dann schön vom Rumpf an aufschneiden. Blutige Angelegenheit, aber durch den völlig übertriebenen Blutschwall, der uns überkommt, wirkt es nicht wirklich eklig, sondern eher skurril.

Das Sucker Punch der Games-Branche. Komplett abgedreht, mit klischeehaften Charakteren, aber doch in sich sehr stimmig.Ausblick lesen

Ohnehin sorgt die Inszenierung für den ein oder anderen Schmunzler, weil Suda 51 das Metzeln mit kleinen roten Herzchen untermalt, die aus platzenden Körpern entgleiten. Oder wir stürzen uns wie Kratos in „God of War: Ascension“ mit einem verheerenden Sprungangriff in die Gegnermenge, nur dass die Schnittrichtung unserer Kettensäge mit einer Art Regenbogen nachgezeichnet wird. Ziemlich skurril.

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Metzeln – mit Stil und viel Abwechslung

„Lollipop Chainsaw“ mag sich zwar in der ersten halben Stunde wie eine sinnlose Metzelorgie anfühlen, zeigt aber dann schon sehr bald ein gutes Gespür für Timing und Abwechslung. So wechselt das Spiel immer wieder zwischen heftigen Massenschlachten gegen 20, vielleicht sogar 30 Gegner in den engen Fluren der Highschool und richtig gut gemachten Minispielen, die immer wieder eingeflochten werden. Mal müssen wir mit Hechtsprüngen und Salti Football-Bomben ausweichen, die die kräftigen Zombie-Quarterbacks auf uns werfen.

Heimliches Highlight der Demo ist aber eigentlich eine Szene auf dem Basketball-Court der San-Romero-High. Hier taucht zum ersten Mal der kaputte Gothic-Typ Swan in seinen Gruftiklamotten auf und stellt uns vor eine Herausforderung: Wir sollen 60 Punkte in zwei Minuten machen. Wir werfen wie in Take 2s Sportsimulation „NBA 2k12“ mit dem Analogstick und können sogar Slam-Dunks vollführen. Nur eben ohne Ball, stattdessen mit den abgeschnitten Köpfen ehemaliger Mitschüler. Dabei müssen wir um das Zombie-Basketball-Team der Highschool herumdribbeln und im Optimalfall Würfe von der Dreipunktlinie meistern. Basketball in einem Actionspiel? Abgefahrener geht es fast nicht.

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Juliets bester Freund: ihre Kettensäge.
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Zombies auf dem Laufband

Für manch einen ist die ganze Inszenierung vielleicht etwas zu viel des Guten: Mit einem leblosen Kopf Basketball zu spielen, beim Dribbeln zu hören, wie die Schädelplatte knarzt, und zu sehen, wie das Blut beim Wurf durch die Luft spritzt, grenzt an Geschmacklosigkeit. Suda 51 schafft es aber dennoch, uns immer wieder ein Grinsen abzuringen, und macht klar: Hey, bitte alles nicht ernst nehmen. Wir machen ja nur Spaß. So treffen wir im Fitnessstudio beispielsweise auf Zombies, die gerade ein paar Runden auf dem Laufband drehen.

Oder Gewichte stemmen, mit denen sie uns dann direkt vermöbeln wollen. Herrlich auch die Kämpfe gegen Juliets eigene Cheerleader-Truppe, die Jagd auf unsere Klassenkameraden machen. Enthaupten wir sie, springen sie in den Kopfstand und teilen heftig mit Rundum-Tritten aus. Den berühmten Roundhouse-Kick hat Juliet allerdings auch von Chuck Norris gelernt, tritt ihre Ex-Freundinnen so heftig, dass die sich im Kreis drehen und beliebig mit der Kettensäge aufschneiden lassen. Das Blut spritzt und ein pinkes Herz umspannt die beiden Kontrahentinnen – Zeit für den Finisher.

Zombies lieben Victoria Secret

Komplett Klischee-beladen, aber stellenweise doch ziemlich witzig ist der Humor von „Lollipop Chainsaw“. Da ist zum einen Nick, Juliets Liebster, der ständig vor sich hinjammert, was für ein armer Kerl er doch sei und dass er ja nie gedacht hätte, dass seine Freundin eine derart düstere Vergangenheit hat. Juliet kontert dann nur liebevoll: „Honey, ohne mich würdest du gar nicht mehr leben“.

Außerdem gibt es viele Männer, die einiges dafür geben würden, mir den ganzen Tag auf den Hintern glotzen zu dürfen“. Und er antwortet „Ach, ja, stimmt. Das ein Argument“. Wird Juliet dann mal wieder von Zombies umkreist, schreit er erbost: „Nehmt das und das, ihr widerliches Gesindel. Ihr mögt vielleicht Victoria Secret, aber der Lady geh nur ich an die Wäsche“ – „nicht mehr“, freut sich Zwischenbosslehrer Mister Fitzgibbon, bevor ihm Juliet die Hölle heiß macht. Sprüche im Stil von...

Juliet: „This is my boyfriend Nick. He just lost his body“

Cordelia (Juliets Schwester, kommt später im Spiel vor): „A boyfriend on your ass? That's a sweet accessory“

... oder

Juliet: „Nick, you wanna have babys with me?“

Nick: „Oh wow, Babe. That`s kinda irrelevant concerning my current situation“

... gehören zwar eher in die Kategorie „American Pie“, passen aber zum ganzen Spielgefühl.

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Freut euch auf ein herrlich kaputtes, verücktes Spiel.
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Swan, der Harley-Mann

Zum Schluss schnappt sich Produzent Scott Warr noch einmal den Controller und zeigt uns einen sehr langen, ziemlich schwierigen Bosskampf über drei Phasen. Auf der großen Theaterbühne der High-School treffen wir wieder auf den Spinner Swan, der gerne die Weltherrschaft an sich reißen würde. Dazu will er alle Menschen zu Zombies und damit seinen Untertanen machen. Klar, Weltherrschaft ist schon was Feines, nur dummerweise hat Juliet da noch ein Wörtchen mitzureden.

Es kommt zum Showdown gegen Swan, der uns auf seiner Harley Davidson entgegenprescht und mit zwei Gatlings am Lenker einheizt. Da heißt es immer in Bewegung bleiben, mit Sprüngen und Salti den Schüssen auszuweichen und die Sekundärfunktion der Kettensäge auszupacken. Die transformiert sich nämlich ebenfalls in eine Art Gatling, die Lollipops verschießt. Treiben wir seinen Lebensbalken in den Keller, transformiert er sich in einen riesigen Mech in Form eines Elefanten: mit glühend roten Augen und einem Rüssel, der Feuer spuckt.

Wer hier nicht als „grilled chicken“ enden will, sollte das Level nach Lutschern absuchen, die auf Knopfdruck die Energie wiederherstellen. Schneiden wir ihm jetzt im Nahkampf die Beine ab, verschmilzt Swan mit seiner Mech-Harley-Elefanten-Davidson und greift ein letztes Mal mit seinem Feuerstuhl auf gigantischen Felgen an. Bevor er stirbt, streckt ihm die toughe Blondine ein Deo entgegen – „Du stinkst wie Nick nach einem Football-Match.“ Ist sie nicht nett, unsere Juliet?